Haufenweise.

Ich bin auf dem Weg nach Hause heute mal wieder an einem Haufen Schafe vorbeigekommen. Bei diesem Wetter legen sich die Schafe irgendwie immer in Haufen in den Schatten, ich nehme an, das ist normal. Erschien mir aber durchaus fotogen. Und machte mir einmal mehr klar, wie ich da so stand und knipste, was für ein Glück ich habe, in dieser Landschaft zu leben und zu arbeiten.

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Die Vertreibung.

Diese blöden Spatzen fressen den Hühnern im Stall das halbe Futter weg, und uns damit die Haare vom Kopfe. Es bleibt unklar, was der liebe Gott sich gedacht hat, als er diese komplett überflüssigen Mistviecher erfunden hat. Er hatte da wohl seinen gehässigen Tag. Naja, seis drum, wir gehen nun endlich zum Gegenangriff über, wir können uns das nicht bieten lassen, und haben nun heute eine dekorative Spatzenabwehr gebastelt. Es treten an: gepresste Schuberts, Schumanns, Schönbergs, außerdem ein kulturphilosophischer Essay über Jonanthan Meese, den Hitlergruß und die Kunst, sowie ein vertonter Aufsatz über Nietzsches Spätwerk.

Wenn das nichts hilft, dann weiß ich auch nicht mehr.

sdr

 

 

 

Graviditas imaginata.

Dieses Blog ist derzeit zugegebenermaßen etwas Hühner-lastig, das liegt an den Hormonen und ist nun nicht zu ändern. Glauben Sie mir, ich wäre froh, wenn es hier nicht dauernd um Hühner ginge, aber mich fragt ja wieder kein Huhn Mensch. Also bitte. Wenn Sie sich mit Hühnern 1a auskennen, können Sie jetzt getrost wegklicken, alle anderen lernen vielleicht noch etwas dazu. Über Schwangerschaftsabbrüche und derlei Themen.

Stellen Sie sich also mal eine Frau vor, die beschließt, ihren Kinderwunsch in die Tat umzusetzen. Angeregt durch allerlei dicke Bäuche in ihrem Umfeld. Oder auch durch den Anblick brüllender Säuglinge, was weiß denn ich, beides trifft man frau ja allenthalben, dicke Bäuche und brüllende Säuglinge.

Jedenfalls legt die gute Frau sich also ins Bett – alleine, versteht sich – und beschließt, schwanger zu werden. So liegt sie reglos da und isst nicht und trinkt nicht und wartet und wartet, drei Monate, acht Monate, 12 Monate, 20 Monate. Weil man ja nun aber durch Willenskraft alleine selten schwanger wird, wird sie demnach auch nicht immer dicker, sondern eher immer dünner. Sie ahnen es: das kann nicht gutgehen.

Eben.

So in etwa ist das bei den Hühnern. Gluckt eine, – und zieht dann auch noch kleine Küken groß-, wollen alle süße kleine Küken. Und setzen sich also auch ins (leider aber leere) Nest und essen nichts und trinken nichts, machen nur alle paar Tage einen gigantischen Haufen und setzen sich dann wieder hin und warten, was passiert. Und weil Hühner vielleicht eben doch in mancher Hinsicht dümmer sind als die Polizei erlaubt, interessieren sie sich auch nicht für die ornithologisch vorgeschriebenen Brutzeiten. Nach 21 Tagen müssten ja die Küken aus den nicht vorhandenen Eiern schlüpfen, aber so lange nichts schlüpft, bleibt die blöde Glucke hocken. Drei Wochen, fünf Wochen, sechs Wochen. Komme, was da wolle. Sie wird blaß und dünn und schwach und brütet und brütet die unsichtbaren Eier.

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Wir haben auf diesem Bild eine besessene Glucke versteckt. Finden Sie sie?

Der besorgte Hühnerhalter muss da natürlich einschreiten. Und die Glucke entglucken. Was wiederum nicht so einfach ist, wie wir dieser Tage wieder festellen dürfen.

