G’schafft.

Wir haben die wenigen regenfreien Stunden genutzt, um mal ein bisschen im Garten aufzuräumen. Also, so richtig. Mit Kettensäge und Baumschere und Heckenschere und so. Und vorallem mit Hilfe des netten Freundes aus dem Nachbardorf, der kam mit dem quietschroten Traktor und schnitt und sägte und rupfte und pfiff dabei ein fröhliches Lied und fuhr das ganze Grüngeraffel am Ende zum Grüngutplatz, gleich zwei Fuhren, soviel war angefallen bei unserer herbstlichen Putzaktion.

Ja, gut, werden Sie jetzt sagen, aber was ist daran denn so berichtenswert? Gar nichts. Eben. Dachte ich zumindest. (An dieser Stelle müssen Sie sich das Geräusch vorstellen, wenn jemand tief Luft holt, um noch etwas nachzuschieben.)

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Jedenfalls erschien, während wir also mit Hilfe einer Harke und einer Mistgabel allerlei Grünzeug auf den Hänger wuchteten, rein zufällig der Dorfchronist. Das ist, wie bei Dorfchronisten üblich, ein ehemaliger Lehrer, der sich seit Jahrzehnten um das Dorfgeschehen kümmert und alles Bemerkenswerte in Wort und Bild festhält. Der Chronist fuhr also rein zufällig bei uns vorbei, und er hatte rein zufällig seine Kamera dabei, mit der er alsdann unser geschäftiges Tun digital festhielt. Ich nehme an, für die nächste Ausstellung Historische Momente im Dorfgeschehen. Familie LandLebenBlog räumt endlich mal im Dschungel-Garten auf. Wunder werden wahr. Die Dorfgemeinschaft atmet auf. Oder was weiß ich. Man darf gespannt sein.

Ich werde Sie auf dem Laufenden halten.

 

 

Promis im Maisfeld.

Wir haben da bei unseren Hunderunden etliche bekannte Gesichter getroffen, das wollten wir Ihnen nicht vorenthalten. Ja, auch die internationale Sanges- und Polit-Prominenz verirrt sich manchmal in die Provinz, da kann man mal sehen. Wir warten jetzt noch auf Nena und Tina Turner, die fehlen uns nämlich in der Sammlung noch.

 

Und kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Trump-Donald, den haben wir natürlich mehrfach im Maisfeld gesehen, aber einfach ignoriert. Soll ja helfen, sowas.

 

 

 

Selbstversorger.

Und täglich grüßt das Murmeltier, in Person von meinem Geo. Was kochen wir eigentlich heute abend, fragt er dann scheinbar völlig unbeteiligt in die Stille der Küche hinein, und manchmal nehme ich dann einfach wortlos das Körbchen und mache einen Spaziergang durch den Garten.

Eier aus dem Hühnerstall, Salat dazu, Kartoffeln, vielleicht eine Paprika oder Tomaten, allerlei frische Kräuter, fertig ist das Abendessen. Und ich kann Ihnen sagen: es gibt kaum ein Abendessen, dass unsereinen mehr befriedigt.

Aber noch ist es leider nicht soweit, Badisch-Sibirien undsoweiter, naja, Sie wissen schon. Aber wir arbeiten dran.

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Das wird Salat. Sieht man ja.

 

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Erbsen. Sieht man noch nicht.

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Kartoffeln.

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Lauch. Glaube ich zumindest. Vielleicht auch Knob-Lauch.

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Paprika.

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Keine Ahnung.

Rote Bete kommt noch. Ich bin ja völlig unerwartet zum Rote-Bete-Fan geworden, leider hat die Gärtnerei die entsprechenden Pflanzen nicht vorrätig, weil im Odenwald offenbar kein Mensch Rote Bete selber zieht. Oder essen will, was weiß denn ich. Aber wenn Sie mal diesen Salat hier ausprobiert haben, werden Sie auch zum Fan, versprochen.

 

 

 

Blaumanns Erzählungen.

