Stadt ,Land, Sau.

11. September 2020

Es gibt ja immer mal wieder diese Zeitgenossen, die mich fragen, ob ich denn nicht bestimmt immer mal wieder Sehnsucht nach der großen Stadt hätte. Heimweh nach Berlin also sozusagen. Nee, hab ich nicht, ehrlich. Ich liebe das Leben im Einklang mit der Natur und den Jahreszeiten, die weite Flur, den finstren Tann undsoweiterundsoweiter, Naja, Sie wissen schon.

Und besonders liebe ich ja das friedliche Zusammenleben mit den Tieren des Waldes, diese Koexistenz von Mensch und wilder Kreatur, nicht wahr. Das Reh, das mich aus dem Unterholz beobachtet, der schimpfende Specht, die blöden Siebenschläfer in der Hütte am See, ja, sogar die mag ich im Grunde meines Herzens. Mit der offenkundigen Anwesenheit des Wolfes in der Gegend hier muß ich mich zugegebenermaßen noch anfreunden, aber das wird schon.

Manchmal stelle ich mich in der Abenddämmerung in sicherer Entfernung an eine Wildschwein-Suhle, also an eine dieser Matschwüsten im Wald, an denen die Viecher angeblich in ganzen Rotten auftauchen, um zu baden und zu wühlen. Das muß ein Schauspiel sein, und was gäbe ich darum, es mal zu erleben. Allein die Menge! Stellen Sie sich das vor: zehn, zwanzig, dreißig Wildsauen auf einmal, und das ganz nah! Unfassbar.

Allein, es hat noch nie geklappt, in zwanzig Jahren im tiefen Odenwald habe ich noch keinen einzigen Blick auf eine wirklich große Rotte Wildsauen erhaschen können.

(Hier müssen Sie sich jetzt eine kleine Kunstpause vorstellen)


Und jetzt sehe ich doch eben bei Twitter diesen Beitrag eines Herren aus – na, klar: Berlin. Lichterfelde, ok, aber eben doch Berlin.

(Sauerei, sowas, aber echt jetzt.)

Und jetzt weiß ich auch nicht.

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