Alles schön und gut…

 

…aber warum hält denn eigentlich kaum noch jemand Hühner auf dem Land?

 

dreihühner

Meine.

 

 

Keine Ahnung.

Vielleicht, weil Hühner Arbeit machen.

Und Dreck.

Und Lärm.

Und an alte Zeiten erinnern, wo man jetzt doch so modern sein möchte.

 

Und weils Eier schließlich auch beim Aldi gibt. Und die Eier vom Discounter letzten Endes billiger sind, wenn mans ganz genau ausrechnet. Und trotzdem fast genauso gut, wie die Eier von der Oma ihren Hühnern früher waren.

 

 

Also, fast.

 

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Alles schön und gut….

 

… aber das Problem mit den sterbenden Gasthäusern auf dem flachen Land wird sich auch in 2014 nicht lösen. Wir haben dieses Thema hier ja schon einmal behandelt.  In den vergangenen zehn Jahren hat allein hier im Landkreis jede dritte Wirtschaft zugemacht, und in den kommenden zehn Jahren wird ein weiteres Drittel der Kneipen und Restaurants die Rolläden für immer runterlassen.

 

Kann man nun drüber jammern, oder es so machen wie die Kommunalpolitiker im klitzekleinen Hirschlanden. Einfach selber anpacken.  Nachahmenswert.

Die Bloggeschichte dazu gibts hier nochmal zum Nachlesen.

 

Naja, klingt ja alles gut und schön, aber wie soll das denn in der Praxis funktionieren?

Gute Frage.

Erste Antworten gibts heute abend in einem kleinen Beitrag der Landesschau Baden-Württemberg im  SWR-Fernsehen.  Zwischen 18 Uhr 45 und 19 Uhr 45.

 

Oder später zum Nach-Gucken. Hier irgendwo.

 

SWRHirschbräu

 

 

 

 

 

 

Alles schön und gut…

 

…aber wieso reiten die hier eigentlich ständig auf irgendwelchen uralten Komplexen herum?

 

Neulich: Gemeinderatssitzung in der nächsten größeren Stadt. Naja, was sich hier halt so Stadt nennt. In diesem Fall: Buchen, 20.000 Einwohner, verteilt auf 14 Ortsteile. Die Gemeinderäte kommen aus allen Ortschaften, und manche von ihnen sehen aus, als seien sie von der Stallarbeit direkt ins Rathaus geeilt. In jedem Fall stehen die Volksvertreter hier allesamt mit beiden Beinen fest auf dem Boden, einige davon eben auch in Gummistiefeln. Kann bei politischer Arbeit ja nicht schaden.

 

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Ja, sogar im Odenwald sitzen inzwischen auch Frauen im Gemeinderat.

 

 

Da wird auch mal gebrüllt im Gemeinderat und mit der Faust auf den Tisch geschlagen. Und entschieden wird über ein Thema in der Regel erst, wenn es auch der letzte im Gremium durch und durch begriffen hat. Borschermeester, Sie erkläre des jetzt sou lang, bisses all verstanne henn, verstanne??

 

In der jüngsten Sitzung ein heißes Thema: Bauschutt aus dem abgeschalteten Atomkraftwerk Obrigheim soll auf der hiesigen Mülldeponie entsorgt werden. Die Betreiber des Kernkraftwerks müssen ja irgendwo hin mit dem Zeug. Beton, der beim Abriß von Bürogebäuden oder anderen Teilen des Kraftwerks anfällt. Ein Teil davon geht ins Recycling, ein kleiner Teil muß deponiert werden. Hier, in Buchen.

 

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Alles kein Problem, sagt der grüne Umweltminister, alles freigemessen, alles unterhalb jeglicher Grenzwerte. Da strahlt nix, da gibts keine Gefahr.

Die Gemeinderäte aller Fraktionen bleiben skeptisch: Da muß doch irgendetwas faul sein, wenn das Zeug nicht mal für ein Recycling taugt? Wieso ausgerechnet zu uns? Und außerdem: die können uns da unterjubeln, was sie wollen, das kann doch keiner kontrollieren hier.

