Museumsfest.

Wenn Sie am Sonntag, also morgen, ja eh unterwegs sind, von wegen Wahlen undsoweiter, und wenn Sie irgendwo hier in der Ecke wohnen, dann schauen Sie doch bitte unbedingt mal beim legendären Museumsfest in Wagenschwend vorbei. Die vielen Ehrenamtlichen sind da heute alle schon heftig am Vorbereiten, und die freuen sich sehr, wenn Sie dabei sind.

Beim Wagenschwender Museumsfest gibt es traditionell das weltbeste Brot aus dem Steinbackofen von Anno Tobak, das wird heute seit dem frühen Morgen schon gebacken von den Helfern, 75 Laibe, da müssen Sie aber morgen zeitig kommen, wenn Sie noch eines erwischen wollen, die Brote gehen weg wie warme Semmeln.

Es gibt außerdem 50 Kilo Schupfnudeln oder wie die Dinger heißen, Stipfeli oder Stufpeli oder Stopfelinskis, was weiß denn ich, es gibt gefühlte 400 Bratwürste, vom Dorfmetzger himself, und natürlich auch Vegetarisches, und überhaupt jede Menge Kaffee und Kuchen und Kinderbespaßung und Mosterei und eine Schmiede und Führungen durchs Museum, und den (Klick!) Landlebenblog-Kalender können Sie da auch kaufen.

Sie merken also, es ist alles gerichtet, jetzt fehlen morgen eigentlich nur noch Sie. Ich bin ja ein großer Fan von kleinen Dorfmuseen, deswegen bin ich im Museumsverein inzwischen sogar Mitglied, sowas muss man unterstützen.

Ich bin demzufolge morgen auch da, mitgefangen, mitgehangen, die haben mich in der Küche eingeteilt, aber keine Sorge, ich übernehme keinerlei verantwortungsvolle Arbeiten, ich muss nur irgendwelche Teller halten und im schlimmsten Fall Soße auf ein Essen kippen, ich habe mir das genauestens zeigen lassen und ich denke, das kriege ich hin. Ich werde das aber zur Sicherheit auch nochmal vorher üben, das kann ja nun nicht schaden.

Also bitte, man sieht sich. Und wenn Sie dann morgen mittag irgendwas an der Platzierung der Soße auf dem Teller zu monieren haben, wenden Sie sich vertrauensvoll an mich, ich lerne immer gern dazu.

 

 

Das Fest beginnt am Sonntag um 11 Uhr, und das Museum finden Sie in Wagenschwend in der Hauptstraße 35,  an der einzigen ernstzunehmenden Kreuzung im Dorf. Hier: (Klick!) steht noch ein bisschen mehr zum Programm. Und hier (Klick!) noch ein bisschen was zum Museum. 

 

 

 

 

 

1. FC Huhn.

Es ist eine jahrhundertealte Erkenntnis, nachgeradezu ein Fakt, wie man ja inzwischen gerne sagt, nein, tatsächlich ist es seit Jahrtausenden so, und doch weiß kaum jemand davon: Ein Großteil der kleinen Hühnereier wird schon mit Haaren auf dem Kopf geboren. Manche haben sogar schon richtige Frisuren, eine schwarze Elvistolle, einen blonden Beatlespilzkopf oder eine rote wilde Hippie-Mähne, es ist wie bei Säuglingen auch. So gesehen sind Hühnereier eben auch nur Menschen.

Fakt ist aber auch, dass sich im Kontakt mit dem deutschen und mitteleuropäischen Endverbraucher das haar-lose Ei, der Glatzkopf, durchgesetzt hat, der liebe Himmel weiß, warum. Der Eierkunde möchte morgens keine haarigen Sachen auf seinem Frühstücksteller, sondern einen glattrasierten Eierkopf.

