Och, nee.

21. Mai 2017

Dass es mit der vermeintlichen Idylle auf dem Lande so eine Sache ist, haben Sie vielleicht schon dem vorherigen Blogpost entnommen, falls Sie es nicht ohnehin schon wussten. Und es geht grade so weiter, der Kriegsschauplatz hat sich im Moment erneut verschoben, weg vom Forellenteich und leider wieder zu uns in den Hühnerauslauf, und wieder kämpft erbittert Mensch gegen Natur.

Friedrich II. Dem gehts noch gut, keine Sorge.

Herr Fuchs war wieder da, ich würde ihn hier gerne als die dumme Sau bezeichnen, aber das gehört sich nicht, und außerdem stimmte das ja auch zoologisch hinten und vorne nicht, wie man es auch dreht und wendet. Ich höre schon Ihr vorwurfsvolles Stöhnen, aber nein, alle Stalltüren waren diesmal zu, zu-er geht nicht.

Nur hatten offenbar Tick, Trick und Track getrödelt, die drei schneeweissen Bressehühnchen, wie das eben bei Jugendlichen manchmal so ist. Da wird hier noch gequasselt, und da noch heimlich eine geraucht, und dann aber, hastewattkannste, auf den allerletzten Drücker nach Hause in den Stall.

Da war die Stall-Tür aber leider schon zu, es war dämmerige Dämmerung, tja, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Und wir waren nicht daheim. Aber der Herr Fuchs, der war da. Der lauerte vermutlich schon seit ein paar Tagen. Und die Farbe Weiß fehlte ihm ohnehin in seiner Sammlung noch.

Nun ist also Tick (oder Trick oder Track) spurlos verschwunden, Trick (oder Tick oder Track) lag scheinbar unversehrt aber sterbend vor dem Stall (wir vermuten: Herzinfarkt), nur Track (oder Tick oder Trick) hat überlebt.

Es sind diese Momente, wo ich kurz darüber nachdenke, den ganzen Blödsinn sein zu lassen, frische Eier und idyllisches Hähnekrähen hin oder her. Wir halten jetzt seit zehn Jahren Hühner, und nie war was, tröstet mich der Gatte, und er hat ja recht, nie hatten wir auch nur eine einzige Milbe, keine Krankheiten, keinen Fuchs, keinen Marder, keine Notschlachtungen. Aber in diesem Jahr meint der Hühnergott es irgendwie nicht gut mit uns, irgendwie ist da der Wurm drin.

Und so, als schlösse sie sich unbewusst meiner Mutlosigkeit an, hat sich nun auch noch die dienstälteste Henne, die Grande Dame der heimischen Hühnerzucht, vor ein paar Tagen alt und grau auf die Stange in den dunklen Stall gesetzt und sich seitdem von dort auch nicht mehr wegbewegt. Der Kamm ist blass, die Lappen runzelig und rosa.

Zwischendurch kommen merkwürdige Geräusche aus ihr heraus, ein dunkler Ton, von ganz tief innen, wie ein Seufzen oder wie ein sonderbares Selbstgespräch. Vielleicht lässt sie ihre acht, neun Lebensjahre nocheinmal Revue passieren, vor ihrem inneren Auge, und vielleicht denkt sie darüber nach, warum der Fuchs nicht sie holt, sondern immer nur die jungen Dinger. Oder sie freut sich darauf, schon bald im Hühnerhimmel all jene wiederzutreffen, die uns in letzter Zeit abhanden kamen. Ach, was weiß denn ich.

Die Alte.

 

 

  • 7 Kommentare
  • Eva 22. Mai 2017
    Antworten

    Mein Beileid!
    Wir halten zwar erst seit einem Jahr Hühner und der Fuchs hat sich bisher immer in der Nachbarschaft bedient, aber nun waren wir auch dran. Es haben zum Glück alle überlebt, weil ich gerade just in dem Moment nach Hause gekommen bin, aber schön war es trotzdem nicht. Wir dachten eigentlich, dass unsere Hühner sicher sind. Aber Füchse sind verdammt schlau. Jetzt haben wir einen Hühnerknast und vorerst ist Ruhe.
    Unser Fuchs wartet nicht auf die Dämmerung. Der ist zu jeder Tageszeit unterwegs.
    Vielleicht findet ihr einen Weg, die Hühner besser zuschützen. Ich würde sie an eurer Stelle nicht aufgeben. Sie machen doch trotz allem so viel Freude.
    Viele Grüße von Eva

    • LandLebenBlog 23. Mai 2017
      Antworten

      Nein, Aufgeben is nich. Aber derzeit ist es echt anstrengend, den Mut zu bewahren. Danke fürs mitfühlen!

  • Esther 25. Mai 2017
    Antworten

    Hach, es tut mir sehr leid. Alles Liebe*drücker*

  • asty 28. Mai 2017
    Antworten

    Oh man, das ist echt traurig….

    Kann man Hühner eigentlich auch chippen, so wie Katzen oder Hunde?
    Vielleicht gäbe es dann so Möglichkeiten wie bei den Katzenklappen, die nur die gechippten Tiere durchlassen.(die programmiert man vorher ein) Da würde der Fuchs dann dumm aus der Wäsche gucken, wenn die Damen einfach durchs Tor schlüpfen und er leider keinen Zugang hat.

    Ich wünsche euch, dass der Fuchs in Zukunft nicht mehr bei euch erfolgreich ist.

    Liebe Grüsse
    asty

  • Christine 17. Juli 2017
    Antworten

    Das tut mir soooo Leid :(
    Angesteckt durch deine huhnreichen Berichte,
    habe ich mit netten Nachbarn und Freunden eine Hühner-WG gegründet.
    Leider kommt Herr Fuchs am hellichten Tag…
    Vor zwei Tagen zum ersten Mal,
    hat er vor einer Stunde seinen zweiten Raubzug gemacht.
    Alles frisch abgesichert, da hat er sich doch seelenruhig einen kleinen Tunnel gebuddelt,
    um sein Mittagessen ohne Kraftakt raus zu ziehen.
    Meine liebe Gundi (vom Suppentopf gerettet) hat es als erstes erwischt und dann (die zum Glück etwas beleibte) Bella,
    da waren die Augen größer als der Tunnel,
    so blieb wenigstens der Rest verschont.
    Nun bleibt Frau Hund stundenweise im Garten vielleicht überlegt Herr Fuchs es sich dann beim nächsten Mal.
    Viele Grüße aus der Eifel

    • LandLebenBlog 18. Juli 2017
      Antworten

      Hmm, ich will Dich nicht verunsichern….aber bei uns sind dauernd ZWEI Hunde im Garten. Und zwei im Nachbargarten. Juckt den nicht die Bohne. 😥

      • Christine 31. Juli 2017
        Antworten

        Du hattest Recht…natürlich hattest du Recht :(
        Das 1.500qm Gartenparadies war schon sicherheitshalber gestrichen, dem Umstand und Frau Hund zum trotz waren am hellichten Tag später 4 Hühner im gesicherten Auslauf „dran“.
        Nach mehrstündiger Bauaktion scheint der sichere Auslauf nun wirklich sicher zu sein und wir hoffen das Familie Fuchs bald weiterzieht.
        Liebe Grüße aus der Eifelpampa ;)

  • Antworten

Vorheriger Artikel Idylle oder so.
Nächster Artikel Danke.