1. FC Huhn.

Wir werden hier in diesen Tagen Zeugen eines dramatischen Prozesses, dessen Folgen bislang noch nicht absehbar sind. Er geht um das Thema Loslassen oder auch Loslösen, und diejenigen unter Ihnen, die Eltern haben, kennen das Thema ja vielleicht. Mütter wissen jedenfalls direkt bescheid. Es ist ein Thema, dass uns nahezu ein Leben lang begleitet und den therapeutischen Praxen landauf, landab immervolle Kassen beschert. Naja, Sie wissen schon. 

Also, wie dem auch sei: die mir doch eigentlich so unsympathische Glucke hat ja nun drei herzige Kinder ausgebrütet und dauer-gackernd behütet, sie ist rund um die Uhr und sieben Tage die Woche die perfekte Mutter, man kann das gar nicht anders sagen. Ich habe mich in dieser Henne schlichtweg getäuscht, sowas passiert auch der erfahrenen Tierhalterin hin und wieder noch.

Die Küken eilen jedenfalls inzwischen mit etwas staksigen, aber strammen Schritten Richtung Hühnerpubertät. Ja, auch bei Hühnern gibt es eine Pubertät, sie äußert sich vorallem in völlig unsäglichem Aussehen, alles ist schief und krumm, die Frisur sitzt nicht, die Füße sind zu groß, die Beine viel zu lang. Die Proportionen machen, was sie wollen, aber die halbwüchsigen Hühner fühlen sich dessen ungeachtet wie Graf Koks und machen dicke Arme.

Bis eben noch haben Mutti und die Kinder im separaten Gluckenstall übernachtet, aber damit ist nun Schluss. Das habe ich als Erste Erziehungsberechtigte im Hause so beschlossen. Die Verwaltungsexperten unter Ihnen kennen den Begriff des Ersten Landesbeamten, so in etwa muss man sich das vorstellen, nur eben auf Hühnerhalterebene.

Jedenfalls habe ich nun gestern nachmittag bereits den Gluckenstall versperrt, auf dass die Glucke mit den Kindern nun endlich wieder in den eigentlichen Hühnerstall zu all den anderen Hühnern umziehen möge.

Muttern tat das auch. Und wie. Noch ehe die Dämmerung hereinbrach, wetzte die Glucke in den echten Stall und hopste mit Anlauf und Begeisterung auf die Stange. Sie saß wie zur Salzsäule erstarrt und gab fortan keinen Mucks mehr von sich.

Draußen erhob sich Weinen, Wehklagen und Zähneklappern, die kleinen großen Küken rannten irrlichternd durchs Gehege und suchten ihre Mutti. Sie schrien und piepsten, sie näherten sich mal dem Stall und eilten dann verzweifelt wieder in die andere Richtung, sie jaulten, heulten, klagten. Und Muttern saß mucksmäuschenstill auf ihrer Stange und bewegte sich keinen Nanomillimeter, um bloß kein Geräusch von sich zu geben.

Küchenpsychologisch ist die Sache ja ganz klar. Die Alte hatte einfach mal die Schnauze voll. Eine Nacht, nur eine einzige Nacht wollte sie mal wieder unter Erwachsenen sein, ganz ohne piepsende Kinder. Wenn Sie Kinder ihr Eigen nennen, werden Sie sich da vielleicht wiedererkennen.

Leider ging der Plan der Glucke nur so semi auf: Irgendwann spülte eine Welle der Verzweiflung zwei der Kleinen in den Hühnerstall, sie erblickten die Mutter, kreischten wie am Spieß und hockten sich wild flatternd direkt press neben sie auf die Stange. (Hier müssen Sie sich jetzt ein Hühner-Augenrollgeräusch vorstellen. Wenn Sie ein Herz für Mütter haben, noch dazu eines für alleinerziehende Mütter, umso mehr.)

