Prost.

10. Oktober 2014

 

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Sind Sie Wasseringenieure?, hat die Frau am Nebentisch gestern abend gefragt, nachdem sie einige Zeit unsere fachmännischen Gespräche über Wasserdruck, Hochbehälter und Fassungsvermögen verfolgt hat.

 

Nö, sind wir nicht. Bloß neugierige Odenwälder, die wissen wollen, wo ihr Wasser herkommt. Spätestens seit meinem Besuch im nördlichsten Hochbehälter Nordbadens bin ich ein großer Fan der Odenwälder Leitungswasserthematik, meiner Ansicht nach gibt es Weniges, was spannender wäre. Ehrlich.

 

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Weil wir mit dem Hochbehälter hoch im Norden aber das Pferd (das See-Pferd quasi) von hinten aufgezäumt haben, war es jetzt an der Zeit, mal zu den Anfängen zu gehen. Also, sozusagen an die Quelle. Die ist in diesem Fall der Bodensee.  (Nicht, daß Sie meinen, wir verreisten zum Vergnügen.)

 

 

 

Das Wasser, das bei uns im Oudewald aus der Leitung schießt (ja, Ihr Großtädter, auch wir haben Wasserdruck, und wie. 20.000 Mbit, oder so.), kommt aus dem Bodensee. 200 Kilometer Luftlinie weit wird das Wasser vom See aus ins ganze Land transportiert, durch insgesamt mehr als 1700 Kilometer Rohrleitungen. Hatten wir ja alles schon, siehe oben.

 

 

Wasserwerk mit Aussicht.
Wasserwerk mit Aussicht.

 

 

 

Das Wasser wird also aus dem See entnommen, in 60 Meter Tiefe, dann hochgepumpt, und noch ein bißchen höher auf den Sipplinger Berg. Hier gereinigt und dann auf die Reise geschickt.

 

Seit den 50er Jahren geht das so, immer noch dieselben Wege durch dieselben Leitungen, und anfangs hatte kaum jemand geglaubt, daß sowas wirklich funktionieren könnte. Die hatten damals ja keine Computer, sagt die freundliche Bodenseewasserversorgungsfrau bei der Führung durchs Hochsicherheitsgelände. Die hatten ja noch nicht mal Taschenrechner. Durch die Besuchergruppe geht ein Raunen. Boah. Noch nicht mal Taschenrechner.

Steinzeitmäßig, quasi.

 

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Funktioniert hats trotzdem.  In mehr als 180 Städte und Kommunen in ganz Baden-Württemberg fließt das Bodenseewasser inzwischen, und das fast von ganz alleine, mit dem natürlichen Gefälle.  Bloß für die letzten paar Kilometer in den Norden, rauf zu uns paar Hanseln  in den Hohen Odenwald, braucht es noch ein Pumpwerk. Tragisch aber wahr.

 

 

 

Vier Millionen Menschen kriegen so Tag für Tag ihr Leitungswasser. Noch nicht mitgerechnet all jene, die an all den anderen Wasserversorgungzweckverbänden dranhängen, die sich aus dem Bodensee bedienen. Alles zusammengerechnet wird täglich trotzdem nur halb so viel Wasser aus dem See herausgepumpt, wie durch Wärme und Sonneneinstrahlung verdunstet.

Die ganze schöne Landeshauptstadt Stuttgart säße auf dem Trockenen, würde das Wasserbergwerk seinen Dienst einstellen. Macht nichts, sind ja bloß Schwaben, sagt die Wasserfrau. Hahaha, lachen die Badener.

 

 

Ich will Sie nicht mit noch mehr Fakten langweilen, wissen Sie was:  fahren Sie doch einfach selber hin. Führung buchen kann man hier. Und Personalausweis nicht vergessen, Hochsicherheitstrakt, wie gesagt.  In die Behälter reinspucken (oder so) ist auch verboten.  Ich will das schließlich nachher auch noch trinken können.

 

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