Limax maximus.

18. August 2017

Ich habe da dieser Tage, als wir mal rasch und einer spontanen Eingebung folgend die Holzterrasse herausgerissen haben, ich habe dabei also eine neue Freundin gefunden. Genauer gesagt habe ich beim Herausreißen der vermoderten Holzbretter aus dem glibberigen Matsch ersteinmal in diese neue Freundin quasi volle Pulle hineingelangt mit den nackten Fingern, das fühlte sich in etwa so an wie wenn man auf eine Qualle beißt, Sie wissen sicher, was ich meine.

Hallo, Maxi.

Zunächst mal habe ich natürlich einen hysterischen Schreikrampf bekommen, wozu ist man schließlich Landfrau. Danach habe ich die Hände nach Kratz- und Bißspuren abgesucht, ich habe gefühlt, ob noch alle Finger an ihrem angestammten Platz sind und ob irgendwo rohes Fleisch zutage tritt. Derweil kroch das gefühlt etwa 1 Meter lange und Unterschenkel-dicke Wesen in aller Seeleruhe weiter am matschigen Brett entlang, als ginge es darum, beim Flanieren auf dem Ku’damm sein Leopardenjäckchen auszuführen.

Ich habe dann mit zitternder Hand schnell ein paar Fotos geknipst und wikidingsbums bemüht – und siehe da: Limax maximus ist ein ausgesprochen freundliches Tier, und sehr nützlich noch dazu. Des Gemüsegärtners bester Freund, könnte man fast sagen, denn Klein-Limax und Groß-Maximus fressen ansonsten an Nacktschnecken alles, was ihnen vor dem riesigen Maul herumkriecht. Na, wenn das nichts ist.

Nennen Sie es ruhig Tigernacktschnecke, ich nenne es Wunder der Natur.

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Ich habe Maxi also direkt in den Gemüsegarten getragen, wie mit einer wertvollen Gabe zum Altar schreitend, an einen schattigen Ort, und ihr gut zugeredet. Habe ihr vorgeschwärmt von all den fetten glitschigen widerwärtigen, aber leckeren Nacktschnecken, die jede Nacht an unserem Salat, an den Zucchini und überhaupt eigentlich überall zu finden sind. Hmmmm, Nacktschnecken!, habe ich geflötet, lecker, lecker, lecker, lecker, lecker, lecker, Sie kennen diesen Spruch, der kommt schließlich aus dem Odenwald, muss also motivierend wirken.

Morgens gehe ich jetzt also immer in den Gemüsegarten, ich rufe Hallo Maxi, süße Maus, gut geschlafen und auch satt geworden?, ich schaue danach, dass sie es gut hat da draußen, ich sammle die restlichen widerwärtigen Nacktschnecken von den Wegen und werfe sie ihr zum Fraße vors Maul. Und nachts lausche ich manchmal in die Dunkelheit hinaus, und ich bin sicher, ich habe es in den vergangenen Nächten schon mehrfach laut schmatzen und rülpsen gehört. Und wenn mich demnächst jemand fragt, ob ich Haustiere habe, werde ich sagen, Ja klar! Ich habe Hunde, Katzen, Hühner, und ich habe Maxi. 

 

 

 

P.S. Ein bißchen unklar ist und bleibt, warum die Tigernacktschnecke Tigernacktschnecke heißt, obwohl sie doch ein Leopardenjäckchen trägt. Offenbar kannten die Entdecker der Tigernacktschnecke zwar Tiger, aber noch keine Leoparden. Oder die Tigernacktschnecke hatte zu dieser Zeit den gesamten Leopardenvorrat aufgefressen, was weiß denn ich.

 

 

  • 13 Kommentare
  • Astridka 19. August 2017
    Antworten

    Herrlich die Beschreibung deiner ersten Reaktion!
    LG
    Astrid

  • Klaus Müller-Blask 19. August 2017
    Antworten

    Bei mir heißen die „Schneckenprinzessin“.

  • Tanja Praske 19. August 2017
    Antworten

    wunderbar! Da hätte ich auch nicht gerne hineingegriffen – 1 m lang ist echt erschreckend, aber sehr nützlich – Tiere gibt’s 🤗

    LG, Tanja

    • LandLebenBlog 20. August 2017
      Antworten

      Der eine Meter war die berühmte journalistische Übertreibung, aber das Vieh war ECHT groß!

  • Alwin 19. August 2017
    Antworten

    Als ansonsten meist stiller Mitleser deines Blogs heute mal einen herzlichen Dank für diesen Beitrag. Was für Viecherl es doch gibt auf dieser Welt. Faszinierend, wie Mr Spock sagen würde.

    Falls Maxi mal Nachwuchs bekommt, ich hätte da Interesse. Für ausreichend Nacktschnecken ist gesorgt.

    • LandLebenBlog 20. August 2017
      Antworten

      Alles klar, ich gehe ja jetzt unter die Züchter. Die lassen sich bestimmt auch per Post verschicken.

  • Fjonka 19. August 2017
    Antworten

    Also, ich kenn die unter „Tigerschnegel“. Hört sich doch gleich deutlich besser an und macht den Unterschied auch viel deutlicher.
    Wir haben die auch im Garten, und sogar bevor ich um die Unterschiede wusste hat meine Gartenschere vor hnen Halt gemacht, weil sie so hübsch sind und so selten. Jetzt natürlich, wo ich weiß, daß sie den Nacktschnecken spinnefeind sind, hätte ich gern viel mehr von ihnen – aber tatsächlich habe Schneckenjahr noch keinen einzigen gesehen.

  • Amelie 19. August 2017
    Antworten

    Wir haben sie auch. Noch besser sind allerdings Weinbergschnecken. Die Tigerschnegel greifen manchmal dann doch zum Salat :-/

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