Eines der Küken allerdings weigerte sich, mit der Mutter im Hühnerstall zu übernachten, die kleine Henne rüttelte mit dem Schnabel und den Füßen so lange am Törchen des Gluckenstalls herum, bis ich ihn wieder öffnete. Dorthinein verschwand sie jammernd, eine wimmernde kleine Gestalt in der Dunkelheit. Wahrscheinlich ist sie die Jüngste der Drei und musste bislang schon allerlei böse Scherze der zwei älteren Geschwister über sich ergehen lassen, man kennt das ja, was sich da abspielt, wenn man die Kleinste ist. Sie können dazu gerne mal meine große Schwester und meinen noch größeren Bruder befragen.

Heute abend nun wieder das gleiche Schauspiel, nur mit anderem Ausgang. Die drei Halbstarken übernachten allesamt wieder im Kinderstall, sie wimmern da ein bisschen vor sich hin, dicht aneinandergedrängt trotzen sie der Finsternis und ihrer Angst vor bösen Geistern unterm Bett. Muttern sitzt im Stall gegenüber, offenbar hat sie ein ernstes Wörtchen gesprochen mit ihren Heranwachsenden, und endlich, endlich darf sie heute mal alleine unter Erwachsenen übernachten. Sie hört wohl das weinerliche Gepiepe ihrer Blagen Kleinen, aber es scheint ihr wurstegal zu sein. Einmal! Ohne! die Kinder!

Wir werden das weiter beobachten, seien Sie versichert. Nicht, dass es am Ende zu tiefgreifenden psychologischen Problemen kommt, die die kleinen Hühner ihr Leben lang belasten werden. Oder auch die Mutter. Gewissenskonflikte, Schuldgefühle, Mutterkomplexe, Trennungsangst, Bindungsprobleme, Beziehungsunfähigkeit, ach, die Liste ist lang. Und erinnert mich an die entfernte Bekannte, die mit der Geburt ihres Sohnes ein Sparkonto für eben diesen einrichtete, damit er eines Tages die Therapeutin bezahlen kann. Aber das ist jetzt wieder eine andere Geschichte.

 

 

 

1. FC Huhn.

Als begeisterte Fans des hiesigen 1. FC Huhn fragen Sie sich ja vermutlich alle schon seit Jahren, ach, was sage ich – seit Jahrzehnten, wie denn eigentlich Hühner mit Hitze zurechtkommen. Da sind Sie nun hier genau an der richtigen Adresse, denn dieses Blog ist ja bekannt dafür, die elementaren Fragen des Lebens zu klären. Also bitte: Hühner kommen so semi mit der Hitze zurecht.

Sie machen es eigentlich wie die Hunde: sie hecheln. Das sieht jetzt ein bisschen anders aus als bei Hunden, was aber nun einzig daran liegt, das Hühner im Gegensatz zu Hunden keine meterlange Zunge im Maul aufbewahren, die sie bei bedarf raushängen lassen könnten.

 

So schlendern die Hühner also den lieben langen Tag mit weit aufgerissenem Großmaul durch den Auslauf, dazu lassen sie die Flügel hängen, damit Luft drunter kommt, und ansonsten wälzen sie sich in kühlen Staubbädern. Mir scheint das eine ganz angemessene, geradezu beneidenswerte Lebensweise zu sein. Wenngleich es ein bisschen gewöhnungsbedürftig aussieht.

Die drei kleinen Küken, die inzwischen gar nicht mehr sooo klein sind, die haben keinen Stress mit der Hitze, es ist wie mit kleinen Kindern, sie rennen durch die Gegend, als eilten sie Richtung Spielplatz oder Freibad und piepsen laut herum.

Kleiner Angeber-Hahn.

 

Frollein von Vorwitz.

 

Die wollte eigentlich eine Taube werden. Aber naja.

Für den noch zu gründenden Freundeskreis Ziege hier auch noch ein paar geknipste Impressionen von heute mittag, Luise und Fritzi ertragen die Hitze in stoischer Ruhe und reißen das Maul nur auf, um zu fressen oder zu meckern. Kennt man ja, nicht nur bei Ziegen.

 

 

 

 

Begegnung.

Wie ich heute früh eigentlich so gar keinen Bock auf diesen Tag hatte. Bis ich IHN traf.

