2018.

Ich bin ja derzeit nicht nur Erziehungsberechtigte für zwei schreiende Ziegenkinder, sondern habe wider Erwarten auch noch die Grundversorgung für drei Küken aufs Auge gedrückt bekommen. Von der Henne, die ich als ausgesprochen dämlich unsympathisch bezeichnen würde, die ihre Mutterpflichten aber vorbildlich erfüllt, man kann da gar nichts anderes sagen.

Das alles ist eine Mischung aus herzig und nervig, und sorgt nebenbei dafür, dass ich auch in den sozialen Netzwerken derzeit eine Menge Fotos von herzig-nervigen Ziegenkindern und Küken einstelle. Das wiederum machen auch andere Menschen auf der Welt, es gibt offensichtlich eine akute Häufung derlei tierischer Schnappschüsse. Deswegen nun kommentierte neulich eine freundliche Dame bei twitter eines meiner herzignervigen Ziegenvideos, 2018 werde wohl in die Geschichte eingehen als das Jahr, in dem zahllose User ihre einst hübschen Gärten mit Hühnern und Ziegen besiedelten und dieses dann fotografisch dokumentierten. Die Wissenschaft rätsele noch nach dem Grund für dieses Phänomen.

Ich kann Ihnen den Grund verraten. Meine janz objektive, persönlische Meinung, wie der Berliner sagen würde. Das Jahr 2018, mal so ganz generell und weltpolitisch gesehen, lässt sich schlichtweg gar nicht anders aushalten.

In diesem Sinne: Hier kommt noch ein bisschen Hühner- und Ziegencontent von heute:

 

 

 

 

Neues aus dem Irrenhaus.

Sie können wirklich nicht erwarten, dass ich hier auch noch die Zeit finde, in dieses Blog zu schreiben, unser trautes Heim ist und bleibt ein Irrenhaus, man kommt zu nichts, nicht mal zum Schreiben, und wir arbeiten täglich daran, dem Ruf als Irrenhaus auch weiterhin gerecht zu werden.

Jüngst ist irgendwem in diesem Hause eingefallen, dass wir uns doch mal Ziegen anschaffen könnten. Afrikanische Zwergziegen. Nicht, dass es uns am Ende noch langweilig wird.

Mein Geo tat natürlich zunächst so, als sei er strikt dagegen, aber seine Schauspielkünste sind eher so semi, und die liebevolle Erinnerung an seine italienische Grossziege Leni dafür umso lebendiger. Also knickte er vergleichsweise schnell ein, ich hatte auch damit gerechnet.

Nun sind also vorgestern Fritzi und Luise bei uns eingezogen, die Preußen unter Ihnen ahnen, woher die Namen kommen, Bildungsbürgerirrenhaus, naja, Sie wissen schon.

Luise tauschen wir um!, sprach mein Geo nach den ersten zwei Stunden, weil Luise sich die Seele aus dem Leib schrie, ununterbrochen. Fritzi hingegen ist blond und still und ein bisschen doof, das gefällt meinem Geo deutlich besser.

Wie dem auch sei. Das Praktische an so Zwergziegen ist ja, dass man sich tägliche Kontrollgänge am selbstgebastelten Gehegezaun sparen kann. Die lieben Kleinen zeigen uns etwa alle 45 Minuten eine neue Schwachstelle im Zaun, sie winken dann aus dem Gemüsebeet zu uns herüber, oder schmatzend aus den Rosenbeeten und vermitteln uns stumm, dass da irgendwo ein Loch in den Zaun gesprengt worden ist. Von Dickschädeln mit Hörnern dran. Ja, Ziegen sehen sehr süß aus, entwickeln sich aber offenbar zu wahren Bud Spencers, wenn es darum geht, die drei grünen Hälmchen jenseits des Zauns zu erwischen. Man kann das überall nachlesen, geglaubt habe ich es nicht.

