1.FC Huhn

13. Dezember 2020

Dieser Beitrag aus unserer beliebten Serie 1.FC Huhn für die Freunde des gepflegten Federviehs ist Rüdiger gewidmet. Rüdi, dem Junghahn. Rüdiger entwickelt sich langsam, aber sicher zu einem stolzen Hahn, mit richtig schönen Federn am Hinterteil, und ein kleines rotes Kämmchen ist auch schon zu sehen. Rüdi stolziert durchs matschige Gehege, als wäre er ein Cowboy oder ein selbstgewählter lonesome Rider, aber in Wirklichkeit kriegt er kein Bein auf den Boden. Die Hühner hassen ihn.

Alle miteinander jagen sie ihn quer durchs Gelände; die dicken schwarzen, weißen und schwarz-weißen Wuchtbrummen werden zu wahren Überschallgeschwindigkeits-Raketen, wenn er nur ihren Weg kreuzt. Sie schnappen ihm das Futter vor der Nase weg und stellen ihm Beine. Und wenn er dann mit einer Mischung aus Schreien und Piepsen auf die Fresse den Schnabel fällt, machen sie einen auf Unschuldslamm. Ich??? Ich war das nicht!

Ich glaube, sie lachen manchmal sogar über ihn, heimlich, wenn niemand hinhört. Und wahrscheinlich werden sie sich die Bäuche vor Lachen halten, wenn er eines nicht mehr allzu fernen Tages versucht, wie ein echter Hahn zu krähen.

Es ist wirklich schlimm. Aber zur Ehrenrettung der Hühner dürfen wir eines nicht verschweigen: Rüdiger ist so dämlich, dass es kracht. Hübsch, aber saudumm. Ja, wir müssen das leider in dieser schonungslosen Deutlichkeit sagen. Die ersten Monate tat er keinen Schritt ohne Mutti, ein fiepsendes, weinerliches Muttersöhnchen, wie es im therapeutischen Lehrbuch steht, oh, liiiiebe Zeit, Sigmund Freud lässt grüßen. Aber selbst der Mutti ist es inzwischen zu dumm, sie hackt nach ihm, wenn er mal wieder versucht, sie zu Hilfe zu holen und zu petzen, wenn ein Huhn gemein zu ihm ist.

Stattdessen klebt Rüdi jetzt an seinen drei Schwestern, keinen Meter geht er ohne sie. Wenn ich das Gehege betrete, um Futter auszustreuen, und alle Hühner begeistert auf mich zueilen, rennt er komplett hysterisch davon, in unbestimmte Richtung, mit weit ausgestreckten Armen Flügeln und manchmal sogar fort von seinen Schwestern. Wahrscheinlich atmen die dann für einen kurzen Augenblick auf, bevor er sich nach Sekunden wieder press in ihre Mitte drängt.

Ich weiß nicht, was aus Rüdiger noch werden soll. Es macht uns ernsthaft Sorgen. So wird doch aus dem nie ein Mann. Ich werde mir das noch ein Weilchen angucken und dann mal einen Psychologen konsultieren müssen. Einen Geflügelpsychologen.

Ich halte Sie auf dem Laufenden.

  • 4 Kommentare
  • Gabi Binnig 13. Dezember 2020
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    Köstlich
    😅😘

  • Alexandra 14. Dezember 2020
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    Ich schätze, seine Tage als Teil dieser Schar sind ohnehin gezählt? Irgendwann wird er richtig krähen und Boden beanspruchen, das wird sein Vater doch nicht dulden …

  • Eckhard Bier 14. Dezember 2020
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    Sein Vater schaut mit Erstaunen auf Wolke 7 zu ihm herab…🙄🙄

  • Tine 3. Januar 2021
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    Köstlich , einfach zum Krähen 😀

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