Deswegen werden die behaarten Eier aussortiert und neuerdings nach China exportiert, das las ich neulich in einem Eierfachmagazin, dort sollen Eier mit Frisuren der letzte Schrei sein, und die Chinesen seien ganz wild, besonders auf die Rothaarigen, hieß es da. Wahrscheinlich hat das mit den Haaren und den Eiern wieder irgendwas mit irgendeinem Schweinkram zu tun, ach, was weiß denn ich, bei den Chinesen muss man ja mit allem rechnen.

Was nicht in den Export geht, wird von Spezial-Geflügelhaltern mit dem entsprechenden Maschinenpark kurzerhand geschoren. Ja, da staunen Sie. Das wird dem Endverbraucher gern verheimlicht. Weil mit der zwangsveränderten Frisur auch seelische Schäden für das neugeborene Ei einhergehen können. Mit Tierwohl hat das nichts zu tun! Ich erinnere mich da gerne an meine Mutter, die mir im Schlaf die langen Haare zu einer raspelkurzen Bubenfrisur abschnitt, nein, das war nicht schön, darunter leide ich noch heute.

Und, sehen Sie, so ist das mit den Eiern auch. Sie sollten bei Ihrem nächsten Einkauf darauf achten.

 

 

 

 

Flüchtlinge.

Die Geschichte des badischen Odenwaldes ist auch eine Geschichte der Flüchtlinge. Genauer gesagt, der Wirtschaftsflüchtlinge. Ja, das Wort kommt einem doch verdammt bekannt vor, nicht nur von damals, und nicht nur in diesem Landstrich, der seinem Beinamen Badisch-Sibirien eben durch die Jahrhundert hinweg alle zweifelhafte Ehre gemacht hat.

Die Böden schlecht, das Wetter auch, die Leute hatten nichts zu beißen und machten sich dann auf den Weg in die sogenannte Neue Welt, rüber, nach Amerika. Gut, auf die Idee käme heute auch kein vernünftiger Mensch mehr, aber damals war das das Gelobte Land. Zu Hunderten zogen die Menschen los. Zu Tausenden. Manche freiwillig und auf der Suche nach dem Glück, manche eher gegen ihren Willen. Manche sind da drüben froh und reich geworden, andere hat das Heimweh schier zerrissen, man kennt das ja.

Vom Schicksal dieser Odenwälder Wirtschaftsflüchtlinge erzählt am kommenden Wochenende das Gottersdorfer Freilandmuseum noch mal sehr lebendig. Living history nennt sich das Ganze, eine Mischung aus Geschichtsunterricht und Schauspiel, die Besucher tauchen ein in arme Zeiten und erleben alles hautnah mit und finden sich plötzlich wieder als Teil der Geschichte. Ein Ansatz, den ich durchaus spannend finde. Was genau da so abläuft, können Sie hier auf der Webseite des Museums nochmal nachlesen, ich kann Ihnen den Besuch nur sehr empfehlen.

Und wenn Sie dann schon da sind, sollten Sie ein paar Meter außerhalb des eigentlichen Museumsgeländes das Haus Bär begucken, von den Wirtschaftsflüchtlingen zum Wirtschaftswunder, sozusagen. Im Haus Bär nämlich geht es um die 50er Jahre im Odenwald, da macht man sowas wie eine Zeitreise in das eigene Familienfotoalbum, selbst, wenn man nicht vom Lande ist. Und dauernd rufen aus allen Räumen Besucher Nein! und Guck mal da, das hatten wir ja auch! und Gott, wie häßlich, und das fanden wir mal schön?! und man hört allerlei spitze Schreie, eine Mischung aus Entzücken und Verzweiflung. Ein Besuch im Haus Bär ist also eine wahre Wonne, auch das kann ich Ihnen nur ans Herz legen.

 

So. Und nun sagen Sie nicht, Sie hätten keine Ahnung, was Sie mit dem angebrochenen Wochenende anfangen sollten. Nachdem Sie in der Wahlkabine waren. Vielleicht wäre es umgekehrt sogar noch wertvoller. Erst bei der living history hingucken, dann wählen gehen. Also bitte.