Diesseits des Gehegenzauns stehen Luise und Fritzi ja auch nur rund 500 Quadratmeter Wiese und Gebüsch zur Verfügung, alles steht in fettem, saftigem Grün, und wenn ich eine Ziege wäre, täte mir das wohl doch erst mal reichen. Aber bitte. So gesehen bin ich ja keine Ziege, oder vielleicht doch, aber zumindest anders. Zugegebenermaßen lauern im Gehege hinten noch die brandgefährlichen Todes-Hühner, da traut sich eine Ziege erstmal gar nicht hin.

Die rammt also lieber die Zäune um, öffnet selbstständig das doppelt gesicherte Gehegetürchen; und wie ich gestern am Stall stehe und über weitere Hochsicherheitsmaßnahmen nachdenke, segelt Fritzi im hohen Bogen an mir vorbei über die 1 Meter 60 hohe Terrassenmauer auf den Terrassentisch. Unter jenem Tisch saß Hund Lieselotte, die über alle Maßen überrascht war über das, was da vom Himmel auf den Tisch flog, und es begann eine lustige Hatz quer über die Terrasse, bis Fritzi wieder im hohen Bogen heruntersegelte ins Gehege.

Ja, gut. Wer keine Sorgen hat, der macht sich welche. Aber ich bitte Sie, soetwas gehört doch zum LandLeben dazu. Angeblich. Zum LandLeben gehören schließlich auch unsere verrückten Hühner, Sie erinnern sich vielleicht an die bekloppte Glucke. Die präsentierte uns nun ausgerechnet vorgestern, als ich leicht gestresst und  mit Zwergziege unterm Arm in das Gehege schritt, ihre drei neuen Küken. Sehr possierlich anzuschauen, aber zeitlich gänzlich unpassend.

Nun renne ich also seit zwei Tagen ständig zwischen Ziegen und Hühnern hin und her, ich repariere Zäune, richte Kükenfutter, wechsle Wassernäpfe, repariere Zäune, erneuere das Wasser in den Näpfen, richte Kükenfutter, repariere Zäune undsoweiterundsoweiter. Sie kennen ja die Geschichte mit dem Herrn Sisyphos. Der hatte vermutlich auch Zwergziegen und Küken gleichzeitig, nur ist dieses Detail auf dem jahrtausendelangen Weg der literarischen Überlieferungen offenbar verlorengegangen.

So, und nun wünsche ich auch Ihnen noch ein ruhiges und entspanntes Wochenende, Sie entschuldigen mich, ich habe nun wahrlich keine Zeit, hier auf dem Blog zu schreiben, also bitte.

 

 

 

 

 

 

 

Operation Ziege.

Wir haben da etwas vor. Ich habe deswegen keine Zeit. Wir wollen noch nicht zu viel verraten über dieses Geheimprojekt, und wir haben ihm (dem Geheimprojekt) deswegen einen Tarnnamen gegeben. Wir nennen es Operation Zwergziege. 

Bald mehr in diesem Theater.

Man nehme zwei Tische, acht Balken und ein paar Bretter. Fertig.

 

 

 

 

 

Pfingsten, das liebliche Fest.

Pfingsten, das liebliche Fest, ist gekommen, naja, Sie wissen schon, Goethe undsoweiter, Heiliger Geist und 50. Tag des Osterfestes. Wobei mir beim Stichwort Ostern jetzt gleich wieder die Eier einfallen, die (klick!)  unter der dämlichen Glucke lagen, Sie haben das ja vermutlich auch gespannt verfolgt. Jedenfalls ist es nun so, dass die Glucke saß und saß, immer weiter, immer länger, die Brutzeit längst überschritten, der Darm zum Platzen gefüllt, ein totes Küken lag im Stall, die anderen Eier erwiesen sich als Nieten.

Ich also hergegangen und die Glucke irgendwann aufgescheucht, es gab das übliche Geschrei und Gefuchtel, sie verließ unter Absingen schmutziger Lieder den Gluckenstall, um dann endlich ihren ebenso schmutzigen Geschäften nachzugehen, irgendwo in einer Ecke des Auslaufes. Nein, ich habe den gigantischen Haufen nicht gesehen oder irgendwelche kackophonischen Töne gehört, aber ich habe es gerochen, ihre olfaktorische Rache, es breitete sich eine Wolke über dem Dorf aus, die selbst die Gummibäume in den Wohnzimmern der Nachbarschaft zum Verwelken gebracht haben dürfte.

