Lieber Herr Hauk.

Ich mag Sie. Ehrlich. Sie glauben das vermutlich nicht, ist aber so. Politische Ansichten hin oder her. Spätestens seit unserer musikalischen Begegnung im Hemsbacher Kirchlein habe ich Sie richtiggehend in mein Herz geschlossen. Ja, irgendwann musste es herauskommen. Nun wissen Sie bescheid. Ich habe in meinem Leben noch nie Ihre Partei gewählt, das kann ich der Familie nicht antun, aber Sie, Sie gefallen mir, jawohl.

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Aber nun müssen wir ein ernstes Wörtchen reden, so von Geflügelhalterin zu Agrarminister. Vogelgrippe, Aufstallpflicht und so, naja, Sie wissen schon. Meine Hühner werden das irgendwie überstehen, der Auslauf wird sich von Jetzt auf Gleich von 1000 qm auf 30 qm reduzieren, mindestens bis Ende Januar, schreiben Sie in einer Pressemitteilung, vielleicht auch länger, das ist reichlich blöd, aber das kriegen die schon hin, die Hühner, so weh es mir auch in der Seele tut. Überhaupt ist das ja alles eine richtig schlimme Sache, für andere viel schlimmer als für mich, aber das ist jetzt nicht das Thema.

Ich habe da heute nach Ihrer Pressemitteilung gleich ein bisschen recherchiert, wie man denn Hühner wohl bespaßen kann, wenn sie nicht in der Wiese frei herumturnen dürfen, es gibt da die tollsten Ideen, von Grünkohlpalmen bis zu lustigen Gemüsepyramiden, ja, da staunen Sie, man findet da allerlei Beschäftigungstherapie-Angebote, damit die Viecher nicht verblöden. Vogelgrippefrei, aber verblödet, nein, das wäre ja nun wirklich zu blöd.

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Das wirkliche Problem ist aber doch ein anderes: es gibt in meinem Leben ja noch einen anderen Mann, der einen Platz in meinem Herzen hat und mit dem ich darüber hinaus sogar verheiratet bin.

Wir führen eine wirklich mustergültige Ehe, wir streiten nie, wir schwätzen dauernd, wir haben nicht mal einen Fernseher, weil wir uns abends (und morgens und mittags) immer so viel zu erzählen haben, über alle Themen dieser Welt und über noch viel mehr. Wir gehen durch Dick und durch Dünn, wir vertrauen einander, wir lösen Konflikte immer sachlich und konstruktiv.

Aber wehe, wir müssen zusammen einen neuen, überdachten und umzäunten Hühnerauslauf bauen.

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Dann ist der eheliche Friede ernsthaft in Gefahr. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich spreche. Wann immer es um Baumaßnahmen geht, selten genug, gottlob, – wann immer es also um Baumaßnahmen geht, fliegen bei uns die Fetzen, mein Mann kommandiert mich herum, ich fange an zu jammern, er schreit, ich schlage mit dem Hammer auf die Daumen, nur auf meine, leider, ich flenne mit zittriger Unterlippe, er weiß alles besser, ich widerspreche lautstark, weil ich doch alles besser weiß, er unterstellt mir komplette Ahnungslosigkeit und zwei linke Hände noch dazu.

Ich schniefe in die Hosenträger meines Blaumanns, der Mann macht merkwürdige brummende Geräusche. Ich schmeiße irgendwann wutentbrannt das Werkzeug in die Ecke, er arbeitet fluchend weiter, in den Nachbarhäusern bewegen sich vorsichtig die Gardinen, so ein Schauspiel sieht man selten hier im Dorf.

Mit anderen Worten: Sie mit Ihrer Stallpflicht bringen meine Ehe in Gefahr. Wollen Sie das wirklich? Ich meine, da müsste es doch eine Ausnahmeregelung geben, ich weiß ja auch nicht so genau, aber es war doch die Rede von „existentiellen Gründen“, die eine Ausnahme ermöglichen würden. Wäre der eheliche Frieden nicht ein solcher Grund? Sie als Wertekonservativer wissen doch, wovon ich spreche. Würden Sie die Ehe opfern wollen? Wegen einer Handvoll Odenwälder Hühner? Also ehrlich.

