Limax maximus.

Ich habe da dieser Tage, als wir mal rasch und einer spontanen Eingebung folgend die Holzterrasse herausgerissen haben, ich habe dabei also eine neue Freundin gefunden. Genauer gesagt habe ich beim Herausreißen der vermoderten Holzbretter aus dem glibberigen Matsch ersteinmal in diese neue Freundin quasi volle Pulle hineingelangt mit den nackten Fingern, das fühlte sich in etwa so an wie wenn man auf eine Qualle beißt, Sie wissen sicher, was ich meine.

Hallo, Maxi.

Zunächst mal habe ich natürlich einen hysterischen Schreikrampf bekommen, wozu ist man schließlich Landfrau. Danach habe ich die Hände nach Kratz- und Bißspuren abgesucht, ich habe gefühlt, ob noch alle Finger an ihrem angestammten Platz sind und ob irgendwo rohes Fleisch zutage tritt. Derweil kroch das gefühlt etwa 1 Meter lange und Unterschenkel-dicke Wesen in aller Seeleruhe weiter am matschigen Brett entlang, als ginge es darum, beim Flanieren auf dem Ku’damm sein Leopardenjäckchen auszuführen.

Ich habe dann mit zitternder Hand schnell ein paar Fotos geknipst und wikidingsbums bemüht – und siehe da: Limax maximus ist ein ausgesprochen freundliches Tier, und sehr nützlich noch dazu. Des Gemüsegärtners bester Freund, könnte man fast sagen, denn Klein-Limax und Groß-Maximus fressen ansonsten an Nacktschnecken alles, was ihnen vor dem riesigen Maul herumkriecht. Na, wenn das nichts ist.

Nennen Sie es ruhig Tigernacktschnecke, ich nenne es Wunder der Natur.

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Ich habe Maxi also direkt in den Gemüsegarten getragen, wie mit einer wertvollen Gabe zum Altar schreitend, an einen schattigen Ort, und ihr gut zugeredet. Habe ihr vorgeschwärmt von all den fetten glitschigen widerwärtigen, aber leckeren Nacktschnecken, die jede Nacht an unserem Salat, an den Zucchini und überhaupt eigentlich überall zu finden sind. Hmmmm, Nacktschnecken!, habe ich geflötet, lecker, lecker, lecker, lecker, lecker, lecker, Sie kennen diesen Spruch, der kommt schließlich aus dem Odenwald, muss also motivierend wirken.

Morgens gehe ich jetzt also immer in den Gemüsegarten, ich rufe Hallo Maxi, süße Maus, gut geschlafen und auch satt geworden?, ich schaue danach, dass sie es gut hat da draußen, ich sammle die restlichen widerwärtigen Nacktschnecken von den Wegen und werfe sie ihr zum Fraße vors Maul. Und nachts lausche ich manchmal in die Dunkelheit hinaus, und ich bin sicher, ich habe es in den vergangenen Nächten schon mehrfach laut schmatzen und rülpsen gehört. Und wenn mich demnächst jemand fragt, ob ich Haustiere habe, werde ich sagen, Ja klar! Ich habe Hunde, Katzen, Hühner, und ich habe Maxi. 

 

 

 

P.S. Ein bißchen unklar ist und bleibt, warum die Tigernacktschnecke Tigernacktschnecke heißt, obwohl sie doch ein Leopardenjäckchen trägt. Offenbar kannten die Entdecker der Tigernacktschnecke zwar Tiger, aber noch keine Leoparden. Oder die Tigernacktschnecke hatte zu dieser Zeit den gesamten Leopardenvorrat aufgefressen, was weiß denn ich.

 

 

Blaumanns Erzählungen.

Man muss im Leben einfach Prioritäten setzen, sonst wird das ja alles nichts. Jedenfalls war ich heute Nachmittag auf einem offiziellen Termin unterwegs, hoch über dem Neckar in einer Burg, dort hatte ich die Burgherrin zu interviewen, sowas hat man auch nicht alle Tage, Landadel undsoweiter, die Burg seit dem 12. Jahrhundert bewohnt, die Dame war nett und der Ausblick großartig, und jedenfalls hatte ich vergessen, das Handy währenddessen stumm zu schalten.