Es gibt da allerlei Methoden, die wir alle für unseren Zweck verworfen haben: Glucke in einen Bottich mit Eiswasser tunken. Der Schreck vertreibt auch noch den zähesten Kinderwunsch, angeblich. Auch beliebt: Glucke in Sack stopfen und irgendwo herumbaumeln lassen, bis sie zu der Einsicht kommt, das Glucken besser sein zu lassen. Oder: Glucke wieder und wieder vom Nest heben, ans andere Ende des Geheges tragen und dann einen Wettlauf mit dem lieben Tier veranstalten, wer als erster wieder am noch angewärmten Nest ankommt.

Wir haben uns nun also für die Methode Katzenkiste entschieden. Glucke raus aus Nest, rein in nackte, olle Katzenbox. Dann Kiste irgendwo hinstellen, wo möglichst viel Betrieb ist, Unruhe und Lärm. Ungebetene Zaungäste inklusive, siehe oben. Alles soll so unromantisch sein wie möglich.

So haben wir das also gemacht, die Glucke erwachte in der unbequemen Box zu ungeahntem Leben, maulte, zeterte und randalierte, wir betrachteten das mit großer Freude. Nach 36 Stunden ließen wir sie gestern abend wieder frei, mit großem Hallo und Klatsch, Klatsch und scheuch, scheuch durchs Gelände und nicht, ohne vorher die Nester verbarrikadiert zu haben, um jeglichen neuen Anläufen zur Mutterschaft gleich einen Riegel vorzuschieben. Wie man halt seine Tage verbringt, auf dem Lande.

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Das Ergebnis: ernüchternd. Mit wildem Gebrüll überwand das blöde Viech die Barrikaden am Nest, zwängte sich wildentschlossen neben die Eimer, die als Schutzwall gedacht waren, und verfiel augenblicklich wieder in Brut-Trance.

Ja, gut. Die Glucke geht jetzt also in die siebte Woche, und wir gehen zu Stufe Zwei über: Glucke in Katzenbox, Katzenbox auf Terasse zu Hunden und Katzen und Küchengeklapper. Das wäre doch gelacht, wenn wir an einer scheinschwangeren dämlichen Henne scheitern würden. Wir werden Ihnen weiter berichten. Und falls irgendwer noch eine zündende Idee hat: bitte sehr, immer gerne.

 

 

1.FC Küken.

Ja, das Odenwälder Landleben hat mich also wieder, nach fünf Wochen in der pfälzischen Gesundheitsdiaspora*. Nun hätte man ja denken sollen, der eine oder die andere fragt vielleicht mal nach dem Wohlergehen, ja, das hätte man ganz naiv denken können, aber nein, die Welt ist schlecht, und die Blogleserschaft ruft nach: Küken. Sie erinnern sich vielleicht.  

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Vorher.

Küken! Küken! Wir wollen Küken sehen!!, aber das wollte ich ja zugegebenermaßen auch, nach fünf kükenlosen Wochen. Seis also drum. Sehr herzallerliebste kleine schwarze Federknäuel hatte ich verlassen, wunderschöne heranwachsende Vorwerk-Hühnchen/Hähnchen habe ich wieder vorgefunden.

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Nachher.

Die Hühnchen-Pubertätsphase mit allem Drum und Dran, die zerzausten Federfrisuren, die unmöglichen Proportionen, die Lillifee- und dann die Zahnspangenzeit, das Teeniegetue und -gemaule, das alles habe ich verpasst und übersprungen. Und vielleicht war das mal gar nicht so verkehrt. Die Teenager-Eltern unter Ihnen werden ahnen, was ich meine.

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Das Landleben hat mich also wieder. Und Sie haben mich und meine Junghühner und meine Provinzgeschichten jetzt auch wieder am Hals. Stay tuned, wie man im Odenwald so sagt.

