Moderne Moderne.

Mit Tipps zu moderner Architektur oder mit Hinweisen auf Ausstellungen international renommierter Künstler kann ich ja im Odenwald eher selten dienen, um es mal vorsichtig zu formulieren, deswegen fahre ich hin und wieder woanders hin, um Sie dann auf dieses oder jenes hinzuweisen. Schließlich ist das hier auch ein Service-Blog, also bitte.

Wenn Sie also demnächst mal wieder irgendwo in Holland unterwegs sind, dann sollten Sie das nigelnagelneue Voorlinden-Museum bei Den Haag besuchen, das liegt völlig in der Pampa und doch sehr zentral, wie ja in Holland eigentlich fast alles. Wenn Sie spannende Architektur und ebensolche moderne Kunst suchen, sollten Sie da wirklich hin.

Drinnen gibt es klassische moderne Kunst zu sehen und moderne moderne Kunst, bei ersterer bin ich noch ganz dabei, bei letzterer hin- und hergerissen zwischen Verarschen-kann-ich-mich-selber und Aha, aha, sehr interessant, hmmm....ähem.  Dabei hatte ich mir wirklich vorgenommen, nicht mit dem Blick der selbsternannten Landpomeranze zu schauen, sondern mit dem ach so geschulten Auge der ach so weltläufigen offenen Berlinerin.

Da stockt das Herz der Hühnerhalterin. Ich habe mich beherrschen können, mal dagegenzutippen.

1000 bunte Brokkolihälftenstempeldrucke

In diesem Zusammenhang muss der Künstler der aktuellen Sonderausstellung genannt werden, Martin Creed, immerhin Turner-Preisträger, und damit eine ganz heiße Nummer in der Szene. Einer seiner künstlerischen Leitsprüche steht auch auf hübschen Stoff-Täschchen, die Kunstinteressierte im Museumsshop erwerben können, um sie dann bei der nächsten Vernissage unauffällig in die Kameras der anwesenden Kultur-Reporter zu halten. Oder um damit Brokkoli auf dem Markt für den nächsten VHS-Kunstkurs zu kaufen, was weiß denn ich: Art is shit. Art galleries are toilets. Curators are toilet attendants. Artists are bullshitters. Wie das jetzt mit der – bereits mehrfach auf internationalen Schauen gezeigten – Klosettpapierrollenpyramide zusammenzubringen ist, weiß ich aber auch nicht.

Ich habe mich aber nach wenigen Metern in diesem Teil der Ausstellung entschieden, das alles nicht gesellschaftskritisch oder auf der Metaebene interpretieren zu wollen, wie ich es ja sonst eigentlich immer und überall tue, Landpomeranze hin oder her, sondern die Sache mit Humor zu nehmen, man kommt auf diese Weise wirklich auf seine Kosten und am Ende mit einem breiten Grinsen aus dem Museum heraus, das ist doch was.

Keine Frage der Perspektive – die Dame mit den roten Hosen ist extrem nah an dem Paar dran.

Keinesfalls auslassen sollten Sie in der ständigen Sammlung den Koloss von Richard Serra, open ended, ich nehme ja an, der steht dauerhaft da, ich habe mich dabei erwischt, wie ich darüber nachdachte, mit was für einem Gerät sie das Teil hier wohl hineinmanövriert haben, mit einem Lanz oder einem JohnDeere oder einem Schollkran, und ich habe heimlich nach Schweißnähten und Spuren auf dem Fußboden gesucht, alles leider vergeblich, es ist und bleibt ein Rätsel.

Vielleicht wurde das Museum auch drumrum gebaut, möglich wäre das, und verdient hätte das Stück es allemal. Sie ahnen, ich bin ein großer Serra-Fan, wenn Sie mal einen treffen, grüßen Sie ihn und verlaufen Sie sich nicht darin, es ist nicht ganz einfach, cool zu bleiben, wenn man zu Anflügen von Beklemmungen neigt, aber ich habe ja wieder herausgefunden, sonst könnte ich das hier ja gar nicht schreiben.