Das war zwar äußerst unschicklich, erwies sich aber als wahrer Glücksfall, denn kaum hatten wir unser nahezu pulitzerpreisverdächtiges Burg-Interview beendet, bimmelte auch schon das Telefon, mein Geo, am nervösen Klingelton unschwer zu erkennen. Schnell!, schrie er in die Sprechmuschel, die leider schon lange nicht mehr so heißt, komm schnell, schrie er also mit sich überschlagender Stimme, als sei der Leibhaftige hinter ihm her, es soll Gewitter geben, und wir müssen doch die Kartoffeln ernten!

Also: Prioritäten setzen. Was sage ich: es geht hier um die existentiellen Dinge des Lebens, um nicht weniger als unser Grundnahrungsmittel, also bin ich nach hektischer Verabschiedung auf der Burg hoch oben hastewattkannste zurück in die Niederungen gerast, mit Mühen durch die Ebene, und wieder rauf in den Hohen Odenwald, dortselbst in den Blaumann gesprungen, und im Gemüsegarten vor den verdorrten Kartoffelpflanzen auf die Knie gefallen.

Die Erde ist schwer und nass, und nach dem sonnigen Tag richtig warm, und ich stelle einmal mehr fest, dass es fast nichts Schöneres gibt, als mit den nackten Händen darin herumzuwühlen und goldgelbe Kartoffeln dort herauszuklauben. Keine Ernte macht mich glücklicher als die Kartoffelernte, ja so ist das, und vor Begeisterung singen am Ende sogar die Bandscheiben im Chor ein Lied.

Die Ernte selber ist etwas mager dieses Jahr, so will mir scheinen, Almonda und Annabelle gelten beide als frühreif, es sind sowas wie die Lolitas Teenager unter den Kartoffeln, und was soll man da erwarten. Zwanzig Kilo werden es sein, die wir da also in Windeseile ausgebuddelt haben, bevor dann tatsächlich der angekündigte Regen kam. Für das eine oder andere Abendessen wird es reichen.

Und wo wir gerade dabei sind, schreibe ich Ihnen rasch das Rezept für mein Lieblingsabendessen auf:

Eier (von den eigenen Hühnern)

Kartoffeln (aus dem Garten)

Knoblauch, Rosmarin, Oregano und Thymian (aus dem Garten)

Lollo Rosso, Paprika, Möhren, Tomaten (aus dem Garten)

Olivenöl (vom Freund in Griechenland)

Salz, Pfeffer (ja, das müssen Sie dann schon im Supermarkt kaufen.)

 

Und nun machen Sie was draus. Das kann ja nicht so schwer sein. Und schmeckt besser als alles, was Sie bisher in Ihrem Leben gegessen haben.

Amen. 

 

 

 

P.S.: Die nette Burgherrin wird schwer mit mir schimpfen, weil ich sie Burgherrin genannt habe. Dabei haben wir über was ganz anderes gesprochen heute nachmittag da oben auf der Burg. Es gibt da diesen ziemlich abgedrehten Plan von zwei tollen Frauen, hier: klick! erfahren Sie mehr über die Zwei und ihr tollkühnes Projekt. Sie sollten das in den kommenden Wochen verfolgen, das dürfte ausgesprochen spannend werden.

 

 

 

 

12 von 12.

Zwölf Bilder, die den Zwölften eines Monats dokumentieren, das wünscht sich ja immer die freundliche Frau mit den Kännchen, ich bin heute sehr spät dran, ich musste arbeiten. Also, so richtig, meine ich. für meinen Arbeitgeber und für Geld, naja, Sie wissen schon. Das tue ich jetzt um 21 Uhr 15 immer noch, aber das macht nichts, ich unterbreche mal eben, um Sie ein bisschen an diesem merkwürdigen Tag teilhaben zu lassen.

 

Merk-würdige Fundstücke von der morgendlichen Hunderunde:

Dann zu einem dienstlichen Termin. Wohnmobilkonvoiweltrekordversuch in Walldürn, was es nicht alles gibt. Mit einer very britishen Schiedsrichterin des Guiness-book-of-Records-Verbandes.

Fröhliche Camper getroffen. Ich beneide solche Leute manchmal. Ehrlich.

So ein Konvoi von fast 700 Wohnmobilen, der dauert. Also zwischendurch ein bisschen den Odenwälder Wald erkundet und zumindest etwas frische Luft geschnappt, von wegen Feinstaub undsoweiter. Das böse D-Wort sagen wir an dieser Stelle gar nicht.

Und schnell wieder zurück aus dem tiefen Wald an die brüllend-laute Weltrekordstrecke und zur gestrengen Schiedsrichterin, mit Mikrofon und allem PiPaPo.