Und warum ich Freilandmuseen und so Zeug inzwischen wirklich schätze, können Sie hier nochmal nachlesen.

 

 

Im Übrigen ist dieser Artikel hier schon im vergangenen Jahr erschienen, weil die Living-history-Veranstaltungen so beliebt sind, dass sie inzwischen jedes Jahr stattfinden. Aber falls es noch Leute gibt, die da noch nie waren… undsoweiterundsoweiter. 

 

 

Ausflugstipp.

Ich habe am Mittwochabend kurzfristig beschlossen, zu zwei kleinen Wandertagen aufzubrechen, der Wetterbericht sprach von Dauerregen, Kälte und Orkanböen, da liegt das ja nur nahe. Mein Ziel war der Spessart, der ist nun in der Tat so nah zum Odenwald, dass man das in einem Tagesausflug schaffen könnte, deswegen gebe ich Ihnen das hier mal als Ausflugstipp weiter.

Dank des Wetters gab es also im Spessart für die unverwüstliche Wanderin Aquajogging und Schlammschlachten gratis dazu, von der Hutkrempe schoss das Wasser herunter wie aus einer löchrigen Regenrinne und mir direkt auf die ohnehin schon klatschnassen Wanderschuhe, aber ich bin ja gottlob gut ausgerüstet mit Gummijacke und Gummihose.

Die Gummihose muss ich an dieser Stelle der Vollständigkeit halber erwähnen, für den gleichnamigen Fanclub Gummihose, das Wort taucht immer mal wieder in den Suchbegriffen dieses Blogs auf, irgendwer sucht da ständig Seiten, auf denen von Gummihosen die Rede ist und landet dann bei mir auf meinem Blog, der liebe Himmel weiß, warum; aber bitte, hier ist sie also wieder, die Gummihose, ich hoffe, die Sucher und Sucherinnen sind jetzt nicht enttäuscht. Mehr kann ich in Sachen Gummihose leider hier nicht bieten.

Aber ich komme vom Thema ab: Also, der Spessart: Sollte eigentlich Nationalpark werden, die Spessarter und Spessarteusen haben das verhindert, die wollen keinen Nationalpark. Denen reicht das Prädikat als Naturpark. Das Besondere hier, zumindest für uns Odenwälder, ist der (fast) reine Laubwald, uralte Buchen und Eichen, das hat schon was.

Mit Fotos kann ich leider nicht dienen, ich hatte die Unterwasserkamera zuhause gelassen, Sie werden das verstehen. Ich war ja froh, dass mir die belegten Brote nicht davonschwammen. Im Herbst muss ich jedenfalls nochmal hierher, das wird ein schönes Feuerwerk der Farben sein, da mache ich auch Bilder, ganz bestimmt. Die Wege recht gut ausgeschildert, kleine, verwunschene Pfade, auf denen man vermutlich bei anderem Wetter sogar ganz normal gehen kann und nicht planschend und staksend schreiten muss wie im Wasser einer Kneippanlage.

Und wenn wir schon die Gummihose erwähnt haben, darf natürlich ein zweiter Begriff nicht fehlen, den weltweit nahezu jedes Kind mit dem Spessart verbindet. Ja, genau, Lieselotte Pulver. Und Das Wirtshaus im Spessart. Die Älteren unter Ihnen werden sich erinnern.

Weil ich ja ein besonderer Fan von Lieselotte Pulver bin, insbesondere von ihrer großartigen Lache, musste ich da also auch hin, zum Wirtshaus und zum Schloss Mespelbrunn, das ist alles sehr hübsch anzusehen, und weil es auch nur noch in Etappen goß, konnte ich ein paar Fotos machen.

