WMDEDGT

5. April 2022

Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, kurz WMDEDGT, das will am Fünften eines Monats die freundliche Nachbarbloggerin wissen, und heute frage ich mich das auch. Was mache ich eigentlich den ganzen Tag? So ein Tag war das heute, dass man sich das abends fragen muß, naja, Sie wissen schon. Es gibt so Tage, auch im ansonsten pulsierenden Leben einer rasenden Reporterin in der vermeintlichen Provinz.

Die Reporterin ist heute nicht gerast, die hat nur im Büro gesessen, zur Tür rausgeglotzt, siehe oben, und herumtelefoniert und dabei zahlreiche Themen tot-recherchiert, wie man das in der Branche nennt. Heißt: Irgendwas postuliert, tolles Thema im Kopf zurechtgelegt, um dann bei der Recherche zu merken: Da ist nix dran. Ab in den Papierkorb. Mein Papierkorb wurde also heute immer voller, der Kopf dafür umso leerer.

Mit Windrädern und Kindergärten habe ich mich befasst, mit Polizeiberichten und Gerüchten. Mit Corona-Todesfällen und Geflüchteten. Der eine Teil der Recherchen also ist unerfreulich, weil die Themen platzten wie die Seifenblasen; der andere Teil ist unerfreulich, weil er einfach unerfreulich ist.

Zwischen erfolglosen Recherchen und Videokonferenzen muß ich dienstlich in den Drogiere-Markt, ich bin im Büro ja alles von der Reinigungskraft bis zur Intendantin, die Klopapier-Regale im Markt sind prall gefüllt, und alle Kunden tragen eine Maske, das ist alles sehr verwirrend.

Nebenher plane ich einen kurzen Krankenhausaufenthalt, nichts Schlimmes, aber nervig. Ich bin ein medizinisches Wunder und bilde Gallensteine, ohne überhaupt noch über eine Gallenblase zu verfügen, das mußt Du wohl von Deinem Vater haben, würde meine Mutter jetzt mit leicht bissigem Unterton sagen. Ja, so ist das wohl, Erbstücke kann man sich nicht aussuchen, und die Erbstücke im Körperinneren machen mich zum regelmäßigen Besucher der gastroenterologischen Abteilung im hiesigen Krankenhaus.

Ach, waren Sie nicht schon mal bei uns?, fragt die freundliche Dame am Telefon, und ich sage etwas gequält Ja, mehrfach. Ich werde da mal rausfinden, ob es irgendeine Art Rabatt-System für Kunden wie mich gibt, das wäre doch mal was. Und bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit Tipps für eine Gallenstein-Diät, sonst muß ich am Ende noch weinen. Wir können aber gerne mal mit einem Glas leckerem Apfel-Essig anstoßen, wenn Sie wollen.

Und dann denke ich heute an den bevorstehenden Termin beim Tierarzt, ich habe da einen Entschluß gefasst und fange an, Abschied zu nehmen vom uralten Hündchen. Fragen Sie nicht. In den sozialen Netzwerken sehe ich Bilder, die ich nie sehen wollte, und die Weltnachrichten schalte ich aus, bevor der Nachrichtensprecher zum ersten Wort ansetzt. Das Wetter tut ein Übriges. So ein Tag also ist das.

Aber nach Feierabend gehe ich in den Wald, das lüftet das Hirn und rückt die Proportionen grade. Immer. Der Wald ist der große Tröster und Zurecht-Rücker. Und hinterher bin ich froh und glücklich. Und dankbar dafür, dass ich keine echten Sorgen habe.

  • 11 Kommentare
  • Peter Neuweiler 5. April 2022
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    Bin seit zwei Wochen in Rente. Gute Frage, was mache ich den ganzen Tag?
    Werde immer wieder gefragt, ob es mir schon langweilig ist?
    Kann ich klar mit NEIN beantworten.
    Ich habe verschiedene Projekte. Und das ist gut so.
    Eines ist dieses:
    https://apps-eu01.app-controller.net/f9708531-6db6-49f6-89dc-11aa87b15e9e/app/index.html

    Natürlich musst man diese auf einem Smartphone anschauen. Auf einem Tablet geht es auch.
    Die ganze Sache ist noch nicht ganz fertig. Aber demnächst kann man es im Apple Store oder Google Play Store runterladen.

    • LandLebenBlog 5. April 2022
      Antworten

      Coole Sache, ich bin gespannt!

  • Karin Neuweiler 5. April 2022
    Antworten

    hallo Frau Kroitzsch
    wir haben seit ca einem Jahr Ihren blog abboniert und lesen ihre Blogeinträge regelmäßig und unterhalten uns auch häfig darüber. Die wunderbaren Fotoaufnahmen bewundern wir auch oft.
    Ich hätte eine Idee für eine Recherche (ein Schweizer im Odenwald, der gerade eine App für die Rehkitzrettung in Ihrer Wohnortnähe programmiert :-) ) sie dürfen sich gerne mal melden.
    Herzliche Grüße K N

    • Günter 6. April 2022
      Antworten

      26. März, das ist ein gutes Datum, da bin ich geboren, Deinen Mann viel Drive und immer gute Einfälle in der Pension. Ich darf die Pension schon jetzt fast 2 Jahre genießen es ist das schönste was es gibt. Und was die Rehe betrifft: ich lebe auf 1300 m auf einen Bergbauernhof und mein Feld läßt nur eine Hand-Mahd zu. Ich sehe also rechtzeitig wenn sich in der Wiese etwas tut.
      Schöne Zeit im Odenwald

  • Peter Neuweiler 5. April 2022
    Antworten

    QR-Code wäre hier:
    http://www.neuweiler.net/pages/topics/was-haben-wir-heute-wieder-erlegt.php

    Einfach mit dem Smartphone scannen und schon solle die ganze App erscheinen.

  • Gabriela 5. April 2022
    Antworten

    Dank für den Fachbegriff “tot-recherchiert”; diesen Sachverhalt gibt’s auch in anderen beruflichen Kontexten – leider.
    Alles Gute für die Rehkitzrettung!

  • Hannah 5. April 2022
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    Nein, wir fragen nicht. Aber manchmal klappen wir behutsam den Rechner zu und sind in Gedanken bei Ihnen.

  • Hauptschulblues 5. April 2022
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    Das Hündchen – wie traurig.

  • Birgit 6. April 2022
    Antworten

    Ich lese hier still seit einer Weile mit und gerade die Bemerkungen über Ihren Hund haben mich immer an meine Hündin erinnert. Vor gut 3 Jahren habe ich mich auch entschlossen, sie gehen zu lassen und es ist eine Sorge, die für Sie wichtig ist und das darf sie auch sein, egal was sonst passiert. Es ist hart, es tut weh. Schicksal aller Hundebesitzerinnen. Viel Kraft wünsche ich Ihnen.

  • Barbara 6. April 2022
    Antworten

    Ach, liebe Friederike, das tut mir sehr leid, dass du von dem alten Hündchen Abschied nehmen musst. Ich denke an dich und fühle mit dir.

  • Siewurdengelesen 6. April 2022
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    Ihrem Hündchen wünsche ich einen leichten Weg über die Regenbogenbrücke!

    Im Herzen und in der Erinnerung lebt es weiter.

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