Der Preis ist heiss.

Ja, ich habe den tollsten Job der Welt. Und superschnelles Internet, hier in der vermeintlichen Provinz. Und den ganzen Tag volle Pulle Sonne aufs klitzekleine Büro. Nur leider keine Klimaanlage. Und jetzt will ich nichts mehr hören. Dass das klar ist!

Morgens um 10 ist die Welt auch nicht mehr ganz in Ordnung.

P.S. Aber immerhin hab ich jetzt einen Termin für den Reifenwechsel ausgemacht. Winter- auf Sommer. Naja, Sie wissen schon. Also, bitte.

Steinmänner.

Das passiert mir immer wieder: ich stolpere durch den Wald vor der Haustür, ich latsche so vor mich hin in Gedanken, und dann verlaufe ich mich prompt. Ja, nach all den vielen Jahren verlaufe ich mich tatsächlich und gerate auf Wege, auf denen ich noch nie zuvor gegangen bin.

Herrjeh, wo bin ich?

Angst bekomme ich da inzwischen keine mehr, trotz meines komplett non-existenten Orientierungssinns. Ich kann ja nicht mal einen Kompass bedienen, ja, da wundern Sie sich. Nach all den Jahren aber ahne ich zumindest grob die Richtung oder erkenne an irgendwelchen Lichtungen und Kreuzungen dann doch wieder vertraute Wege.

Jedenfalls fühlt es sich immer wieder an wie ein kleines Abenteuer, und wenn es ganz dicke kommt, dann bilde ich mir ein, auf diesen Pfaden, durch dieses Dickicht, fern ab jeder Zivilisation, sei noch nie ein Mensch vor mir gegangen. Ich fühle mich dann wie der olle Amundsen bei seiner ersten Expedition am Nordpol. Oder am Südpol. Nur, dass ich da draußen nicht ganz so warm angezogen bin wie der gute Amundson und seine Leute, Badisch-Sibirien hin oder her. Naja, Sie wissen schon.

Ich denke dann also über die unberührte Natur nach, in die in den vergangenen Jahrmillionen der Erdgeschichte noch nie ein menschliches Wesen seinen Fuß gesetzt hat (bis ich mir hierher verlaufen habe), und dann steht da plötzlich, Zack!, ein Steinmann vor mir. Nicht Steinbrück, nicht Steinmeier, Gott bewahre, sondern Stein-Mann. Steinmännchen, sozusagen.

Händiknipse mal wieder. Glauben Sie, ich schleppe die fette Kamera mit in die Wildnis?

Da war also tatsächlich einer vor mir da. Vielleicht stammt diese Steinpyramide, offiziell Steinmännchen, natürlich noch aus früheren Jahrtausenden, vielleicht hat ein Homo heidelbergensis den Steinmann hier aufgestellt. Der wohnte ja hier in der Nähe, der Homo heidelbergensis, und er hat mit Frau und Kindern bestimmt auch mal Ausflüge in den Odenwald gemacht, so stelle ich mir das jedenfalls vor. Machen Familienväter aus dem Rhein-Neckar-Kreis ja gerne, sowas. Oder es war irgendein stinknormaler Wanderer, einer wie ich, der hier die Steine kunstvoll aufeinander gestapelt hat, um zu zeigen Ich war da.

Touristen, die an Gewässern Urlaub machen, bauen besonders gerne Steinmänner. Hab ich im Zuge meiner diesbezüglichen intensiven und nahezu wissenschaftlichen Recherche gelesen. Ob an der Isar oder auf den Balearen, – wo Wasser ist, und Kiesel, da wird gestapelt, was das Zeug hält. Die Leute haben im Urlaub offensichtlich Langeweile. Googlen Sie mal nach Bildern zum Thema Steinmännchen oder Steinpyramide, da versteinert man vor lauter Steinen. Was früher ein fast überlebenswichtiges Instrument zur Weg-Führung in den zerklüfteten Bergen war, hat sich zu einer Art Volkssport entwickelt.