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Und jetzt also weiß ich auch nicht weiter. Ohne Ausnahmeregelung sehe ich schwarz für die kommenden Tage. Könnten Sie nicht irgendwie ein bisschen helfen, sehr geehrter Herr Agrarminister, lieber Peter Hauk? Gibt es keine Lösung?

Doch, es gäbe eine!, – eben fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Den neuen überdachten und umzäunten Ausflauf, den bauen einfach Sie mit mir. Sie wohnen ja auch gar nicht weit von uns. Den Gatten schicke ich solang ins Wirtshaus, da kann er meckern wie er will, dann wird das alles nett und ganz entspannt. Sie haben das ja schließlich auch verordnet.

Und ratzfatz setzen wir die Stallpflicht um, mit einem schicken, neuen Vordach und so einer Art Voliere. Ich habe das ja alles auch schon aufgezeichnet, ich weiß ja, wie das geht, Sie müssten es nur machen mit meiner Unterstützung. Alles völlig easy. Das ist doch eine prima Sache. Und meine Ehe auch gerettet.

Sie haben hoffentlich ja nicht zwei linke Hände?

Mit lieben Grüssen,

undsoweiterundsoweiter. 

 

 

13 Kommentare

  1. Sehr schön!

    Musste sehr schmunzeln, so ernst der Hintergrund auch ist…

    Ich hoffe du hast Deinen Blogeintrag dem Peter Hauk verlinkt. Wäre interessant, wie und ob er reagiert.
    Hat eigentlich Alois Gerig noch Hühner? Dann sollte man mal recherchieren, ob der schon einen Bauantrag gestellt hat. 😉

    Beste Grüsse
    Dietger

  2. Du bist wirklich eine natürliche Stimmungsaufhellerin (umso beeindruckender, weil der Himmel bei uns gerade bis auf den Boden hängt – glücklicherweise nur wettertechnisch ;)!

  3. Aaaargh … ich kenn‘ das! Auch ohne Hühnerstall, mit Monsieur hier ist das ge-nau so! GENAU SO! Ohne Blogventil wäre ich schon zur Mörderin geworden, ich schwöre!
    Solidarische Grüße von der Küste in die Hügel!

  4. Ich habe schon eine überdachte Voliere aber die Hühner rauben mir mit ihrem Protestgeschrei den letzten Nerv. Könnte da unsere Landesregierung nicht für Abhilfe sorgen? Die sind ja dafür verantwortlich.

  5. ooohhhhh.. hihihi
    schallend gelacht..gut dass ich alleine lebe 😉
    das ist wohl ungefähr so wie früher mit meinem Mann zu tapezieren.. hihihi
    einmal haben wir die Decke tapeziert und ich hielt mit dem Besen die Tapete hoch..
    war alles nicht richtig.. da hab ich einfach losgelassen und er war in die Tapete eingewickelt
    😀
    mal sehen ob der Minister ein Herz für dich hat
    liebe Grüße
    Rosi

  6. Unser Vorschlag: Ein günstiges, einfaches Gewächshaus aus dem Baumarkt aufstellen, das könnt Ihr später mal im Sommer für die Tomaten etc. nutzen, jetzt wäre es der sichere Auslauf für die Hühner und JoHahn.

  7. Pingback: Landidylle. – LandLebenBlog

  8. Habe ich heute vor mir auf der Autobahn auf einem Tieflader gesehen und musste irgendwie an die liebe Frau Kroitzsch und ihre Ehe in Gefahr denken !
    Weiß auch nicht weshalb !

  9. Beste Hühnerhalterin-Freudensgenossin
    Gerade eben wieder gelesen nach Lektüre des Schnee-Wind-Desasters.
    GENAU wie hier bei uns!
    Geniale, jedoch diametral auseinander laufende Doppel-Planung, anschliessend nervtötende Realisierungsphase, dann einhellige Freude am Resultat (wobei jeder die brillanten Erfindungen und Umsetzung-Details sich selbst zuschreibt), mildes Lächeln der Nachbarschaft über die „Künstler“ und zum Schluss dann gnadenloses und unbeeindrucktes „Zuschlagen“ von „Mutter Natur“.
    Beste Grüsse in den Odenwald. Es ist nicht leicht, eines Künstlers/zweier Künstler Huhn zu sein.
    Martina

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