Bei Wagenschwend. Wo sonst, so früh am Tag?

Er war natürlich nicht alleine.

Und später lief mir noch eine alleinerziehende Mutter mit Zwillingen über den Weg davon.

 

Und so wurde der Tag dann doch noch ganz passabel.

 

 

 

Vom Fortgang der Dinge.

Luise schreit, Fritzi meckert leise vor sich hin, die Hunde schnarchen in der Sonne, die Hühner verstecken ihre Eier, ich krieche erfolglos durchs Unterholz, um die Gelege zu finden, die Glucke erzieht ihre drei Küken, – es gibt also so gesehen nicht viel Neues zu berichten aus dem Irrenhaus.

Ich nutze derweil jeden Spaziergang, jede Hunderunde, um frisches Ziegenfutter herbeizuschleppen, ich habe schon diesen Tunnelblick, sehe nur noch frisches Grün an den Bäumen, Linde, Eiche, Akazie, Haselnuss und Buche, alles schneide ich mit der stets mitgeführten Gartenschere und raffe es im Auto zusammen.

Falls Sie also dieser Tage eine etwas wirr wirkende Person im Wald treffen sollten, die mit einer martialisch anmutenden Schere herumfuchtelt: keine Bange, das bin nur ich, auf Futtersuche. Früher habe ich da draußen kleine Kunstwerke der Natur gesucht, die ich dem Künstler daheim als liebevolles Geschenk mitbringen könnte, naja, so ändern sich die Zeiten.

Dabei haben die Ziegen im Garten ja eigentlich alles, was sie brauchen. Das heißt, sie hatten es zumindest, inzwischen recken sich überall nur noch kahlgeknabberte dürre Äste in den Himmel und wasweißichwohin. Aber das wussten wir ja vorher.

Und weil ich sonst nichts zu tun habe, habe ich jetzt in Köln über Umwege den Fußball aus der legendärkatastrophalen Begegnung Deutschland-Korea erstanden, für fünf Euro, weil auch aus dem Ball die Luft raus war, und nicht nur aus der Deutschen Mannschaft – also, jedenfalls habe ich dieses kaputte Ding erstanden und zum Ziegenspielzeug umfunktioniert. Nicht, dass es am Ende noch heißt, wir täten hier am Wochenende so gar nichts Sinnvolles.

 

 

 

 

 

2018.

Ich bin ja derzeit nicht nur Erziehungsberechtigte für zwei schreiende Ziegenkinder, sondern habe wider Erwarten auch noch die Grundversorgung für drei Küken aufs Auge gedrückt bekommen. Von der Henne, die ich als ausgesprochen dämlich unsympathisch bezeichnen würde, die ihre Mutterpflichten aber vorbildlich erfüllt, man kann da gar nichts anderes sagen.

Das alles ist eine Mischung aus herzig und nervig, und sorgt nebenbei dafür, dass ich auch in den sozialen Netzwerken derzeit eine Menge Fotos von herzig-nervigen Ziegenkindern und Küken einstelle. Das wiederum machen auch andere Menschen auf der Welt, es gibt offensichtlich eine akute Häufung derlei tierischer Schnappschüsse. Deswegen nun kommentierte neulich eine freundliche Dame bei twitter eines meiner herzignervigen Ziegenvideos, 2018 werde wohl in die Geschichte eingehen als das Jahr, in dem zahllose User ihre einst hübschen Gärten mit Hühnern und Ziegen besiedelten und dieses dann fotografisch dokumentierten. Die Wissenschaft rätsele noch nach dem Grund für dieses Phänomen.

Ich kann Ihnen den Grund verraten. Meine janz objektive, persönlische Meinung, wie der Berliner sagen würde. Das Jahr 2018, mal so ganz generell und weltpolitisch gesehen, lässt sich schlichtweg gar nicht anders aushalten.

In diesem Sinne: Hier kommt noch ein bisschen Hühner- und Ziegencontent von heute:

 

 

 

 

Neues aus dem Irrenhaus.