Neulich durfte ich mit einer Geopark-Rangerin durchs Odenwälder Gelände stapfen. Nicht, damit ich mich bloß nicht wieder verlaufe, nein, nein, sondern im Zusammenhang mit einer kleinen Reportage. Und wie wir da durch unwegsames Gelände kraxelten, immer bergauf, über Stock und Stein, da stand natürlich am Wegesrand plötzlich wieder ein Steinmännchen. Und da!, noch eins. Und dort hinten auch. Ach, wie hübsch!, keuchte ich und nutzte die Gelegenheit, um kurz stehen zu bleiben und unauffällig zu verschnaufen. Gar nicht hübsch!, sagte die Geopark-Rangerin streng und kraxelte völlig ungerührt weiter.

Ihr gingen die Steinmännchen inzwischen gehörig auf den Zeiger, sagte sie, als wir dann am Ziel angekommen waren. Überall müssen Menschen in die Natur eingreifen, nichts können sie so lassen, wie es ist, sagte sie, und überall müssen sie ihre Spuren hinterlassen. Die ganz Schlimmen hinterlassen ihren Dreck. Weil sie die volle Sprudelflasche zwar in den Wald hineinschleppen – aber die leere hinterher nicht wieder mit nach Hause tragen können. (Ersetze Sprudelflasche durch Einwickelpapier, Plastiktüten, Chipstüten, Plastikflaschen, Bierdosen, Kronkorken etc)

Die Anderen klauben am Strand oder im Unterholz, im Wald und im Gebirge Kiesel oder Geröll oder Buntsandsteinbröckchen zusammen und hinterlassen die Steinmännchen. Ich! war! hier!, soll das heißen. Warum auch immer. Im Internet habe ich gelesen, dass die das aus Verbundenheit mit dem Ort machen. Der hat ihnen also offenbar so gut gefallen, dass sie ihn gleich mal ein klitzekleines bisschen verändern müssen, und ihm ihre Handschrift aufdrücken. Oder als Teil einer Massenbewegung. Hui, hier stehen, schon 1.352 Steinmännchen am Strand, da baue ich doch ganz originell-individuell noch einen dazu! Bei wikidingsbums ist außerdem noch die Rede von der symbolischen Inbesitznahme eines Ortes.

Ja, Steinmännchen sehen hübsch aus, und ich bewundere das Können mancher Zeitgenossen, olle, krumpelige, schiefe, krumme Steine dermaßen zu stapeln. Aber symbolische Inbesitznahme eines Ortes klingt unsympathisch. Aber sowas von. Und mit Steinmännchen ist es ja offenbar ähnlich wie mit Peepshows oder Spielhöllen: Wo eine kommt, siedeln sich schon bald die nächsten an.

Einigen wir uns darauf: Es ist kompliziert.

Sie kennen vielleicht den alten Pfarrerspruch für die alljährliche ruhige Adventszeit: Wir hetzen von Besinnung zu Besinnung. So in etwa war das heute bei mir auch, obwohl es bis zum Advent ja noch ein bisschen hin ist. Ich bin heute von Berufs wegen von einer christlichen Erbauung zu nächsten gerannt, und das auch noch volle Pulle ökumenisch.

Und ab sieben Uhr früh. Im übrigen weiß man, dass man als Regionalreporterin im ländlichen Raum unterwegs ist, wenn man schon zum Termin im halben Morgengrauen von den Interview-Partnern ein selbstgebackenes Frühstück mitgebracht bekommt. Das hat mich dann über den durchweg religiösen Tag gerettet. Denn der war zwar reich an geistlicher Nahrung, aber wirklich zu beißen hatte ich nichts. Keine Zeit, vor lauter lauter.

Morgens erst Menschen interviewen, die zum Evangelischen Kirchentag nach Dortmund aufbrechen, dann ins Büro, dann in das katholische Herz der Region, nach Walldürn. Wallfahrt zum Heiligen Blut, das ganze Städtchen voller Pilger. Und jede Menge Fliegende Händler.