Wäre doch gelacht, wenn sich nicht auch hier im tiefen Spessart Hinweise auf den Odenwald finden ließen. Also bitte: Das Schloss geht zurück auf die Familie Echter aus dem – richtig! – Odenwald. Einer von den zahllosen Echters, Peter Echter, genannt Peter III., hat dann auch noch eine Dame aus Adelsheim geheiratet, die Gertraud, und die beiden haben das Schloss so vergleichsweise geschmackvoll gestaltet wie es heute hier herumsteht und die Touristen anlockt. Da kamen und gingen die Kriege, aber das Schloss blieb unversehrt, das macht es heute sehenswert.

Aber damit ja noch nicht genug. Peter und Getraud ihr Sohn (so sagt man das hier), denen ihr Sohn also war der kleine Julius, geboren 1545, später mehr als 40 Jahre lang Fürstbischof von Würzburg und ein schwer überzeugter Gegenreformator. Ein ziemlich bedeutender Mann, zu dessen 400. Todestag am 13. September die Odenwälder Tagespresse schrieb, dass wir es ihm zu verdanken hätten, dass die Region bis heute fest im katholischen Glauben verwurzelt ist.

Katholisch hin oder her, das Schloss hat mir gefallen, und ich kann es Ihnen nur ans Herz legen. Falls Sie es nicht auf Anhieb finden – das geht allen so, die Dame in der Touristinfo ein Dorf weiter grinst dann nur und hilft auch gerne weiter. Dass schon der Parkplatz mitten in the middle of nowhere zwei Euro kostet, der Eintritt aufs Schlossgelände (allerdings inkl Führung) fünf Euro, seis drum. Immerhin das Pullern ist umsonst. Und wenn den lieben Kleinen der Weg vom Parkplatz bis zum Schloss zu blöd ist, dann spielen Sie lustiges Rollator-Zählen mit ihnen, da haben sie zu tun, den vielen Kaffeefahrtenreisebussen sei Dank.

Nein, ernsthaft, Sie sollten da mal hin, vom Odenwald aus eine gute Stunde hin und eine zurück, das wird doch wohl mal drin sein.

 

 

 

12 von 12.

Oha, heute ist schon wieder mal der Zwölfte des Monats, und da sind wir immer herzlich aufgefordert, zwölf Bilder zum Tage zu zeigen, für alle, die das spannend finden. So will es die Frau mit den Kännchen, und dem kommen wir gerne nach, bei der Kännchenfrau können Sie dann auch alle anderen Zwölfer begucken.

Wie immer morgens: Hunderunde.

 

Kalt und eklig.

 

Ich will da rein! Fische füttern, Mäuse jagen.

 

Forellenfüttern ist ohne Forellenschlüssel leider essig. Der Schlüssel liegt daheim, da liegt er gut.

 

Ja, ja, der Spätsommer im Odenwald-Büro.

 

Termin zum Thema: Bundestagswahlkampf. Ja, da staunt man.

 

Bürohündchen bleibt auf dem Teppich.

 

Mittagspause. Ja, Sie dürfen ein bisschen neidisch sein.

 

Unter www.marinetraffic.com recherchiert. Irgendwo da ist ein Castortransport unterwegs. Ein bisschen Fernweh bekommen.

 

Bürohund möchte man sein.

 

Feierabend naht. Büroschuhe aus, Gummibotten wieder an.

Chorprobe.

 

 

 

 

In eigener Sache.

Der weltbeste Drucker unseres Vertrauens ist ein treuer und offenbar auch begeisterter Leser dieses Blogs, denn er hat schon lange darauf gedrungen, dass wir endlich mal einen Fotokalender herausbringen sollten, mit Bildern eben hier aus diesem Blog.

Da hat er mehr oder weniger Eulen in den Odenwald getragen, wir haben nicht so sehr lange überlegen müssen, aber dann doch ziemlich lange ausgewählt, gestaltet, verworfen, neu geplant, fotografiert, gezeichnet und gerechnet und gespeichert.

Und jetzt ist er also da: Für alle, die sich ein Stückchen dieser schönen Region nach Hause holen wollen, und für alle, die sich an den Fotos erfreuen können!

