wmdedgt.

5. Juni 2021

Was machst Du eigentlich den ganzen Tag, kurz wmdedgt, das will heute wieder die freundliche Nachbarbloggerin wissen. Wie immer an jedem Fünften eines Monats. Ja, was mache ich denn wohl an einem Samstag, als selbsternannte Landpomeranze? Ich bitte Sie: Ich schaffe was. Macht man hier so. Glaube ich. Stehe schon um 6 Uhr auf, um den Brotteig ein letztes Mal zu kneten und nochmal ruhen zu lassen, und schiebe ihn um 7 Uhr früh in den Ofen.

Ich bedaure ein bißchen, dass Brotbacken vergleichsweise wenig Lärm verursacht, denn eigentlich ist es ja so Sitte auf dem Lande, beim Schaffen möglichst viel Krach zu erzeugen, als Beweis, dass man auch wirklich etwas schafft. Wir denken deswegen schon länger über die Anschaffung einer Motorsense nach, so ein richtig fies kreischendes Ding, mit dem man stundenlang im Garten herumschlendern könnte, ohne Plan und Ziel, am besten kurz nach Sonnenaufgang. Ich glaube, das würde uns wirklich Respekt verschaffen bei den Nachbarn, naja, Sie wissen schon.

Um 7 Uhr 30 ist das Brot fertig, und wir können zum nächsten Tagesordnungspunkt übergehen: Einkaufen am Samstag früh. Ich sehe mich im Geiste schon vor dem noch geschlossenen Supermarkt Schlange stehen wie so Rentner, aber leider hat der Laden bereits auf und ist schon gut gefüllt. Mein Geo wirft sich ins Getümmel, ich warte. Das Privileg der Ungeimpften. Neben meinem Auto treffen sich zwei ältere Frauen, Ach, Gott, hawwe mir uns lang net g’sehe!, ruft die eine quer über die parkenden Auto, Bisch‘ scho g’impft? fragt die andere lauthals zurück. Was man halt so fragt, wenn man sich monatelang nicht gesehen hat.

Danach der Klassiker an einem Samstag auf dem Lande: Raiffeisen. Das KaDeWe der Landfrau, oder KaDePe, Kaufhaus der Provinz. Ich könnte schon wieder schwach werden, die Ferkelzangen und die Litzen für Elektrozäune lachen mich an, die Weckgläser, die Baumnetze, die Schaufeln, Spaten, Besen, die Gummistiefel, die Rasensamen Berliner Tiergarten und das Patentkali, was immer das sein mag, die blauen Latzhosen und die Hüte Modell Erich Honecker, all das ruft und streckt die Arme nach mir aus und möchte mitgenommen werden.

Nur meiner eisernen preußischen Disziplin ist es zu verdanken, dass ich stark bleibe und nur kaufe, was ich wirklich brauche. Hühnerkörnerfutter. Und Kükenalleinkorn. Die offizielle Raiffeisenabkürzung für Kükenalleinkorn steht groß auf der Verpackung, KAK, und ich bin nicht sicher, ob das wirklich schmecken kann. Tut es, versichert die freundliche Raiffeisenverkäuferin, man darf die Abkürzung halt nur nicht allzu wörtlich nehmen.

Noch in die Gärtnerei unseres Vertrauens, dann wieder nach Hause. Nicht mal 10 Uhr ist es da. Es müssten noch Fenster geputzt werden, aber nachdem das auch keinen Lärm macht, verzichte ich darauf. Um 11 Uhr 30 heulen kurz die Sirenen im Dorf, wie an jedem ersten Samstag eines Monates, und wir läuten das Wochenende ein.

Mit dem geliehenen superduper-Klapprad zu Testzwecken in den Wald, der Hund läuft nebenher, als habe er sein Leben lang nichts anderes getan, und wir erobern uns ganz neue Strecken vor der Haustür. Zwischendurch trinkt Frau Lieselotte gierig aus einer riesigen Pfütze am Wegesrand, und erst hinterher bemerke ich, dass die ganze Pfütze in Bewegung ist, ein überfüllter Kaulquappen-Wellness-Bereich, offenbar ohne pandemiebedingte Hygienevorschriften. Lieselottes Auftrittt verwandelt das Wellnessparadies kurzeitig in ein Wellnesswellenbad, und die Kaulquappen wundern sich.

Ich wundere mich auch, denn auf den nächsten paar Metern macht der Hund merkwürdige Geräusche aus dem Halse, vielleicht haben sich da versehentlich Kaulquappen irgendwie in der Speiseröhre verklemmt. Das kommt davon, wenn man allzu gierig trinkt, ich sage das auch meinem Geo immer wieder, aber auf mich hört ja niemand.

Nochmal checken, wie das mit dem Impftermin morgen ist. Im System ist er hinterlegt, die versprochene Bestätigungs-Mail ist auch nach zwei Tagen immer noch nicht da, das kann ein bißchen dauern, hat die freundliche Madame vorgestern am Impftermintelefon gesagt, das klappt nicht immer richtig. Als wäre die Pandemie alleine nicht schon schlimm genug, dazu noch all diese moderne Technik, herrjeh, alles Neuland, ja, das muß man erstmal üben. Vielleicht kommt die Bestätigung erst nach dem Impftermin, das kann ja sein. Es gibt ja auch Corona-Test-Zentren, die stellen einem das (negative, logo) Testergebnis zur Verfügung, bevor man überhaupt getestet wurde, oh wundersame Zauberei, man muß das alles nicht verstehen.