Zum guten Schluss ein Interview in einer Garage, schlicht, aber auch sehr christlich. Also, die Garage, nicht das Interview. Und vermutlich die einzige Garage auf Gottes weiter Welt, die so betörend nach Rosen und Flieder duftet, dass der Besucher schier aus den Latschen kippt, sobald die Garagenbesitzerin das knarzende Tor geöffnet hat. In der Garage lagern all jene gefühlt 26.493 frisch gepflückten Blüten und 1,2 Mio Blüten-Blätter, die morgen für die Blumenteppiche zur Fronleichnams-Prozession in Walldürn gebraucht werden.

Kann man nur hoffen, dass der liebe Petrus den Damen mit den Teppichen nicht einen Strich durch die blumige Rechnung macht. Hagel oder Starkregen oder so. Ein ordentlicher Wind würde schon reichen, um die duftende Pracht und das Farbenmeer zunichte zu machen. Wäre schade. Aber ich denke mal, Petrus hat einen Sinn für katholische Fronleichnamsprozessionen.

Falls Sie nochmal nachlesen wollen, was das mit Fronleichnam eigentlich auf sich hat, bevor Sie sich über den morgigen Feiertag so ganz allgemein freuen, bitte (Klick!) hier entlang. Ist wirklich interessant zu lesen. Vorallem die sehr unchristlichen Streitereien rund um dieses Fest.

Außerdem habe ich mal vor ein paar Jahren eine kleine Slideshow über die Wallfahrt und den Mesner gemacht, das war auch ganz nett. Man erfährt da auch, was sich hinter dem Heiligen Blut verbirgt. Ich habe das für Sie nochmal aus dem Archiv gekruschtelt.

Und wenn Sie mal Blumenteppiche de luxe sehen -, oder einfach an einer Prozession teilnehmen wollen, dann sollten Sie morgen oder am Donnerstag nächster Woche da mal hin. Hier ist das Wallfahrtsprogramm.

Existentielleis.

Ja, der eine oder andere wundert sich nun schon mal gleich über den Schreibfehler in der Überschrift. Ist aber gar keiner, hahahaha, reingefallen! Es geht nämlich heute um Aussiedlerhöfe, ja, da staunen Sie.

Entgegen der absolut entrüsteten Überzeugung eines Berliner Kollegen von mir handelt es sich im Übrigen bei Aussiedlerhöfen nicht um Höfe weit ab jeder Zivilisation, auf denen arme Aus- und Übersiedler zusammengepfercht wohnen müssen. Weit ab jeder Zivilisation stimmt, hat aber mit Aus- und Übersiedlern nicht zu tun. Ist einfach ein großer Bauernhof, der einst aus der Dorfmitte raus sollte, ausgesiedelt in die Pampa. Mehr Platz, weniger Gestank, oder so. Ich erkläre das hier zur Sicherheit nochmal ganz grob, damit es nicht noch mal zu derlei Missverständnissen kommt.

Jedenfalls meinen manche ja, auf einem Aussiedlerhof könne man ja nun mal gar nicht leben, weil viel zu weit weg von allem. Aber ich frage Sie nach meinem heutigen Besuch bei den Freunden auf dem Aussiedlerhof: Was braucht man denn an Tagen wie diesem überhaupt? Das Wichtigste ist doch da, es kommt aus der Tiefe des Odenwälder Raumes angebrummt, über Felder und Wiesen und durch einen menschenleeren Wald, es klingelt laut, und dann ist der Tag am vermeintlichen Ende der Welt doch gerettet. Also, bitte.

Und wenn mal der Enkel zu Besuch ist, oder irgendwelche anderen Familienmitglieder auf dem Aussiedlerhof einfallen, dann möge man ihn einfach schnell anrufen, dann kommt er jederzeit vorbeigebrummt, sagt der freundliche Mann im Eismobil. Wenn man ihn braucht hier draußen in der endlosen Weite, dann ist er da. Ganz einfach.

Da sollten sich die Telekom, die Stromversorger, die Mobilfunkbetreiber, der ÖPNV und viele andere mal ein Beispiel nehmen an dem Eismobil, jawohl. Aber wofür brauchen wir da draußen Internet, Mobiles Netz und öffentliches Leitungswasser? Hauptsache, der Eismann kommt. Na also, bitte.

Unterwegs.

