Dies und Das.

11. Februar 2021

Ein bißchen durch die Gegend gewandert, mit Hund und Karte. Das versunkene (Klick!) Dorf Galmbach besucht und kurz bestaunt, dann weiter auf dem kleinen (Klick!) Rundweg. Bloß nicht zu lange stehen bleiben bei minus 10 Grad. Aber wenn man zwei Pullis und drei Jacken übereinander anhat, dazu zwei Hosen, eine davon winddicht, Schal, Mütze, Handschuhe, – dann gehts eigentlich.

Zu Berliner Zeiten wäre ich so im Traum nicht auf die Straße gegangen, lieber wäre ich erfroren, als mich so in aller Öffentlichkeit zu zeigen, aber erstens bin ich inzwischen etwas älter und weiser, und zweitens lebe ich schließlich auf dem Lande. Wer hier ernstgenommen werden will, muß wetterfest sein und definitiv auch so aussehen.

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Nein, es geht schon lange nicht mehr, jammert die 86jährige Tante gestern in Berlin ins Telefon. Die sibirische Kälte dort, weit östlich von uns, die ist ihr wumpe, aber die Haare, die Haare! Eine Frisur kann man das ja nicht mehr nennen! Also bestelle ich ihr online einen Frisörtermin bei ihrem Berliner Lieblingsfrisör, für den ersten März, mal auf gut Glück. Da hat die Bundesregierung noch gar nichts beschlossen, aber wir schaffen jetzt einfach mal Fakten. Dem beugt sich am Nachmittag auch die Regierung, der Frisör bestätigt der Tante telefonisch den Termin, geht klar, Sie sind doch eine meiner Lieblingskundinnen, und jetzt ist sie selig. Ich habe mir quasi den Goldenen Frisörtermin am Bande verdient in ihren Augen, und dieses Internetz ist ja doch nicht nur unnütz, flötet sie ins Telefon. So gesehen habe ich alles erreicht, was man bei ihr erreichen kann. Und das vom Odenwald aus, ja, da staunen Sie. Die Berliner Tante staunt auch.

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A propos Berliner. Berliner werden jetzt wohl zuerst geimpft. Zumindest im Odenwald. Wenn ich das richtig verstanden habe, was mir die Frau Wittemann vom gleichnamigen Cafe in Buchen da erzählt hat. Bloß den Impfstoff kann man sich hier auch nicht aussuchen, Irish-cream, und ich weiß nicht, ob der auch gegen die Mutationen hillft.

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Mein Geo jammert, seit Wochen. Nicht wegen Corona, wo denken Sie hin?, eine blöde Pandemie wird ihn doch nicht aus der Fassung bringen, nein, wegen der Hühnereier. Also, wegen dem Hühner-Eier-Streik. Kein Ei weit und breit, die Leere in den Legenestern starrt uns täglich an, seit Monaten geht das so, treue Leser haben das Drama bereits mitverfolgt. Ich würde ja Eier zukaufen, aber das geht gegen Geos Hühnerhalter-Ehre, wir hatten deswegen schon ehestreit-ähnliche Auseinandersetzungen. Wir leben also seit Monaten eier-los, das kann ja auch nicht gesund sein, und ich träume nachts von fett-triefenden Spiegeleiern und gigantischen Portionen Rührei.

Um mir heimlich Eier zukommen zu lassen, heckt der hühnerhaltende Freund aus dem Nachbardorf einen perfiden Plan aus: In einem unbeobachteten Moment schleicht er in unseren Hühnerstall und legt dort Eier seiner Hühner in unsere Legenester, – mehr Eier, als wir überhaupt Hühner haben, er übertreibt es ein bißchen, aber er meint es ja nur gut in seiner Sorge um meine Ernährung. Seine Fußstapfen im Schnee verwischt er hinterher mit dem Schneeschieber, richtig Indianer-mäßig. (Ich weiß nicht, ob es in Indianerfilmen jemals Schnee gab, aber naja, Sie wissen schon.)

Statt der seit Monaten andauernden gähnenden Leere findet mein Geo also am Nachmittag prallgefüllte Legenester vor, die Eier stapeln sich förmlich, die Böden der Legenester biegen sich unter der Last, braune, weiße, große, kleine Eier, Ein Wunder ist geschehen! ruft der Gatte schnappatmend und mit Eier-Zeichen in den Augen, und am Anfang ist er nicht ganz sicher, ob er vielleicht eine Halluzination hat, eine Art Eier-Mangelerscheinung. Aber nein, tatsächlich, alles voller Eier. Beim Durchzählen dämmert ihm was, Da haben Hühner mehrere Eier gelegt, wie kann das sein?, er zählt und zählt und schließt schlußendlich messerscharf Da will mich doch jemand vergackeiern!

Jedenfalls haben wir am Ende alle sehr herzlich gelacht, wir haben uns genau gesagt schier nicht mehr eingekriegt vor Lachen, es nahm geradezu hysterisch-fröhliche Züge an, so richtig mit Lachtränen und Gekicher und so, aber das ist ja auch mal ganz schön in diesen ansonsten so etwas humor-losen Zeiten.

  • 6 Kommentare
  • Gabriela 11. Februar 2021
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    Danke für die Humor-Spritze und liebe Grüße aus dem verschneiten Heidelberg — tatsächlich: Echter Schneee vom Himmel!!

  • Ulli 11. Februar 2021
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    Ich glaub eure Hühner sind SEHR gesund, früher legten die alle im Winter keine Eier. Während die Hühner des Freundes … nun, jetzt weiß ich ja auch nicht. Aber ich habe auch mitgelacht :-)
    Herzliche Grüße
    Ulli

    • LandLebenBlog 11. Februar 2021
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      Die Hühner des Freundes sind die glücklichsten und gesündesten Hühner weit und breit, sie sind offenbar einfach solidarischer ihren Menschen gegenüber und legen einfach schon wieder Eier. Unsere hingegen scheinen nicht zu wissen, was wir von ihnen erwarten.

    • Croco 13. Februar 2021
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      Wie nett, Wundereier! Sicher auch ein Ansporn fpr die Hühnerschaft.

  • Heidi 11. Februar 2021
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    Wieder wunderbar erheiternd und köstlich geschrieben. Ja, diese Leichtigkeit tut sooo gut! Vielen Dank und einen Dicken Drücker ausm Taubertal!

  • Eckhard 11. Februar 2021
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    Liebe Ulli….wenn meine Hühner nicht gesund wären…würden sie auch keine Eier legen…die fühlen sich so wohl das sie auch im Schnee draussen unterwegs sind und ihren Freilauf haben…zum Eier legen brauchen Hühner mind 12 Std Tageslicht..
    das hatten sie früher nicht…und ich behebe das mittels einer Zeitschaltuhr und einer kleinen 40 Watt Lampe…das reicht schon…meine Hühner legen Eier ohne Farbstoff…was viele Verbraucher nicht wissen wenn sie den gelben Dotter sehen…und bekommen natürliches Futter…mit kleinen Steinen für die Verdauung..
    Kalk für eine kräftige Schale…und grundsätzlich keine Chemie Produkte…ich würde sagen…gesünder und wohler kann man ein Huhn nicht halten…herzliche Grüße….

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