 

So weit, so gut. Aber dann kommen sie wieder, die Argumente, die immer und überall kommen, ganz gleich, worum es geht. Die Glaubenssätze aus der Provinz. Die mantraartig immer dann kommen, wenn es eigentlich darum ginge, die eigenen Interessen selbstbewußt darzustellen und durchzusetzen. Leute, das hat Ihr doch nicht nötig!, möchte man rufen. Allein, es wäre wohl vergebens.

 

Die meinen wohl, wie sind hier die dummen Bauern, mit denen sie alles machen können. Wir müssen ja immer herhalten, hier im ländlichen Raum. Mit uns können sie es ja machen. Die halten uns für unterbelichtet. Uns, die doofen Landmenschen. Provinznasen. Wir sollen doch immer über den Tisch gezogen werden, wenn es den feinen Herren in Stuttgart und Berlin grad so passt. Wir kriegen ja eh immer nur, was vom Tisch herunterfällt. Das, was die anderen nicht haben wollen.

So ist es, bis in Ewigkeit, Amen.

 

Die, die das Odenwälder Klagelied am lautesten vorbeten, quer durch alle Gremien, quer durch den ganzen Landkreis, haben vor ein paar Monaten dem Landrat zu seiner Wiederwahl eine selbstgebastelte Fahne der bauernkriegerischen Bundschuhbewegung geschenkt. Der Landrat als Bauernführer. Also dann doch. Daß den Bundschuh-Männern einst ihr ganzes lautes Geschrei wenig genutzt hat und die meisten von ihnen hinterher den Kopf unterm Arm trugen, hatten die Herren im Eifer des Geschenkgefechts übrigens offenbar übersehen. Oder übersehen wollen. Der Landrat kriegte seine Fahne und alle fandens prima. Ich werde ihn mal fragen müssen, was er eigentlich damit gemacht hat. Ob er sie vor sich herträgt wie andere ihren provinziellen Minderwertigkeitskomplex.

 

 

 

Eine Freundin von mir war vor Jahren im tiefsten afrikanischen Busch. Entwicklungshelferin in Malawi. Das fruchtbarste und schönste Stück Erde, das ich , besuchsweise,  je gesehen habe. Sie baute keine Brunnen und pflanzte keinen Mais; ihre einzige Aufgabe bestand – genau betrachtet – darin, den jahrhundertelang unterdrückten und versklavten Malawiern zwei Dinge zu vermitteln:

Identität und Selbstbewußtsein.

 

 

Keine Ahnung, warum mir das ausgerechnet jetzt einfällt.

 

 

 

Allesschönundgut…

…aber warum gibts denn hier im Odenwald nur noch so wenige Gasthäuser?  Haben wir vor ein paar Wochen schon mal gefragt.

Aus gegebenem Anlaß müssen wir das Thema nochmal aufgreifen.

In den vergangenen zehn Jahren hat im Landkreis jede dritte Dorfkneipe zugemacht, und von denen, die übriggeblieben sind, wird in den nächsten zehn Jahren nochmal jede Dritte die Läden runterlassen.

 

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Im Odenwald sterben die Gasthäuser aus. Das Toast Hawaii aber lebt.

 

 

Unsereiner leidet also Hunger und Durst, und die Kommunalpolitiker jammern. Allesschönundgut, aber Politiker jammern ja eigentlich immer. Und ändern aber nichts. Oder so.

 

Oder doch? In der 470-Seelen-Odenwald-Metropole Rosenberg-Hirschlanden haben die Gemeinderäte und Ortschaftsräte erst ein bißchen gejammert über das Kneipensterben – und dann die Ärmel hochgekrempelt. Jahrelang gabs keine Kneipe mehr, nichts zu essen in Hirschlanden, keinen Dorftreffpunkt. Wenn sich hierher schon kein Profi-Gastronom verirrt, dann machen wir halt unsere eigene Wirtschaft auf. Das Hirschbräu Hirschlanden.  Im alten, leerstehenden Rathaus. Wo denn sonst?

 

Jeden Samstag bitten jetzt CDU’ler, Sozis, Grüne zu einer Wahlveranstaltung der etwas anderen Art, und das Wähler-Volk muß sich entscheiden zwischen Schnitzel mit Brot, Wildschweinmedaillons auf handgeschabten Spätzle, vegetarischer Grünkernlasagne oder Kalbsbraten.

