Neues aus dem Irrenhaus.

Sie können wirklich nicht erwarten, dass ich hier auch noch die Zeit finde, in dieses Blog zu schreiben, unser trautes Heim ist und bleibt ein Irrenhaus, man kommt zu nichts, nicht mal zum Schreiben, und wir arbeiten täglich daran, dem Ruf als Irrenhaus auch weiterhin gerecht zu werden.

Jüngst ist irgendwem in diesem Hause eingefallen, dass wir uns doch mal Ziegen anschaffen könnten. Afrikanische Zwergziegen. Nicht, dass es uns am Ende noch langweilig wird.

Mein Geo tat natürlich zunächst so, als sei er strikt dagegen, aber seine Schauspielkünste sind eher so semi, und die liebevolle Erinnerung an seine italienische Grossziege Leni dafür umso lebendiger. Also knickte er vergleichsweise schnell ein, ich hatte auch damit gerechnet.

Nun sind also vorgestern Fritzi und Luise bei uns eingezogen, die Preußen unter Ihnen ahnen, woher die Namen kommen, Bildungsbürgerirrenhaus, naja, Sie wissen schon.

Luise tauschen wir um!, sprach mein Geo nach den ersten zwei Stunden, weil Luise sich die Seele aus dem Leib schrie, ununterbrochen. Fritzi hingegen ist blond und still und ein bisschen doof, das gefällt meinem Geo deutlich besser.

Wie dem auch sei. Das Praktische an so Zwergziegen ist ja, dass man sich tägliche Kontrollgänge am selbstgebastelten Gehegezaun sparen kann. Die lieben Kleinen zeigen uns etwa alle 45 Minuten eine neue Schwachstelle im Zaun, sie winken dann aus dem Gemüsebeet zu uns herüber, oder schmatzend aus den Rosenbeeten und vermitteln uns stumm, dass da irgendwo ein Loch in den Zaun gesprengt worden ist. Von Dickschädeln mit Hörnern dran. Ja, Ziegen sehen sehr süß aus, entwickeln sich aber offenbar zu wahren Bud Spencers, wenn es darum geht, die drei grünen Hälmchen jenseits des Zauns zu erwischen. Man kann das überall nachlesen, geglaubt habe ich es nicht.

Diesseits des Gehegenzauns stehen Luise und Fritzi ja auch nur rund 500 Quadratmeter Wiese und Gebüsch zur Verfügung, alles steht in fettem, saftigem Grün, und wenn ich eine Ziege wäre, täte mir das wohl doch erst mal reichen. Aber bitte. So gesehen bin ich ja keine Ziege, oder vielleicht doch, aber zumindest anders. Zugegebenermaßen lauern im Gehege hinten noch die brandgefährlichen Todes-Hühner, da traut sich eine Ziege erstmal gar nicht hin.

Die rammt also lieber die Zäune um, öffnet selbstständig das doppelt gesicherte Gehegetürchen; und wie ich gestern am Stall stehe und über weitere Hochsicherheitsmaßnahmen nachdenke, segelt Fritzi im hohen Bogen an mir vorbei über die 1 Meter 60 hohe Terrassenmauer auf den Terrassentisch. Unter jenem Tisch saß Hund Lieselotte, die über alle Maßen überrascht war über das, was da vom Himmel auf den Tisch flog, und es begann eine lustige Hatz quer über die Terrasse, bis Fritzi wieder im hohen Bogen heruntersegelte ins Gehege.

Ja, gut. Wer keine Sorgen hat, der macht sich welche. Aber ich bitte Sie, soetwas gehört doch zum LandLeben dazu. Angeblich. Zum LandLeben gehören schließlich auch unsere verrückten Hühner, Sie erinnern sich vielleicht an die bekloppte Glucke. Die präsentierte uns nun ausgerechnet vorgestern, als ich leicht gestresst und  mit Zwergziege unterm Arm in das Gehege schritt, ihre drei neuen Küken. Sehr possierlich anzuschauen, aber zeitlich gänzlich unpassend.

Nun renne ich also seit zwei Tagen ständig zwischen Ziegen und Hühnern hin und her, ich repariere Zäune, richte Kükenfutter, wechsle Wassernäpfe, repariere Zäune, erneuere das Wasser in den Näpfen, richte Kükenfutter, repariere Zäune undsoweiterundsoweiter. Sie kennen ja die Geschichte mit dem Herrn Sisyphos. Der hatte vermutlich auch Zwergziegen und Küken gleichzeitig, nur ist dieses Detail auf dem jahrtausendelangen Weg der literarischen Überlieferungen offenbar verlorengegangen.