Sie können wirklich nicht erwarten, dass ich hier auch noch die Zeit finde, in dieses Blog zu schreiben, unser trautes Heim ist und bleibt ein Irrenhaus, man kommt zu nichts, nicht mal zum Schreiben, und wir arbeiten täglich daran, dem Ruf als Irrenhaus auch weiterhin gerecht zu werden.

Jüngst ist irgendwem in diesem Hause eingefallen, dass wir uns doch mal Ziegen anschaffen könnten. Afrikanische Zwergziegen. Nicht, dass es uns am Ende noch langweilig wird.

Mein Geo tat natürlich zunächst so, als sei er strikt dagegen, aber seine Schauspielkünste sind eher so semi, und die liebevolle Erinnerung an seine italienische Grossziege Leni dafür umso lebendiger. Also knickte er vergleichsweise schnell ein, ich hatte auch damit gerechnet.

Nun sind also vorgestern Fritzi und Luise bei uns eingezogen, die Preußen unter Ihnen ahnen, woher die Namen kommen, Bildungsbürgerirrenhaus, naja, Sie wissen schon.

Luise tauschen wir um!, sprach mein Geo nach den ersten zwei Stunden, weil Luise sich die Seele aus dem Leib schrie, ununterbrochen. Fritzi hingegen ist blond und still und ein bisschen doof, das gefällt meinem Geo deutlich besser.

Wie dem auch sei. Das Praktische an so Zwergziegen ist ja, dass man sich tägliche Kontrollgänge am selbstgebastelten Gehegezaun sparen kann. Die lieben Kleinen zeigen uns etwa alle 45 Minuten eine neue Schwachstelle im Zaun, sie winken dann aus dem Gemüsebeet zu uns herüber, oder schmatzend aus den Rosenbeeten und vermitteln uns stumm, dass da irgendwo ein Loch in den Zaun gesprengt worden ist. Von Dickschädeln mit Hörnern dran. Ja, Ziegen sehen sehr süß aus, entwickeln sich aber offenbar zu wahren Bud Spencers, wenn es darum geht, die drei grünen Hälmchen jenseits des Zauns zu erwischen. Man kann das überall nachlesen, geglaubt habe ich es nicht.

Diesseits des Gehegenzauns stehen Luise und Fritzi ja auch nur rund 500 Quadratmeter Wiese und Gebüsch zur Verfügung, alles steht in fettem, saftigem Grün, und wenn ich eine Ziege wäre, täte mir das wohl doch erst mal reichen. Aber bitte. So gesehen bin ich ja keine Ziege, oder vielleicht doch, aber zumindest anders. Zugegebenermaßen lauern im Gehege hinten noch die brandgefährlichen Todes-Hühner, da traut sich eine Ziege erstmal gar nicht hin.

Die rammt also lieber die Zäune um, öffnet selbstständig das doppelt gesicherte Gehegetürchen; und wie ich gestern am Stall stehe und über weitere Hochsicherheitsmaßnahmen nachdenke, segelt Fritzi im hohen Bogen an mir vorbei über die 1 Meter 60 hohe Terrassenmauer auf den Terrassentisch. Unter jenem Tisch saß Hund Lieselotte, die über alle Maßen überrascht war über das, was da vom Himmel auf den Tisch flog, und es begann eine lustige Hatz quer über die Terrasse, bis Fritzi wieder im hohen Bogen heruntersegelte ins Gehege.

Ja, gut. Wer keine Sorgen hat, der macht sich welche. Aber ich bitte Sie, soetwas gehört doch zum LandLeben dazu. Angeblich. Zum LandLeben gehören schließlich auch unsere verrückten Hühner, Sie erinnern sich vielleicht an die bekloppte Glucke. Die präsentierte uns nun ausgerechnet vorgestern, als ich leicht gestresst und  mit Zwergziege unterm Arm in das Gehege schritt, ihre drei neuen Küken. Sehr possierlich anzuschauen, aber zeitlich gänzlich unpassend.

