Urlaubsmodus.

4. November 2021

Ich bin seit zweieinhalb Wochen im Urlaubsmodus, es war still auf diesem Blog, und die ersten Leserinnen und Leser haben schon per Mail nachgefragt, ob alles in Ordnung sei. Ich bin gerührt. Ja, alles in bester Ordnung, Urlaub halt, Erholung tat not. Tut immer noch not, ich sehe nach zweieinhalb Wochen Urlaub aus wie jemand, der dringend mal Urlaub bräuchte, die Augenringe hängen immernoch so tief, dass man drüber stolpern könnte. Vielleicht hat diese ganze Pandemie doch mehr Spuren hinterlassen, als ich mir so eingestehen möchte, da reichen eben neun Tage in einem Ferienhaus in den Vogesen nicht aus, die erste Reise seit zwei Jahren im Übrigen. Naja, Sie wissen schon.

Jetzt noch viermal schlafen, dann ist wieder Arbeitsalltag, hmhm, also dann. Falls Sie bis dahin meine Kreativität und meinen Arbeitseifer irgendwo finden, bittesehr, Anruf genügt, ich hole beides dann gegebenenfalls irgendwo ab, wie so einen entlaufenen Köter.

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Ein bißchen kreativ war ich im Urlaub aber doch, ich habe für das kleine Museum im Nachbardorf einen Newsletter geschrieben, ja, da staunen Sie. Wir starten da ja jetzt durch, in eine Museumszukunft 2.0 sozusagen, falls Sie den Newsletter mal lesen wollen, bitte (Klick!) hier entlang, und wenn Sie in den Verteiler aufgenommen werden wollen, einfach mir bescheid geben. Eine Beitrittserklärung für den Museumsverein finden Sie (Klick!) hier auf unserer Website, ganz unten, das war jetzt ein dezenter kleiner Werbeblock, unbezahlt, versteht sich.

Im Übrigen macht uns ein guter Bekannter im Dorf auf einen typisch großstädtischen Denkfehler aufmerksam, dankenswerterweise. Wenn wir ein bißchen enttäuscht sind, weil der Museumsverein nur rund 50 Mitglieder hat, dann mag das auf den ersten Blick nachvollziehbar sein, weil 50 eben nicht so irre viel klingt. Wenn wir das jetzt aber mal ins Verhältnis zur Einwohnerzahl setzen, dann stellt sich plötzlich heraus, dass im kleinen Nachbardorf zehn Prozent aller Einwohner Museumsvereinsmitgllied sind, also bitte. Umgerechnet auf eine Stadt wie Mannheim hieße das wiederum, es müssten hier rund 34.000 Menschen Mitglied beim entsprechenden Trägerverein zum Beispiel der Mannheimer Kunsthalle sein. Muß man nichts weiter zu sagen, oder. Solche Vergleiche lohnen sich mitunter, Sie merken das selber, nehme ich an.

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Am hellichten Tag und bei strömendem Regen ist gestern ein junger Fremder zu Fuß im Dorf unterwegs, und als wäre das nicht weißgott schon merkwürdig genug, fährt plötzlich ein Streifenwagen vorbei, hält an, zwei Beamte steigen aus und kontrollieren den Jüngling aufwändig, lassen ihn dann aber ziehen. Wir beobachten das natürlich alles unauffällig vom Fenster aus und haben nun Gesprächsstoff für mindestens eine Woche.

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Die zwei kreiseigenen Krankenhäuser melden schon wieder halbwegs volle Intensivstationen, es gibt wieder Corona-Todesfälle, gestern alleine drei, und ich bin vieles an all diesen Geschichten langsam leid.

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Ich esse zwischendurch ein Käsebrot. Das wäre an und für sich jetzt noch nicht wirklich berichtenswert, aber den Käse – so einen richtigen dicken fetten Stinkekäse – hat mir die Freundin von ihrem Ausflug auf eine Schweizer Alm mitgebracht. Dort hütet und versorgt ihre Nichte in der schneefreien Saison auf gefühlt 8000 Metern Höhe 200 Ziegen, um sie herum nur Berge und Himmel und alle drei bis fünf Tage mal menschlicher Kontakt. Ich finde, das klingt ausgesprochen reizvoll, aber am meisten beneide ich die junge Frau, wenn sie abends in der guten Stube Musik im Radio hört. Immer zur vollen Stunde, zu den Weltnachrichten, beugt sie sich dann zu dem alten klapprigen Radio hinüber, (so stelle ich mir den Apparat jedenfalls vor: alt und klapprig) und dreht dem Nachrichtensprecher für fünf Minuten den Saft ab. Hach. Das wärs.

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Der Nebel hängt tief, es nieselt, die Laubwälder rund ums Dorf leuchten umso satter. Heute früh war ich am Katzenbuckel unterwegs, ein bißchen mit dem Händi rumknipsen, mutterseelenallein, kein Mensch geht bei diesem Wetter raus. Ein Fehler, wenn Sie mich fragen. Aber mich fragt ja wieder keiner.

  • 5 Kommentare
  • Rosi 4. November 2021
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    tolle Bilder..
    sogar mit einer Riesenschlange im Wald ;)
    na vielleicht wirkt der Urlaub ja noch etwas nach ..
    vor allem wenn man in einen so stillen Wald kann
    ja.. es fällt schon auf dass “Fremde” wohl öfter kontolliert werden
    dabei ist die Straße ja wohl für alle da..
    muss man sich nichts bei denken .. ??

    liebe Grüße
    Rosi

  • Annette 4. November 2021
    Antworten

    I remember: Zu dieser Jahreszeit ist der Odenwald am allerschönsten, weil die leicht depressiv-melancholische Stimmung, die ihn auch sonst umgibt, in den Novembernebelschwaden endlich ihre Berechtigung hat.

  • Alexandra 4. November 2021
    Antworten

    Aus Gründen, die hier nicht hingehören, friere ich dieser Tage mehr als zu vergleichbaren Zeiten in den Vorjahren. Entsprechend eingemummelt favorisiere ich aber noch immer nasse Nebelnovemberwälder … ja, die Stille! Das Tropfengeräusch …

    Der Prozentaspekt ist toll – ich rechne direkt mal mit der Einwohnerzahl der Stadt und der Mitgliedergruppe meines Freundeskreises vom bald 100 Jahre alten Naturfreibad herum! Danke!

    Dorfleben – eine Freundin verkaufte Mirabellen vom eigenen Baum an der Straße zu ihrem Hof. Die Besatzung eines Streifenwagens hatte Lust auf das Obst, hielt quer vor der Zufahrt und schaltetedas Blaulicht auf dem Dach zur Gaudi des kleinsten Nachbarn kurz ein.

    Die aus diesem Szenario entstandenen Gerüchte waren … irre.

  • Steidl Herta 5. November 2021
    Antworten

    Seltsam im Nebel zu wandern!
    Einsam ist jeder Busch und Stein.
    Kein Baum sieht den andern,
    Jeder ist allein. …. Hermann Hesse

  • Juliane 5. November 2021
    Antworten

    Schön wieder von Ihnen zu lesen! Wunderbare, stimmungsvolle Fotos.
    Liebe Grüße, Juliane

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