1. FC Huhn.

2. Juni 2016

In diesen Unwetterzeiten mal wieder ein erbaulicher Beitrag (naja, was heißt erbaulich, wenn Sie zartbesaitet sind, sollten Sie besser nicht weiterlesen), in diesen wilden Zeiten also mal wieder ein mehr oder weniger erbaulicher Beitrag für alle Mitglieder des 1. FC Huhn, die hier hauptsächlich wegen des Hühnercontents mitlesen. Und um was zu lernen, nehme ich an. Ja, es lesen halt auch Städter mit, die kennen Hühner allenfalls gebraten oder in der Suppe und haben ansonsten keine Ahnung. Hier werden Sie geholfen. 

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Dieses Foto dürfte man eigentlich gar nicht zeigen, und wir werden es sicher auch nicht für den Hühnerstalldesign-Award einreichen, eigentlich sieht der Gluckenstall normalerweise auch ganz anders aus, aber das Wetter fordert seinen Tribut. Damit die Glucke mit den Eiern nicht davonschwimmt, haben wir sie etwas abgesichert. Zugegeben, schön ist das nicht, es sieht ein bisschen italienisch aus, sagt Gatte Geo, der muss es wissen, schließlich hat er lange in Italien gelebt. Man weiß dann aber nie, ob es als Beleidigung gemeint ist oder vielleicht sogar als Kompliment.

Ja, die Glucke. Sie erinnern sich vielleicht an meinen Husarenritt quer durch den schönen Odenwald, die Glucke sitzt nun also auf teuer eingekauften Eiern und in ihrem separaten Gluckenstall, sie sitzt und sitzt und sitzt. In knapp einer Woche könnte es dann soweit sein.

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Ich habe mir ja selber früher keinerlei Gedanken gemacht, wie das eigentlich mit der Henne und den Eiern ist. Inzwischen habe ich da einiges gelernt, was ich gerne an Sie weitergebe. Wer weiß, wofür man solches Wissen einmal brauchen kann. Aber, wie gesagt, wenn Sie zart besaitet sind, Fäkalsprache und so, naja, Sie wissen schon.

Also. Die Henne stellt ja nicht nur das Eierlegen ein, wenn sie beschließt, sich hinzusetzen, dauerhaft. Sie stellt also das Eierlegen ein und fährt gleichzeitig den gesamten Kreislauf und den Stoffwechsel herunter, sie sitzt und glotzt, frißt und trinkt kaum noch, sie sitzt und sitzt, wird immer blasser, kaum noch ansprechbar, wie in einem Rausch. In Glucktrance, sozusagen. Aus der taucht sie nur auf, wenn unsereiner ihr zu nahe kommen sollte (was kein vernünftiger Mensch versucht), dann schreit und hackt das gute Tier, um seine Eier zu beschützen. Um hernach sofort wieder in eine Trance zu versinken.

Und während ein normales Huhn, wo es geht und steht, gackert und kackt, ist auch das bei einer Glucke Fehlanzeige. Keinen Mucks gibt sie von sich, weder vorne noch hinten, keinen Ton, kein Häufchen. Nur zwei oder dreimal in den drei Wochen Gluckzeit erhebt sie sich vom Nest, manchmal muss man sie auch bitten, sie geht ein paar ungelenke, wankende Schritte, und dann: aber hallo. Rette sich, wer kann.

sdr

In der Anfangszeit der Hühnerhaltung und der Gluckerei habe ich noch gedacht, da hätte sich ein Hund Zutritt zu dem Gluckenstall verschafft, irgendso ein Riesenköter mit Durchfall, Rottweiler aufwärts, irgendsowas in der Art. Der Haufen war gigantisch. Und stank auch ebenso. Sie müssen sich das vorstellen wie eine Mischung aus Rottweiler-Dünnpfiff und gärender Jauchegrube, in den Ausmaßen eines double cheeseburgers XL, das kommt der Sache schon recht nahe. Eigentlich ja auch kein Wunder, wenn man Huhn ist und normalerweise alle paar Minuten unter sich läßt und das dann aber mal für Tage oder eine Woche einhält, dann ist kein Halten mehr.

Jedenfalls steht nun immer dekorativ die Schaufel neben dem Gluckenstall, für den Fall der Fälle, ich wünsche mir dann eine Gasmaske und scharre und schmiere unter Flüchen alles weg. Was tut man nicht alles.

Und Sie haben jetzt wieder was gelernt, falls Sie das nicht ohnehin schon wussten, wie das mit den Hühnern und den Eiern und dem Stoffwechsel so ist. Also bitte.