Und nun stellen Sie sich bitte einen solchen Serra mal auf einem grünen Odenwald-Hügel vor, mit weitem Blick ins Land, das wäre wie ein Paukenschlag und ein Tourismus-Kracher noch dazu. Die Leute kämen in Scharen, glauben Sie mir. Serra zieht immer. Oder gleich ein ganzes Museum, ein richtig feines? Warum bauen reiche Privatiers dauernd Museen in Holland und sonstwo, aber nie im Odenwald? So richtig cool, mit einem Skulpturenlandschaftspark drumherum? Das wäre mal was. Aber ob die Odenwälder da mitziehen? Ich werde mich mal darum kümmern müssen.

 

 

 

Ortstermin.

Wir wollten mal wieder ins hessische Ausland, und wir wollten mal wieder auf einen schönen Wochenmarkt, und so hat es uns nach Hirschhorn verschlagen, zur Perle am Neckar. Gut, das mit dem hessischen Ausland hat ohne Probleme und Grenzkontrollen funktioniert, das mit dem Wochenmarkt war eher eine gewisse Pleite, oder wir hatten mal wieder was Falsches erwartet, das kommt hierzulande manchmal vor.

Der Wochenmarkt ist übersichtlich, wie auf dem Lande leider häufig üblich, das Städtchen ist es auch. Aber hübsch. Sie sollten sich aber besseres Wetter heraussuchen. Und ich werde das nächste mal nicht nur das smartphone, sondern eine echte Kamera bemühen.

 

 

 

Wirtschaftsflüchtlinge.

Die Geschichte des badischen Odenwaldes ist auch eine Geschichte der Wirtschaftsflüchtlinge. Ja, das Wort kommt einem doch verdammt bekannt vor, nicht nur von damals, und nicht nur in diesem Landstrich, der seinem Beinamen Badisch-Sibirien eben durch die Jahrhundert hinweg alle zweifelhafte Ehre gemacht hat.

Die Böden schlecht, das Wetter auch, die Leute hatten nichts zu beißen und machten sich dann auf den Weg in die sogeannte Neue Welt, rüber, nach Amerika. Zu Hunderten. Zu Tausenden. Manche freiwillig und auf der Suche nach dem Glück, manche eher gegen ihren Willen. Manche sind da drüben froh und reich geworden, andere hat das Heimweh schier zerissen, man kennt das ja.

Vom Schicksal dieser Odenwälder Wirtschaftsflüchtlinge erzählt am kommenden Wochenende das Gottersdorfer Freilandmuseum noch mal sehr lebendig. Living history nennt sich das Ganze, eine Mischung aus Geschichtsunterricht und Schauspiel, die Besucher tauchen ein in arme Zeiten und erleben alles hautnah mit und finden sich plötzlich wieder als Teil der Geschichte. Ein Ansatz, den ich durchaus spannend finde. Was genau da so abläuft, können Sie hier auf der Webseite des Museums nochmal nachlesen, ich kann Ihnen den Besuch nur sehr empfehlen. Das Wetter soll zwar etwas gräßlich werden, aber dann bekommen Sie umso mehr eine Ahnung, wie das damals hier so war, in der guten alten Zeit im Odenwald. Außerdem wird sich vieles in den Häusern des Freilandmuseums abspielen, da werden Sie dann auch nicht naß.

Und wenn Sie dann schon da sind, sollten Sie ein paar Meter außerhalb des eigentlichen Museumsgeländes das Haus Bär begucken, von den Wirtschaftsflüchtlingen zum Wirtschaftswunder, sozusagen. Im Haus Bär nämlich geht es um die 50er Jahre im Odenwald, da macht man sowas wie eine Zeitreise in das eigene Familienfotoalbum, selbst, wenn man nicht vom Lande ist. Und dauernd rufen aus allen Räumen Besucher Nein! und Guck mal da, das hatten wir ja auch! und Gott, wie häßlich, und das fanden wir mal schön?! und man hört allerlei spitze Schreie, eine Mischung aus Entzücken und Verzweiflung. Ein Besuch im Haus Bär ist also eine wahre Wonne, auch das kann ich Ihnen nur ans Herz legen.


