Brandbekämpfung

Drei Uhr nachts in Kubach. Der Himmel rabenschwarz, ein paar Sterne, kein Mond. Sämtliche Straßenlaternen im Dorf sind schon seit vier Stunden abgeschaltet. Das Dorf duckt sich schlafend in die Nacht, die Häuser in der Nachbarschaft kann man nicht mehr sehen, nur noch ahnen.

Wir liegen in tiefen Träumen, als plötzlich die Sirene heult. Langsam und satt schwillt der Ton an, hängt sekundenlang über dem schlafenden Dorf, schwillt wieder ab.

„Fliegeralarm!“, ruft Geo, springt aus dem Bett, um die feindlichen Flugzeuge zu orten, ortet in der Finsternis zunächst aber nur die wuchtige Kommode auf dem Weg zum Fenster. Mit dem Knie.

Während er noch allerlei unchristliche Flüche ausstößt und einbeinig durch das Dunkel hüpft, ertönt die Sirene von neuem, schwillt an, hält den Ton, schwillt ab. „Nix Fliegeralarm – Feueralarm!“, sage ich, ganz erfahrene Landfrau.

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Schon hören wir im Ort die ersten Autotüren schlagen, die Rufe der freiwilligen Feuerwehr-Männer, die sich – oben Schlafanzug, unten Feuerwehrhose – hektisch auf den Weg zum Feuerwehrgerätehaus machen. Kurz darauf eine Kolonne von rasenden Autos, Spritzenwagen, knatternden Traktoren mit Wasserfässern, vorbei an unserem Haus, unterwegs zum Einsatzort, der irgendwo nördlich, hinter dem Wald liegen muss.

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Geo schaut wehmütig aus dem Fenster in die Nacht, den Wagen, den Männern mit ihren refektierenden Westen und Helmen hinterher. „Toll! Feuerwehr!“ sagt er stupide, „Wär’ ich auch gerne!“. „Na, ist doch prima“, murmele ich verschlafen aus dem warmen Bett, „Freiwillige Feuerwehrmänner brauchen sie hier immer.“

Geo legt sich wieder hin, in seinem landerfahrenen Großstädterhirn arbeitet es hörbar. „Meinst Du, ich könnte das?“ „Klar“, murmele ich jetzt schon leicht genervt, weil ernsthaft gewillt, den Nachtschlaf fortzusetzen.

Als ich eben in den nächsten Traum sinken will, wieder ein Motorengetöse vor dem Fenster. Wieder springt Geo auf, umgeht die wuchtige Kommode diesmal mit einem sportlichen Ausfallschritt, lehnt sich aus dem Fenster in die kalte Nacht. Wieder eine rasende Fahrzeugkolonne, lauter Mittelklassewagen, wieder Richtung Wald nach Norden. „Nachschub!“, brüllt Geo am Fenster begeistert gegen den Motorenlärm. Im Haus gegenüber schaltet jemand ein Licht an.

„Nachschub ja, – aber nicht so, wie Du meinst“, sage ich, jetzt schon in der Gewissheit, dass die Nacht zu Ende ist. „Das sind die Feuerwehr-Gattinnen. Mit warmem Tee und belegten Broten für die Männer. Wenn Deine Frau da nicht dabei ist, hast Du als Feuerwehr-Mann im Dorf nicht viel zu melden.“ Geo starrt mich durch die Dunkelheit entgeistert an: „Na, dann ist es ja eh essig mit meiner Feuerwehrkarriere.“

Wo er recht hat, hat er recht.

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