1. FC Huhn.

Es gibt ja so Autos, ältere Fahrzeuge zumeist, die haben einen durchaus speziellen Geruch. Eine olfaktorische Visitenkarte, gewissermaßen. Stellen Sie sich zum Beispiel die Kombination warmer Cheeseburger, abgestandener Zigarettenqualm und nasser Hund vor, dann kommen wir der Sache näher. Ein ätherisches Feuerwerk, das auch noch den letzten Riechkolben zur Explosion bringt. Manche Leute stehen ja auf sowas, oder sind schlichtweg zu faul zum Putzen und zum Lüften, und manch ein Beifahrer leidet stumm und blass und immer blässer.

Ja, auch bei mir im Auto leiden Beifahrer. Mal stumm, mal mit deutlich hörbaren Würgegeräuschen. Die Duftnote warmer Cheeseburger ist eher dezent, Zigarettenqualm vermeide ich aus Gründen der eigenen Psychohygiene. Trotzdem riecht es streng, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Wenn Beifahrer dann unauffällig nach dem Fensterheber tasten, während ihr Gesicht sich grünlich verfärbt, habe ich vollstes Verständnis. Und sage dann stolz zur Erklärung Wir sind hier auf dem Lande. In diesem Fahrzeug werden Hunde, Katzen, Ziegen und auch Hühner transportiert! Dagegen kann niemand etwas einwenden. Ich füge dann zumeist noch oberlehrerhaft hinzu, dass zumindest die Hunde ja stubenrein sind, dank meiner guten Erziehung. Aber Ziegen und Hühner und Katzen, die pullern auch schon mal beim Autofahren, um nur das Geringste zu nennen.

Was ich eigentlich sagen wollte: Wir haben ja neulich wieder neue Hühner und einen Hahn geholt, tief im hessischen Odenwald, bei einem Züchter. Wer keine Sorgen hat, der macht sich welche. Der Transport ins neue Heim war selbst für hartgesottene Nasen eine gewisse Herausforderung, die Hühner jammerten, maulten, pullerten und kackten quasi in einem fort, die Hunde im Kofferraum hechelten dazu vor lauter Aufregung heißen Hundeatem ins Auto, die Rückscheibe beschlug, und eine undefinierbare Flüssigkeit lief in Schlieren quer übers Glas, naja, Sie wissen schon. Nur, dass es am Ende nicht heißt, Sie hätten nix geahnt, bevor Sie zu mir ins Auto steigen.

Jedenfalls haben wir jetzt neue Hühner und einen Hahn, Australorps, falls Sie es genau wissen wollen, beste Rasse ever, und eine Mechelner Henne, auch was Feines. Die Mechelner gelten als vom Aussterben bedroht, da wurde wohl bei der regelmäßigen Zucht was versäumt, vielleicht sind sie auch einfach zu oft in Autos wie meinem transportiert worden, ach, was weiß denn ich. Jedenfalls sieht die Dame sehr apart aus und benimmt sich auch anständig, soweit man das bisher beurteilen kann.

Der Hahn übt noch ein bißchen. Hennen jagen, das konnte er gleich, nur mit dem Krähen hapert es noch, er reckt und streckt sich sehr beeindruckend, holt tief Luft und gibt dann ein etwas unklares Geräusch von sich, eine Mischung aus verrosteter Wasserpumpe und weinender Baby-Plastik-Puppe, made in Taiwan. Wir arbeiten dran.

Wir arbeiten nebenher auch an der Ziegenfrage, die sich schwierig entwickelt. Ich konnte jüngst mit Mühen eine Ehescheidung verhindern, die lieben Kleinen turnten wieder einmal ausserhalb ihres eigentlich Geheges herum und trieben meinen Geo damit in die schiere Verzweiflung. Ich oder die Ziegen!, wimmerte er entnervt, und ich entschied mich zunächst für einen Elektrozaun, der ist ja doch deutlich billiger als eine Ehescheidung.

Das Ziegengehege ist nun also eingezäunt wie Fort Knox, ein Entkommen kaum mehr möglich, hoffentlich. Auch die Ziegengeräusche, Musik in meinen Landfrauen-Ohren, gehen dem Gatten ganz erheblich auf die Nerven, hier denke ich über das unauffällige Implantieren von Oropax-Stöpseln nach, vielleicht beruhigt er sich dann wieder.

Und auch sonst ist eigentlich alles beim alten. Stay tuned!

 

 

 

6 Kommentare

  1. Was habe ich eigentlich gemacht ohne diesen ehrlich erfreulichen, interessanten und humorvollen Blog zu lesen? Dann und wann. Wenn es etwas zu lesen gibt.

    Die Henne und der Hahn… was kann eine anderes schreiben als:
    Sehr schöne Tiere. Ich hoffe, dass es auch einmal putzige, flauschige, kleine Küken zu sehen gibt. Auch so wegen der Art-Erhaltung :-)

    Ahoi
    Oona

  2. Bei der olfaktorischen Beschreibung stieg ein fettes Grinsen in meinem Gesicht bis auf Höhe der Ohren auf! Mein Hund konnte es auch sehr gut, ein Auto innerhalb von Minuten geruchlich zu imprägnieren, war kein Ding.
    (Allerdings vermisse ich dieses spezielle Aroma schon. Ich rieche auch lieber nassen Hund, als ungewaschenen Menschen.)

    Samstagsgrüße
    Franziska

  3. Oh, was müsste ich wieder schmunzeln.
    Übrigens, als die Schwiegereltern noch 2 Zicklein hatten, hat auch manchmal der E Zaun nichts genützt. Sind halt Ziegen.
    Aber Eurer ist vielleicht besser gesichert!
    Liebe Grüße
    Nina

  4. ooooo
    hihi..die Gerüche mag ich mir gar nicht vorstellen
    wenn das Auto nach nassem Hund oder etwas älterem Grünschnitt müffelt ..das kenn ich ja ..
    aber Ziegen und Hühner?? ;)
    Aber da habt ihr euch wirklich Prachtexemplare heim geholt ..
    das mit dem Krähen wird schon noch ..
    die Zeigen sind sooo süß ;)
    sonntägliche Grüße
    Rosi

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