WMDEDGT.

5. Juli 2020

Fünfter Tag des Monats ist WMDEDGT-Tag, so will es das Bloggergesetz. Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, kurz WMDEDGT. An jedem Fünften berichten alle möglichen Blogger, was sie den ganzen Tag so treiben, tagebuchmaßig, das hat die freundliche Nachbarbloggerin einst ins Leben gerufen, da können Sie heute abend auch alle Beiträge finden, und ich mache immer gerne mit.

Heute umso mehr, weil der Tag deutlich länger ist als ursprünglich geplant. Ursprünglich wollte ich ausschlafen, das warme Bettchen möglichst lange genießen und so richtig in diesen Sonntag hineinfaulenzen. Tja.

Wie von der Tarantel gestochen schieße ich um kurz nach Sieben in die Höhe. Im Dorf und im Nachbardorf heulen die Sirenen von den Dächern. Ein Geräusch, das Ältere an Bombenangriffe erinnert und in unserem Haus zumindest die Wände zum Wackeln und die Fensterscheiben zum Zittern bringt. Nach wenigen Sekunden des ohrenbetäubenden Lärms wieder absolute Stille, nichts regt sich mehr. Aber jetzt bin ich wach, und an Weiterschlafen ist nicht zu denken. (Update: Offenbar Fehlalarm im Altersheim. Uff.)

Jürgen Treiber  / pixelio.de

Ich nehme an, viele Großstädter kennen diese Sirenen gar nicht mehr. Nein, wir haben sie nicht, weil Digitalisierung und Internet hier noch Fremdworte wären (sind sie nicht), sondern quasi als Ergänzung zu den hochmodernen Alarm-Piepsern der aktiven ehrenamtlichen Feuerwehrmänner und -Frauen. Wenn von denen mal nicht genug vor Ort sind, um zu löschen, zu retten und zu bergen, können theoretisch auch andere freiwillige Helfer einspringen. Die Sirene sagt ihnen, dass etwas passiert ist, und dann nimmt das ehrenamtliche Hilfe-System auf dem Lande seinen Lauf. Ich habe zu dem ganzen Feuerwehr- und Sirenen-Gedöns übrigens in frühen Jahren mal was auf diesem Blog hier geschrieben, damals war uns das ja alles auch ganz neu – falls Sie das interessiert: Bitte sehr, hier entlang.

Der Gatte gehört ja im Übrigen auch noch zur Generation Fliegeralarm und kann sich lebhaft erinnern. Notköfferchen neben dem Kinderbett, nachts raus und an der Hand der Mutter in den Luftschutzkeller. Die Sirene im Dorf verschafft ihm aber keinen schmerzhaften Flash-back, Gott sei dank. Ich frage mich manchmal, wie sich das für die Flüchtlinge aus Kriegsgebieten anfühlt, die in irgendeinem Dorf untergebracht sind und nachts von der Sirene geweckt werden.

Jedenfalls macht der inzwischen komplett digitalisierte Gatte heute früh schon am Internet herum, er bespielt seinen Blog, und manchmal braucht er da noch meine Hilfe. Die hilft leider nicht immer, heute früh verzweifle auch ich an der schier unlösbaren Aufgabe, ein Video in seinen aktuellen Blog-Post ansprechend einzubinden, wir mussten es dann irgendwie anders lösen, bitte, wenn Sie mal schauen wollen, hier entlang.

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Dann schon in aller Frühe mit den Hunden raus, hoch auf die Felder bei Scheidental, Nordsee-mäßige Windstärken inklusive. Das alte Hündchen muß an die Leine, nicht nur, weil es taub und dement ist, sondern weil es wegzufliegen droht bei den Sturmböen. Und sowas nennt sich dann Sommer, schimpft mein Geo, dem kann man es aber auch nie recht machen. Dabei ist es herrlich da oben, der Bauer hat gestern alle Futterwiesen fein säuberlich abgeräumt, hellgrün und kurzgeschoren leuchten sie in der Sonne, es duftet nach Gras und Kamille und sonstwas, und alles wirkt so aufgeräumt. Ich speichere die Bilder und Gerüche auf meiner Kopf-internen Festplatte ab, ich habe den Fotoapparat vergessen, bin aber gar nicht böse drum.

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Der Gatte begutachtet den Gemüsegarten und trägt die Beute ins Haus. Dafür, dass wir in diesem Jahr gar keine Kartoffeln gesetzt haben, ist die Kartoffelernte nicht schlecht. Irgendwas ist da beim Rausmachen im vergangenen Herbst schiefgegangen. Aber nach der Anzahl der Kartoffelpflanzen, die sich da zwischen allerlei anderen Gemüsesorten breit gemacht haben, müssen wir auch in diesem Jahr nicht auf das Ackergold verzichten. Gar nichts pflanzen, aber dann davon reichlich ernten – ich meine, das wäre doch mal ein Konzept für Selbstversorgung leicht gemacht. Dass da noch niemand drauf gekommen ist. Man wundert sich.