Die Ziegen sind heute abgeholt worden, und es sieht aus, als hätten wir da einen gewissen Glücksgriff getan. Wenn die Viecher schon wegmüssen, (zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte den Gatten), dann doch bitteschön in gute Hände. Der erste Interessent, der sich neulich auf die Kleinanzeige meldete, dem lief mit Blick auf das seinerzeit unmittelbar bevorstehende Zuckerfest schon das Wasser im Munde zusammen und er verlangte bot an, die lieben Kleinen sofort zu holen und direkt auf den Grill zu werfen. Das ist ja durchaus legitim, war aber nicht so ganz in meinem Sinne.

Jedenfalls sind die Beiden heute klaglos in ein Auto mit schwäbischem Kennzeichen gestiegen, zu einer Frau, die sich auskennt und noch andere große und kleine Viecher ihr eigen nennt. Und von berufswegen mit Tieren zu tun hat, also bitte, das müsste passen.

Ich habe mich allerdings aus Gründen den ganzen Tag irgendwo herumgetrieben, weil ich nicht dabei sein wollte. Dafür habe ich Ihnen ein paar Fotos mitgebracht.

Körperpflege.

Gestern bei der besten Hundefrisörin ever gewesen. Was muss, das muss, sagte der Tierarzt. Das sind die Schattenseiten des Landlebens und der Tierhaltung, es kreucht und fleucht da mitunter so einiges. Zum Vergnügen machen wir das nicht. Und dann auch noch dieser Moment, als das alte Hündchen beschloss, mich für den Rest seines Leben zu hassen.

Schreiben? Schreiben!

Es ist ja leider bis heute nicht geklärt, ob ein Blog eigentlich männlich oder sächlich ist. Der Blog oder das Blog. Letzten Endes ist das aber völlig wumpe. Fest steht hingegen, dass dieses oder dieser merkwürdige LandLebenBlog nunmehr auf den Monat genau vor sechs Jahren an den Start gegangen ist. Ich finde, Sie sollten das wissen.

🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩Ach, Du Schreck! Die Zeit vergeht. Heute vor sechs Jahren ist der LandLebenBlog online gegangen….

Gepostet von Landlebenblog am Freitag, 7. Juni 2019

Am Anfang hatte ich so einen selbstgebastelten jimdo-Gedöns-Blog, irgendwann folgte der Umzug auf wordpress. Aus schrottigen Händifotos wurden zunehmend ansehnlichere Bilder, Ausnahmen bestätigen die Regel, und die Texte gaben und geben sich hier weiterhin halbwegs regelmäßig die Klinke in die Hand. Mehr als 1.200 Beiträge sind es inzwischen laut Statistik, die insgesamt fast 8.000 Kommentare hervorgerufen haben. Und wenn ich nochmal die – wenngleich etwas schrumpelige, weil DSGVO-konforme- statify-Statistik bemühen darf: Täglich zählt die Seite zwischen 1.000 und 2.000 Aufrufe.

Ich habe nicht wirklich eine Ahnung, was das bedeutet und ob es viel oder wenig ist – aber ich freue mich über jeden Besucher und jede Besucherin und wollte einfach mal Danke! sagen. Danke fürs Mitlesen, Danke fürs Kommentieren, Danke für viele Komplimente, Danke für kritische Anmerkungen. Sie müssen auch nicht wild herumklicken, um die Zahlen in die Höhe zu treiben, das passt schon. Wenn Sie hier mitlesen, manchmal irgendwas mitnehmen, eine Erkenntnis, ein Lächeln am Morgen, dann freut mich das sehr. Also, nochmal: Danke. Von Herzen.

Ich habe natürlich in diesen Tagen darüber nachgedacht, wieso ich diesen Blog einst überhaupt gestartet habe, und warum ich all die Jahre drangeblieben bin. So ein Blog macht ja nicht nur Freude, sondern nebenbei auch Arbeit, ja, da staunen Sie. Dauernd das Geschreibe, ellenlang, und schön zu lesen soll es auch noch sein. Und dann auch noch die Fotos, ach Du liebe Zeit, nee, von alleine macht sich das alles ja nun nicht. Naja, Sie wissen schon.

