Ja, ist es denn zu glauben, nach all den Jahren gibt es immer noch Sehenswürdigkeiten in der direkten Nachbarschaft, die ich nicht kenne. Unfassbar, alles. Auf den Tipp eines Freundes hin bin ich also heute mal einen traditionell äußerst unbeliebten Weg gegangen, also zumindest aus Sicht der seinerzeit Betroffenen unbeliebt, viele hatten für den Weg und das Ziel nämlich ein sogenanntes oder one-way-ticket, also Hinweg ja, Rückweg dann eher nein. Besser gesagt: aufm Hinweg lebendig, aufm Rückweg mausetot.

Der Mudauer Galgen war seit Zwölfhundertlangsam in Betrieb, und zu jeder Hinrichtung gab es hier oben eine Art Volksfest, die Leute hatten seinerzeit offenbar eine etwas andere Vorstellung von Freizeitvergnügen als wir heutzutage, naja, Sie wissen schon. Jedenfalls kann man dazu allerlei im Inter-Netz nachlesen, auch hier bei (Klick) dem entsprechenden Wikidingsbums-Artikel, das ist wirklich interessant und der Mudauer Galgen tatsächlich etwas ganz besonderes.

Wenn Sie einen QR-Code-Scanner aufm smartphone haben: Klappt! Und Sie landen bei noch mehr Infos zum Galgen.

Der Letzte, der hier im Jahr 1760 hingerichtet wurde, der hatte ein Huhn gestohlen, und das erzählt ja auch schon einiges über die Lebensumstände in der Region seinerzeit, jedenfalls lege ich Ihnen den Mudauer Galgen als Ausflugsziel mal dringend ans Herz, ich bin einen sehr schönen Rundweg gelaufen und kann Ihnen die Ecke also empfehlen. Mögliche Routen finden Sie auf jeder vernünftigen Wanderkarte oder im Internet.

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Ich gestehe, ich habe mich auch heute, einsam im tiefen Wald, ein paarmal umgedreht, um mich zu vergewissern, dass da nicht plötzlich ein Wolf steht. Hysterischer Verfolgungswahn oder sinnvolle Umsicht, ach, was weiß denn ich. Jedenfalls ist die mutmaßliche Wolfswurst, die ich dieser Tage an unerwarteter Stelle aufgesammelt habe, inzwischen in eine konservierende Flüssigkeit eingelegt und auf dem Postweg in ein Labor. Ich weiß nicht, ob die da auf Wolfswürste spezialisiert sind, jedenfalls werden sie am Ende definitiv sagen können, ob es sich tatsächlich um eine Wolfswurst handelt und vielleicht sogar eine DNA ermitteln können. Dann wüsste man sogar, aus wessen Hinterteil diese Wurst herausgekommen ist, und ob das ein bereits bekanntes oder ein neu hinzugekommenes Hinterteil ist. Bis es da ein Ergebnis gibt, werde ich sie mit derlei appetitanregenden Themen aus der vermeintlichen Provinz nicht mehr behellligen, versprochen.

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A propos Provinz: Da parke ich doch dieser Tage mein Auto an einem etwas abgelegenen Friedhof, um mit dem Hund eine Feierabendwanderung zu machen, ein paar Leute auf dem Friedhof gucken komisch, aber ich denke mir nichts dabei und wandere also los über Feld und Flur, vorbei an blühenden Feldern und durch maigrüne Wälder.

Und wie ich nach anderthalb Stunden wieder an den Parkplatz komme und alle Leute und alle anderen Autos schon längst fort sind, hängt doch da ein Zettel an meiner Windschutzscheibe, und ich kriege sooooo einen dicken Hals und denke so bei mir Boah ey, jetzt nicht noch irgendein Strafzettel oder irgendein vorwurfsvoller Hinweis, wie ich denn bloß zum Wandern an einem Friedhof parken kann, und mein Tag war eh so doof, das fehlt mir grade noch!, so ein Mist, alle bekloppt hier oder was? und ich rupfe den Zettel also mißmutig unter dem Scheibenwischer hervor, und da entpuppt er sich als der rührend-freundliche Dankesbrief einer offenbar begeisterten Blogleserin, die mein Auto identifiziert hat und nun also mal ein paar sehr liebe Komplimente loswerden wollte, ja gibts denn sowas? Hach! Danke! Das hat mir dann doch den Tag gerettet, aber sowas von.

Ein Kommentar zu “Dies und das”

  1. Von wegen Provinz, sogar ein Galgen kann besichtigt werden. Welche Großstadt kann das bieten .
    Wünsche einen ruhigen Sonntag Tine

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