Nun renne ich also seit zwei Tagen ständig zwischen Ziegen und Hühnern hin und her, ich repariere Zäune, richte Kükenfutter, wechsle Wassernäpfe, repariere Zäune, erneuere das Wasser in den Näpfen, richte Kükenfutter, repariere Zäune undsoweiterundsoweiter. Sie kennen ja die Geschichte mit dem Herrn Sisyphos. Der hatte vermutlich auch Zwergziegen und Küken gleichzeitig, nur ist dieses Detail auf dem jahrtausendelangen Weg der literarischen Überlieferungen offenbar verlorengegangen.

So, und nun wünsche ich auch Ihnen noch ein ruhiges und entspanntes Wochenende, Sie entschuldigen mich, ich habe nun wahrlich keine Zeit, hier auf dem Blog zu schreiben, also bitte.

 

 

 

 

 

 

 

Operation Ziege.

Wir haben da etwas vor. Ich habe deswegen keine Zeit. Wir wollen noch nicht zu viel verraten über dieses Geheimprojekt, und wir haben ihm (dem Geheimprojekt) deswegen einen Tarnnamen gegeben. Wir nennen es Operation Zwergziege. 

Bald mehr in diesem Theater.

Man nehme zwei Tische, acht Balken und ein paar Bretter. Fertig.

 

 

 

 

 

Pfingsten, das liebliche Fest.

Pfingsten, das liebliche Fest, ist gekommen, naja, Sie wissen schon, Goethe undsoweiter, Heiliger Geist und 50. Tag des Osterfestes. Wobei mir beim Stichwort Ostern jetzt gleich wieder die Eier einfallen, die (klick!)  unter der dämlichen Glucke lagen, Sie haben das ja vermutlich auch gespannt verfolgt. Jedenfalls ist es nun so, dass die Glucke saß und saß, immer weiter, immer länger, die Brutzeit längst überschritten, der Darm zum Platzen gefüllt, ein totes Küken lag im Stall, die anderen Eier erwiesen sich als Nieten.

Ich also hergegangen und die Glucke irgendwann aufgescheucht, es gab das übliche Geschrei und Gefuchtel, sie verließ unter Absingen schmutziger Lieder den Gluckenstall, um dann endlich ihren ebenso schmutzigen Geschäften nachzugehen, irgendwo in einer Ecke des Auslaufes. Nein, ich habe den gigantischen Haufen nicht gesehen oder irgendwelche kackophonischen Töne gehört, aber ich habe es gerochen, ihre olfaktorische Rache, es breitete sich eine Wolke über dem Dorf aus, die selbst die Gummibäume in den Wohnzimmern der Nachbarschaft zum Verwelken gebracht haben dürfte.

Langer Rede kurzer Sinn; Keine Küken, aber Kacke, und ein inzwischen wieder halbwegs hergestelltes Huhn. Puh.

Und nun also ist Pfingsten, ohne Küken, dafür aber mit schick herausgeputzten Hühnern, die wissen ja noch, was sich an Feiertagen gehört. Und neuerdings haben sie einen von der Sonne gewärmten Schotterhaufen im Garten als eine Mischung aus Hühnerwaschanlage und Badezimmer für sich entdeckt, ich wollte Ihnen ein paar schnelle Schnappschüsse vom feiertäglichen Schauspiel nicht vorenthalten.

Ob Sie sich jetzt mit Wasser oder Sand und Schotter waschen, ist mir, ehrlich gesagt, herzlich egal, Hauptsache, Sie gehen sauber in dieses Pfingstfest.

In diesem Sinne: Frohe Feiertage.

 

 

 

 

 

 

 

Zum Muttertag.

Ich las da vor ein paar Tagen einen sehr hübschen Text im Internet, bei dem es um die Frage ging, warum manch einer sich ziert, Vögel anzufassen. Also alles, was Federn hat und lebt, nicht die tiefgefrorenen, mitunter halbierten Vögel in der Tiefkühltruhe. Und dass ein jeder überhaupt viel öfter Vögel, insbesondere (Klick:)  Hühner anfassen sollte.