 

Was will der Wähler? Grünkernsuppe oder Rehfilet?

Was will der Wähler? Grünkernsuppe oder Rehfilet?
Kommunalpolitiker bei der Arbeit.

 

Im Hirschbräu kann es dem mündigen Bürger passieren, daß er von seinen Volksvertretern höflich gefragt wird: Was darfs denn sein?. Hat man seine Wünsche geäußert, macht sich die Große Koalition in der Küche daran, den Wählerwillen nach bestem Wissen und Gewissen umzusetzen. Daß Altkonservative, Fundis und Realos dabei ihr gemeinsames Süppchen kochen, versteht sich hier von selbst. Grünkernsüppchen am liebsten. Schließlich eine regionale Spezialität.

 

Kochen wieder mal ihr eigenes Süppchen, die Volksvertreter.

Kochen wieder mal ihr eigenes Süppchen, die Volksvertreter.

 

Und Grünkernsuppe kann jeder. Schlichte Grünkernsuppe würde sogar ein alter CDU-Gemeinderat noch hinbekommen, und wenn er das mit Liebe macht, schmeckt die auch so. Manche Gemeinderäte halten sich auch beim Kochen an die Odenwälder Politdevise: alt bewährt, ham wir immer so gemacht, andere experimentieren, modernisieren, reformieren. Der hungrige Gast muß sich überraschen lassen – schließlich kann er sich über das jeweils aktuelle Wahlprogramm erst informieren, wenn er schon im Wahl-Lokal ist.

 

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Die Umfrageergebnisse sprechen eine deutliche Sprache:
zweimal sauer Schorle, drei Hefeweizen und ein Kellerbier.

 

 

Finanziell trägt sich das nicht zuletzt, weil wir alle ehrenamtlich arbeiten, sagt Ortsvorsteher Martin Herrmann. Aber wo, wenn nicht hier, können sich Kommunalpolitiker sonst so konkret vor Ort einbringen?

Dabei ist es mit dem Samstagabend nicht getan: das jeweils diensthabende Küchenteam muß schon im Lauf der Woche Fleisch und Gemüse einkaufen, für frische und politisch-korrekt-regionale Ware teilweise weite Wege fahren, die Küche richten, den Gastraum putzen. Amtsmüde wird dabei keiner, im Gegenteil. Das HirschbräuHelferTeam ist heute nochmal deutlich größer als beim Kneipen-Start vor sieben Jahren, viele Gemeinderäte schleppen auch Ehefrau und Kinder mit zum Kneipendienst.

 

Polit-Stammtisch mal anders.  Nach dem dritten Starkbier sieht die Welt sehr freundlich aus.

Polit-Stammtisch mal anders.
Nach dem dritten Starkbier sieht die Welt sehr freundlich aus.

 

 

Das Konzept kommt an: Einmal in der Woche hat das Hirschbräu offen, und einmal in der Woche ist der Laden mit seinen 60 Plätzen rammelvoll. Ohne telefonische Reservierung geht da gar nichts. Die Gäste kommen zu Fuß aus Hirschlanden, oder mit dem Auto von weiter her. Das Polit-Konzept macht viele neugierig, und das selbstgebraute Bier ist sowieso der Renner. Und die Hirschlandener haben endlich wieder ihren Dorftreffpunkt.

So einfach ist das.

 

 

Nicht dokumentiert, aber selber gesehen: Die Altersspanne der Gäste  reicht von Acht bis Achtzig.

Nicht dokumentiert, aber selber gesehen: Die Altersspanne der Gäste reicht von Acht bis Achtzig.

 

 

 

Danke an Martin Herrmann für die Fotos. Daß ich bei meinem letzten Besuch einen Platz im Hirschbräu ergattern konnte, ohne körperliche Gewalt anwenden zu müssen, lag bloß daran, daß ich rein dienstlich da war.  Da konnte ich nicht auch noch fotografieren.

 

 

 

 

 

 

Allesschönundgut…

 

…aber warum gibts denn hier im Odenwald nur noch so wenige Gasthäuser?

 

Gestern wars mal wieder soweit. Fragt irgendsoein armer Irrer in die Zugereisten-Runde: „Mensch, wolln wir nicht grad irgendwo noch schnell was essen gehen?“.