Langer Rede kurzer Sinn; Keine Küken, aber Kacke, und ein inzwischen wieder halbwegs hergestelltes Huhn. Puh.

Und nun also ist Pfingsten, ohne Küken, dafür aber mit schick herausgeputzten Hühnern, die wissen ja noch, was sich an Feiertagen gehört. Und neuerdings haben sie einen von der Sonne gewärmten Schotterhaufen im Garten als eine Mischung aus Hühnerwaschanlage und Badezimmer für sich entdeckt, ich wollte Ihnen ein paar schnelle Schnappschüsse vom feiertäglichen Schauspiel nicht vorenthalten.

Ob Sie sich jetzt mit Wasser oder Sand und Schotter waschen, ist mir, ehrlich gesagt, herzlich egal, Hauptsache, Sie gehen sauber in dieses Pfingstfest.

In diesem Sinne: Frohe Feiertage.

 

 

 

 

 

 

 

Zum Muttertag.

Ich las da vor ein paar Tagen einen sehr hübschen Text im Internet, bei dem es um die Frage ging, warum manch einer sich ziert, Vögel anzufassen. Also alles, was Federn hat und lebt, nicht die tiefgefrorenen, mitunter halbierten Vögel in der Tiefkühltruhe. Und dass ein jeder überhaupt viel öfter Vögel, insbesondere (Klick:)  Hühner anfassen sollte.

Ich kann das natürlich  alles unterstreichen, aber auch ich habe es als Kind gehasst, Vögel in die Hand zu nehmen, und wenn irgendwo ein abgestürztes und leicht benommenes Exemplar herumlag, habe ich nach Mamiiii geschrien, aber es doch um Himmelswillen nicht selber angelangt. Es war eine Mischung aus Ekel und Angst, das kleine befiederte Gerippe zu zerdrücken. Knack, knack, naja, Sie wissen schon, man war ja auch als Kind eher grobmotorisch unterwegs.

Wirklich und ausschließlich ausgesprochen ekelhaft fand ich hingegen Moritz, den Wellensittich meiner Freundin, er flatterte wild durchs Kinderzimmer, haarscharf an meinem Gesicht vorbei, ich spürte den Lufthauch, er machte Sturzflüge Richtung meiner ohnehin schon suboptimalen Frisur und knabberte an nackten Zehen herum, nein, es war alles ganz und gar eklig.

Bis heute liebe ich Tauben, wenn sie still irgendwo herumsitzen, sie sollen von mir aus gurren, was das Zeug hält, auch morgens früh um Fünf, aber sie sollen bitte, bitte nicht vor mir aufflattern, ich gerate dann an den Rand eines hysterischen Anfalls. Ich war als Kind mal mit dem Vater auf dem Markusplatz in Venedig; den Anwohnern dort, falls es sie denn gibt, wird mein Geschrei bis heute in den Ohren klingen.

Also, wie dem auch sei: Hühner anfassen finde ich inzwischen ganz prima, die glänzenden Federn, das zarte Gerüst darunter, die warme Brust, überall die krabbelnden Milben,  der schöne Kopf, das leise Schnurren und Schmatzen, wenn es ihnen gut geht.

Nun gibt es ja aber Situationen im Leben eines Huhnes, in der sich eben jenes Huhn partout überhaupt nicht anfassen lassen will. Wir haben da so eine Vertreterin im Stall, ich habe ihr schon in weiser Voraussicht nie einen Namen gegeben, so, als hätte ich damals schon gewusst, dass sie einfach ein dämliches Vieh wird. Selbst im normalen Hühneralltag weicht sie jeder Berührung, jeder Nähe aus, sie hackt und triezt alle anderen Hühner und verteidigt jedes Futterkorn, als könnte es das letzte sein.

