Ja, ja, ich weiß, aber ich bin eben leider immer wieder dumm genug, mich auf rudimentäre Wanderwegbeschreibungen aus diesem Internetz zu verlassen und laufe ohne Karte und Kompass los. Ich nutze bisher auch keine App zum Wandern, ich bin da etwas altmodisch. Also, ich war es bisher, aber ich komme wohl nicht drumherum. Jedenfalls hat das auch diesmal nicht geklappt mit der rudimentären Wanderwegbeschreibung, ich verlaufe mich mehrfach, fluche im Unterholz und bekomme schlechte Laune.

Normalerweise bekomme ich sowieso schon schlechte Laune, wenn ich auf zehn Kilometer mehr als einen anderen Menschen im Wald treffe, diesmal bin ich froh drum, es ist geradezu dichter Wanderer-Verkehr, und alle frage ich dasselbe: Wo denn bloß das in der Wanderwegbeschreibung versprochene Keltengrab sei? Keiner weiß es, alle gucken ratlos. Dabei kann es tatsächlich gar nicht weit sein, soviel weiß ich immerhin. Ein Spaziergänger mit Hund betont Natürlich kenne ich mich hier aus, ich bin ja von hier! Na, also, dann weiß er sicher, wo das Keltengrab – ? Nein, weiß er auch nicht. Nie gehört, das muß was Neues sein.

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Wenn mal wieder jemand behauptet, auf dem Lande, da sei ja nix los: Glauben Sie ihm nicht. Man kommt zu nix, so viel war los. Ein Jahrhundertspiel auf dem klitzekleinen Sportgelände im Nachbardorf, der SV Wagenschwend gegen den SV Waldhof, die Amateure vom Dorf gegen die gut bezahlten Profis aus der großen Stadt. Badischer Fußball-Pokal. Ich gehe davon aus, die Mannheimer reisten an in der Erwartung, dass das Spiel bereits nach ca zehn Minuten entschieden sein würde, und dass es am Ende 12 : 0 für sie stehen würde, mindestens. Dass auch die Organisation beim Dorfverein etwas provinziell sein würde, naja, Sie wissen schon.

Um es kurz zu machen: Die Mannheimer Profis haben am Ende schön dumm aus der Wäsche geguckt, sie haben zwar gewonnen, aber mit Mühe, und nur 2:0. Als es in der Halbzeitpause immernoch 0:0 steht und ein Mannheimer Funktionär ins Mikrophon spricht, man hoffe, dass das Ergebnis am Ende für die Wagenschwender noch irgendwie erträglich sei, hätte man ihn gerne kurz geschüttelt.

Es gibt kein Chaos bei der An- und Abfahrt, es sind genug Parkplätze da, Toilettenhäuschen, vier große Stände mit Bier und Bratwurst, ordentliche Internetverbindung für den Waldhof-Livestream und nahezu 2000 glückliche Fußball-Fans. (Wobei die Mannheimer Fans so glücklich nicht waren, aber naja, Schwamm drüber.) Man staunt. Also, wir staunen nicht, wir hatten eigentlich nichts anderes erwartet. Auf das ehrenamtliche odenwälder Engagement ist halt Verlaß.

Die Mannheimer sind jedenfalls wieder heimgefahren mit einem etwas mühselig erkämpften Sieg im Gepäck, und die Wagenschwender haben gefeiert, bis in den nächsten Morgen hinein.

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Im kleinen Dorfmuseum haben wir die Museums-Saison eröffnet, mit Führungen und Museum-Café und allem PiPaPo, ein paar Leute haben ehrenamtlich Musik gemacht, und unser ehrenamtliches Café-Team kam überhaupt nicht hinterher im Service und beim Geschirrspülen, und überhaupt war das alles ziemlich großartig. Nach nur drei Stunden hatten wir 700 Euro Spenden für das Deutsche Rote Kreuz und seine Arbeit für die Ukraine-Flüchtlinge zusammen, unsere Gäste sind nämlich auch ziemlich großartig.

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Die Freundin hat einen Rehrücken, frisch vom Schuß, gekauft. Beim Zahnarzt. Das Angebot Frisches Wildfleisch! hängt da zwischen der freundlichen Einladung zur Parodontose-Prophylaxe und einem Plakat zur Sinnhaftigkeit von Implantaten. Das ist jetzt eigentlich nichts so sehr Besonderes, ich kenne das von meinem Zahnarzt auch, der legte mir vor einiger Zeit einen Hirschkalb-Braten in den Schoß, während ich nur Hrmpfgrmpfgrpmf machen konnte, wegen der zahlreichen Instrumente in meinem Mund. Sie hatten doch gesagt, Sie wollten mal Hirsch-Kalb, oder? Ja, hatte ich gesagt, und machte also Hrmpfgrmpfgrpmf. So kamen wir ins Geschäft, der Zahnarzt und ich.