So. Und nun sagen Sie nicht, Sie hätten keine Ahnung, was Sie mit dem bevorstehenden Wochenende anfangen sollten. Also bitte.

Und warum ich Freilandmuseen und so Zeug inzwischen wirklich schätze, können Sie hier nochmal nachlesen.

 

 

 

 

Ein Kriegserlebnis.

Ich hatte neulich ein Kriegserlebnis, mitten im Wald. Das mag nun etwas merkwürdig klingen, im Jahr 2016, tief in der deutschen Provinz, aber es fühlte sich so an. Und es war einer dieser Momente, wo einem plötzlich etwas ganz glasklar wird, wo man etwas tatsächlich spürt, was man bislang zwar im Kopf gewußt, aber eben nie so richtig erfahren hat. Sie können diese Geschichte jetzt lächerlich finden oder nicht, vielleicht ist sie tatsächlich lächerlich, aber ich wollte sie nun doch loswerden.

Ich war da also unterwegs in einem Wald bei Altheim, das gehört zu Walldürn, und die Leute hier legen Wert darauf, dass sie nicht mehr zum Odenwald gehören, sondern zum Bauland, aber das ist wieder ein anderes Thema.

Jedenfalls hat der Altheimer Heimatverein einen kleinen Lehrpfad angelegt, hier im lauschigen Wald, einen Pfad, der mehrere Bombentrichter aus dem Zweiten Weltkrieg miteinander verbindet.

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Die Bombenabwürfe über dem Wald bei Altheim sind mehr als 70 Jahre her, das ist nun wirklich eine lange Zeit, und tatsächlich sind die Bombentrichter so gesehen reichlich unspektakulär. Ein Zeitzeuge hatte den Heimatverein auf die Idee gebracht, die Bombentrichter dennoch wieder zugänglich zu machen; jener Mann war am 9. September 1944 als Kind auf den Altheimer Feldern unterwegs gewesen, als sich von Richtung Mannheim/Ludwigshafen dröhnend und brummend um die 500 Kriegsflugzeuge näherten, Bomber und Jagdflugzeuge.

Die Amerikaner hatten den Rangierbahnhof in Mannheim bombardiert und waren nun auf dem Rückflug. Irgendwas bewog sie, Ladung abzuwerfen, übriggebliebene Bomben, die beim Flug nur Ballast waren. Also ließen sie die Bomben fallen, bei Altheim, über dem Wald.

All das hat der Heimatverein akribisch recherchiert und dokumentiert, zunächst etwas widerwillig, dann mit steigendem Interesse und Begeisterung, und nun ist also in vielen freiwilligen Arbeitsstunden der kleine Lehrpfad entstanden, 70 Jahre nach dem Kriegsgeschehen. Am Startpunkt gibt es eine kleine Tafel, da ist von Krieg und Frieden die Rede, und davon, wie wichtig der Frieden auf der Welt ist, so pädagogische und irgendwie rührende Sätze auch für Kinder und für Jugendliche, naja, man kennt das ja.

Da oben bin ich also unterwegs an einem herrlichen Nachmittag, die Sonne blitzt durch die noch grünen Buchenblätter, die Vöglein piepsen, ein Specht hämmert wild auf einen toten Stamm, sonst hört man nichts im Wald. Ich laufe die elf freigelegten Bombentrichter ab, entdecke zwischendurch im Unterholz noch andere. Große runde Krater in der Erde, vielleicht fünf oder auch mal acht Meter im Durchmesser. Tiefe, aber unscheinbare Löcher, aus denen inzwischen die Bäume herauswachsen, an denen man vermutlich achtlos vorbeigegangen wäre, wenn man nicht wüsste, was es ist.