Ja, so sieht das aus, nach dem seit Menschengedenken heißesten OdenwaldSommer, nach harter Zuchtarbeit und intensiver Pflege. Ja, es hat ein paar rote Tomaten gegeben, die hat die DrecksAmsel der Hund gefressen. Sie werden mir jetzt wahrscheinlich was erzählen wollen von Ihrem Neuköllner oder Wilmersdorfer Hinterhofbalkon, Nordseite, und von den Tomaten, die sooooo rot und soooo dick und fett und saftig sind, aber wissen Sie was? Sie können mir mit Ihren Tomatenmärchen mal gestohlen bleiben. Jawohl.

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Gegen die Zeit.

Es gibt diese Momente, da geht man durch eine Tür, oder durch ein Tor, man schaut und hört und riecht und ist mit einem Schlag geerdet, irgendwie. Hier auf dem Land gibt es diese Türen und die Tore überall, man muß nur mal hindurchgehen. Und einfach mal schauen und riechen und zuhören.

 

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Die Nacht war kurz für Herbert Kempf. Bis früh um Zwei hat er zusammen mit seinem Erntehelfer geschuftet, morgens um Acht war er schon wieder mit der Dreschmaschine auf den Feldern. Kempf arbeitet gegen die Zeit und gegen die Hitze, was er in diesen Tagen nicht von den Feldern reingeholt hat, taugt nicht mehr als Grünkern. Unreif muß das Dinkelkorn geerntet werden, um als Grünkern durchzugehen, aber die Sonne brannte tagelang, das Thermometer zeigte zwischendurch fast 40 Grad da draußen.

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Also haben Kempf und der junge Rumäne bei tropischen Temperaturen im Dauerlauf gearbeitet. Körner einholen, Hänger in die Scheune, die als Darre dient, Körner in diesen riesigen Umwälzbottich pumpen, Holzscheite schleppen, Feuer anmachen, Körner stundenlang im Rauch umwenden und rösten lassen. Der Schweiß läuft schon am Morgen in Strömen, aber kommen Sie mal mittags wieder, da ist es hier drin noch heißer als da draußen. 

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Acht Stunden lang röstet das Korn, der junge Erntehelfer bleibt so lange in der bullig-warmen, brüllenden Darre, kontrolliert Temperaturen und Füllstände, passt auf, daß nichts verstopft oder überhitzt, während Kempf schon wieder auf den Feldern unterwegs ist, Nachschub holen. Das ist ja alles schon sehr alt hier, schreit Herbert Kempf gegen das Dröhnen der Maschinen an, fast entschuldigend. Getreideteilchen wirbeln durch die warme Luft wie verirrte Schneeflocken. Aber: funktioniert alles einwandfrei. Und eigentlich machen wir das heute noch genauso wie vor hundert Jahren. 

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Der Grünkernmarkt läuft nicht besonders gut, zwar hat sich das arme-Leute-Getreide inzwischen zur Öko-Schicki-Zutat entwickelt, aber die Nachfrage könnte noch besser sein, die Konkurrenz ist groß. Sogar in Österreich bauen sie schon Grünkern an, sagt Herbert Kempf, der auch als Kreisvorsitzender des Bauernverbandes den Überblick in Sachen Grünkern hat. Dabei haben sie den Grünkern hier erfunden, hier im sogenannten Bauland, hoch im Norden Baden-Württembergs. Und darauf sind sie stolz.

Aus der Not haben sie damals eine kulinarische Tugend gemacht, der Dinkel wollte nicht reifen in der rauen Witterung der Gegend, die Leute verhungerten, die Bauern ernteten schließlich das unreife Korn und holten über dem Feuer in der Darre nach, was die Sonne nicht schaffte. Noch an die 80 Landwirte gibt es heute hier, die Grünkern erzeugen.

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Kempf hofft jetzt auf die neue geschützte Ursprungsbezeichnung, das hat die EU sich ausgedacht, den berühmt-begehrten Namen Fränkischer Grünkern darf nur tragen, was tatsächlich hier aus Badisch-Franken kommt und nicht aus Österreich oder von sonstwo. Vielleicht hilft uns das auch bei der Werbung, sagt Kempf und hebt die Schultern, so, als wisse er auch nicht genau, wie lange der Aufwand sich noch lohnt.

Dann muß er weiter, auf den Mähdrescher, zum nächsten Feld, zur nächsten Scheune.

 

 

 

 

 

Der Vollernter.