Das alles ist aber nichts gegen die momentane Situation – und jetzt schaffen wir auch endlich den Bogen zur Überschrift dieses Beitrags, zum Muttertag. Die Dame also hat sich vor ziemlich genau drei Wochen entschlossen, Mutter werden zu wollen, ausgerechnet. Naja, wie das manchmal halt so geht.  Sie entschloss sich also, Mutter zu sein und verwandelte sich im selben Augenblick in eine Furie, deren aggressiv-mütterliches Verhalten alles bisher Gewesene in den Schatten stellt.

Die Natur hat das zwar clever eingerichtet, Schutz der Eier und der Küken undsoweiter, aber es stellt den Hühnerhalter vor gewisse Herausforderungen. Wer ihr neues Futter, frisches Wasser in den Gluckenstall stellt, riskiert den Verlust einer Hand, wenn nicht des ganzen Arms, und wenn sie dann losbrüllt, brülle ich dagegen an, die Federn und die Fetzen fliegen, der Erste-Hilfe-Kasten liegt griffbereit, kurzum: es spielen sich dramatische Szenen vor dem kleinen Ausweichstall ab.

Wenn aus den Eiern denn Küken schlüpfen sollten, vielleicht heute schon, am Muttertag, dann wird sie eine grandios-vorbildliche, beschützende, alles-bis-aufs-Blut-verteidigende Mutter werden, glauben Sie mir. (Dass die Küken solcher Hennen jetzt schon mal ein Sparkonto anlegen sollten, um später den Psychotherapeuten zu bezahlen, das ist jetzt wieder eine andere Geschichte.)

Weil ich ihr aber offenbar ebenso unsympathisch bin wie sie mir, legt sie noch eins drauf. Womit wir wieder beim Thema Ekel wären, siehe oben. (Wenn Sie noch nicht gefrühstückt haben, sollten Sie jetzt besser nicht weiterlesen). Das heißt, sie legt eben nichts drauf, und genau das ist das Problem.

Aus einem Hühnerhinterteil kommen ja nicht nur Eier heraus, sondern in normalen Zeiten ununterbrochen auch andere Dinge, kleine schwarz-weiße Klümpchen, die gleichmäßig in der Wiese fallengelassen und verteilt werden. Weil aber die Glucke beim Brüten den gesamten Kreislauf runterfährt und ja nicht ständig aufstehen und austreten kann, sammelt sie die schwarz-weißen kleinen Klümpchen einfach in irgendeiner mysteriösen Ecke ihres Darmes, bis die vielen kleinen Klumpen zu einem gigantischen Riesenklumpen zusammengewachsen sind.

Aber dann! Einmal pro Woche stehen unsere Glucken in der Regel von den Eiern auf, um unter Absingen derber Flüche explosionsartig zumindest die nötigste Notdurft zu erledigen, die bis dahin Ausmaße angenommen hat, die einen überfressenen Deutschen Schäferhund vor Neid erblassen ließen. Auch olfaktorisch ist das vom Allerfeinsten, ich habe mir schon vor Jahren so eine Art Gasmaske zugelegt, um bei der anschließenden Reinigung und Entsorgung nicht tot umzufallen.

Und was macht unsere aktuelle Möchtegerne-Mutter? Nichts. Null. Nada. Niente. Seit drei Wochen kein Klümpchen, kein Schäferhund-Haufen, kein Angriff auf die menschlichen Riechkolben. Sie wirkt immernoch gesund und angriffslustig, und wenn ich mich nicht täusche, sehe ich ab und zu ein hämisches Grinsen in ihrem Gesicht, und ich durchschaue ihren Plan.

Sie macht das mit Absicht. Sie wird heute oder morgen oder übermorgen von den Eiern aufstehen, ob mit oder ohne Küken, dann wird sie sich kurz die Beine vertreten und sich einmal schütteln, und dann: Bääämmm. Ein Haufen von der Größe eines deutschen Mittelgebirges. Ein kurzes Beben wird das Dorf erschüttern, dann werden die heulenden Sirenen anspringen, und dann werden sie im Radio sagen, dass zwar keinerlei Gefahr für die Bevölkerung besteht, Anwohner aber dennoch Türen und Fenster geschlossen halten sollen.