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Nah beieinander liegen die Trichter, so nah, dass man von einer Kraterlandschaft sprechen könnte. Und plötzlich sehen die Löcher für mich aus wie überdimensionierte Narben, wie in den Waldboden geschlagene riesige Wunden. Die Vöglein piepsen, der Specht hämmert weiter, es könnte nicht friedlicher sein, und ich gehe von einem Krater zum nächsten, schaue hinab in die Löcher und spüre förmlich die Kräfte, die hier und anderswo gewütet haben müssen. Die Zerstörung, die Wucht, die Gewalt, all das ist plötzlich wie in einem Brennglas zu erkennen, hier im spätsommerlich warmen Wald. Und irgendwie bin ich ehrlich ergriffen, das ist ein peinliches Wort, aber mir fällt nun kein besseres ein, der tiefe Friede um mich herum, die piepsenden Vöglein, das raschelnde Laub, der Specht – und die Krater.

Und ich denke darüber nach, dass ich natürlich dauernd ganz entsetzliche Bilder von Kriegen und Bombenangriffen sehe, es gibt ja weiß Gott genug davon auf der Welt, jeden Tag, in jeder Zeitung, auf jedem Kanal, und ich denke an die syrischen Flüchtlinge, von denen ich dieses und jenes gehört habe an grauenhaften Geschichten, die mir allesamt nachgehen. Und die mir doch, so scheint es mir plötzlich, ferner bleiben als diese paar uralten Krater im Wald.

Es gibt da wohl eine psychologische Erklärung, so sagt eine Freundin, und sinngemäß geht die ungefähr so: was ich im Fernsehen sehe, oder auf Bildern, das tägliche Grauen, das wird mir alles durch einen Filter vor Augen geführt, ich erfahre das alles gottlob nur aus zweiter Hand. Mit den Berichten der Flüchtlinge ist es dasselbe, ich bekomme etwas erzählt, aber ich erfahre es, wieder gottlob, nicht selber, ich fühle es nicht in seiner wahren Dramatik.

Und da stolpere ich also durchs Unterholz irgendwo in der süddeutschen Provinz und gehe über den neuen Lehrpfad eines klitzekleinen Heimatvereins und bekomme eine tatsächliche, fast körperliche Ahnung, wie das war und was das ist: Krieg, Zerstörung, Gewalt.

Vielleicht ist das tatsächlich lächerlich, wer weiß das schon. Sie können es ja selber einmal testen, wenn Sie das nächste Mal in der Gegend sind. Dann fragen Sie in Altheim einfach nach dem Lehrpfad am Noledorn und gehen Sie auf eine kleine Zeitreise ins Jahr 1944. Vielleicht macht Sie das noch ein bisschen sensibler für das Heute. So war es bei mir jedenfalls.

 

 

 

Ein Tipp.

Wenn Sie für morgen, Sonntag, noch nichts vorhaben und irgendwo in der Region wohnen, dann könnte ich Ihnen einen Ausflug ins benachbarte Wagenschwend empfehlen. Das ist jetzt nicht wirklich der Nabel der Welt, also nicht vergleichbar mit Barcelona oder München, aber dafür eben umso beschaulicher. Und das Museumsfest in Wagenschwend eines der nettesten Feste weit und breit, so sagt man mir zumindest.

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Ich muss gestehen, dass ich da selber noch nie war, bei einem dieser Feste, Asche auf mein Haupt, irgendwas kam immer dazwischen. Aber diesmal bin ich ganz bestimmt dabei, ich habe nämlich vor einiger Zeit eine Beitrittserklärung für den Museumsverein unterzeichnet, solche Arbeit muß man schließlich unterstützten. Ich war mein Lebtag noch nicht Mitglied in irgendeinem Verein, das wurde nun mal Zeit. Und dass ich seit 15 Jahren Mitglied bei der Buchener FG Narhalla bin (ja, da staunen Sie), das verschweigen wir an dieser Stelle, weil ich mich nicht mehr erinnern kann (und selber staune), wie das wohl zustande kam. Aber austreten gehört sich nicht, Brauchtum undsoweiter, naja, Sie wissen schon.

Jedenfalls bin ich auch im winzigen Wagenschwender Museum gerne Mitglied, die machen eine tolle Arbeit da, vor und hinter den Kulissen, und dem Chef sind wir inzwischen von Herzen sehr verbunden. Und morgen also wird gefeiert, da gibt es allerlei zu sehen und zu lernen und zu trinken und zu essen.

