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5. Februar 2020

An jedem Fünften eines Monates will die freundliche Nachbarbloggerin von uns wissen, was wir eigentlich den lieben langen Tag so machen, und diesmal bin ich gerne wieder mit dabei. Tagebuchbloggen, Naja, Sie wissen schon.

Das übliche Programm am Morgen: In stockfinstrer Nacht aufstehen, Kaffee trinken und danach die schnarchende Frau Lieselotte höflich bitten, ob sie nicht vielleicht...Nö, keine Lust, zu früh, zu kalt. Am Ende muss ich immer ein bisschen Gewalt liebevolle Konsequenz anwenden, um den Köter davon zu überzeugen, dass jetzt die passende Zeit für eine Morgenrunde wäre. Ich habe in meinem Leben noch immer ausschließlich Langschläfer-Hunde besessen, und letzten Endes ist das aber allemal besser als diese Viecher, die schon ab Fünf Uhr früh unter vollem Körper-, Schnauzen-, Pfoten- oder Krallen-Einsatz darauf hinweisen, dass ihnen jetzt langweilig ist und sie bitte gerne etwas Party machen würden, aber gefälligst sofort.

Auf dem Weg ins Büro nur knapp einer Katastrophe entgangen, weil irgendso ein Arschloch Vollidiot im fetten Audi meint, er könne auf der Bundesstraße bei hohem Tempo rasch mal überholen. Gegenverkehr? Papperlapapp, was schert uns der! Leider war ich der Gegenverkehr, aber es ist nochmal gut gegangen, dank Vollbremsung und Ausweichmanöver. Die Begriffe, die ich im anschließenden Adrenalin-Gewitter lautstark und fuchtelnd von mir gebe, sind leider nicht dazu angetan, hier zitiert zu werden.

Mit wilden Flüchen geht es weiter. Die Technik, die Technik. Ich kann Ihnen sagen. Falls Sie jemals mit dem Gedanken spielen, als rasende Reporterin mutterseelenallein in der vermeintlichen Provinz arbeiten zu wollen, gebe ich Ihnen einen wohlmeinenden Rat: Studieren Sie vorher Elektrotechnik. Oder Informatik oder wasweißich. Sie werden es brauchen.

Steck einfach mal ein freies Netzwerkkabel in den Port!, empfehlen die telefonisch zugeschalteten Technik-Kollegen aus dem fernen Funkhaus. Jahahahahaaaa, nichts leichter als das! Wo finde ich ein freies Netzwerkkabel, und wie sieht das überhaupt aus? Und what the hell ist ein Port? Ach, es ist kompliziert. Ich sehe nur Schnüre und Stecker und leuchtende Lämpchen, die mir irgendetwas sagen wollen.

Die wichtigsten Technikmodule sind dabei im winzigkleinen Büro so eingebaut, dass die preisgekrönte Journalistin mal auf allen Vieren, mal bäuchlings unter dem Schreibtisch durchkriechen und -krabbeln muss, um überhaupt an die entscheidenden Schnüre und Stecker heranzukommen. Leider ist die Journalistin nicht nur preisgekrönt, sondern auch bandscheibengeschädigt. Glücklicherweise ist die Bürotür schalldicht, so dass auch jetzt meine unchristlichen Flüche und nicht jugendfreien Verwünschungen unter uns bleiben. Am Ende war übrigens alles Gekrieche und Gekrabbel für die Katz, weil das Netzwerkkabel ganz woanders zu finden war. Ich sage es nochmal: Studieren Sie irgendwas Technisches, bevor Sie Regionalreporter werden.

Wie wir da also so mit vereinten Kräften herumfummeln, denke ich an Albert Einstein. Relativitätstheorie und so. Wenn Sie auf einer heißen Herdplatte sitzen, ist eine Stunde verdammt lang. Wenn Sie verliebt mit der neuen Freundin rummachen, ist eine Stunde reichlich kurz. Mir ist das durchaus einleuchtend. Was ich allerdings nicht verstehe, ist die Analogie zwischen dem verliebten Herumknutschen und nervigen Technikproblemen. Bei Beiden gilt: Zack! plötzlich eine Stunde rum. Oder auch zwei oder drei. Ich finde, die Relativitätstheorie wirft hier Dinge in einen Topf, die definitiv nichts miteinander zu tun haben. Aber mich fragt ja wieder keiner.

Na also, geht doch. (Drei Stunden später.)

Erst mal den Rechner rechnen lassen und das gute Wetter für einen Reportage-Outdoor-Termin nutzen. Der steht schon lange an, war aber in den vergangenen Tagen ins Wasser gefallen. Wortwörtlich. Dauerregen und Schneematsch und so.

Während der Fahrt am Steuer Mittagessen und ein Cappuccino, soviel Zeit muss sein. Ähem. Vorbei an überfluteten Bachläufen und überschwemmten Wiesen, die in der Sonne glitzern. Fürs Wochenende sind neue Regenfälle angesagt, für den Wochenstart sogar orkanartiger Sturm.

Später zurück im Büro der hoffnungsvolle Blick auf den Rechner. Nein, wir ärgern uns nicht. Irgendwann kriegen wir das hin, die moderne Technik löst uns schließlich alle Probleme, die wir ohne sie nie hatten.

Schnell einen Beitrag basteln, Mails checken und beantworten, Telefonate entgegennehmen, Recherchen zu „Bauernmilliarden“ und Düngeverordnung, Steuerhinterziehung und ÖPNV-Dramen. Mit der Reinigungskraft gemeinsam den Deckel des Spülkastens am Klosett richten, erneut unter wilden Flüchen. Was man halt so macht als Regionalreporterin. Aber wenigstens konstruktiv und erfolgreich, also bitte. Der Deckel sitzt, wackelt und hat Luft. Ob es auch für sowas Journalistenpreise gibt? Nachdenken über die Zukunft des Journalismus, aus Gründen. Nachdenken über das Hähnchen. Will denn niemand ein Hähnchen, verflixt nochmal? Dann Briefkasten leeren, Post durchschauen.

*Schluchzgeräusch*

Parallel immer wieder mit der Technik chatten. Laufenlassen und beten! lautet jetzt die Devise des Technikers. Immerhin geht es schon auf Feierabend zu. Und ich denke darüber nach, ob das nicht überhaupt ein Lebensmotto wäre. Laufenlassen und beten. Ich finde, das klingt ganz gut und sinnvoll.

Heimfahren. Laufenlassen und beten. Beten, dass es noch einen freien Tisch geben wird, wenn der Gatte mich am Abend in die Dorf-Wirtschaft ausführt. Wer den ganzen Tag nichts Greifbares schafft (außer einem reparierten Klosettspülkastendeckel und einem kleinen Beitrag), der soll abends wenigstens anständig essen. Naja, Sie wissen schon.

Heute alles Händifotos, ja. Sorry.

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