Grad. Irgendwo. Schnell.

Also….ääh… räusper…pffft…

In manchen Gegenden hier im Odenwald muß man inzwischen lange suchen, wenn man mittags oder abends ein warmes Essen essen oder ein kühles Bier trinken möchte. Und vielerorts sucht man ganz vergeblich. Mal eben auf eine Latte Macchiato ins Cafe gehen? Auf ein Radler oder Schnitzel rasch in den Biergarten?

Ha! Ha! Ha! Selten so gelacht.

Gastronomische Vielfalt: Fehlanzeige. Dafür immer öfter verrammelte Türen und „Zu verkaufen“-Schilder in den Fenstern. Wer abends einfach mal was essen gehen will, womöglich noch „gepflegt“, der muß mitunter schon Fahrten von 15 bis 20 Kilometer in Kauf nehmen. Die kulinarische Spontaneität bleibt da bisweilen auf der Strecke. Oder die Hungernden und Dürstenden haben die Qual der Wahl: eine halbe Stunde Richtung Norden fahren – oder 30 Minuten Richtung Süden?

Allein in den vergangenen fünf Jahren hat im Landkreis jede vierte Gastwirtschaft schließen müssen. Das rechnet der DeHoGa vor, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband. In einem Gebiet halb so groß wie das Saarland gibt’s gerade noch 184 Gasthäuser.

Woran liegts? Das Thema ist – wie immer – leider vielschichtig. Gastronomische Highlights aus den 50ern, gepaart mit abgewetztem Blümchenmustern, rosa Dekostores und aktuellen Preisen – die Kombination zieht halt nicht, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Dazu kommt die Promillegrenze – fahren muß man schließlich immer in die Kneipe, und zuhause trinken ist billiger und schont den Führerschein.

 

Und dann sind da noch die Dorfgemeinschaftshäuser. Oft riesige Gebäude mit jeder Menge Nebenräumen, schicken Klos und hochmodernen Küchen. Wie gemacht für bierselige Vereinsfeier und schunkelndes Familienfest. Nach der baden-württembergischen Kommunalreform der 70er Jahre bekam jedes noch so kleine Nest ein solches Dorfgemeinschaftshaus – zum Dank an alle, die sich nicht gegen die erzwungene Eingemeindung wehrten und der Verwaltung also keinen Ärger machten.

In manchen Gemeinden im Odenwald sind die Dorfgemeinschaftshäuser heute das, was früher das Gasthaus war: Treffpunkt zum Feiern, essen, trinken. Jedes Wochenende brummt es hier. Der Wirt am Ort guckt in die Röhre und staubt derweil die leeren Tische ab.

So einfach ist das.

Allesschönundgut….

…aber wieso muß ich eigentlich dauernd bei der Polizei anrufen und tote Tiere melden? Tiere, die zermalmt oder zerfetzt oder vermeintlich unversehrt, aber schon halb verwest am Straßenrand liegen.

Mache ich eigentlich regelmäßig.
Dieser Tage: ein Dachs. Mal wieder. Ein großes Tier, sicher um die zehn, fünfzehn Kilo. Müsste man ja eigentlich merken, wenn man sowas überfährt.

Allein in unserem Landkreis – dem am dünnsten besiedelten in ganz Baden-Württemberg – registriert die Polizei Jahr für Jahr rund 1000 Wildunfälle. Vom Hasen bis zum 150-Kilo-Keiler kommt hier alles unter die Räder, was nicht schnell genug von der Fahrbahn weg ist.

Kann passieren. Mindestens einen Hasen hab ich auch schon auf dem Gewissen. Je später es ist im Odenwald, je dunkler und je leerer die Straßen, umso langsamer fahre ich inzwischen. Einen Fuß immer auf der Bremse, ein Auge immer Richtung Fahrbahnrand.

Im vergangenen Herbst fand ich mich in einer Rotte Wildschweine wieder, sicher 30 Tiere, von der Uralt-Bache bis zum Frischling, alle irgendwann rund ums Auto, mit Warnblinkanlage abgesichert. Andere wären da mit vollem Tempo reingerauscht.