Zur Mittagszeit liegt mein Geo auf dem Sofa und schnarcht laut und vernehmlich. Ich habe mehrfach versucht, ihm zu erklären, dass man hierzulande beim Schaffen Krach machen muß, nicht beim Schlafen, aber irgendwas hat er da mißverstanden, schaffen und schlafen, das klingt ähnlich, das kann man schon mal verwechseln.

Zum Kaffee zur Freundin ins Nachbardorf. Die ausgeliehenen Heftchen des Breubergbundes zurückbringen, die maximal unerotisch daherkommen, aber durchaus lesenswert und lehrreich sind, wenn man sich für Regionalgeschichte interessiert. Im Gegenzug den verliehenen Odenwald-Krimi wieder mit nach Hause nehmen; Sie merken, das geht hier alles sehr lokalpatriotisch zu, im literarisch-pädagogischen Sinne, ländliches Bildungsbürgertum und so. Und die schwarze Katze streicheln, ihr Schnurren müssten Sie eigentlich bis ins Rhein-Main-Gebiet gehört haben, dezibelmäßig macht sie jedem Odenwälder Regionalexpress Konkurrenz.

Den Rest des Tages verbringen wir damit, in den Himmel und auf Wolken zu starren. Gießen? Oder nicht gießen? Regen? Oder kein Regen? Es bleibt spannend. Sobald wir gießen, gibt es Regen. Und umgekehrt. Wie die Sache mit dem Regenschirm. Wenn man den dabeihat, regnets garantiert nicht, Sie kennen das Phänomen.

Und in den Himmel und die Wolken starren, ist immernoch sinnvoller als in den Rechner und die Nachrichten. Da kann man derzeit nur verzweifeln, da hilft auch die schönste Odenwälder Landidylle nicht.

Und zum Abschluß des Tages doch nochmal was schaffen: Hühner und Küken füttern, mit KAK und so, und Abendessen kochen.

Kommen Sie gut in den Sonntag.

  • 7 Kommentare
  • Juliane 5. Juni 2021
    Antworten

    Vielen Dank für diesen Beitrag, ich hab mich köstlich amüsiert!

  • Gabriela 5. Juni 2021
    Antworten

    Die hohe Kunst des Brotbackens: Ein Gesicht, odenwälder Art!

  • Britta Noack 5. Juni 2021
    Antworten

    Zitronen-Basilikum-WAS?
    Hat etwa der arme Rüdiger etwas damit zu tun?

    • LandLebenBlog 5. Juni 2021
      Antworten

      Aber nicht doch! Wir essen keine eigenen Hühner, prinzipiell nicht. :)

  • Hauptschulblues 5. Juni 2021
    Antworten

    Habe auch heute Brotteig angesetzt, gebacken wird aber erst morgen.

  • N. Aunyn 5. Juni 2021
    Antworten

    M-o-t-o-r-s-e-n-s-e und K-a-d-e-w-e der Provinz – you made my day. Erholsamen Sonntag.

  • Siewurdengelesen 6. Juni 2021
    Antworten

    Motorsense?

    Unbedingt!

    Wir haben unsere Nachbarn bereits nach ihren Arbeitsgeräten klassifiziert.

    Da gibt es den Rasenmähermann mit Laseralarm, sobald die Halme eine bestimmte Länge überschreiten und dann wird aufgesessen auf dem Traktor. Die Feinheiten am Wegesrand und Hecke werden dann – natürlich – mit benzingetriebenen Aggregaten und dem Lautstärkepegel eines Flughafens „erledigt“. Zum Glück hat dieser Nachbar inzwischen auch erkannt, dass Gras umhacken im Schnee Käse ist, lässt den Insekten zuliebe seine Wiese jetzt im Frühjahr bis zum Ausblühen stehen und mäht generell seltener. Hat etwas gedauert…;-)

    Dann gibt es den Baulöwen, der für seine 400m² Gartenparadies mit simuliertem Quakbrunnen das Euqipment einer Ölbohrung auffährt und berufsbedingt mit Vorliebe von Freitag nachmittags bis über den gesamten Sonnabend schachtet. Inzwischen krönt den Gartenteich ein Pleitegeier, der wahrscheinlich einen Weisskopfseeadler imitieren soll?!

    Im dritten Eck werkelt ebenfalls bevorzugt Sonnabend vormittags ein anscheinend schwerhöriger Nebenerwerbsbauer herum, der ab dem ersten Sonnenstrahl seinen Trecker mit Hydraulikspalter betreibt. Die dabei entstehenden Megazündhölzer werden dann mit kühnem Schwung und interessanter Wurftechnik über den halben Hof erst in eine Schubkarre verfrachtet und dann per Blechrutsche in den Keller. Angesichts der Mengen und des Regelmässigen, mit der das geschieht, nehme ich an, dass das Zeug hinten wieder herauswächst und um die Hütte geschleift wird, um den Prozess neuerlich zu beginnen. In einem relativ geschlossenen Dreiseithof kann man sich dafür sogar den Verstärker sparen.

    Ich liebe diese Ruhe auf dem Lande…

    …zum Glück haben wir nur einen Kater. Der hat es mit dem Trinken eh nicht so, sondern dem muss man Wasser unter´s Futter rühren und bei richtiger Hitze schlabbert er auch mal am Regenfass oder besser dem Eimer darunter.

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