Es gibt diese Momente (und sie sind gar nicht mal so selten), da stelle ich mich einen Meter neben mich und glotze mich an und denke Nee. Oder? Ich glaube aber, das ist nur normal, wenn man als Großstädter aufs Land gezogen ist und das dann auch so richtig ernst meint. Und nicht so landlust-chichi-mäßig. Naja, Sie wissen schon.

Da rase ich also wie eine gesengte Sau durch Gottes schöne Natur, ans andere Ende des Landkreises, immer mit Blick auf die Uhr, als sei der Leibhaftige hinter mir her. Aber das Angebot konnte ich nicht ausschlagen, und der Dealer Händler hatte wenig Zeit, deswegen dieser Druck. 24 Bruteier von Vorwerk-Hühnern, ich meine, das müssen Sie sich mal vorstellen.

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Da darf man schon mal 140 fahren. Wenns pressiert.

Ja, wir haben selber einen Hahn, ja, er ist sehr schön, und nun fragen Sie nicht weiter. Es ist eine Schande. Wie im richtigen Leben. Schön ist er, aber komplett untauglich. Zu nichts zu gebrauchen, außer zum Schönsein und zum Maul-aufreißen, beides kann er wirklich gut, den Rest können Sie knicken. Aber sowas von.

Nichtsdestotrotz verlieren die Hennen nicht das Vertrauen in ihn, ja, auch das wie im richtigen Leben, es ist zum Davonlaufen. Sie setzen sich auf ihre Eier und brüten und brüten, sie würden sitzen, bis sie schwarz werden, wenn sie nicht schon schwarz wären, allein: niemals kommt etwas heraus dabei. Weil JoHahn so gesehen halt ein Looser ist.

Und jedes Mal machen wir ein Riesen-Theater, laufen aufgeregt hin und her, richten Gluckenställe und Küken-Spielplätze her, schauen täglich fünfmal nach, ob sich denn was täte, und noch fast jedes Mal tat sich: nichts. Wir wollen hier die zwei Einzelkinder aber nicht unter den Tisch kehren, sie schlüpften jeweils aus einem Gelege von gefühlten 200 Eiern, es war traurig mitanzusehen, wer möchte schon gerne Einzelkind sein. Außerdem mussten wir sie beide hergeben, weil es leider Hähne waren.

Wie dem auch sei: Wir haben jetzt also die Faxen dicke und schieben der Glucke nun die Bruteier unter, die ich heute in einer Art Husarenritt vom anderen Ende des Landkreises geholt habe. Gar nicht so einfach, Vorwerkeier zu bekommen, ich kann Ihnen sagen, der Markt ist heiß umkämpft, die Ware heiß begehrt, die Preise dementsprechend. Nur der Zufall wollte es, dass wir zur rechten Zeit den richtigen Riecher hatten, eine Telefonnummer wählten und dann in einen verwinkelten Hinterhof gelotst wurden, wo man uns, konspirativ quasi, gegen Bares zwei Päckchen Eier übergab.

Einen Teil davon haben wir also nach Einbruch der Dämmerung der empört-kreischenden Dame untergeschoben. Als JoHahn schon schlief, er muss davon nichts wissen. Er wird schon früh genug merken, was da gespielt wurde.

Wir halten Sie auf dem Laufenden.

dav

 

 

 

 

17 Kommentare zu “Heiße Ware.”

  1. aha…. kückucksküken werden da also ausgebrütet und der jo-hahn verschläft die unterschieberei. na immerhin blieben ihm die hennendamen treu und vor allem warte ich nun sehnsüchtig auf die ersten fotos der geburtenstation :-)

    1. Ich glaube noch nicht recht dran, erst muss die Henne wirklich bombenfest sitzen und es sich nicht noch anders überlegen…

  2. Hej Frederike,
    viel Glück mit den Vorwerkern, es sind wirklich tolle Hühner! Leider sind unsere inzwischen verblichen und dort wo wir wohnen ist es nahezu unmöglich welche zu bekommen.
    Bin gespannt, wieviele schlüpfen….

    1. Na, ich erst! Vorwerk ist offenbar echt begehrt und selten. In den neuen Bundesländern hat man da mehr Glück, offenbar. Da sitz der entsprechende Zuchtverband.

    1. Das machen sie nebenher, aber in der Regel an der Steuer vorbei, deswegen redet man nicht drüber.

  3. Ich habe zwar keine Ahnung, was das besonders an Vorwerk-Hühner ist (eingebauter Staubsauger oder so?), aber es klingt total spannend!

    1. Eine alte deutsche Rasse, die als gefährdet gilt. Sehr hübsch und zutraulich und vergleichsweise anspruchslos in der Haltung.

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