Manchmal schaue ich versehentlich – beim Frisör oder vor einer Zahnwurzelbehandlung – in eines dieser Hochglanzmagazine, die sich ganz dem Landleben verschrieben haben. Ich meine, irgendwie haben wir uns ja auch dem Landleben verschrieben, aber irgendwie sieht das bei denen immer ganz, ganz anders aus.

 

 

Erntezeit!, jubilieren die Überschriften in den Hochglanzmagazinen derzeit zum Beispiel, und da buddeln (stellen Sie sich jetzt hier Foto 1 vor) beseelt lächelnde und perfekt geschminkte Frauchen mit Karomusterhandschuhen in der Erde, dann sieht man (Foto 2) einen geflochtenen Weidenkorb mit Erntegut, eine dekorativ leicht-verschmutzte (Foto 3) kleine Schaufel mit Griff aus Mahagoniholz und dann (4. Foto) eine Impression aus der Küche, wahlweise ein Einmachglas in Großaufnahme oder einen dampfenden Topf oder Teller in gestylter Rustikal-Küche. Manchmal auch einen glücklichen Ehegatten und zwei Kinder (Fotos 5,6,7,8), die das fertig zubereitete Erntegut zum hungrigen Munde führen. Vielleicht auch einen zotteligen Hund, neben dem Tisch, so einen süßen, wie es sie überall auf dem Land gibt.

 

 

So einen süßen Hund hätten wir auch zu bieten, genauer gesagt, gleich zwei davon. Allerdings nicht neben, sondern unter dem Tisch, verängstigt, verschreckt, zitternd und mit eingeklemmtem Schwanz. Dabei erntet Geo nur. Was der Garten grad so hergibt. Aber eben irgendwie anders als in diesen Magazinen.

 

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Ja, geflochtenes Weidenkörbchen wäre hübscher.

 

In der vergangenen Woche war Mangold dran. Mangold hat ja die Unart, sich völlig unkontrolliert auszubreiten, oder Geo hat die Unart, viel zu viel Mangold auszusäen, wer weiß das schon, jedenfalls schleppt mein Geo Plastikwanne um Plastikwanne mit den dunkelgrünen Blättern Richtung Terrasse und dann in die Küche. Das Zeug will ja verarbeitet und eingefroren werden. Geo pflückt und flucht und schleppt und pflückt und schleppt und flucht, es nimmt kein Ende. Schleppt mit seinen Schuhen einen Hektar Gartenerde in die Küche, überall klebt und knirscht die feuchte schwarze Erde, alles aus gutem Rudi-Steiner-Kompost, lobt Geo, er walzt wie ein brummender Vollernter zwischen Herd, Gefrierkombination und Geschirrspüler hin und her und kickt einen weiteren tennisballgroßen Erdklumpen Richtung Frühstückstisch.

 

 

Über dem Herd dröhnt auf Stufe 5 der Dunstabzug, das Gerät brüllt gegen das kochende Wasser an, in das nun mit einem Schwung grüne Blätterhaufen versenkt werden. Blätterhaufen rein, brodeln lassen, triefenden Blättermatsch mit dem Schaumlöffel rausheben, dann mit dem triefenden Blättermatsch auf dem Schaumlöffel: einmal… zögernd…. um sich selber drehen….., wohin jetzt mit dem grünen Blättermatsch…?, das grüne Matschwasser ergießt sich durch die Schaumlöffellöcher sturzbachartig auf den schicken Küchenboden und vermengt sich mit den Erdklumpen, dann, mit Blick auf eine Schüssel am anderen Ende der Küche: Aha!, hier tun wir das nun erstmal rein und warten, bis es abgekühlt ist!

 

Mangold 8

Blattmatscher.