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*Gesundheitsdiaspora: Eine medizinisch verordnete Sommerfrische zwecks Wiedererlangung der beruflichen Einsatzfähigkeit. Oder so ähnlich. Die hatte ich ein bißchen verloren, die Einsatzfähigkeit, nach 25 Jahren Rumgerenne ohne Punkt und Komma. Soll ja mal vorkommen, sowas. Jetzt bin ich also wieder frisch und munter.

Klammer auf: Sie dürfen sich also erleichtert zurücklehnen und alles vergessen, was Sie in den vergangenen Wochen in der Region so über mich gehört haben. Nein, ich bin nicht verstorben. Ich hatte noch nicht mal einen Autounfall. Ich bin auch nicht ausgezogen und habe demnach auch meinen Mann nicht sitzen lassen, auch nicht für den Papst und die geplante Herrenboutique in Wuppertal. Ich habe auch immernoch kein Verhältnis mit einem der zahllosen Adligen hier in der Gegend, und auch keines mit dem Müllmann/Postboten/Bademeister (nicht mal eines mit dem medizinischen Bademeister in Bad Bergzabern in der Pfalz, und ich kann Ihnen sagen, das will schon was heißen, zwinker, zwinker.) Mein Dasein ist so herrlich langweilig, wie es schlimmer gar nicht sein könnte. Landleben halt. Sie dürfen also beruhigt sein. Klammer zu. 

 

 

 

1. FC Huhn.

Hühner gelten ja gemeinhin immernoch als etwas unterbelichtet, obwohl renommierte Wissenschaftler längst das Gegenteil bewiesen haben. Ja, es gibt Menschen, die ihre wissenschaftliche Karriere ganz der Erforschung hühnerpsychologischer Themen widmen, und ja, Hühner sind wahre Intelligenzbestien, hier können Sie das nochmal nachlesen, nur für den Fall, dass Sie mir nicht glauben.

Aber a propos unterbelichtet, ich habe jüngst vergessen, die entsprechenden Einstellungen an meiner superduper Spiegelreflexkamera anzupassen, sowas passiert mir leider immer wieder, aber es sind kleine Kunstwerke dabei herausgekommen. Das liegt nun also einerseits an meiner eigenen Unterbelichtung in Sachen Kamera, andererseits aber eben an den kleinen Kunstwerken, die sich die Natur für Hühnerfederkleider ausgedacht hat. Ich wollte Ihnen das nicht vorenthalten.

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1. FC Küken.

Auf speziellen Wunsch eines einzelnen Herrn hier mal wieder ein bißchen chickencontent, sie sind ja doch sehr süß, die Küken. Ich hatte zum Fotografieren auf Sonne warten wollen, habe dieses Vorhaben dann aber doch aufgegeben. Nun sehen Sie also quasi Schattenbilder, gucken Sie die ruhig an, die Küken werden ab sofort nicht hübscher, sondern eher häßlicher. Sie müssen sich das vorstellen wie diese süßen Kleinkinder, die plötzlich zu unproportionierten pickeligen Teenagern mit Zahnspange heranwachsen, den Eltern stehen insgeheim die Haare zu Berge vor Entsetzen, aber schlußendlich, nach ein paar Jahren, steigt der ehemalige Pickelteenie dann wie Phönix aus der Asche. Ja, so wird das auch mit unseren Küken gehen, warten Sies nur ab.

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A propos Warten, Sie werden in den kommenden Wochen auch ein bißchen warten müssen, hier auf Blogbeiträge nämlich, man schickt mich zur Erhaltung meiner Arbeitskraft nämlich in die Sommerfrische, oder wie man sowas nennt. Ich bin gespannt. Bleiben Sie mir bitte trotzdem treu. Hinterher werde ich platzen vor Energie.

 

 

 

 

1. FC Küken.

So ist das mit dem Landleben und der Tierhaltung, da passieren auch immer mal wieder Sachen, die man doof und traurig findet, aber ich bin da inzwischen etwas nüchterner und muß zumindest nicht gleich flennen. Da ist wohl einfach so, und dennoch gibt es einem einen Stich ins Herz.