Scheiß auf den Muttertag, will die Henne damit vielleicht sagen, und wer weiß, wem sie da alles aus der Seele spricht. Und es könnte sein, dass sie mir dann doch wieder fast ein bisschen sympathisch wird, irgendwie. So als alleinerziehendes, emanzipiertes Huhn.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ehrlich.

Wir waren heute im Wildpark in Schwarzach. Das ist an einem sonnigen Sonntag eine ziemlich dumme Idee, zumal, wenn man keine Kleinkinder dabei hat. Dann läuft man da herum wie so ein Alien aus einer anderen Welt, zwischen kreischenden Mädchen mit rosafarbenen Anoraks, Jungen, die mit Ästen fuchteln, und Eltern die wahlweise rufen Hör jetzt endlich auf, die Enten zu ärgern, Tobias! oder Ooooh, schau mal die süüüüßen Häschen. Ich habe mir eingebildet, einige Eltern schauten uns auf eine halbwegs neidische Art hinterher, aber das kann nun wirklich Einbildung sein.

Jedenfalls waren wir natürlich aus Gründen im Wildpark, wir hatten es auf die Zwergziegen abgesehen. Wir wollten mal gucken, wie die da so wohnen, wie hoch ein Zwergziegenzaun so ist und welche Klettermöglichkeiten die so haben. Ich meine, wir wollten uns nur mal informieren. Ganz unverbindlich. Einfach so. Ohne jeden Hintergedanken. Ehrlich. Isch schwöre. 

Nur mal gucken.

 

Ehrlich.

 

Ich meine, wer würde sich freiwillig solche Kobolde ins Haus holen?

 

Gucken wird man ja noch dürfen.

 

 

 

1. FC Huhn.

Ich habe schnell noch ein Foto vom kleinen Effchen gemacht, bevor es nun demnächst so unsäglich hässlich wird, dass es ohnehin keiner mehr sehen möchte.

Bei Hühnern ist das ja nicht anders als bei Menschen, wenn die lieben Kleinen klein und süß sind, ist alle Welt entzückt, aber wenn sie in die Pubertät kommen, schlägt die Verwandschaft vorübergehend die Hände über dem Kopf zusammen. Alles krumm und schief, die Beine zu lang, die Füße viel zu groß, der Kopf zu klein, die Frisur undefinierbar. Und von der Laune wollen wir hier gar nicht reden. Ich für meinen Teil kriege übrigens auch schlechte Laune, wenn ich das Effchen sehe, denn ich fürchte fast, es wird ein großer Franz, nicht eine große Frieda, und das hieße erneut: Abschied nehmen.

Erstmal wächst und gedeiht das Effchen aber zum Eff, die Glucke erweist sich als beste Mutter ever, obwohl ich sie einst doch so doof fand. So kann man sich täuschen. Und nette vierbeinige Spielkameraden hat das kleine Effchen auch schon gefunden, sie spielen den ganzen Tag Fangerles und Hüppekästchen, ach, es ist so herzig. Und nun entschuldigen Sie mich bitte, ich muss Mausfallen kaufen gehen.

 

 

 

 

Limax maximus.

Ich habe da dieser Tage, als wir mal rasch und einer spontanen Eingebung folgend die Holzterrasse herausgerissen haben, ich habe dabei also eine neue Freundin gefunden. Genauer gesagt habe ich beim Herausreißen der vermoderten Holzbretter aus dem glibberigen Matsch ersteinmal in diese neue Freundin quasi volle Pulle hineingelangt mit den nackten Fingern, das fühlte sich in etwa so an wie wenn man auf eine Qualle beißt, Sie wissen sicher, was ich meine.

Hallo, Maxi.