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Der alte Stein-Ofen war heute vormittag schon angeheizt, die ersten Brote sind gebacken, sie können gekauft oder auch gleich verzehrt werden. Ich habe sowohl als auch, heute mittag schon.

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Ich habe da also heute schon ein bisschen rumgestanden und den Vereinskollegen bei den Vorarbeiten zugeschaut und schlaue Reden geführt und zwei, drei Handgriffe geholfen und mich einweisen lassen. Morgen bin ich nämlich eingeteilt zum Soße schöpfen für die Gäste, das ist eine wirklich verantwortungsvolle Aufgabe für so ein Neumitglied wie mich, und man sieht daran, dass ich so langsam ankomme in der Dorfgemeinschaft. Bratwurstsoßeschöpfen als Initiationsritus, ich hoffe, ich bestehe das. Ich meine, sind wir doch mal ehrlich: die Soße auf das Kraut statt auf die Wurst, oder auf die Wurst statt auf die Schupfnudeln, da heulen die Kinder und murren die Väter, man kennt das von sich selber, da ist das ganze Fest doch schon gelaufen. Eben. 

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Also, langer Rede kurzer Sinn: Ich gebe mein Bestes, und Sie kommen halt mal vorbei, wir wollen schließlich Spaß haben und Geld verdienen, beides kann so ein Museum auf dem Dorfe gut gebrauchen. Das mit Ihrer Soße auf den Würsten kriegen wir dann auch noch hin. Und außerdem ist ein Imker da mit Bienen und mit Honig, einer macht Most, und und und, und Kinderschminken gibt es auch, falls Sie darauf besonders spekulieren. Und natürlich gibts das kleine, liebevoll gemachte Museum vom Keller bis zum Dach, alles voller Erinnerungen und Funden aus der guten alten Zeit, die gar nicht immer nur so gut war auf dem Lande.

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Also: Sonntag, 11 bis 18 Uhr in Wagenschwend, das gehört zu Limbach, Ihr Navi weiß dann schon bescheid. Und Limbach (Baden), nicht Limbach-Oberfrohna, falls Sie von weiter weg hierherkommen und Ihr Navi fragen sollte. Is klar. Und hier können Sie nochmal im Internet zum Museum nachlesen.

Hier im Blog haben wir auch schon manches mal über das Engagement des Museumsvereins berichtet, unter anderem über die Forschungen rund um eine polnische Zwangsarbeiterin, die in Wagenschwend erschossen worden war, 1945. Und zuletzt darüber, wie die Geschichte weiterging, hier können Sie das nochmal nachlesen, beachten Sie da auch die Kommentare. Und den Hinweis auf das Büchlein, das können Sie beim Fest natürlich kaufen. 

 

 

Sommerfrische.

Zur ärztlich verordneten Sommerfrische gehört auch ein Kulturprogramm, ja, das hätten Sie nun nicht gedacht. Ich auch nicht. Aber das gibt mir die Gelegenheit, Ihnen einen kleinen Ausflugstipp zu offerieren. Außerdem gibt es mir die Chance, mich in Ruhe und Geduld zu üben, das hauseigene Internet fordert da alles vom Benutzer, Sie dürfen sich das in etwa vorstellen wie die digitalen Zustände in belgisch-Kongo, aber wir wollen nicht maulen. Oooooom.

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Wie dem auch sei, ich war also in Wissembourg und kann das nur empfehlen. Kennwa, warnwa schon, alles voller doofer Touris. Ja, ja, ja, das ging mir ganz genauso, aber hinterher war alles anders, wie so oft im Leben.

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Das Geheimnis liegt im Stadtführer, das klingt nun furchtbar spiessig, erwies sich aber als sehr sinnvoll, so ein Mensch zeigt einem ja Ecken und Kanten, die man ohne ihn niemals entdeckt hätte, und die ersten zwei Stunden hätte ich schwören können, ich sei noch nie in dieser kleinen Stadt gewesen.