Dann endlich durchatmen und heimfahren, durch den Wald und über die Felder, anders wäre da sowieso kein Durchkommen vor lauter Wohnmobilen überall.

Unterwegs kurz Guten Tag gesagt und über die Merkwürdigkeiten dieser Welt nachgedacht.

Zuhause überraschender lieber Besuch, der fachmännisch des Gatten merkwürdigste Kunstwerke begutachtet.

 

Dann fängt die eigentliche Arbeit an. Zwischendurch hat der Mann das Essen gekocht, Huhn mit – dreimal dürfen Sie raten, siehe oben. Und ich schaff jetzt weiter, gute Nacht.

 

 

 

 

1. FC Huhn.

Kennen Sie Frau Kikimora? Sehen Sie, ich kannte die auch nicht. Man sollte sich allerdings mit der Dame mal näher befassen, allzumal, wenn man Hühnerhalter ist. Ob Sie’s nun glauben oder nicht: Frau Kikimora ist es, die allerlei Unbill in den Stall bringt. Ja, da staunen Sie.

Die alte Kikimora schickt den Fuchs und die Milben, die Kalkbeine und die Kropfverstopfung, die Läuse und die Flöhe, ‎die Kokzidiose und die Infektiöse Laryngotracheitis, ja, selbst die. Und wenn Frau Kikimora langweilig wird, stiehlt sie sogar höchstpersönlich Hühner oder Eier. Es handelt sich also alles in allem um eine vergleichsweise unsympathische Person.

Das einzig Gute an Frau Kikimora ist, dass man ihr relativ simpel das garstige Handwerk legen kann, und nun sollten Sie als Hühnerhalter besonders gut aufpassen – falls Sie den Trick nicht ohnehin längt kennen: Man hängt Hühnergötter in den Stall. Ganz einfach. Je mehr, desto besser.

Ich habe natürlich seit mehreren Jahren schon Hühnergötter im Stall hängen, diese Steine mit den geheimnisvollen Löchern, ich habe sie einst an der Ostsee gefunden. Wenn Sie mehr über diese Laune der Natur und über die auch mir bislang unbekannte Frau Kikimora wissen wollen, dann schauen Sie mal hier bei (klick!) wikidingsbums, schöner könnte ich es nicht erklären.

Jedenfalls haben diese Hühnergötter aber offenbar ein Verfallsdatum, mir war auch das neu, aber das ist ja häufig so bei Göttern, und die vergangenen Monate im Hühnerstall haben mich zu der Überzeugung gebracht, das es so sein muss. Mindesthaltbarkeitsdatum offensichtlich überschritten, treue Leser werden sich erinnern, wir hatten jede Menge Hühnerunbill, alles Elend kam zusammen, die steinalten Hühnergötter hingen an einer Schnur friedlich in der Ecke herum, taten nix, und beeindruckten ergo auch Frau Kikimora nicht besonders.

Aber diese Zeiten sind vorbei! Ich habe dieser Tage von einer Bekannten drei neue Hühnergötter geschenkt bekommen, quasi taufrisch und voller Energie, von der englischen Küste, die Freundin erinnerte sich am Strand an die Kokzidiose und die infektiöse Laryngotracheitis, an den Fuchs und die Milben, woran soll man bei einem Urlaubs-Strandspaziergang sonst auch denken. Jedenfalls sammelte sie die Steine auf und brachte sie mir mit nach Deutschland.

Als ich nun heute abend wildentschlossen mit den nigelnagelneuen baumelnden Hühnergöttern Richtung Stall marschierte und so vor mich hinflötete Verpiss Dich Halloooo, Frau Kikimora, jetzt ist Schluss mit Lustig, als ich also da so ins Gehege laufe, flattert doch eines von unseren tiefschwarzen Junghühnern hysterisch kreischend und mit schreckensgeweiteten Augen auf und landet drei (!drei!) Meter hoch mitten im Holunder. Seitdem ist sie von dort oben nicht mehr hinuntergekommen.

Und jetzt weiß ich auch nicht.

 

 

 

 

Unterwegs.

Ich bin heute dienstlich auf der grössten und modernsten Getreideannahmestelle zwischen Heilbronn und Würzburg unterwegs gewesen, das ist nicht so sehr die Postkartenidylle, die man hier ansonsten gewöhnt ist, war aber doch sehr spannend. Weizen, Hafer, Gerste sieht auf den Odenwälder Feldern ja sehr romantisch aus, aber irgendwo muss das Zeugs ja hin, wenn es einen Sinn machen soll.

