GummihosenBiber.

Ich musste heute dienstlich die Gummihosen anziehen, und die Gummistiefel, ich erwähne das an dieser Stelle nur, damit der Fanclub Gummihose hier endlich mal wieder fündig wird, das Wort Gummihose nämlich zählt zu den am häufigsten wiederkehrenden Suchbegriffen in meiner Blogstatistik, der liebe Himmel weiß, warum.

Wie dem auch sei, ich war zu einem Spaziergang durchs überschwemmte Unterholz verabredet, auf der Suche nach Biber-Spuren, und da trägt die Frau von Welt natürlich Gummihose. (So, und nun sollte es aber genug sein, liebe Freunde der Gummihose.)

Ich folgte also mehr oder weniger willenlos dem freundlichen Biber-Berater des Landkreises, kreuz und quer ging es durch Wasser und Matsch, über Baumstämme und Äste unter der Wasseroberfläche, es war eine gewisse sportliche Herausforderung, ich rief dem Biber-Berater über das Platschen und Gurgeln des Wassers zwischendurch wankend und strauchelnd zu, dass ich im Erwachsenen-Becken des Berliner Olympiastadions den Freischwimmer gemacht habe, ich dementsprechend nicht ertrinken würde, – es war also eine Herausforderung, die aber reich belohnt wurde.

Biberdamm.

Der freundliche Biber-Berater berät nicht etwa die Biber, wie der Name zunächst vermuten ließe, das heißt, vielleicht berät er sie heimlich doch, aber in erster Linie berät er alle möglichen Leute, die sich durch den Biber gestört fühlen. Und es werden immer mehr, sowohl Biber als auch Gestörte, also solche, die sich gestört fühlen oder tatsächlich gestört werden.

Sobald der Biber auftaucht, gibt es immer erstmal einen kleinen Ärger, sagt der Biber-Berater. Manchmal auch gleich einen großen. Während sich die Naturschützer freuen, dass der Biber nach knapp 200 Jahren im Landkreis fast flächendeckend endlich wieder heimisch ist, ärgern sich Landwirte und Waldbesitzer über umgenagte Bäume, gestaute Bäche, nasse Flächen auf Äckern oder Wiesen. Und die erste Frage lautet immer Wer bezahlt mir das?, sagt der Biber-Berater mit etwas gequältem Lächeln.

Manchmal versteht er den Ärger, wenn der Biber ernsthaften Schaden anrichtet, in der Landwirtschaft, in der Nähe von Kläranlagen oder Forellzuchtteichen. Manchmal versteht er ihn nicht. Beraten tut er immer, es gibt Wochen, da wird er drei, viermal gerufen, in irgendeinen Wald, an ein Ufer, auf einen Acker. Ich bin ja froh, wenn die Leute mich rufen und nicht gleich selber kurzen Prozess machen mit dem Biber oder seinen Bauten, alles schon vorgekommen. So ein blöder Biberdamm ist schnell abgetragen mit ordentlichem Gerät.

Biberburg.

So um 1830 wurde der letzte baden-württembergische Biber erlegt, seitdem war es Essig mit dem dicken Nager. Irgendwann besannen sich Bayern und Hessen eines Besseren und siedelten wieder Biber an und aus, was daraus über die Jahre und Jahrzehnte an putzigen bilateralen Biberbabies entstand, zieht inzwischen also wieder durch Baden-Württemberg. So sehr, dass man im hiesigen Landwirtschaftsministerium schon laut darüber nachdenkt, wie einer möglichen Plage Herr zu werden wäre.  

Um all das geht es also, während wir da durch Wasser und Unterholz steigen, vorbei an Dämmen und Burgen und Höhlen und Gängen, vorbei an angenagten Douglasien, gefällten Weiden, rund um den kleinen versteckten See, den ich noch nie zuvor gesehen habe und den offenbar nur Ortskundige kennen, quer durch einsames, urwüchsiges Gelände. Im Gestrüpp liegen alte Benzinkanister und junge Plastiktüten, Kunststofffetzen und Getränkedosen, ein gelber Müllsack flattert im Wind, ich trete versehentlich in eine leergegessene Gut-und-günstig-Hähnchen-Lyoner-Verpackung.

Gibt es eigentlich auch einen Abfallberater für den hiesigen Wald und seine Besucher?, frage ich den freundlichen Biber-Berater, bei dem müsste ja auch ununterbrochen das Telefon klingeln.  Er werde das herausfinden, verspricht der Biber-Berater, und dann werden wir mal bei dem anrufen und uns beklagen. Und dann grinsen wir beide ein bisschen mühsam und vertiefen das Thema nicht weiter.

 

 

 

 

 

24 Kommentare

  1. Ach, Biber. Den gab es hier auch. Der örtliche Bauhof zog jede Woche einmal hinaus, damit der Biber gestört wird, schließlich sollte er sein Bauwerk nicht neben der Autobahn errichten, auf dass diese trocken bliebe, selbst bei Hochwasser. Es nutzte alles nichts, kein Mitarbeiter des Bauhofes, kein gutes Zureden. Irgendwann nach dem fünften Ortstermin gab der lokale Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde nach und den – diesen! – Biber zum Abschuss frei. Hat geschmeckt, meinte der Bürgermeister abschließend und leckte sich noch einmal über die Lippen.

  2. Wo und wie Sie überall zu diversen Themen rumkommen – sehr imponierend! Und wirklich immer ganz dicht dran… Sie entsprechen da ganz meinem Kindheitsideal von Karla Kolumna! Das wollte ich dir mal gesagt haben ;)… liebe Grüße

  3. Toll. Gerade vor zwei Wochen haben wir hier Biberfällungen an der Mulde erlebt. Ist schon ein toller Landschaftsgestalter, der Biber. Ich finde es gut, dass sich Mensch mit ihm wieder arrangieren muss. Liebe Grüße Ghislana

  4. Als hier vor gut einem Jahr ein Biberpaar gesichtet wurden, waren Zeitung und Fernsehen da … 3 Wochen später ein fehlsichtiger Jäger der eins der Tiere mit einem Wasweißichwas verwechselt hat. Traurig ist das.

  5. Ich musste beim Lesen mal wieder sehr schmunzeln! Danke dafür! ?
    Wiederum ärgerlich und traurig zugleich stimmt es mich, dass viele sich von einem Lebewesen beeinträchtigt und gestört fühlen – vom Müll, der wild in der Landschaft rumfährt wiederum nicht… ?

  6. Pingback: Der Bieber wieder. – LandLebenBlog

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