Dies und Das.

3. Juni 2022

Morgens Forellen füttern, in aller Frühe und in aller Stille. Ich bin sehr dankbar für diese Momente, immer wieder. Ok, der blöde Reiher dieses Miststück stört die Idylle ein bißchen, aber der will ja auch nur leben. Vielleicht lässt er uns ein paar Forellen übrig, wäre ja nett von ihm. Dabei esse ich gar keine Forellen, ich vertrage leider keinen Süßwasserfisch, von mir aus könnte er also, naja, Sie wissen schon.

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Ein Huhn in Einzelteilen tot unter dem Zaun, halb im Gehege, halb draußen, ein zweites Huhn böse am Kopf verletzt, wir hatten ungebetenen Besuch, und vielleicht hasse ich manchmal auch die Natur und ihre brutalen Gesetze. Die Verletzte verkriecht sich irgendwo, sie läßt uns nicht an sich heran, ich schaue mir das jetzt noch einen Tag an, dann muß irgendwas entschieden werden. Im schlimmsten Fall rufen wir die Nummer gegen Hühner-Kummer, und dann kommt der Freund mit dem Beil. Es ist ein Jammer.

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Fundstück am Morgen

Wenn man unterwegs in Wald und Flur etwas findet, hängt man es weithin sichtbar auf, damit der Suchende es so schnell wie möglich entdeckt. So will es das ungeschriebene Landleben-Gesetz, und immer wieder hängen hier Jacken, Mützen, Schals oder Handschuhe, zerliebte Stofftiere oder Sonnenbrillen im Gebüsch oder auf Zäunen, auf Bänken oder an einsamen Bushaltestellen. Nur wenn man Schlüssel, Handy oder Bargeld findet, steckt man das direkt ein und trägt es ins Rathaus oder auf die klitzekleine Polizeiwache im Dorf. Ja, da staunen Sie! Ich staune auch und freue mich, jedes Mal.

Ich habe ja vor einigen Monaten das wichtigste Schlüsselbund meines privaten und beruflichen Lebens verloren, mitten im Städtchen. Ich überschlug kurz im Kopf die Kosten, die mir und meinem Chef durch den Verlust entstehen würden, ich kam dank davongaloppierender Phantasie auf eine vierstellige Summe und erlitt in der Folge eine veritable Panikattacke. War aber gleichzeitig felsenfest davon überzeugt, dass die Schlüssel ihren Weg zu mir zurückfinden würden, und genau so war es. Das Schlüsselbund ging durch mehrere helfende Hände, quer durchs Städtchen, ich musste ihm wenige Tage später nur noch hinterhertelefonieren und es schlußendlich im Sekretariat einer Grundschule abholen. Bingo. Dass ich der Finderin einen Gutschein für ein Restaurant überreichte, stieß auf Verwunderung bei ihr. Hä? Macht man doch so, helfen, ist doch selbstverständlich. Und ich dachte so bei mir Ach, wenn Sie wüssten, ach, ach.

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Ich helfe jetzt auch mal wieder: dem Odenwaldklub. Die suchen immer Wege-Markierer, und ich habe das vor vielen Jahren schon mal gemacht, kann da also ein bißchen anknüpfen und merke, dass ich mich mit all dem Werkzeug, den Hobeln und Raspeln und Schablonen und Sägen und Pinseln noch auskenne. Ich gehe also mit Frau Lieselotte durch den Wald, wie ich das ohnehin täglich tue, und schleppe nun noch einen kleinen Werkzeugkoffer und Farbtöpfchen mit mir herum.

Diese Dame erwartete mich heute am Steinernen Tisch, da hinten in der Ecke Mülben. Wir plauderten ein bißchen, dann musste ich weiter.

Ich mache das im Übrigen ganz und gar eigennützig, geradezu egoistisch, denn erstens freue ich mich selber immer, wenn Wanderwege vernünftig markiert sind, und zweitens ist diese Arbeit Entspannung pur, ich kann das sehr empfehlen. So fokussiert ist man auf den Weg und die Markierungen, dass man gar nicht dazu kommt, trübsinnige Gedanken zu denken, und ich finde, das ist besonders in diesen Zeiten ein durchaus erstrebenswerter Zustand.

Wenn Sie übrigens wissen wollen, was der Gatte so macht, während ich Forellen füttere oder durch den Wald stolpere: Bitte (Klick!) hier entlang.

  • 6 Kommentare
  • Rolf 3. Juni 2022
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    Ich erfreue mich jedes Mal neu über Deinen tollen Schreibstil, Du weißt schon… (ich schreib einfach per Du weil das im Internet seit Anbeginn so ist ;-) )
    Eine aufgehängte Fundsache habe ich auch schon mal im Wald gefunden, es war ein Damenslip – hab’ ihn aber nicht ins Fundbüro gebracht…
    Viele Grüße Richtung Westen,
    Rolf

    • LandLebenBlog 3. Juni 2022
      Antworten

      Gruß und dank zurück!

    • Rolf 4. Juni 2022
      Antworten

      Um Missverständnissen vorzubeugen, ich habe den Slip natürlich nicht mitgenommen sondern im Wald hängen lassen 😊

      • LandLebenBlog 4. Juni 2022
        Antworten

        Ja, klar, damit die vergessliche Frau ihn gleich wiederfindet. ;-)

  • C Stern 4. Juni 2022
    Antworten

    Ich finde immer wieder Gegenstände, mehrfach auch schon Schlüssel. Fundstücke wandern ins Fundbüro oder zum Fahrer des öffentlichen Verkehrsmittels, wo ich gerade fündig wurde.
    Ich kann mir immer ganz gut die Verzweiflung vorstellen, wenn jemand etwas liegengelassen oder verloren hat.
    Selbst habe ich schon erlebt, dass jemand in meiner Gegenwart einen Ehering auf der Straße fand. Wie immer dieser dort gelandet ist, der Finder hat diesen Ring mir angeboten. Wie bitte? Ich fand dieses Angebot sehr seltsam. Mein Hinweis also, dass der Ring im Fundbüro abgegeben werden sollte.

  • Gabriela 5. Juni 2022
    Antworten

    Wie immer bin ich dankbar für die ‚literarische‘ Aufarbeitung alltäglicher Situationen und erfreue mich des leichten und dennoch tiefgängigen Stils. Merci vielmals!

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