Zunächst mal habe ich natürlich einen hysterischen Schreikrampf bekommen, wozu ist man schließlich Landfrau. Danach habe ich die Hände nach Kratz- und Bißspuren abgesucht, ich habe gefühlt, ob noch alle Finger an ihrem angestammten Platz sind und ob irgendwo rohes Fleisch zutage tritt. Derweil kroch das gefühlt etwa 1 Meter lange und Unterschenkel-dicke Wesen in aller Seeleruhe weiter am matschigen Brett entlang, als ginge es darum, beim Flanieren auf dem Ku’damm sein Leopardenjäckchen auszuführen.

Ich habe dann mit zitternder Hand schnell ein paar Fotos geknipst und wikidingsbums bemüht – und siehe da: Limax maximus ist ein ausgesprochen freundliches Tier, und sehr nützlich noch dazu. Des Gemüsegärtners bester Freund, könnte man fast sagen, denn Klein-Limax und Groß-Maximus fressen ansonsten an Nacktschnecken alles, was ihnen vor dem riesigen Maul herumkriecht. Na, wenn das nichts ist.

Nennen Sie es ruhig Tigernacktschnecke, ich nenne es Wunder der Natur.

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Ich habe Maxi also direkt in den Gemüsegarten getragen, wie mit einer wertvollen Gabe zum Altar schreitend, an einen schattigen Ort, und ihr gut zugeredet. Habe ihr vorgeschwärmt von all den fetten glitschigen widerwärtigen, aber leckeren Nacktschnecken, die jede Nacht an unserem Salat, an den Zucchini und überhaupt eigentlich überall zu finden sind. Hmmmm, Nacktschnecken!, habe ich geflötet, lecker, lecker, lecker, lecker, lecker, lecker, Sie kennen diesen Spruch, der kommt schließlich aus dem Odenwald, muss also motivierend wirken.

Morgens gehe ich jetzt also immer in den Gemüsegarten, ich rufe Hallo Maxi, süße Maus, gut geschlafen und auch satt geworden?, ich schaue danach, dass sie es gut hat da draußen, ich sammle die restlichen widerwärtigen Nacktschnecken von den Wegen und werfe sie ihr zum Fraße vors Maul. Und nachts lausche ich manchmal in die Dunkelheit hinaus, und ich bin sicher, ich habe es in den vergangenen Nächten schon mehrfach laut schmatzen und rülpsen gehört. Und wenn mich demnächst jemand fragt, ob ich Haustiere habe, werde ich sagen, Ja klar! Ich habe Hunde, Katzen, Hühner, und ich habe Maxi. 

 

 

 

P.S. Ein bißchen unklar ist und bleibt, warum die Tigernacktschnecke Tigernacktschnecke heißt, obwohl sie doch ein Leopardenjäckchen trägt. Offenbar kannten die Entdecker der Tigernacktschnecke zwar Tiger, aber noch keine Leoparden. Oder die Tigernacktschnecke hatte zu dieser Zeit den gesamten Leopardenvorrat aufgefressen, was weiß denn ich.

 

 

1. FC Huhn.

Kennen Sie Frau Kikimora? Sehen Sie, ich kannte die auch nicht. Man sollte sich allerdings mit der Dame mal näher befassen, allzumal, wenn man Hühnerhalter ist. Ob Sie’s nun glauben oder nicht: Frau Kikimora ist es, die allerlei Unbill in den Stall bringt. Ja, da staunen Sie.

Die alte Kikimora schickt den Fuchs und die Milben, die Kalkbeine und die Kropfverstopfung, die Läuse und die Flöhe, ‎die Kokzidiose und die Infektiöse Laryngotracheitis, ja, selbst die. Und wenn Frau Kikimora langweilig wird, stiehlt sie sogar höchstpersönlich Hühner oder Eier. Es handelt sich also alles in allem um eine vergleichsweise unsympathische Person.

Das einzig Gute an Frau Kikimora ist, dass man ihr relativ simpel das garstige Handwerk legen kann, und nun sollten Sie als Hühnerhalter besonders gut aufpassen – falls Sie den Trick nicht ohnehin längt kennen: Man hängt Hühnergötter in den Stall. Ganz einfach. Je mehr, desto besser.