Zufall oder nicht: Ich stolperte dieser Tage über eine aktuelle Blogparade, die das Schreiben zum Thema hat. Schreiben über das Schreiben sollen die Blogparaden-Teilnehmer bitteschön. Und das mache ich jetzt auch. Wenn es Sie interessiert, lesen Sie einfach weiter. Wenn nicht, klicken Sie sich einfach aus. Und sagen Sie hinterher nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.

Schon wieder bloß ein schrottiges Händifoto.

Mir fielen neulich olle Letraset-Bögen aus des Gatten Grafikdesigner-Vergangenheit in die Hände, schlappe 40 Jahre auf dem Buckel und dementsprechend zu nichts mehr zu gebrauchen. Aus Rubbelbuchstaben sind inzwischen mehr oder weniger Bröselbuchstaben geworden, die sich von der durchsichtigen Folie bröselnd lösen, sobald man sie nur mal scharf anguckt. Der Gatte wollte den ganzen Stapel in den Müll werfen.

Nun hatte ich da aber noch diesen historischen Fensterrahmen aus der ebenfalls längst historischen Schule im Nachbardorf, und ich kam auf die Idee, beides miteinander zu einem kleinen Objekt zu verarbeiten. Also Letrasetbögen statt Fensterscheiben, ein paar Nägel und ein Hammer, und fertig war das Dekoteil für den Schreibtisch.

Und wie ich so davorstand und mein Werk bewunderte, kam mir der Gedanke: genau das ist es. Buchstaben, Worte, Schrift, das alles ist mein Fenster in die Welt. Und die Welt kommt, umgekehrt, zu mir nicht selten auch durch Buchstaben, Worte und Schrift.

Am Anfang, lang ists her, hatte ich es ein bisschen schwer auf dem Land. Und das Land hatte es wohl auch ein bisschen schwer mit mir. Jedenfalls gab es einen gewissen Mangel an Gesprächspartnern, um es mal vorsichtig zu formulieren, und so fing ich mit dem Bloggen an. Die Geschichten, die Erlebnisse, die Erkenntnisse, das Staunen, die Fragen, das alles musste raus, wollte erzählt werden. Und ich erzählte und schrieb, und schrieb und erzählte, es las ja anfangs gottlob keiner mit. Hauptsache schreiben, reflektieren, nochmal drüberlesen, Punkt und abgehakt.

Mein Job bringt es mit sich, dass ich Geschichten erzählen und weitergeben möchte. Traurige und lustige, lehrreiche und spannende, Dramatisches und Alltägliches. Weil das ganze Leben aus Geschichten besteht, und man manches daraus lernen kann. Weil hinter jeder noch so kleinen Meldung mitunter eine riesige Geschichte steht.

Manche Geschichten kann ich selber überhaupt nur erfassen und verdauen, wenn ich sie weitererzähle. Ich höre die Geschichten, sie ordnen sich langsam in meinem Kopf und fließen dann direkt in die Finger und in die Tastatur. Viel zu schnell fließen sie inzwischen, als dass ich sie noch per Hand aufschreiben könnte, sie bilden sich beim rasend schnellen Tippen, 30 Jahre Berufserfahrung und tägliches Training machens möglich.

Von Berufs wegen spreche ich die Texte dann ein fürs Radio. Aber privat freue ich mich am Geschriebenen, an den Wörtern, den Texten. Die bleiben, die versenden sich nicht in Minutenschnelle. Zeile für Zeile kann man sie lesen, und manchmal, selten, aber immerhin manchmal, schaffe ich es mit Wörtern und Sätzen, irgendwas und irgendwen zu bewegen, so oder so.

Dass es letzten Endes Buchstaben sind, die das möglich machen, fasziniert mich immer wieder. Ich reihe ein paar Buchstaben aneinander, es entstehen Texte daraus, und die erzählen eine Geschichte. Vielleicht sogar eine richtig gute. Und diese Geschichte geht dann raus in die Welt, sie wird gelesen und erzählt und weitergesagt, und manchmal trifft sie auf Einen, der sagt: genau so ist es, das ist auch meine Geschichte. Oder irgendjemand da draußen hat Kummer und Sorgen, er liest die Buchstaben, den Text, die Geschichte, und er muss lächeln. Einfach so.