So, und nun wünsche ich auch Ihnen noch ein ruhiges und entspanntes Wochenende, Sie entschuldigen mich, ich habe nun wahrlich keine Zeit, hier auf dem Blog zu schreiben, also bitte.

 

 

 

 

 

 

 

15 Kommentare

  1. Bonsoir!

    Es ist wieder herrlich geschrieben, ich habe wieder viel schmunzeln müssen, und stelle mir gerade den Hundeblick vor, wenn mal eben eine Ziege angesegelt kommt. Die trauen sich was, wieder etwas gelernt.

    Ein angenehmes Wochenende wünscht

    Franziska

  2. Kreiiiiiiiiiiiiiiisch…ich lach mich schlapp…naja, es KANN Dir nur langweilig gewesen sein ohne Ziegen ;-) Aber Luises Blick hätte ich gerne gesehen :-)

    Frohes Schaffen noch und ein geruhsames Wochenende ;-)

  3. Dieser Bericht über die Ziegen war genau richtig zum Sonntagsfrühstück.
    Schon jetzt sind mir die Ziegen sehr sympatisch und ich freue mich auf neue Geschichten.
    Dass die Glucke nun doch Erfolg beim Brüten hatte finde ich wunderbar, was für hübsche Kinder sie hat!
    Viel Spaß weiter mit dem Getier
    Juliane

  4. Willkommen im Club. Auf dem Lande ist das eben so! Man muss sich einiges einfallen lassen um nicht vor Langeweile zu sterben. Und das kann dann mal ganz schön schnell stressig werden.
    Um so mehr sehne ich mich wieder an mein geregelten Stadtleben zurück. Lese gerne Ihren Blog und hoffe, Sie schaffen es mich mit Ihren humorvollen Erzählungen doch noch zu überzeugen hier auf dem Lande ein bisschen länger auszuharren.

    • Nein, also, ich konnte anfangs über manches klagen, als Berlinerin in der vermeintlichen Provinz, – aber über Langeweile nie. Was vermissen Sie denn? Es gibt hier doch so viel zu gucken und zu lernen. Ok, die Cafe- und Club-Versorgung könnte besser sein, und mein Mann vermisst einen richtig guten Espresso. Aber ansonsten….

  5. Wunderbar geschrieben und beschrieben! Als wir unsere Ziege hatten, samt Nachwuchs, das war das Jahr, in dem wir viele andere Pflanzen und Blumen nicht hatten, da abgefressen. Eines Nachmittags hatte sich die junge Ziege wieder aus ihrem Halsband befreit, nahm Anlauf und sprang mit allen vier Füssen unserem Lehrerfreund auf den Rücken. Der machte seinen verdienten Mittagsschlaf auf dem Bauch liegend im Garten. Das war ein Schrei der Tote aufgeweckt hätte.
    Verletzt wurde er nicht, wir lachen heute noch manchmal mit ihm darüber, die Ziege sprang sofort wieder runter und verschwand in die hinterste Ecke.

  6. Oh wie wunderbar! Sowohl die frechen Kobolde, als auch das verrückte Huhn! Das gibt so wunderbare Geschichten! Gar nicht langweilig, für niemanden! Bitte bitte bitte weiterhin Zeit abknapsen zum Schildern der neusten Begebenheiten auf dem ach so ruhigen Landleben!
    Liebe Grüße und gute Nerven
    Nina

  7. Fliegende Ziegen! Herrlich! Und dann noch Fritzi und Luise…trägt Luise denn auch einen Schal? Ich hoffe, die Hunde und Hühner können sich mit den adeligen Damen und ihren Eigenarten arrangieren. Und bitte, berichten Sie weiter! :-)

  8. Süße Ziegen,
    süße Küken.
    Bei uns war der Fuchs. 7 Hühner – 5 Hühner = 2 Hühner.
    So ist es doch schön, wenn die Tierfamilie sich vergrößert.
    Ich hätte vielleicht eine hornlose Ziegenrasse gewählt. Ich hab da so Erinnerung an eine Geiß aus meiner Kindheit und an blaue Flecken.
    Liebe Grüße
    und vielleicht sehen wir uns bald mal wieder
    Steffi

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