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Spiessig hin oder her, Sie sollten sich das angewöhnen, erstmal mit einem begeisterten Ortskundigen neue Orte zu erkunden. Ich könnte Ihnen inzwischen die tollsten Geschichten aus Wissembourg erzählen, und Ihnen an die 490 Fotos zeigen, wie weiland Onkel Karl bei den beliebten Dia-Abenden für die Familie, allein, das belgisch-Kongo-Internet, Naja, Sie wissen schon. DSC_5165_2046

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Stay tuned. Sagt man ja so.
 

 

 

 

Nochn Tipp.

Wenn ich die Großstädter in meiner Twitter-Timeline nicht hätte, ich wüsste schier nicht, wohin an schönen Wochenenden in der Provinz. Es ist nicht zu glauben, tztztztz. In diesem Sinne gibts heute einen Ausflugstipp, den ich von der freundlichen Geschichtenagentin aus der nächsten Großstadt bekommen habe, danke dafür.

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So war ich also mal rasch in Italien mit meinem Geo, der ja ohnehin dauernd plärrt, er wäre lieber dort als im unwirtlichen Odenwald, schon wettertechnisch undsoweiter. Ein paar Kilometer Richtung Norden gefahren, nach Aschaffenburg, das ist nicht weit von uns und eigentlich schon lang bekannt. Eigentlich, naja, Sie wissen schon. Der italienische Teil Aschaffenburgs war uns gänzlich unbekannt, aber er war die kleine Reise durchaus wert. Die ganze Anlage ist ein Traum und lädt zum Schauen und Verweilen und Lustwandeln ein. Die Fotos hier werden vielleicht auch Sie überzeugen, den Text und die nötigen Infos dazu finden Sie bei der (klick:) lesenwerten Geschichtenagentin.

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Und noch ein Tipp: Gehen Sie da nicht an einem strahlend schönen Muttertagssonntag hin. Es war die Hölle los. Menschen aus aller Herren Länder, vereinzelt sogar Bayern dazwischen. Ein babylonisches Sprachengewirr. Warten Sie lieber auf einen strahlend schönen Werktag.

 

 

 

 

 

Ein Tipp.

Meine bereits erwähnte Gelbsucht hat mich dieser Tage in das kleine Bödigheim geführt, da gibt es eines der zahlreichen Schlösser hier in der Region, niederer Landadel undsoweiter, naja, Sie wissen schon. Das Schloß kann man leider nur von außen begucken, weil darinnen ganz normale Menschen wohnen, zur Miete, sehr profan, aber die (Klick:) Anlage ist sehenswert, und besonders hübsch ist der kleine Park dahinter.

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Ich hatte leider nur wenig Zeit, das Gelb so richtig in Szene zu setzen, denn kaum hatte ich die Kamera ausgepackt, um mich an die Löwenzähne heranzuschleichen, näherte sich brüllend eine Art Micky Maus auf einem überdimensionierten Rasentraktor, es war vielmehr ein halber Rasen-Panzer, ein unglaubliches Teil, das furchterregend seine Bahnen zog und von einem Herrn mit, siehe oben, Micky-Maus-Ohrenschützern gelenkt wurde. Das mit dem Gelb hat sich also vermutlich inzwischen erledigt.

Ich kann Ihnen das Schloß trotzdem sehr empfehlen, wenn Sie in der Gegend unterwegs sind. Sie können nach soviel lauschiger Idylle im Schloßgarten dann auch einen Abstecher zum Jüdischen Friedhof in Bödigheim machen, auch der ist absolut sehenswert und gilt als einer der ältesten in der Region. Hier können Sie das nochmal nachlesen, ein Beitrag aus uralten Zeiten, als ich noch mit dem Händi experimentelle Fotos machte.

Dieser Tage gibt es da eine Führung, über den Friedhof, normalerweise kommt man nämlich auch da nicht rein (wenn man nicht die Schlupflöcher kennt, ähem), ich fürchte aber, ich habe Datum und Uhrzeit nur im Vorüberfahren gesehen und nicht im Kopf behalten. Aber vielleicht kann das ja jemand in den Kommentaren nachtragen. Oder Sie finden halt das Schlupfloch.