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Im Übrigen haben wir heute Vormittag frisch geschlachtete Hühner durch die Gegend gefahren.

Und sonst so? Gearbeitet habe ich. Irgendwer muß ja das viele Geld für Hühner-, Hunde- und Katzenfutter verdienen.

#AusDemLebenEinerRegionalReporterin
Oh, liiiiebe Zeit, im Odenwald ist doch nichts los!
Womit um alles in der Welt beschäftigt man sich denn da so als rasende Reporterin?

Ich habe einen Mann getroffen, der bei Freund Hein schon auf der Schippe saß, aber sowas von. Den aber zwei mutige Ersthelfer und ein Defibrillator zurück ins Leben geholt haben. Eine durchaus bewegende Geschichte, die letzten Endes dazu geführt hat, dass der Landkreis heute zu den Regionen in Deutschland gehört, die am besten mit Defis ausgestattet sind. Dafür hats neulich sogar einen renommierten Preis gegeben. Falls Sie also vorhaben, mal irgendwo mit Kammerflimmern oder sowas umzukippen, machen Sie das am besten hier in der Gegend, da stehen die Überlebenschancen ziemlich gut.

Einen freundlichen Herrn habe ich in auf einem Faulturm in einem Klärwerk interviewt, das sind ja auch so Orte, wo man sonst eher nicht hinkommt. Der macht aus Scheiße Gold, wir müssen es in dieser Deutlichkeit sagen, wollen an dieser Stelle aber noch nicht mehr verraten. Vom Faulturm ging es zum einem feierlichen Spatenstich mit Ministern und Regierungspräsidentin und Landräten und Bürgermeistern, bei so einem fliegenden Wechsel muß unsereiner dann nur aufpassen, dass man die Klärwerks-Klamotte noch schnell gegen Spatenstich- und Ministerklamotte wechselt und hoffentlich geruchstechnisch halbwegs neutral rüberkommt. Der Spatenstich war übrigens am legendären Ganztagesgymnasium in Osterburken, das gibt es seit Ende der Sechziger, damals wusste in ganz Deutschland noch kein Mensch, was ein Ganztagesgymnasium sein soll, und das ganze Ganztagskonzept dahinter ist wirklich höchst spannend; wenn Sie sich für Schulfragen interessieren, sollten Sie da mal googlen.

Mit der Frühjahrstagung der Agrarministerkonferenz musste ich mich noch befassen, mit einem ollen Kino, das seit mehr als zehn Jahren leer herumsteht, und mit den Vergaberichtlinien für Neubaugebiete. Ausserdem mit dem ÖPNV auf der Schiene, es gibt ja hierzulande eher wenig ÖPNV und eher wenige Schienen, aber eben doch das eine oder andere vielversprechende Projekt. Und dann gab es noch einen größeren Polizeieinsatz an einer Schule, irgendwelche jugendlichen Hirnis beteiligen sich an irgendwelchen hirni-Aktionen bei TikTok, und ich frage mich dann doch manchmal, wie dumm man eigentlich sein muß, naja, Sie wissen schon.

7 Kommentare zu “Landleben halt.”

  1. ……ei wu is’es dann, des Odewälder Keltegrab? Ich hätt’s auch gerne gewusst und besucht!

    Aber das mit dem Rehrücken, frisch vom Schuss? Rehe haben vom 01.02..bi 30.04.. Schonzeit!!
    Der Hirschkalbbraten kann vom Januar sein, Jagdzeit bis 31.1..
    Trotzdem Waidmannsheil und GUTEN APPETIT

    1. Mein Hirschkalb ist lange her, und der Rehrücken wohl auch schon, sie erzählte es nur jetzt erst. Und das Keltengrab ist irgendwo bei Hettingen.

  2. Ich fand die Kommentare der Mannheimer Reporter grenzwertig,so von oben herab.Manchmal hatte ich den Eindruck, dass die unsere Freizeitkicker nicht würdigen und zu arg mit den bezahlten Mannheimer vergleichen.

    1. Ich habe den Minister Hauk nur vorab befragt, weiss also noch gar nicht, was die beschlossen haben.

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