 

Unterwegs.

Der LandLebenBlog Kalender 2018

 

 

Impressionen aus Odenwald, Neckartal und Bauland.

 

DIN A3 Hochformat

 

mit Fotos rund um Balsbach, Wagenschwend, Waldhausen, Bödigheim, Altheim, Ünglert, Gottersdorf, Neckargerach, Dallau, Buchen.

 

 

Erschienen bei: Folio Editionen

Druck: Henn und Bauer, Limbach

Abholpreis: 18,00 € inkl MwSt, oder 22,00 € inkl Verpackung, Versand und Porto.

 

Hier können Sie den Kalender bestellen:

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Ausflugstipp.

Ich hätte da zum Wochenende einen kleinen Ausflugstipp für Sie. Falls Sie Pferdefan sind. Und die entsprechende Klamotte haben. Sie wissen ja: es gibt kein schlechtes Wetter, nur undsoweiterundsoweiter. Also bitte, Sie sind doch nicht aus Zucker.

Jedenfalls gibt es da oben im Hohen Odenwald, ganz bei uns um die Ecke,  diese Stutenmilchfarm, Demeter und so. Da werden, wie der Name bereits andeutet, Stuten gemolken zur Gewinnung von – logo – Stutenmilch. Die ist ziemlich wohlschmeckend und ganz furchtbar gesund noch dazu, deswegen wird die Odenwälder Stutenmilch auch in aller Hergotts Länder exportiert. Und überhaupt ist das hier oben eine von den ältesten und größten in ganz Deutschland, deswegen lohnt sich ein Besuch durchaus. Hier können Sie mal Näheres nachlesen.

Jedenfalls hoppeln da überall auf riesigen Weiden Stuten und Fohlen herum, dass es eine reine Wonne ist. Auch die Melkstände sind durchaus sehenswert, Sie können sich das alles morgen anschauen, beim Tag der Offenen Tür auf dem Kurgestüt, (klick!)  hier können Sie einen Blick ins Programm werfen.

Ich selber werde definitiv nicht da sein, denn Mutter Natur hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht, wenn es um meine Liebe zu Pferde geht; sobald ich nur einen Stall betrete, können Sie eigentlich gleich den Notarzt rufen, mit seinem Spezialequipement für  – oder besser noch: gegen – den allergischen Schock. Ich war unter Einsatz meines Lebens einmal bei einem Rundgang durch die Melkställe dabei und kann Ihnen daher aber versichern, dass sich ein Besuch lohnt.

Nur bei einem müssen Sie aufpassen: Man kann da oben auch Pferde kaufen, auch ganz süße Fohlen. Sollten Sie also mit Ihren kleinen, komplett pferdeverliebten Töchtern da hingehen: Obacht! Nicht, dass hinterher ich schuld bin.

 

 

 

wmdedgt.

Die ganze grosse Bloggerszene wird einmal monatlich zum sogenannten Tagebuchbloggen aufgerufen, also dazu, zu beschreiben, was man den lieben langen Tag eigentlich so macht, kurz: wmdedgt, oder zu Deutsch Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Frau Brüllen  hat das vor Jahren mal losgetreten, bei ihr verlinken alle Tagebuchblogger  heute ab 18 Uhr ihre Beiträge und können sich dann also gegenseitig ins Tagebuch reinschmulen.

Ich bin heute zum immerhin 22. Mal dabei, und heute ist einer dieser wenigen Tage, an denen ich tatsächlich ausnahmsweise auch was tue, und nicht nur faul in der Sonne herumliege, ja, da staune ich selber.

A propos liegen, das war heute früh eher essig, ich federe um 4 Uhr 30 aus den Federn, so lässig, wie die Uhrzeit und die müden Knochen das eben zulassen um diese frühe Stunde. Also eher etwas un-lässig, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Der Job führt mich um diese Tageszeit zu einem wenig romantischen Ort am ansonsten doch ganz lauschigen Neckar, ich betrachte das abgeschaltete Kernkraftwerk Obrigheim, das still und schläfrig am Ufer herumsteht, obwohl ich doch eigentlich geschäftiges Treiben erwartet hatte.