Ich habe mich da jedenfalls mal in experimenteller Landwirtschafts-Fotografie versucht, ich hatte ja sonst kaum was zu tun heute, ähem, naja, Sie wissen schon. 

 

 

 

 

Bambi.

Es ist immer dasselbe mit den Bambis. Sie sind in irgendeinen Mähdrescher geraten, sind winzigklein und verletzt. Oder verwaist, weil irgendeiner die Mutter abgeschossen oder überfahren hat, oder weil die Mutter sich aus dem Staub gemacht hat, sowas gibt es auch, warum auch immer.

Und dann fiepsen und piepsen sie jämmerlich und weithin hörbar, und meistens sind es die Freunde H. und R., die Bambi aufsammeln, gerne kurz vor Mitternacht oder morgens um drei Uhr; und wenn es sein muss, folgen sie dem Fiepsen und Piepsen quer durch das Unterholz, mal aufrecht gehend, mal stolpernd und kriechend, bei Regen oder Sturm, und immer zu einer Uhrzeit, zu der andere Leute sich wohlig noch einmal im Bett rumdrehen.

Wieso macht Ihr das?, werden die beiden nicht selten verständnislos gefragt, lasst es doch liegen da draußen, die Natur regelt das schon, so ist das Leben. Ein, zwei Tage, dann ist es doch hin. Freund H. sagt dann Weil man sowas nicht macht, und R. rollt bloß mit den Augen.

Und dann bringen sie Bambi zur Nachbarin, Andrea Weismann heißt die und hat einen Erlebnisbauernhof, sehr schön und sehr weit draußen, in der Nähe von Walldürn, zwischen Feldern und Wäldern und Wiesen, fernab aller ernstzunehmenden Verkehrswege. Bambi Eins war durchaus auch Erlebnis, bei Bambi Zwei und Drei kehrte soetwas wie Routine ein, jetzt ist grade Bambi Vier oder Fünf oder wasweißich da, der kleine Bock läuft einfach mit, er gehört zum Alltag auf dem Hof, nicht der Rede wert.

Am Anfang bekommen die Kitze alle paar Stunden die Flasche, rund um die Uhr, das ist nervig, aber es hilft ja nichts, sagt Weismann. Nach dem Trinken müssen sie dann, ob sie wollen oder nicht, in eine Art Kitzwaschanlage, die Anlage heißt Ben und ist ein riesiger, zottiger, hungriger Hütehund.

Ben schlotzt die Milchreste vom Kitz ab, von der versabberten Schnauze oben bis zu den bekleckerten Füßen unten, inklusive Unterboden, Felgen, Stoßstangen, alles wird in stundenlanger Zungenarbeit und mit dem Aktivschaum aus dem Hundemaul saubergeputzt, so lange, bis das Kitz blitzeblank und durchnässt ist und eigentlich schon wieder die nächste Pulle dran wäre.

Ben liebt die Kitze, und die Kitze lieben Ben, so war es bisher immer. Als ich das erste Mal auf den Hof kam, traute ich meinen Augen nicht. Da tobte ein riesiger Hund mit einem kleinen Rehbock herum, sie hopsten aufeinander und neckten sich, sie spielten Fangerles und Verstecken, so schien es mir, das Rehkitz ohne jede Furcht, der tapsige Hund vorsichtig und zart, soweit ihm das möglich war.

Inzwischen ist Ben ein bisschen älter, viele Kitze hat er kommen sehen, von vielen ausgewachsenen Böcken hat er sich am Ende freundlich verabschiedet und dann ein paar Tage noch am Rand des Grundstücks gesessen, den Blick hinaus Richtung Wald, sehnsuchtsvoll, könnte man meinen. Aber irgendwann vergisst er den einen Bock, und dann steht meistens auch schon wieder ein neues Kitz vor der Tür.

Für Ben und die Kitze gibt es auf dem Hof und drumherum keine Zäune, nichts, was sie aufhalten könnte, nichts, was sie einschränkt. Am Anfang folgen die winzigen Böcke auf staksigen, viel zu langen Beinen auf Schritt und Tritt Andrea Weismann, den Kindern oder Ben, egal wem, piepsend und fiepsend, Hauptsache Kontakt, Hauptsache zwischendurch mal ein Stück Apfel, ein winziges Stückchen Brot. Sie hören auf ihren immergleichen und wenig originellen Namen, „Bambi“ kann ich mir wenigstens merken, sagt Weismann, und Besuch wird vorsichtig begrüßt.

Oha, wildfremder Besuch.