Das können Sie jetzt wiederum bescheuert finden, eine erwachsene Frau, die einen Kloß im Hals hat, wenn sie so ein winziges totes Würmchen aus der Wiese klaubt und in die Hand nimmt, ganz flauschig ist das noch, und scheinbar unversehrt, aber schon kalt und steif. Meine Empathie ist da noch ziemlich groß, das mag manchmal etwas anstrengend sein, aber im Großen und Ganzen finde ich das schon ok.

 

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Das kleine Küken in Schwarz-Weiß verdient einen Ehrenplatz beim wöchentlichen Schwarzweissblick von der freundlichen Frau Frauke nebenan. Weil Schwarzweiss eben nicht nur eine Frage der Ästhetik ist, sondern manchmal auch eine Stimmung ausdrückt.

Aber bevor Sie jetzt auch noch das Weinen anfangen, darf ich Ihnen versichern: den anderen gehts soweit gut, sie wuseln durch die Wiesen, trampeln durch die Eierpampe, die ich ihnen mit Liebe bereitet habe und gucken sich ansonsten allerlei bei Muttern ab. Drücken Sie die Daumen, dass das nun so bleibt, und nicht der geheimnisvolle Kükentod nocheinmal zuschlägt, ich möchte nicht weitere Leichen aus dem Auslauf sammeln.

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1. FC Huhn.

Ja, auf diesen Post haben viele gewartet, ich am allermeisten, das kann ich Ihnen aber flüstern. Und jetzt alle so Oooohhhh und Neiiiiiin und Ach, wie süüüüß. Kükencontent geht immer, und wer weiß, vielleicht werde ich diesen 1. FC Huhn vorübergehend in 1. FC Küken umbenennen müssen.

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Ja, die Bilder sind nicht der Brüller. Knipsen Sie mal in einen finstren Stall hinein.

Sieben Stück habe ich bislang gezählt, gestern bei dem Monster-Unwetter sind sie geschlüpft, zwischen einem starken Knaller und einem wilden Hausrüttler, zwischen Sturzbächen und herumschwimmenden Gullideckeln, das sind vielleicht sogar die besten Voraussetzungen für ein Leben ohne Angst und Sorge, was weiß denn ich, ich kenne mich hühnerpsychologisch nicht so aus, vermute es aber mal ganz stark.

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Es handelte sich ja um Fremdeier, Sie erinnern sich vielleicht, das heißt nun nicht viel anderes, als dass wir mit diesen Küken weder verwandt noch verschwägert sind, und auch Hahn und Henne haben keinerlei genetische Verbindung zu den lieben Kleinen. Gehen Sie mit diesem Thema bitte ein wenig sensibel um, keiner der Beteiligten weiß bislang davon, das ist ja eine mitunter etwas komplizierte Sache. Auch unserem JoHahn werden wir das eines Tages stecken müssen, aber wir wollen einen passenden Moment abwarten. Und was es für die Küken bedeutet, wenn sie eines Tages erfahren müssen, dass Vati und Mutti, – naja, Sie wissen schon, hühnerpsychologisch undsoweiter. 

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Jetzt sitze ich also erstmal stundenlang mit der Kamera vor dem Kükenstall, versuche herauszufinden, wieviel Nachwuchs wir denn nun tatsächlich haben, sage Oooohhh und Neiiiiiin und Ach, wie süüüüüüüß vor mich hin, wie so eine schrullige Alte, die Selbstgespräche führt, ich vergesse für einen Moment alles drumherum und glotze und glotze auf die wuselnden piepsenden Bällchen im Stall und bilde mir ein, die ganze Welt wäre ein friedlicher, wuselnder, piepsender Ort.

Das mag Ihnen nun ein bißchen bescheuert vorkommen, so eine erwachsene Frau, die den halben Tag auf Küken glotzt, aber ich glaube, es ist von Zeit zu Zeit ganz heilsam.