Wir halten Sie auf dem Laufenden.

 

 

 

  • 15 Kommentare
  • Christjann 2. Juni 2016
    Antworten

    Ja, vielen Dank auch. Ich habe letzte Woche ja drei junge Hühner gehütet und bin, dank Ihrer regelmässigen Huhn-Kolumne, sicher, eines davon ist ein Hahn. Das kleinste war ein Schwarzes, das die beiden Weissen beim Fressen immer weggeschubst haben: keine Solidarität im Hühnerstall. Und das Kacka riecht säuerlich, ich brauchte drei Tage, um mich (wieder) daran zu gewöhnen. Ich drücke die Daumen, dass es bald eine reizende kleine Kinderschar geben wird.

    • LandLebenBlog 2. Juni 2016
      Antworten

      Also, ein anständiger Hahn würde soetwas NIE tun, andere Hühner wegschubsen, Nein, ehrlich. Mein johHahn frisst überhaupt selber erst, wenn alle seine Damen satt sind. Ein wahrer Gentleman ist das.

  • Christjann 2. Juni 2016
    Antworten

    Ach so, und ich wollte noch sagen – ich finde gar nichts ungewöhnlich an dem „italienischen Ambiente“ im Hühnerhaus – vermutlich lebe ich schon zu lange in Südfrankreich ;)

  • Matthias Eberling 2. Juni 2016
    Antworten

    „eine Mischung aus Rottweiler-Dünnpfiff und gärender Jauchegrube, in den Ausmaßen eines double cheesburgers XL“ — so langsam nimmt das Blog ja sprachlich Fahrt auf. Mehr davon!

    • LandLebenBlog 2. Juni 2016
      Antworten

      Ich habe ja leider einen guten Ruf zu verlieren, kann also nicht immer wie ich gerne würde.

  • Muri 3. Juni 2016
    Antworten

    Ich drücke weiter die Daumen…habt Ihr mal geschiert?

    • LandLebenBlog 3. Juni 2016
      Antworten

      Nee, wir warten einfach ab. Der Eiermann sagt, 80 Prozent der Eier seien erfahrungsgemäß befruchtet. Von 12 Stück hat die Glucke inzwischen zwei aus dem Nest geworfen, das könnte also passen.

      • Muri 3. Juni 2016
        Antworten

        Wenn die Glucke welche aussortiert, dann spricht das für die Glucke, sie wird auch gut führen…braves Mädchen

  • Ele 3. Juni 2016
    Antworten

    Eh, ja, gerade rieche ich es auch. Und es stimmt: Stadtnasen (und -augen) dürfte n bei diesem anschaulichen Bericht leiden. Spricht für den Bericht … und für die Nasen ;-)
    Gruß von überm Berg
    Ele

  • Madame Graphisme 3. Juni 2016
    Antworten

    Schlimmer als Hühner-Brüte-Kacke ist nur: Enten-Brüte-Kacke.
    Wir mussten eine brütende Ente einmal nach zwei Wochen aus einer (belegten) Pferdebox umziehen und die erste Reaktion beim Anheben der Dame war natürlich, in breitem Strahl über das Gelege zu feuern.
    Ich habe so etwas noch nie gerochen. Es war die Hölle auf Erden. man wünschte sich, den Stall abbrennen zu dürfen. Und das die Box mitbewohnende Pferd hat noch sehr lange sehr beleidigt geschaut.

    • LandLebenBlog 3. Juni 2016
      Antworten

      HERRLICH!! ;-)

  • Bettina (oder Hilde) 3. Juni 2016
    Antworten

    Ich muss immer herzlich lachen bei deinen Beiträgen und lese sie mit Freude! Das mit der Glucke wußte ich tatsächlich nicht, obwohl ich ein echtes Landei bin, zwar keins aus dem Odenwald aber die Schwaben sind ja schließlich auch nicht schlecht gell (und jetzt bitte keine bösen Schwabenkommentare ;-)
    Ich hoffe du beglückst uns dann mit netten Kükenbildern und noch netteren Geschichten dazu!
    Ich hab übrigens auch Italienisches Ambiente im Garten – oder ist es eher Schlamperei? Das streite ich noch mit mir selbst…

    Liebste Grüße

    • LandLebenBlog 3. Juni 2016
      Antworten

      Ich werde mir das bei Gelegenheit mal fachmännisch begucken, Dein italienisches Ambiente.

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