Wenn Ben ausnahmsweise mal keine Lust zum Spielen oder Schlecken hat, stakst Bambi durch die Gemüsebeete auf dem Hof, er inspiziert das Gewächshaus und das Hasengehege, er schaut bei den Ziegen vorbei, oder bei den Hängebauchschweinen, irgendwas gibt es da immer zu sehen. Und Bambis Neugierde ist groß, staksend und fiepsend erschließt er sich die Welt, die immer größer wird.

Inzwischen unternimmt der kleine Bock sogar erste Ausflüge in die weitere Umgebung, vielleicht trifft er unten im Wald ein paar Kumpel oder eine artgerechte Ersatzmutter, vielleicht guckt er sich einfach so um und sucht seine Nahrung da draußen, aber noch kommt er immer wieder nach Hause, spätestens abends, auch, wenn er hier irgendwann nicht mehr gefüttert wird.

Dieser Tage hat er sich das erste Mal bis runter auf die Kuhweide getraut, aber da packte ihn dann doch die Angst vor all den erstaunt-glotzenden, schnaufenden Kühen, der Mut also verließ ihn, und er fing ein herzzerreißendes Geschrei an, die Kinder riefen und lockten ihn dann wieder Richtung Hof.

Irgendwann gehen sie aber ganz und kommen nicht mehr wieder, weiß Andrea Weismann von den bisherigen Bambis, und natürlich freut man sich dann. Aber irgendwie ist man auch traurig. 

Ein Klick aufs Bild bringt Sie zu Familie Weismann.

 

 

 

WMDEDGT.

Immer am Fünften eines Monats fordert uns die freundliche Frau Brüllen aus dem Nachbarblog dazu auf, hier mal detailliert zu berichten, was wir eigentlich den ganzen Tag so machen. Was machst Du eigentlich den ganzen Tag, kurz (klick!) WMDEDGT, is klar.

Ich mache samstags traditionell gar nichts, ich wasche nicht mein Auto, ich mähe keinen Rasen und ich zupfe auch kein Unkraut vor der Haustür, genau genommen mache ich all das ja sowieso niemals. Ja, irgendwann musste es herauskommen, aber die Dorfgemeinschaft weiß das alles ohnehin schon längst.

Ich mache also samstags einfach gar nichts, wobei dieses GarNichts heute vergleichsweise ereignisreich war, also zumindest für selbsternannte Landpomeranzen wie mich.

Da ist zuerst mal die obligatorische HundeRunde am frühen Morgen, die uns heute unter Schäfchenwolken durch Sonnenblumenfelder führt, und natürlich an den See, zur Fütterung der Forellen, treue Leser kennen das bereits.

Am frühen Morgen deshalb, weil ich es so will, ja, wirklich, ich stelle mir selbst an Wochenenden den Wecker, weil ich den frühen Morgen für die schönste Tageszeit halte. Ich muss die Hunde dann immer bitten, doch mit mir hinauszugehen, vielleicht…, also, wenn sie es irgendwie einrichten könnten.., usw,  sie gähnen mich träge an, und aus ihren Augen spricht der entsetzte Morgenmuffel. Klarer Fall für den Tierschutz!, maulen sie, und dann rappeln sie sich langsam auf und folgen mir genervt nach draußen.

Die Hütte am See.

Nach der Hunderunde und dem zweiten Kaffee geht es über die breiten Avenidas des Odenwaldes zu einem ausgewachsenen Geburtstagskind am vermeintlichen Ende der Welt…

…und dort auf Tuchfühlung mit allerlei Vierbeinern rund ums Haus.

Ja, so habe ich auch geguckt. Die Geschichte erzähle ich Ihnen aber ein andermal.

Und wenn wir schon unterwegs sind, erlauben wir uns einen Abstecher in die nächstgrößere Stadt, das ist ja immer aufregend. Und außerdem gibt es auch hier liebe Freunde, die wir spontan treffen, wir haben heute einen für unsere Verhältnisse ungewöhnlich geselligen Tag.

Ein kleines Gedränge und Geschiebe in der Fußgängerzone, im historischen Altstadtkern, da sind tatsächlich Touristen unterwegs, und nicht zu knapp, sogar Asiaten haben wir gesehen, es ist ja kaum zu glauben, ein untrügliches Zeichen für die Tourismusfähigkeit einer Stadt. Die Flusskreuzfahrten machen hier Station, die Schiffe spucken dicke Menschentrauben aus, und das Städtchen freut sich über soviel Zulauf. Und wir freuen uns, weil es ein sehr hübsches Café und den besten (weil und einzigen) Fischladen weit und breit gibt.