Ich kann das natürlich  alles unterstreichen, aber auch ich habe es als Kind gehasst, Vögel in die Hand zu nehmen, und wenn irgendwo ein abgestürztes und leicht benommenes Exemplar herumlag, habe ich nach Mamiiii geschrien, aber es doch um Himmelswillen nicht selber angelangt. Es war eine Mischung aus Ekel und Angst, das kleine befiederte Gerippe zu zerdrücken. Knack, knack, naja, Sie wissen schon, man war ja auch als Kind eher grobmotorisch unterwegs.

Wirklich und ausschließlich ausgesprochen ekelhaft fand ich hingegen Moritz, den Wellensittich meiner Freundin, er flatterte wild durchs Kinderzimmer, haarscharf an meinem Gesicht vorbei, ich spürte den Lufthauch, er machte Sturzflüge Richtung meiner ohnehin schon suboptimalen Frisur und knabberte an nackten Zehen herum, nein, es war alles ganz und gar eklig.

Bis heute liebe ich Tauben, wenn sie still irgendwo herumsitzen, sie sollen von mir aus gurren, was das Zeug hält, auch morgens früh um Fünf, aber sie sollen bitte, bitte nicht vor mir aufflattern, ich gerate dann an den Rand eines hysterischen Anfalls. Ich war als Kind mal mit dem Vater auf dem Markusplatz in Venedig; den Anwohnern dort, falls es sie denn gibt, wird mein Geschrei bis heute in den Ohren klingen.

Also, wie dem auch sei: Hühner anfassen finde ich inzwischen ganz prima, die glänzenden Federn, das zarte Gerüst darunter, die warme Brust, überall die krabbelnden Milben,  der schöne Kopf, das leise Schnurren und Schmatzen, wenn es ihnen gut geht.

Nun gibt es ja aber Situationen im Leben eines Huhnes, in der sich eben jenes Huhn partout überhaupt nicht anfassen lassen will. Wir haben da so eine Vertreterin im Stall, ich habe ihr schon in weiser Voraussicht nie einen Namen gegeben, so, als hätte ich damals schon gewusst, dass sie einfach ein dämliches Vieh wird. Selbst im normalen Hühneralltag weicht sie jeder Berührung, jeder Nähe aus, sie hackt und triezt alle anderen Hühner und verteidigt jedes Futterkorn, als könnte es das letzte sein.

Das alles ist aber nichts gegen die momentane Situation – und jetzt schaffen wir auch endlich den Bogen zur Überschrift dieses Beitrags, zum Muttertag. Die Dame also hat sich vor ziemlich genau drei Wochen entschlossen, Mutter werden zu wollen, ausgerechnet. Naja, wie das manchmal halt so geht.  Sie entschloss sich also, Mutter zu sein und verwandelte sich im selben Augenblick in eine Furie, deren aggressiv-mütterliches Verhalten alles bisher Gewesene in den Schatten stellt.

Die Natur hat das zwar clever eingerichtet, Schutz der Eier und der Küken undsoweiter, aber es stellt den Hühnerhalter vor gewisse Herausforderungen. Wer ihr neues Futter, frisches Wasser in den Gluckenstall stellt, riskiert den Verlust einer Hand, wenn nicht des ganzen Arms, und wenn sie dann losbrüllt, brülle ich dagegen an, die Federn und die Fetzen fliegen, der Erste-Hilfe-Kasten liegt griffbereit, kurzum: es spielen sich dramatische Szenen vor dem kleinen Ausweichstall ab.

Wenn aus den Eiern denn Küken schlüpfen sollten, vielleicht heute schon, am Muttertag, dann wird sie eine grandios-vorbildliche, beschützende, alles-bis-aufs-Blut-verteidigende Mutter werden, glauben Sie mir. (Dass die Küken solcher Hennen jetzt schon mal ein Sparkonto anlegen sollten, um später den Psychotherapeuten zu bezahlen, das ist jetzt wieder eine andere Geschichte.)

Weil ich ihr aber offenbar ebenso unsympathisch bin wie sie mir, legt sie noch eins drauf. Womit wir wieder beim Thema Ekel wären, siehe oben. (Wenn Sie noch nicht gefrühstückt haben, sollten Sie jetzt besser nicht weiterlesen). Das heißt, sie legt eben nichts drauf, und genau das ist das Problem.

