Unterwasserwelt.

24. Mai 2014

Manche Leute grübeln ja gerne und ausführlich über Kreuzworträtseln. Oder, noch schlimmer, über diesen merkwürdigen chinesischen Rechenaufgaben, deren Namen ich mir nicht merken kann.

 

Seit ich auf dem Land lebe, habe ich meine Liebe zu Meßtischblättern entdeckt. Das ist manchmal so was ähnliches wie Kreuzworträtsel.

 

Echte Meßtischblätter sehen noch schlimmer aus.
Echte Meßtischblätter sehen noch schlimmer aus.

 

Eine Landkarte der etwas anderen Art, über der ich stundenlang zubringen kann. Jeder Stein, der dicker ist als eine Faust, ist da verzeichnet. Jede Baumwurzel, quasi. Dazu überall Striche und Kreuzchen, geschlängelte Linien, Kreise und allerlei Symbole, die sich mir bis heute nicht erschließen.

 

Q heißt Quelle, soviel weiß ich. Schon manches Mal bin ich auf der Suche nach dem Q durchs Unterholz gekrochen, auf der Suche nach Wunder-was-für-einer verwunschenen, romantischen Quelle. Meistens stand ich am Ende vor einer ollen Pfütze, aber wenigstens hatte ich das Q entdeckt.

 

 

Wbh ist auch so eine Sache. Heißt – weiß ich inzwischen – Wasserbehälter und entpuppt sich vor Ort in der Landschaft als ein etwas größerer Erdhaufen. Ein bißchen wie der Berliner Teufelsberg, nur etwas kleiner und mit einer Tür. Irgendwie rätselhaft. Bisher.

 

Nun war ich neulich in einen Wbh eingeladen, zur feierlichen Einweihung desselben. Berufsmäßig. Wieder so ein Erdhaufen, mitten in der Pampa bei Buchen.

 

Politprominenz im Inneren des Erdhaufens. Sauber.
Politprominenz im Inneren des Erdhaufens. Sauber.

 

Der Erdhaufen entpuppt sich in seinem Inneren als High-Tech-Hochbehälter von gigantischen Ausmaßen. Zehn Millionen Liter Trinkwasser können hier gespeichert werden. In einer Halle, die knapp 1000 Quadratmeter groß und weit über 8 Meter hoch ist.

 

Die Bilder sind murks. Händi halt. Muß aber jetzt mal reichen.
Die Bilder sind murks. Händi halt. Muß aber jetzt mal reichen.

 

Das Trinkwasser für den Odenwald kommt aus dem Bodensee. Wird dort in 60 Meter Tiefe entnommen und in eine mehr als 300 Meter höher gelegene Aufbereitungsanlage gepumpt. Und fließt dann aus eigener Kraft (und das natürliche Gefälle nutzend) durch 1700 Kilometer Leitungen ins ganze Land. Bis in den nördlichsten Zipfel, bis in den Odenwald.

 

hochbehälter6

 

Erst in Mosbach müssen wieder Pumpen eingesetzt werden, damit das Wasser nach seiner siebentägigen Reise auch die letzten Kilometer rauf zu uns, auf die OdenwaldHöhen schafft. Bis hierher, zum Wbh Rehberg bei Buchen, dem allernördlichsten Hochbehälter der Bodenseewasserversorgung, dessen Erweiterungsbau an diesem Tag eingeweiht – und gleich auch noch geflutet – wird.

 

Da schießt gleich das Bodenseewasser raus. Aber bitte erst, wenn die Promnez das Behältnis verlassen hat. Nasse Füße holt sich keiner gerne.
Da schießt gleich das Bodenseewasser raus. Aber bitte erst, wenn die Prominenz das Behältnis verlassen hat. Nasse Füße holt sich keiner gerne.

 

 

Die angeschlossenen Gemeinden zapfen sich hier ihr Bodenseewasser und mischen es mit dem eigenen Quellwasser. Das hat hier eigentlich jede Gemeinde. Reicht nur eben nicht. Deswegen der aufwändige Wassertransport quer durchs ganze Land.

 

hochbehälter7

 

Uns mag es hier an manchem fehlen, aber zumindest verdursten werden wir im Odenwald also nicht. Dem Bodensee sei dank.

 

 

 

A propos Bodensee:

Liebe Frau montez am Bodensee: wenn Sie das nächste mal im See schwimmen gehen und da vielleicht reinspucken (oder so), dann denken Sie doch bitte an uns Odenwälder.

Wir trinken das alles.

 

 

 

 

 

  • 7 Kommentare
  • Montez 24. Mai 2014
    Antworten

    Hihi. Jede Schulklasse macht mal einen Ausflug zum Behälter auf dem Berg. Und hört sich hysterische Beschwörungen des Lehrkörpers an, da jetze bloss nicht reinzuspucken. Mich hat das damals sehr beeindruckt. Also, das viele blaue Wasser.

    Ich wusste nur, dass unsere Landeshauptstadt versorgt wird, daher habe ich im Sommer beim Baden immer mit Vergnügen, na lassen wir das, wenn Sie leidtragend sind, kommt das selbstverständlich nicht mehr vor.

    Apropos.

    • LandLebenBlog 24. Mai 2014
      Antworten

      Ich bitte darum . Und danke für den herrlichen Link!

  • Akaleia 24. Mai 2014
    Antworten

    Warum muss sich da gerade an das Buch Black Out denken, dass ich vorletzte Woche gelesen habe….:)….wenn mein Blick auf die großen Pumpen fällt.
    Großartige Bilder – haben was trotz der Handyqualität, liebe Friederike.
    Übrigens mein Älteste zieht gerade mal wieder Feldhasen mit der Flasche auf…auch nett. Wobei ein Rehkitz noch eine ganz andere Aufgabe ist.
    HG sendet Dir
    Birgit

    • LandLebenBlog 24. Mai 2014
      Antworten

      Wir wollen Feldhasenfotos sehen!!!

  • Stefan 26. Mai 2014
    Antworten

    Hallo Friederike,
    das ist ja cool. Jetzt weiß ich endlich, wohin unser „Wasserschatz“ im Argental fließt und wer sich daran labt. Erst in den Bodensee (das zumindest wußte ich) und dann schließlich zu Euch (das war mir bis zur Lektüre Deiner schönen Geschichte neu). Na dann guten Durst!

    http://dasargental.wordpress.com/2014/05/09/der-wasserschatz-im-argental/

  • Herr Ackerbau 31. Mai 2014
    Antworten

    Mir wurde mal erklärt, dass alles was oben ins Wasser kommt, nie zu den Wassertiefen, in denen das Wasser entnommen wird, heruntersinkt (die Leute spucken ja nicht nur…). Liebe Grüße aus Berlin, Andreas

    • LandLebenBlog 31. Mai 2014
      Antworten

      Das beruhigt mich.

  • Antworten

Vorheriger Artikel Elternzeit.
Nächster Artikel Mittags. Pause.