 

 

 

1. FC Huhn.

In diesen Unwetterzeiten mal wieder ein erbaulicher Beitrag (naja, was heißt erbaulich, wenn Sie zartbesaitet sind, sollten Sie besser nicht weiterlesen), in diesen wilden Zeiten also mal wieder ein mehr oder weniger erbaulicher Beitrag für alle Mitglieder des 1. FC Huhn, die hier hauptsächlich wegen des Hühnercontents mitlesen. Und um was zu lernen, nehme ich an. Ja, es lesen halt auch Städter mit, die kennen Hühner allenfalls gebraten oder in der Suppe und haben ansonsten keine Ahnung. Hier werden Sie geholfen. 

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Dieses Foto dürfte man eigentlich gar nicht zeigen, und wir werden es sicher auch nicht für den Hühnerstalldesign-Award einreichen, eigentlich sieht der Gluckenstall normalerweise auch ganz anders aus, aber das Wetter fordert seinen Tribut. Damit die Glucke mit den Eiern nicht davonschwimmt, haben wir sie etwas abgesichert. Zugegeben, schön ist das nicht, es sieht ein bisschen italienisch aus, sagt Gatte Geo, der muss es wissen, schließlich hat er lange in Italien gelebt. Man weiß dann aber nie, ob es als Beleidigung gemeint ist oder vielleicht sogar als Kompliment.

Ja, die Glucke. Sie erinnern sich vielleicht an meinen Husarenritt quer durch den schönen Odenwald, die Glucke sitzt nun also auf teuer eingekauften Eiern und in ihrem separaten Gluckenstall, sie sitzt und sitzt und sitzt. In knapp einer Woche könnte es dann soweit sein.

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Ich habe mir ja selber früher keinerlei Gedanken gemacht, wie das eigentlich mit der Henne und den Eiern ist. Inzwischen habe ich da einiges gelernt, was ich gerne an Sie weitergebe. Wer weiß, wofür man solches Wissen einmal brauchen kann. Aber, wie gesagt, wenn Sie zart besaitet sind, Fäkalsprache und so, naja, Sie wissen schon.

Also. Die Henne stellt ja nicht nur das Eierlegen ein, wenn sie beschließt, sich hinzusetzen, dauerhaft. Sie stellt also das Eierlegen ein und fährt gleichzeitig den gesamten Kreislauf und den Stoffwechsel herunter, sie sitzt und glotzt, frißt und trinkt kaum noch, sie sitzt und sitzt, wird immer blasser, kaum noch ansprechbar, wie in einem Rausch. In Glucktrance, sozusagen. Aus der taucht sie nur auf, wenn unsereiner ihr zu nahe kommen sollte (was kein vernünftiger Mensch versucht), dann schreit und hackt das gute Tier, um seine Eier zu beschützen. Um hernach sofort wieder in eine Trance zu versinken.

Und während ein normales Huhn, wo es geht und steht, gackert und kackt, ist auch das bei einer Glucke Fehlanzeige. Keinen Mucks gibt sie von sich, weder vorne noch hinten, keinen Ton, kein Häufchen. Nur zwei oder dreimal in den drei Wochen Gluckzeit erhebt sie sich vom Nest, manchmal muss man sie auch bitten, sie geht ein paar ungelenke, wankende Schritte, und dann: aber hallo. Rette sich, wer kann.

sdr

In der Anfangszeit der Hühnerhaltung und der Gluckerei habe ich noch gedacht, da hätte sich ein Hund Zutritt zu dem Gluckenstall verschafft, irgendso ein Riesenköter mit Durchfall, Rottweiler aufwärts, irgendsowas in der Art. Der Haufen war gigantisch. Und stank auch ebenso. Sie müssen sich das vorstellen wie eine Mischung aus Rottweiler-Dünnpfiff und gärender Jauchegrube, in den Ausmaßen eines double cheeseburgers XL, das kommt der Sache schon recht nahe. Eigentlich ja auch kein Wunder, wenn man Huhn ist und normalerweise alle paar Minuten unter sich läßt und das dann aber mal für Tage oder eine Woche einhält, dann ist kein Halten mehr.