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Mittags: Programm Landfrau. Nachdem ich seit ein paar Wochen mit regelmäßigem Erfolg das weltbeste Ciabatta backe, obwohl ich ja eigentlich gar nicht backen kann, – seitdem also fühle ich mich zu Höherem berufen. Heute: Dinkelbrötchen. Weil der Gatte neuerdings die verschiedensten Mehle gleich in Fünf-Kilo-Säcken anschleppt und dazu erwartungsfroh grinst, verspüre ich einen gewissen Leistungsdruck auf mir lasten. Also: backen. Alle zwanzig Sekunden springe ich auf und schaue, ob der Teig brav geht, danach glotze ich auf die aufreizend tickende Küchenuhr, um auszurechnen, wieviel Zeit mir bleibt, dann nochmal schnell ins Rezept auf dem smartphone, und auch ansonsten ist das alles sehr entspannt. Der erwartungsfrohe Gatte liegt auf dem Sofa nebenan und schläft oder liest oder beschäftigt sich mit den wichtigen Fragen des Lebens. Was der Mensch braucht? Was für eine dumme Frage. Dinkelbrötchen, was denn sonst? Dafür müsste er nun weiß Gott nicht so schwere Kost lesen, das hätte ich ihm auch so sagen können.

Jo. Ich bin zufrieden.

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Nachmittagsrunde mit Frau Lieselotte. Das alte Hündchen bleibt zuhause und schläft. Darf man, wenn man 15 Jahre alt ist und die Knochen und die Kondition nicht mehr so wollen. Wieder einen neuen Weg entdeckt, direkt vor der Haustür, ja sapperlott. Das kann nun eigentlich nicht daran liegen, dass ich hier zu selten draußen unterwegs wäre. Es liegt eher daran, dass ich immer dieselben 2518 Wege gehe, obwohl es in Wirklichkeit 8700 davon gibt, direkt vor der Tür. Ja, so ist das auf dem Lande. Aber heiß und anstrengend isses, selbst auf den schattigen Waldwegen.

Wenigstens die Handy-Knipse dabeigehabt.

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Kunst abholen, in der kleinen Großen Kreisstadt. Die aktuelle Ausstellung des Kunstvereins ist beendet, alle Bilder müssen weg, auch das vom Gatten möchte bitte nach Hause geholt werden. So wird meine Dreckschleuder mein Auto, mit dem ich normalerweise Hunde, Katzen, Hühner von hier nach da befördere, mal wieder zum Kunst-Transporter. Falls Sie also irgendwann auf einem der Werke des Künstlergatten collage-artig arrangierte, aufgebappte Hunde- oder Katzenhaare oder Hühnerfedern entdecken, dürfen Sie gerne fragen Ist das Kunst? – oder kann das weg?

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Gluckt da etwa wer? Ja, das doofe schwarze Huhn. Saß gestern schon press auf den Eiern, sitzt heute nachmittag immer noch. Na, super. Den gesonderten Gluckenstall herrichten mit Nest und Näpfen. Wir haben ja sonst heute noch nichts getan. Umgezogen wird aber erst nach Einbruch der Dunkelheit. Dann schallt das Geschrei der Glucke umso lauter durch das stille Dorf. Ah, haben Sie wieder geschlachtet?, fragte der Nachbar nach unserem letzten Glucken-Umzugs-Gedöns. (Update 22 Uhr: Madame hat es sich anders überlegt. Ich??? Glucken??? Nö. War mir dann doch zu unbequem auf all den Eiern. Ok, sparen wir uns den Umzug.)

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Wasser schleppen. Von der Tonne an der Regenrinne in die Vorrats-Tonnen im Gemüsegarten. 14 schwere Kannen voll. Wenn Sie ganz leise sind und lauschen, können Sie jetzt meine Bandscheiben singen hören.

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Nachher dann Essen gehen mit Freunden ins Dorfgasthaus. Schnitzel mit Pommes oder sowas in der Art. Würdiges Ende eines 100prozentigen Landfrauen-Tages, täte ich mal sagen. *sinkt ermattet aufs Sofa*

  • 1 Kommentar
  • Lea 6. Juli 2020
    Antworten

    *hihi* die Kartoffelernte ohne gestupfte Kartoffeln praktiziere ich schon seit mehreren Jahren. Da überall im Garten schon mal Kartoffelbeet war, kommt auch überall im Garten die eine oder andere Pflanze ;-). Funktioniert auch prima mit Tomaten und – dieses Jahr tatsächlich auch! – mit Gurken (das ist aber tatsächlich das erste Mal. Freut mich heuer aber umso mehr, weil die Gurkenpflanzen auf dem Markt sehr rar gesät sind und das Wetter auch nicht gerade gurkenfreundlich ist). Zum Wasserschleppen: das machen meine Eltern mittlerweile mit einer Pumpe. Und Feuerwehrwasserschläuchen. Von der einen in die andere Tonne. Schont die Bandscheiben. Vielleicht eine Option?
    Liebe Grüße!

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