 

 

 

Augustinisch unterwegs.

Bewegen Sie sich an der frischen Luft, gehen Sie wandern, machen Sie Ausflüge, sagt die freundliche Ärztin, und weil ich in der Regel tue, was man mir sagt, habe ich also heute tatsächlich mal einen richtigen Ausflug gemacht, also so einen richtig richtigen, mit längerer Anfahrt und Proviant und allem Pipapo, und daraus wird jetzt ein Ausflugstipp für alle, die heute schon ans nächste Wochenende denken und vielleicht mal in den Main-Tauber-Kreis rüberschauen wollen.

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Ich hatte zugegeben keine Ahnung, wer oder was Messelhausen ist und dass es da mal ein Augustinerkloster gab, aber wofür hat man facebook-Bekanntschaften, die nicht nur theologisch, sondern auch wandernd unterwegs sind. So gesehen ist dieser Ausflugstipp ein abgeguckter, danke dafür an den facebookenden Pfarrer in meiner Freundesliste.

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Sie müssen aber selber gar nicht theologisch drauf sein, wenn Sie rund um Messelhausen wandern und ab und zu augustinische Weisheit lesen wollen, theologisch oder gar fromm, der Weg lohnt sich allemal, und hin und wieder am Wegesrande innehalten und ein bißchen nachdenken hat ja noch niemandem geschadet, auch Atheisten nicht.

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Also, wie dem auch sei: es gab da dieses Kloster Messelhausen, ein Augustinerkloster, und dort hatte man ein besonderes Faible für – wen wundert es – den Augustinus. Ob der gerne wandern ging, muß an dieser Stelle unbeantwortet bleiben, jedenfalls sind rund um das Messelhausener Kloster in den vergangenen Jahren mehrere Wander- oder eher Pilgerwege entstanden, die sich Augustinus und seiner Sicht der Dinge widmen.

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So geht man also von Station zu Station durch die Felder und Wiesen, über kleine Bächlein und durch weite Täler, vorbei an Sinnsprüchen und manchen Skulpturen, durch lichte Buchenwälder, in denen in diesen Tagen Buschwindröschen und Bärlauch um die Wette wachsen. Das ist in der Tat sehenswert, und falls Sie für soetwas einen Sinn haben, sollten Sie so bald wie möglich dort vorbeischauen und ernten oder einfach nur schweigend das Schauspiel genießen.

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Vier verschiedene Routen gibt es, ich hatte mich für den Schwarzen Weg entschieden, für den Klassiker für Augustiner-Anfänger sozusagen. Dass das Wanderzeichen, dem ich vier Stunden lang folgen musste (oder durfte), nun ausgerechnet ein flammendes Herz ist, das betrachten wir jetzt mal als eine kleine augenzwinkernde Ironie, die der Herr Augustinus der burnout-geschädigten Seele mit auf den Weg geben wollte, zwinkerzwinker, hahaha. Der hat ja offenbar Humor, der Gute.

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Ich werde mir die anderen Routen auch noch vornehmen, und vielleicht kaufe ich mir mal ein Buch von oder über Augustinus, das kann in einem evangelischen Haushalt nicht verkehrt sein. Schlimm genug, dass sich sowas hier noch gar nicht findet. Einstweilen lege ich Ihnen die Messelhausener Wege ans Herz, ans flammende und auch ans ausgebrannte, nur sollten Sie da nicht im Hochsommer lang, auf den weiten Strecken über die Felder brennt es Ihnen sonst das Hirn weg oder flammt Ihnen ein veritabler Sonnenbrand die Stirne rot.

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Hier finden Sie ein paar nähere Informationen zu den Wegen, und hier auch.

 

Die Eremitage.