Durch Wälder und Felder geht es gegen Mittag wieder nach Hause, vom Bayernland ins Badische, wir lassen die Gerüche der Stadt hinter uns, den Fischduft und die Touristenparfüms, der Wind wirbelt durchs Auto, wir tauchen wieder ein in feuchtwarmen Walddunst und die Gerüche von frisch geschlagenem Holz und Silage.

Unterwegs begegnen wir den wochenendlichen Motorradrasern mit Kennzeichen von sonstwo, die im Odenwald heulend und jaulend ihre Todessehnsucht ausleben. Na, der stirbt auch nicht im BETT, pflegte meine Großmutter beim Anblick dieser motorisierten Kampfhornissen zu sagen, Gott hab sie selig. Wir kommen dennoch unfallfrei zuhause an, das ist ja schon mal was.

Nach so viel Stadt, nach so viel Fahrerei gehe ich dann erstmal wieder mit den Hunden raus, nachmittags sind sie ja durchaus zu begeistern mit Spaziergängen, und ich genieße die Ruhe im Wald. Dabei fällt mir die ehemalige Chefin ein, sie pflegte zu sagen Ich bevorzuge die Stille, ich fand das viele Jahre ziemlich dämlich eigenwillig, inzwischen aber habe ich verstanden und den Satz zu einer meiner Leitlinien gemacht. Ich. bevorzuge. die. Stille. Und wenn ich nicht mindestens einmal am Tag Stille genieße, werde ich ungenießbar.

Hahaha, werden Sie sagen, ausgerechnet die Quasselstrippe aus dem Radio braucht Stille, das ist ja wohl ein Scherz, und noch dazu ein Widerspruch in sich. Nein, ich glaube, es ist mehr etwas von Ursache und Wirkung. Ich werde darüber mal nachdenken und einen philosophisch-sozialkritischen Essay verfassen. Aber nicht heute, Sie müssen sich da leider noch gedulden.

Ein wasserfallartiger Regenguss scheucht uns nach Hause, die Bäume biegen sich, die Welt geht vorübergehend unter. Das Küken draußen im Garten absolviert die Prüfung zum ersten Schwimmabzeichen seines kleinen Lebens, während wir hektisch die Knoblauchernte dieses Jahres retten. Sollen die Knollen lieber in der Küche trocknen als an der durchnässten Hauswand.

Dann will ich endlich weiterlesen, mal in aller Ruhe, ich habe das Buch gestern angefangen und den ersten Teil trotz aller anfänglichen Skepsis regelrecht verschlungen. Ich gebe Ihnen bescheid, wenn ich mehr weiß.

Stattdessen aber muss ich Fischrezepte studieren, für das Abendessen. Siehe oben, Fischgeschäft und so. Wären wir doch bloß zuhause geblieben. Aber vielleicht habe ich ja vor dem Schlafengehen noch mal Zeit und Ruhe für Lektüre. Also, so gegen 20 Uhr. Mit den Hühnern undsoweiter, naja, Sie wissen schon. 

 

 

 

Eierengpass.

Ich würde Ihnen hier ja wirklich gerne anbieten, Sie in den kommenden Tagen mit gesunden Eiern von glücklichen Hühnern zu versorgen, glauben Sie mir, ich täte das nur allzu gerne. Nachdem jetzt auf dem deutschen Markt mal eben ein paar Millionen Eier fehlen, wäre das natürlich eine lukrative Nebeneinkunft, wir nehmen 30 Cent pro Ei, und rechnen das jetzt mal mit fünf Millionen Eiern, das ergäbe anderthalb Millionen Euro, davon könnten wir uns dies und das erlauben. Aber ich fürchte, ich muss Sie da enttäuschen.

Wir bekommen das nicht hin, und auch die Logistik wäre eine Herausforderung, der wir nicht gewachsen sind. Wir haben das nach längerem Hin und Her einsehen müssen, der Gatte und ich. Also müssen Sie jetzt halt mit Bildern vorlieb nehmen, von Eiern und hoffentlich glücklichen Hühnern. In mitfühlenden Gedanken an all jene armen Kreaturen, die es nicht so gut haben wie die unsrigen. Um es mal vorsichtig zu formulieren. Ich wollte hier eigentlich ein klassisches Zitat anführen – Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte – aber es lesen ja vielleicht auch Kinder mit, deswegen lasse ich das lieber.