Dies und Das.

4. April 2022

Waffen in Vitrinen und Schlachtenbilder an der Wand: Wir finden uns am Sonntagnachmittag mehr oder weniger zufällig im Emelé-Raum im Museum im Städtchen wieder, benannt nach dem berühmten (Schlachten-)Maler Wilhelm Emelé. Der ist in Buchen geboren, später zog es ihn aber fort von hier, vielleicht gab es im Odenwald einfach zu wenige Schlachten, die er großformatig hätte in Öl malen wollen.

Seine Schlachtenbilder sind reich an ansprechenden Motiven, heißt es bei wikipedia, aha, aha, ich stehe ratlos vor dem gigantischen Ölschinken, der da im Buchener Bezirksmuseum hängt, und suche ansprechende Motive im blutigen Kriegsgetümmel. Hinter uns in den sehr aufwändigen Vitrinen sind Gewehre ausgestellt, solche, wie sie auch auf den Schlachtenbildern zu sehen sind. Vorne aus den Läufen kommt Feuer, bumm!, hinten bricht schon einer auf dem Ölbild tot zusammen, man kennt das von Schlachtenmalern, und Emelé war offenbar einer von den Besten.

Diese ganze Schlachtenverherrlichung, da möchte man doch glatt eine Bombe werfen!, ruft mein Geo in die Stille des Museums hinein und verläßt den Raum mit lautem Schritt, ich frage etwas dämlich Hä? hinter ihm her, und vielleicht haben wir damit die eine oder andere Widersprüchlichkeit, das eine oder andere politische Dilemma dieser Tage ganz gut zusammengefasst. Und vielleicht waren wir auch einfach zur falschen Zeit im falschen Museumsraum, noch vor ein paar Monaten hätten wir die Emelé-Sammlung und die ansprechenden Motive mit anderen Augen gesehen. Obwohl ich Mord und Totschlag noch nie ansprechend fand, aber naja, Sie wissen schon.

Eigentlich haben wir auch ein ganz anderes Ziel im Museum, wir sind auf den Spuren des Fotografen Karl Weiß unterwegs, mal wieder. Das Museum zeigt aktuell auch eine kleine Sonderschau von Portraits jüdischer Buchener, die Karl Weiß so um 1930 angefertigt hat, die Fotos sind durchaus einen Besuch wert. In der Dauerausstellung über den Fotografen inspizieren wir die vielen Portrait- und Gruppenaufnahmen, Hochzeiten, Primizfeiern, Festumzüge durchs Städtchen, viele anständige Frauen und stolze junge Männer mit Zwirbelbärtchen, Aufnahmen aus vielen Jahrzehnten bis Anfang der 30er, Immer überall diese Uniformen!, schimpft der Mann schon wieder, immer dieser Militärquatsch, das ist doch zum Kotzen!, er ist momentan etwas dünnhäutig.

Im Rausgehen knipse ich noch ein historisches Thermometer, guck mal, das sieht ja cool aus, und erst hinterher bemerke ich, dass da links oben Blut Bad steht, ich bin vielleicht auch ein bißchen dünnhäutig. Oder sehe Gespenster. Böse Geister. Aber wer tut das nicht in diesen Tagen.

Jedenfalls verlassen wir etwas abrupt das Museum, nehmen uns aber vor, es nocheinmal ausführlich und wohlwollend zu besuchen, wenn die Welt sich vielleicht eines Tages wieder eingerenkt hat, irgendwann, hoffentlich. Das Museum ist wirklich schön gemacht, und es gibt auch Abteilungen, in denen Sie garantiert nicht auf dumme Gedanken kommen, also, ich kann das wirklich empfehlen, wenn Sie mal eine Ablenkung brauchen.

Wir essen dann noch im Café um die Ecke ein Stück Kuchen und trinken einen Kaffee, wir bestaunen die geradezu überbordende Osterdekoration, – Osterdeckchen, Ostereier, Osterhasen, von allen Seiten fühlt man sich regelrecht beobachtet von Osterhasen und Osterhäsinnen, es fällt tatsächlich auf, wieviele weibliche Osterhäschen da unterwegs sind im Café, es ist ein mir gänzlich neues Phänomen, und zumindest eine wirkliche Ablenkung. Also, um nochmal auf die Malerei in Kriegszeiten zurückzukommen,… hebt der Gatte an, und ich antworte Schau mal, da drüben, ist das Osterhäschen nicht süß?

Beim Stichwort Oster-Eier fällt mir allerdings ein, dass es doch auch wirklich gute Nachrichten gibt, wenngleich nur aus unserem Hühnerstall. Die Hennen legen wie blöd, es ist eine wahre Wonne, zack!, zack!, zack!, die Eier fliegen aus den Hühnern hinten nur so raus. Ich übertreibe jetzt ein bisschen, es ist aber auch wirklich begeisternd. Ich fahre in meiner Freizeit ununterbrochen frische Eier aus, eine Eier-Kundin gestern beschenkt mich zum Dank mit einem Weckglas Sauerkraut und einem Weckglas Saure Bohnen und einer Tüte Brezn-Knödel, alles selbstgemacht, na klar. Ich schleppe die Naturalien zum Auto und später ins Haus wie einen Schatz und freue mich von Herzen.

  • 5 Kommentare
  • Gabriela 4. April 2022
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    Danke!

  • Rolf 5. April 2022
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    …und bei 15° steht “Zimmer Wärme”. Die haben damals schon Gas gespart ;-)
    Ciao, Rolf

  • nina. aka wippsteerts 5. April 2022
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    Na, man schaut dann ja auch immer weiter auf das Furchtbare…
    Aber auch Blut Wärme finde ich irgendwie keinen so schönen Begriff für mögliches Fieber
    Dafür ist das Portrait um so schöner – endlich mal ein lachendes Portrait vor allen Dingen
    Danke
    Liebe Grüsse
    Nina

  • Jawa 5. April 2022
    Antworten

    Herrlich, großartig, eindrucksvoll der heutige Block. DER hat mich rundum gefesselt vom Schlachtenmaler Emelé, dessen Nachfahren dort wohnten, wo sich heute die Buchener Sparkasse befindet, bis zum Fotoatelier Karl Weiß, eine Retrospekive zum Bezirksmuseum mit interessanten und lehreichen Sammlungen. Das Bild der jungen Dame zeigt Frieda Oppenheimer, Hainstadt. Ein Museumsbesuch lohnt sich sehr, erste Eindrücke kriegen Sie, wenn Sie alle Markierungen öffnen!
    Ganz besonderen Danke für diesen tollen Block.

  • Alwin 5. April 2022
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    Ha! Was ist denn hier passiert? Seit Wochen sehe ich beim Aufruf deines Blogs eine weiße Seite bis ich auf “Blog” klicke, und jetzt schaut mich Jo-Hahn an. Ich habe mich richtig erschrocken. Mein Kater übrigens auch. Hühner sind ihm eine Nummer zu groß.

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