Aber warum bleiben überfahrene Tiere im Straßengraben liegen? Bei einem Unfall ruft man doch die Polizei, schon wegen der Versicherung. Der Wildschaden muß schließich amtlich bezeugt-, und das schwer verletzte Vieh mit einem gezielten Schuß erlöst werden.

Nee, muß nicht. Die Dunkelziffer ist hoch, es passieren viel mehr Wildunfälle als die 1000 gemeldeten. „Es gibt eben immer Autofahrer, die nach einem Unfall partout mit uns nichts zu tun haben wollen“, sagt der freundliche Herr von der Polizei. Trotz Schaden am Auto. Weil man eben viel zu schnell unterwegs war. Oder besoffen. Gerne beides kombiniert. Da läßt man dann auch das Tier elendiglich verrecken, logo. Und macht sich lieber aus dem Staub: Schnell. Und besoffen.

Allesschönundgut….

…aber wie wohnen die Odenwälder eigentlich?

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Neulich im Dorf: Plauderstunde am Straßenrand vor einer Haustür. Als das Gepräch auf den spannenden Höhepunkt zugeht, fängt es an zu regnen. Hunde und Katzen. Sagt mein Gegenüber: „Moment, ich geh grad rein und hole uns mal einen Schirm“.

Ich kenne jede Menge Häuser von Zugereisten. War da in den vergangenen 13 Jahren oft genug eingeladen. Und vice versa.

Aber wie die Odenwälder wohnen?

Ich habe keine Ahnung.

So einfach ist das.

Allesschönundgut…

…aber warum haben Landmenschen eigentlich so eine Affinität zu multicolorierten Haarfrisuren?

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Habe ich mich erst gestern abend gefragt, als ich wieder mal so einem haarigen Leucht-Turm begegnet bin. Sehr feines Restaurant, die Bedienung unten Fantasie-Dirndl, oben orange-braun-pink-gestreifte Realität.

Und neulich auf der Beerdigung: Ein Meer von Schwarz, und mittendrin leuchtet ein rosafarbener Stirnbalken der Trauergemeinde voran. Extra noch schnell aufgefrischt.

Frage ich mich aber insgesamt schon lange, ganz wertneutral. Ehrlich. Vielleicht haben Großstädter diese haarige Vielfarbenliebe auch. Aber die sehe ich ja nicht. Ich sehe nur die Landmenschen. In Blondlila. Blondblau. Blondschwarz. Schwarzblau. Schwarzpink. VoKuHiLa, mehrfarbig. Gern erstarrt mit literweise Klebefestiger.

Bloß nicht lüstern reingreifen. Das Berühren der Frisüren mit den Pfoten is verboten.

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Lustige Ganzjahres-Fasenacht – oder Möchte-gern-verrucht?

Kenne ich aus der Punkerszene. Achtziger Jahre in Berlin, die bunten Kinder vom Bahnhof Zoo. Sah aber doch irgendwie anders aus.

Aber wahrscheinlich bin ich selber nur zu feige für multicolor. So einfach ist das.

Allesschönundgut…

…aber warum gehen denn eigentlich auf dem Land die Lichter aus?

 

Dieser Tatsache muß man ins Auge blicken: Auf dem Land gehen die Lichter aus.

Nachts zumindest. Rappelduster wird es dann in vielen Dörfern im Odenwald. Stockfinsternis ab 23 Uhr 30. Bis 5 Uhr 30 früh. Dann werden die Lampen wieder angeschaltet.

Wer nachts zu Fuß irgendwo hinwill, braucht eine Taschenlampe oder guten Tastsinn. In mondlosen Nächten sieht man die Hand vor Augen nicht. Besucher aus der Großstadt finden das furchtbar aufregend. Wir Landmenschen finden es furchtbar normal.

Schließlich müssen die Gemeinden sparen. Arm und sexy sind andere. Wir sind arm und dementsprechend duster. 20 Prozent Kosten lassen sich durchs Abschalten sparen, bei einer kleinen Gemeinde macht das schon mal ein paar tausend Euro pro Jahr aus. Viel Geld im strukturschwachen ländlichen Raum.

Mag die Landeshauptstadt nächtlich glimmen, die Bundeshauptstadt sexy leuchten: Der Letzte macht das Licht aus. Und spart dabei noch Geld und Energie. So einfach ist das.