Aus einem Hühnerhinterteil kommen ja nicht nur Eier heraus, sondern in normalen Zeiten ununterbrochen auch andere Dinge, kleine schwarz-weiße Klümpchen, die gleichmäßig in der Wiese fallengelassen und verteilt werden. Weil aber die Glucke beim Brüten den gesamten Kreislauf runterfährt und ja nicht ständig aufstehen und austreten kann, sammelt sie die schwarz-weißen kleinen Klümpchen einfach in irgendeiner mysteriösen Ecke ihres Darmes, bis die vielen kleinen Klumpen zu einem gigantischen Riesenklumpen zusammengewachsen sind.

Aber dann! Einmal pro Woche stehen unsere Glucken in der Regel von den Eiern auf, um unter Absingen derber Flüche explosionsartig zumindest die nötigste Notdurft zu erledigen, die bis dahin Ausmaße angenommen hat, die einen überfressenen Deutschen Schäferhund vor Neid erblassen ließen. Auch olfaktorisch ist das vom Allerfeinsten, ich habe mir schon vor Jahren so eine Art Gasmaske zugelegt, um bei der anschließenden Reinigung und Entsorgung nicht tot umzufallen.

Und was macht unsere aktuelle Möchtegerne-Mutter? Nichts. Null. Nada. Niente. Seit drei Wochen kein Klümpchen, kein Schäferhund-Haufen, kein Angriff auf die menschlichen Riechkolben. Sie wirkt immernoch gesund und angriffslustig, und wenn ich mich nicht täusche, sehe ich ab und zu ein hämisches Grinsen in ihrem Gesicht, und ich durchschaue ihren Plan.

Sie macht das mit Absicht. Sie wird heute oder morgen oder übermorgen von den Eiern aufstehen, ob mit oder ohne Küken, dann wird sie sich kurz die Beine vertreten und sich einmal schütteln, und dann: Bääämmm. Ein Haufen von der Größe eines deutschen Mittelgebirges. Ein kurzes Beben wird das Dorf erschüttern, dann werden die heulenden Sirenen anspringen, und dann werden sie im Radio sagen, dass zwar keinerlei Gefahr für die Bevölkerung besteht, Anwohner aber dennoch Türen und Fenster geschlossen halten sollen.

Scheiß auf den Muttertag, will die Henne damit vielleicht sagen, und wer weiß, wem sie da alles aus der Seele spricht. Und es könnte sein, dass sie mir dann doch wieder fast ein bisschen sympathisch wird, irgendwie. So als alleinerziehendes, emanzipiertes Huhn.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ehrlich.

Wir waren heute im Wildpark in Schwarzach. Das ist an einem sonnigen Sonntag eine ziemlich dumme Idee, zumal, wenn man keine Kleinkinder dabei hat. Dann läuft man da herum wie so ein Alien aus einer anderen Welt, zwischen kreischenden Mädchen mit rosafarbenen Anoraks, Jungen, die mit Ästen fuchteln, und Eltern die wahlweise rufen Hör jetzt endlich auf, die Enten zu ärgern, Tobias! oder Ooooh, schau mal die süüüüßen Häschen. Ich habe mir eingebildet, einige Eltern schauten uns auf eine halbwegs neidische Art hinterher, aber das kann nun wirklich Einbildung sein.

Jedenfalls waren wir natürlich aus Gründen im Wildpark, wir hatten es auf die Zwergziegen abgesehen. Wir wollten mal gucken, wie die da so wohnen, wie hoch ein Zwergziegenzaun so ist und welche Klettermöglichkeiten die so haben. Ich meine, wir wollten uns nur mal informieren. Ganz unverbindlich. Einfach so. Ohne jeden Hintergedanken. Ehrlich. Isch schwöre. 

Nur mal gucken.

 

Ehrlich.

 

Ich meine, wer würde sich freiwillig solche Kobolde ins Haus holen?

 

Gucken wird man ja noch dürfen.