 

Geo zögert in der Regel nur, wenn er mit tropfendem Blättermatsch auf Schaumlöffel mitten in der Küche steht und alles tropft, ansonsten arbeitet er durchaus zügig. Die Abzugshaube dröhnt, das Wasser kocht besessen, Fenster und Terassentür beschlagen, Geo kämpft sich fluchend durch Dampfschwaden und Blätterberge, trennt mit dem Metzgerbeil grünes Blattwerk von weißen Stielen, die Stiele türmen sich, arme-Leute-Spargel, ruft er verächtlich, das kriegen nachher noch die Hühner!, winzige Blätterteilchen fliegen gegen weiße Schranktüren und bleiben dort kleben, wo geerntet wird, da fallen Späne undsoweiter, Fuhre um Fuhre Blätterhaufen wird blanchiert, auf dem Fußboden schwappen Erdklumpen durch grünes Blattmatschwasser, die Hunde sitzen verschreckt unterm dem Tisch und geben keinen Mucks mehr von sich, während Geo mit wild abstehenden verschwitzten Haaren Daseinsvorsorge! in den infernalischen Lärm hineinruft, bevor er dann in weitausholenden Bewegungen die Mangold-Stiele zerhackt, für die Hühner. Zumindest die, die noch nicht in der grünen Matscherde auf dem Fußboden mitschwimmen. In diesen Momenten weiß ich nicht, ob mein Geo mich an Jack Nicholson in Einer flog über das Kuckucksnest erinnert, oder an Jack Nicholson in Besser geht’s nicht.

 

So oder so: Erntetage sind aufregende Tage.

 

 

Mangold 5

Alles eine Frage des Stiels.

 

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Hacken für die Hühner.

 

 

In den Hochglanzzeitschriften, die ich dann und wann versehentlich durchblättere, beim Frisör, oder beim Zahnarzt, ist manchmal vom meditativen Charakter der Gartenarbeit die Rede. Von der Ruhe, die zu Innerer Kraft und Größe führt. Von der Buddelei als Bewußtseinserweiterung. Ich kann das also nur bedingt unterschreiben. Wobei es durchaus meditativ sein kann, nach einem von Geos Erntezügen die Küche zu putzen, Bahn für Bahn mit dem Schrubber entlangzufahren, und mit Innerer Größe und einer gewissen verzweifelten Würde den knirschenden Erdklumpen zuzuschauen, wie sie im Wischeimer ihr Bewußtsein erweitern, und meines gleich dazu: Ich glaube, nach der nächsten Mangold-Ernte werde ich die Küche nicht mehr putzen, sondern gleich renovieren.

 

 

Mangold 6

Zwei Stunden Arbeit für dreimal Beilage, wenn das kein Preis-Leistungsverhältnis ist.

 

 

 

Im Tannenrausch.

Es geht wieder los. Ist eigentlich schon voll im Gange, seit Wochen. Über die beschauliche Dorfstraße donnern die LKW, bis in die Nacht hört man das Rufen und die Kommandos der Männer, das Kreischen der Sägen.

 

 

 

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Eine Region im Baumrausch. Der Weihnachtsbaum als fetter (netter) Nebenverdienst.

 

Oh, Tannebaum,

Oh Tannebaum.

 

Wenn Sie es genauer wissen wollen: HIER klicken.

 

 

 

 

Dresche.

War ja nicht so schön, wennet früher immer Dresche jab. Meistens von den Kindern ausse Westendallee, die hatten unsereiner aufm Kieker.

 

Naja, umso schöner heute, wenns hier im Odenwald was zu Dreschen gibt.

Und wenn man an einem UrlaubsFreitagAbend der Nachbarschaft bei der Arbeit zugucken – und gleich noch ein bißchen mit der neuen Kamera rumspielen kann.

 

 

 

 

 

Und dem schwarzgelockten jungen Herrn mit dem roten Traktor, der zu Fuß über das ganze idiotisch große Stoppelfeld latschen musste, um der dämlichen zugezogenen Großstadttusse ihr unbemerkt heruntergefallenes Händi zu bringen, bevor es vom New Holland zermalmt wird – ihm gebührt mein ewiger innigster Dank.

 

Wenn Sie ihm das bitte ausrichten wollen.

 

 

 

 

 

 

Mäh, mäh.

Die Provinz kann es derzeit durchaus mit den Ballungsräumen aufnehmen, wenn es um Hektik, Lärm und Staub geht.

 

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Bis in den frühen Morgen brüllen die Motoren, dreschen die Drescher im Scheinwerferlicht. Jetzt geht es um jede Stunde, sagt einer. Die Ernte einfahren, bevor der angekündigte Regen kommt. Innerhalb weniger Tage das Jahreseinkommen nach Hause holen.

 

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