Ganz investigativ starre ich also da rüber, aber es hilft alles Starren und Hypnotisieren nichts, das Kraftwerk schläft, die Castorbehälter schlafen offensichtlich auch, und das Transportschiff, das mal wieder eine Ladung Brennelemente nach Neckarwestheim bringen soll, begleitet von Protesten, das schläft erst recht. Und die iphone-Kamera macht auch nicht, was ich will, Sie sehen das ja selber.

Also alles vergebens, ich informiere die Kollegen in den angeschlossenen Funkhäusern, so nannte man das früher, alles Mist, sage ich, ich bin umsonst hier draussen, die Laune droht zu leiden, da gehe ich stattdessen doch ein bisschen spazieren, was soll man morgens gegen 6 Uhr schon anderes machen.

Und schön isses, da unten am Kraftwerk, zumindest, wenn man in die entgegengesetzte Richtung läuft, mit dem Atommeiler im Rücken, die Frachtschiffe schieben sich tuckernd und blubbernd behäbig durch den Fluss, es riecht nach Kamille und frisch gemähtem Gras, am Ufer stehen Reiher, Regen und Tau glitzern in den Wiesen, an den Maisblättern hängen dicke Tropfen. Irgendwann ist es Sieben, Zeit ins Büro zu gehen und endlich mal ein bisschen was zu schaffen, hahaha.

Mittags gönne ich mir eine kleine Pause und einen Besuch beim Doktor, im Wartezimmer werde ich zwangsweise in den Ruhemodus versetzt, das kann ja mal nicht schaden.

Zurück im Büro wachsen meine Ohren quasi mit dem Headset des Telefons zusammen, während ich mit beiden Händen durch das www surfe und recherchiere, was Beobachter vor Ort so sagen.

Also:  morgen, morgen, nur nicht heute,  im Geiste stelle ich den Wecker schon mal erneut auf 4 Uhr 30. Der Bürohund schläft derweil den Schlaf der Gerechten, er hat es sich verdient, er ist seit 4 Uhr 30 auf den Beinen, ich hingegen ja erst seit fast 13 Stunden. Aber ich will nicht maulen, solche Tage machen ja auch Spaß zwischendurch, wozu ist man sonst Reporter geworden, das hätte man sich früher überlegen müssen. Aber beim Anblick des selig schnarchende Hundes überkommt mich doch ein gewisser Neid.

Und deswegen fahre ich jetzt heim, natürlich nochmal am abgeschalteten Kraftwerk vorbei, dann den Neckar entlang, es gibt Schlimmeres. Denken Sie immer dran: Manch ein Japaner zahlt ein Jahresgehalt, um hier ein einziges mal im Leben langfahren zu können!, pflegt mein Bürovermieter zu sagen, wenn ich mal wieder über die Strecke schimpfe, weil sie sich mitunter zieht wie Kaugummi. Er hat ja recht.

Also, bitte, fahre ich jetzt eben los. Lasse mich dann zuhause bekochen vom Gatten, werde nochmal nach den Hühnern gucken und dann mit ihnen ins Bett gehen. Also, im übertragenen Sinne, naja, Sie wissen schon. 

 

 

 

 

 

 

Im Vorbeifahren.

Treue Leser kennen das Procedere bereits: Die Kamera wird willenlos aus dem fahrenden Auto auf alles gerichtet, was da so vorbeizieht, und fast ebenso willenlos wird auf den Auslöser gedrückt. Manches wird schief und krumm, manches etwas unscharf, aber so bekommen Sie mal einen unmittelbaren Eindruck von dem ganzen Drumherum hier. Und wenn Sie jetzt noch ahnen, wo wir diesmal unterwegs waren, sind Sie schon ein echter Profi.