Jedenfalls steht nun immer dekorativ die Schaufel neben dem Gluckenstall, für den Fall der Fälle, ich wünsche mir dann eine Gasmaske und scharre und schmiere unter Flüchen alles weg. Was tut man nicht alles.

Und Sie haben jetzt wieder was gelernt, falls Sie das nicht ohnehin schon wussten, wie das mit den Hühnern und den Eiern und dem Stoffwechsel so ist. Also bitte.

Wir halten Sie auf dem Laufenden.

 

 

 

Heiße Ware.

Es gibt diese Momente (und sie sind gar nicht mal so selten), da stelle ich mich einen Meter neben mich und glotze mich an und denke Nee. Oder? Ich glaube aber, das ist nur normal, wenn man als Großstädter aufs Land gezogen ist und das dann auch so richtig ernst meint. Und nicht so landlust-chichi-mäßig. Naja, Sie wissen schon.

Da rase ich also wie eine gesengte Sau durch Gottes schöne Natur, ans andere Ende des Landkreises, immer mit Blick auf die Uhr, als sei der Leibhaftige hinter mir her. Aber das Angebot konnte ich nicht ausschlagen, und der Dealer Händler hatte wenig Zeit, deswegen dieser Druck. 24 Bruteier von Vorwerk-Hühnern, ich meine, das müssen Sie sich mal vorstellen.

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Da darf man schon mal 140 fahren. Wenns pressiert.

Ja, wir haben selber einen Hahn, ja, er ist sehr schön, und nun fragen Sie nicht weiter. Es ist eine Schande. Wie im richtigen Leben. Schön ist er, aber komplett untauglich. Zu nichts zu gebrauchen, außer zum Schönsein und zum Maul-aufreißen, beides kann er wirklich gut, den Rest können Sie knicken. Aber sowas von.

Nichtsdestotrotz verlieren die Hennen nicht das Vertrauen in ihn, ja, auch das wie im richtigen Leben, es ist zum Davonlaufen. Sie setzen sich auf ihre Eier und brüten und brüten, sie würden sitzen, bis sie schwarz werden, wenn sie nicht schon schwarz wären, allein: niemals kommt etwas heraus dabei. Weil JoHahn so gesehen halt ein Looser ist.

Und jedes Mal machen wir ein Riesen-Theater, laufen aufgeregt hin und her, richten Gluckenställe und Küken-Spielplätze her, schauen täglich fünfmal nach, ob sich denn was täte, und noch fast jedes Mal tat sich: nichts. Wir wollen hier die zwei Einzelkinder aber nicht unter den Tisch kehren, sie schlüpften jeweils aus einem Gelege von gefühlten 200 Eiern, es war traurig mitanzusehen, wer möchte schon gerne Einzelkind sein. Außerdem mussten wir sie beide hergeben, weil es leider Hähne waren.

Wie dem auch sei: Wir haben jetzt also die Faxen dicke und schieben der Glucke nun die Bruteier unter, die ich heute in einer Art Husarenritt vom anderen Ende des Landkreises geholt habe. Gar nicht so einfach, Vorwerkeier zu bekommen, ich kann Ihnen sagen, der Markt ist heiß umkämpft, die Ware heiß begehrt, die Preise dementsprechend. Nur der Zufall wollte es, dass wir zur rechten Zeit den richtigen Riecher hatten, eine Telefonnummer wählten und dann in einen verwinkelten Hinterhof gelotst wurden, wo man uns, konspirativ quasi, gegen Bares zwei Päckchen Eier übergab.

Einen Teil davon haben wir also nach Einbruch der Dämmerung der empört-kreischenden Dame untergeschoben. Als JoHahn schon schlief, er muss davon nichts wissen. Er wird schon früh genug merken, was da gespielt wurde.

Wir halten Sie auf dem Laufenden.

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