Ich habe natürlich seit mehreren Jahren schon Hühnergötter im Stall hängen, diese Steine mit den geheimnisvollen Löchern, ich habe sie einst an der Ostsee gefunden. Wenn Sie mehr über diese Laune der Natur und über die auch mir bislang unbekannte Frau Kikimora wissen wollen, dann schauen Sie mal hier bei (klick!) wikidingsbums, schöner könnte ich es nicht erklären.

Jedenfalls haben diese Hühnergötter aber offenbar ein Verfallsdatum, mir war auch das neu, aber das ist ja häufig so bei Göttern, und die vergangenen Monate im Hühnerstall haben mich zu der Überzeugung gebracht, das es so sein muss. Mindesthaltbarkeitsdatum offensichtlich überschritten, treue Leser werden sich erinnern, wir hatten jede Menge Hühnerunbill, alles Elend kam zusammen, die steinalten Hühnergötter hingen an einer Schnur friedlich in der Ecke herum, taten nix, und beeindruckten ergo auch Frau Kikimora nicht besonders.

Aber diese Zeiten sind vorbei! Ich habe dieser Tage von einer Bekannten drei neue Hühnergötter geschenkt bekommen, quasi taufrisch und voller Energie, von der englischen Küste, die Freundin erinnerte sich am Strand an die Kokzidiose und die infektiöse Laryngotracheitis, an den Fuchs und die Milben, woran soll man bei einem Urlaubs-Strandspaziergang sonst auch denken. Jedenfalls sammelte sie die Steine auf und brachte sie mir mit nach Deutschland.

Als ich nun heute abend wildentschlossen mit den nigelnagelneuen baumelnden Hühnergöttern Richtung Stall marschierte und so vor mich hinflötete Verpiss Dich Halloooo, Frau Kikimora, jetzt ist Schluss mit Lustig, als ich also da so ins Gehege laufe, flattert doch eines von unseren tiefschwarzen Junghühnern hysterisch kreischend und mit schreckensgeweiteten Augen auf und landet drei (!drei!) Meter hoch mitten im Holunder. Seitdem ist sie von dort oben nicht mehr hinuntergekommen.

Und jetzt weiß ich auch nicht.

 

 

 

 

Bambi.

Es ist immer dasselbe mit den Bambis. Sie sind in irgendeinen Mähdrescher geraten, sind winzigklein und verletzt. Oder verwaist, weil irgendeiner die Mutter abgeschossen oder überfahren hat, oder weil die Mutter sich aus dem Staub gemacht hat, sowas gibt es auch, warum auch immer.

Und dann fiepsen und piepsen sie jämmerlich und weithin hörbar, und meistens sind es die Freunde H. und R., die Bambi aufsammeln, gerne kurz vor Mitternacht oder morgens um drei Uhr; und wenn es sein muss, folgen sie dem Fiepsen und Piepsen quer durch das Unterholz, mal aufrecht gehend, mal stolpernd und kriechend, bei Regen oder Sturm, und immer zu einer Uhrzeit, zu der andere Leute sich wohlig noch einmal im Bett rumdrehen.

Wieso macht Ihr das?, werden die beiden nicht selten verständnislos gefragt, lasst es doch liegen da draußen, die Natur regelt das schon, so ist das Leben. Ein, zwei Tage, dann ist es doch hin. Freund H. sagt dann Weil man sowas nicht macht, und R. rollt bloß mit den Augen.

Und dann bringen sie Bambi zur Nachbarin, Andrea Weismann heißt die und hat einen Erlebnisbauernhof, sehr schön und sehr weit draußen, in der Nähe von Walldürn, zwischen Feldern und Wäldern und Wiesen, fernab aller ernstzunehmenden Verkehrswege. Bambi Eins war durchaus auch Erlebnis, bei Bambi Zwei und Drei kehrte soetwas wie Routine ein, jetzt ist grade Bambi Vier oder Fünf oder wasweißich da, der kleine Bock läuft einfach mit, er gehört zum Alltag auf dem Hof, nicht der Rede wert.