Ich könnte nicht leben ohne das Schreiben. Ich wüsste nicht, wohin mit mir und all den Geschichten. Mit all den Fragen, den Erkenntnissen, den Erlebnissen. Sie müssen von mir aufgeschrieben werden. Manch eine Geschichte erscheint mir so bewegend, so wunderschön, so schrecklich oder auch dramatisch, dass ich sie aufschreiben muss, um daran nicht zu ersticken. Andere sind vielleicht banal, aber nett, alltäglich und doch alle irgendwie besonders, die wollen aufgeschrieben werden.

In diesem Zusammenhang fällt mir dann auch immer Boris Becker ein. Ja, da staunen Sie schon wieder. Tut mir leid, muss aber sein. Bei Boris Becker habe ich nämlich vor gefühlten 120 Jahren zum ersten Mal gehört, wie das ist, wenn er als Tennisspieler vor einem großen Match in diesen Tunnel gerät. Seitdem weiß ich also, dass dieses mir wohlbekannte Phänomen einen Namen hat.

Ich gerate in einen Tunnel. Ich konzentriere mich dann nur noch auf das Schreiben, will um mich herum nichts mehr hören oder reden müssen. Ich will Wörter und Sätze in meinem Kopf hin- und herbewegen, drehen und wenden, und die Ideen und Gedanken, Gefühle und Eindrücke in die Finger und die Tasten fließen lassen, auch Sinneseindrücke in Buchstaben und Text verwandeln. Damit Leser nicht nur lesen, sondern fühlen, hören, schmecken, spüren. Ich verliere das Gefühl für Zeit und Raum, für einen Moment oder auch mal für ein paar Stunden. Ich gerate also in den Schreib-Tunnel. Zwangsläufig. Denn Tennisspielen kann ich ja leider nicht.

Feierabend-Verkehr.

Falls Sie heute mal wieder irgendwo im Stau stehen, habe ich einen Trost für Sie: Das geht anderen genauso. Eventuell besteht sogar die halbe Welt aus Stau. Und manch einer verbringt einen Gutteil seines Lebens in irgendeinem Stau. Es gibt da so Wissenschaftler, die haben das mal ausgerechnet, wieviel Lebenszeit der durchschnittliche Arbeitnehmer eingezwängt in seinem Auto und eingezwängt in 1.493 andere Fahrzeuge drumherum verschwendet. Das ist nur auf den ersten Blick lustig, auf den zweiten zum Verzweifeln.

Jedenfalls hat mein gestriges Foto vom Feierabendverkehr im Odenwald mindestens bei einer Leserin Weinkrämpfe ausgelöst, man kann das in den Kommentaren nachsehen. Und weil ich gehässig bin und eine Mission habe, lege ich hier die long-version in Bild und Ton nach. Feierabendverkehr in der vermeintlichen Provinz. Leute, zieht aufs Land!

12 von 12.

Am Zwölften eines Monats zwölf Bilder einstellen, die den Tag dokumentieren, Das will die freundliche Frau Nachbarbloggerin von uns, und Viele machen mit. Alles, was da so fotografisch-tagebuchartig zusammenkommt, können Sie am Ende des Tages hier nachlesen.

1/12 Zur Hunderunde. Da kommt Freude auf.
2/12 Den ersten Termin absagen. Outdoor-Reportage funktioniert nicht bei Wolkenbrüchen.
3/12 Im Büro erstmal Klamotten trocknen. Auf der warmen Heizung. Mitte Juni im Odenwald.
4/12 Den Wasserschaden im Büro begrüßen. Wie jeden Morgen, seit sechs Monaten.
Tut sich nix.
5/12 Recherchieren, recherchieren
6/12 Die Themenbreite reicht heute wieder von Kriminalität bis Bienenseuche.
7/12 Produzieren, produzieren.
8/12 Mittags im Park.
9/12 Meine Rede.
10/12 Mos Bach.
11/12 Blick aus dem Büro. Na, also. Geht doch.
12/12 Und jetzt ab in den Feierabendverkehr.