Wir haben hier mal wieder einen Ausflugstipp für Sie, ausnahmsweise nicht aus dem Odenwald. Unsereiner kommt ja rum, nicht wahr, vorallem an verregneten Wochenenden. Schönes Wetter wäre diesmal eindeutig schöner gewesen, aber das, was wir sehen wollten, war das Gebäude von Innen; und das, was draußen ist, ist eh derzeit eine riesige Baustelle. Ein Abstecher lohnt sich trotzdem allemal. Oder Sie merken sich das rasch fürs Jahr 2018 oder 2019 vor, wenn Sie da noch einen Termin frei haben, bis dahin dürften auch die Außenanlagen fertiggestellt sein.

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Ich wohne hier quasi um die Ecke, sagt der Mann mit dem grauen Haar und lächelt ein bisschen entschuldigend, aber ich war seit 20 Jahren nicht mehr da. Tat zu sehr weh, das Ganze. 45 Jahre lang hat er für die Zuckerfabrik gearbeitet, jedes Gebäude auf dem riesigen Areal kannte er wie seine Westentasche. Auch die historischen Verwaltungsgebäude, in denen ging er ein und aus. Aber die waren damals noch nicht so schön hergerichtet wie heute. 

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Anfang des 18. Jahrhunderts hatte der damalige Fürstbischof von Speyer mit dem Bau der Eremitage in Waghäusel begonnen, die genaue Geschichte können Sie hier nachlesen, mir zumindest war das alles völlig neu, obwohl ich die Region seit gefühlten Jahrzehnten kenne. Jedenfalls machte der berühmt-berüchtigte Reichsdeputationshauptschluß der ganzen Sache einen Strich durch die Rechnung, und die Eremitage fiel an den badischen Staat. Der wiederum verkaufte das gesamte riesige Areal 1837 an die Badische Gesellschaft für Zuckerfabrikation, und das barocke Schlösschen fand sich schlußendlich in einem Industriegebiet wieder.

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Die Zuckerfabrik machte 1995 dicht und verkaufte das Gelände wieder, mit barockem Schlösschen, Parkanlagen, Fabrikhallen und Silotürmen. 13 Hektar Fläche, die seitdem der Stadt Waghäusel gehören.  

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Die Silotürme wollen sie jetzt irgendwann endlich abreißen, erzählt der Mann, auch das tut mir irgendwie leid, ich habe hier nicht nur gearbeitet, ich habe für die Zuckerfabrik gelebt. Heute also ist er zum ersten Mal wieder hier auf dem Gelände und schaut sich um, an seinem ehemaligen Arbeitsplatz.

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In einem der Gebäude, dem sogenannten Küchenbau, ist eine Galerie untergebracht, es gibt wechselnde Ausstellungen moderner Kunst und ein winziges, wunderbares Café. Der Galerist schleppt Tabletts mit selbstgebackenem Kuchen und gutem, starkem Kaffee in 70er-Jahre-Tassen herbei, er plaudert mit den Gästen und erklärt bei Bedarf die aktuelle Ausstellung.

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Das sieht schon toll aus jetzt, sagt der Zuckermann, und der Schokoladenkuchen war der beste, den ich je gegessen habe, und wieder lächelt er halb verlegen, halb entschuldigend. Vielleicht komme ich mal wieder. 

Wir haben das definitiv auch vor. Sei es zur nächsten Ausstellung oder nur auf einen Kaffee in ungewöhnlichem Ambiente. Oder, um mal mit der Kamera über das ehemalige Fabrikgelände zu stolpern, keine Ahnung, was es außer den riesigen Silotürmen dort noch zu sehen gibt, wo man überall noch hinkommt. Oder durch den Park hinter dem Schloß, der derzeit eine große Baustelle ist.

Schlimm genug, dass wir das alles noch nicht kannten.

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Wenn Sie da mal hinwollen: die aktuelle Ausstellung läuft noch bis Ende Februar, bis dahin ist der Küchenbau sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Ob und wie man in das Hauptgebäude des Schlosses hineinkommt, ist uns nicht ganz klar geworden, offenbar nur zu Veranstaltungen. Oder Sie lassen sich da standesamtlich trauen, falls Sie eh grade sowas in der Art planen, das wäre auch eine Möglichkeit, die ich der Homepage entnehme. Auf der sollten Sie einfach mal stöbern, und dann einfach mal hinfahren.