Am Anfang bekommen die Kitze alle paar Stunden die Flasche, rund um die Uhr, das ist nervig, aber es hilft ja nichts, sagt Weismann. Nach dem Trinken müssen sie dann, ob sie wollen oder nicht, in eine Art Kitzwaschanlage, die Anlage heißt Ben und ist ein riesiger, zottiger, hungriger Hütehund.

Ben schlotzt die Milchreste vom Kitz ab, von der versabberten Schnauze oben bis zu den bekleckerten Füßen unten, inklusive Unterboden, Felgen, Stoßstangen, alles wird in stundenlanger Zungenarbeit und mit dem Aktivschaum aus dem Hundemaul saubergeputzt, so lange, bis das Kitz blitzeblank und durchnässt ist und eigentlich schon wieder die nächste Pulle dran wäre.

Ben liebt die Kitze, und die Kitze lieben Ben, so war es bisher immer. Als ich das erste Mal auf den Hof kam, traute ich meinen Augen nicht. Da tobte ein riesiger Hund mit einem kleinen Rehbock herum, sie hopsten aufeinander und neckten sich, sie spielten Fangerles und Verstecken, so schien es mir, das Rehkitz ohne jede Furcht, der tapsige Hund vorsichtig und zart, soweit ihm das möglich war.

Inzwischen ist Ben ein bisschen älter, viele Kitze hat er kommen sehen, von vielen ausgewachsenen Böcken hat er sich am Ende freundlich verabschiedet und dann ein paar Tage noch am Rand des Grundstücks gesessen, den Blick hinaus Richtung Wald, sehnsuchtsvoll, könnte man meinen. Aber irgendwann vergisst er den einen Bock, und dann steht meistens auch schon wieder ein neues Kitz vor der Tür.

Für Ben und die Kitze gibt es auf dem Hof und drumherum keine Zäune, nichts, was sie aufhalten könnte, nichts, was sie einschränkt. Am Anfang folgen die winzigen Böcke auf staksigen, viel zu langen Beinen auf Schritt und Tritt Andrea Weismann, den Kindern oder Ben, egal wem, piepsend und fiepsend, Hauptsache Kontakt, Hauptsache zwischendurch mal ein Stück Apfel, ein winziges Stückchen Brot. Sie hören auf ihren immergleichen und wenig originellen Namen, „Bambi“ kann ich mir wenigstens merken, sagt Weismann, und Besuch wird vorsichtig begrüßt.

Oha, wildfremder Besuch.

Wenn Ben ausnahmsweise mal keine Lust zum Spielen oder Schlecken hat, stakst Bambi durch die Gemüsebeete auf dem Hof, er inspiziert das Gewächshaus und das Hasengehege, er schaut bei den Ziegen vorbei, oder bei den Hängebauchschweinen, irgendwas gibt es da immer zu sehen. Und Bambis Neugierde ist groß, staksend und fiepsend erschließt er sich die Welt, die immer größer wird.

Inzwischen unternimmt der kleine Bock sogar erste Ausflüge in die weitere Umgebung, vielleicht trifft er unten im Wald ein paar Kumpel oder eine artgerechte Ersatzmutter, vielleicht guckt er sich einfach so um und sucht seine Nahrung da draußen, aber noch kommt er immer wieder nach Hause, spätestens abends, auch, wenn er hier irgendwann nicht mehr gefüttert wird.

Dieser Tage hat er sich das erste Mal bis runter auf die Kuhweide getraut, aber da packte ihn dann doch die Angst vor all den erstaunt-glotzenden, schnaufenden Kühen, der Mut also verließ ihn, und er fing ein herzzerreißendes Geschrei an, die Kinder riefen und lockten ihn dann wieder Richtung Hof.

Irgendwann gehen sie aber ganz und kommen nicht mehr wieder, weiß Andrea Weismann von den bisherigen Bambis, und natürlich freut man sich dann. Aber irgendwie ist man auch traurig. 

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