Schreiben? Schreiben!

Es ist ja leider bis heute nicht geklärt, ob ein Blog eigentlich männlich oder sächlich ist. Der Blog oder das Blog. Letzten Endes ist das aber völlig wumpe. Fest steht hingegen, dass dieses oder dieser merkwürdige LandLebenBlog nunmehr auf den Monat genau vor sechs Jahren an den Start gegangen ist. Ich finde, Sie sollten das wissen.

🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩🤩Ach, Du Schreck! Die Zeit vergeht. Heute vor sechs Jahren ist der LandLebenBlog online gegangen….

Gepostet von Landlebenblog am Freitag, 7. Juni 2019

Am Anfang hatte ich so einen selbstgebastelten jimdo-Gedöns-Blog, irgendwann folgte der Umzug auf wordpress. Aus schrottigen Händifotos wurden zunehmend ansehnlichere Bilder, Ausnahmen bestätigen die Regel, und die Texte gaben und geben sich hier weiterhin halbwegs regelmäßig die Klinke in die Hand. Mehr als 1.200 Beiträge sind es inzwischen laut Statistik, die insgesamt fast 8.000 Kommentare hervorgerufen haben. Und wenn ich nochmal die – wenngleich etwas schrumpelige, weil DSGVO-konforme- statify-Statistik bemühen darf: Täglich zählt die Seite zwischen 1.000 und 2.000 Aufrufe.

Ich habe nicht wirklich eine Ahnung, was das bedeutet und ob es viel oder wenig ist – aber ich freue mich über jeden Besucher und jede Besucherin und wollte einfach mal Danke! sagen. Danke fürs Mitlesen, Danke fürs Kommentieren, Danke für viele Komplimente, Danke für kritische Anmerkungen. Sie müssen auch nicht wild herumklicken, um die Zahlen in die Höhe zu treiben, das passt schon. Wenn Sie hier mitlesen, manchmal irgendwas mitnehmen, eine Erkenntnis, ein Lächeln am Morgen, dann freut mich das sehr. Also, nochmal: Danke. Von Herzen.

Ich habe natürlich in diesen Tagen darüber nachgedacht, wieso ich diesen Blog einst überhaupt gestartet habe, und warum ich all die Jahre drangeblieben bin. So ein Blog macht ja nicht nur Freude, sondern nebenbei auch Arbeit, ja, da staunen Sie. Dauernd das Geschreibe, ellenlang, und schön zu lesen soll es auch noch sein. Und dann auch noch die Fotos, ach Du liebe Zeit, nee, von alleine macht sich das alles ja nun nicht. Naja, Sie wissen schon.

Zufall oder nicht: Ich stolperte dieser Tage über eine aktuelle Blogparade, die das Schreiben zum Thema hat. Schreiben über das Schreiben sollen die Blogparaden-Teilnehmer bitteschön. Und das mache ich jetzt auch. Wenn es Sie interessiert, lesen Sie einfach weiter. Wenn nicht, klicken Sie sich einfach aus. Und sagen Sie hinterher nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.

Schon wieder bloß ein schrottiges Händifoto.

Mir fielen neulich olle Letraset-Bögen aus des Gatten Grafikdesigner-Vergangenheit in die Hände, schlappe 40 Jahre auf dem Buckel und dementsprechend zu nichts mehr zu gebrauchen. Aus Rubbelbuchstaben sind inzwischen mehr oder weniger Bröselbuchstaben geworden, die sich von der durchsichtigen Folie bröselnd lösen, sobald man sie nur mal scharf anguckt. Der Gatte wollte den ganzen Stapel in den Müll werfen.

Nun hatte ich da aber noch diesen historischen Fensterrahmen aus der ebenfalls längst historischen Schule im Nachbardorf, und ich kam auf die Idee, beides miteinander zu einem kleinen Objekt zu verarbeiten. Also Letrasetbögen statt Fensterscheiben, ein paar Nägel und ein Hammer, und fertig war das Dekoteil für den Schreibtisch.

Und wie ich so davorstand und mein Werk bewunderte, kam mir der Gedanke: genau das ist es. Buchstaben, Worte, Schrift, das alles ist mein Fenster in die Welt. Und die Welt kommt, umgekehrt, zu mir nicht selten auch durch Buchstaben, Worte und Schrift.

Am Anfang, lang ists her, hatte ich es ein bisschen schwer auf dem Land. Und das Land hatte es wohl auch ein bisschen schwer mit mir. Jedenfalls gab es einen gewissen Mangel an Gesprächspartnern, um es mal vorsichtig zu formulieren, und so fing ich mit dem Bloggen an. Die Geschichten, die Erlebnisse, die Erkenntnisse, das Staunen, die Fragen, das alles musste raus, wollte erzählt werden. Und ich erzählte und schrieb, und schrieb und erzählte, es las ja anfangs gottlob keiner mit. Hauptsache schreiben, reflektieren, nochmal drüberlesen, Punkt und abgehakt.

Mein Job bringt es mit sich, dass ich Geschichten erzählen und weitergeben möchte. Traurige und lustige, lehrreiche und spannende, Dramatisches und Alltägliches. Weil das ganze Leben aus Geschichten besteht, und man manches daraus lernen kann. Weil hinter jeder noch so kleinen Meldung mitunter eine riesige Geschichte steht.

Manche Geschichten kann ich selber überhaupt nur erfassen und verdauen, wenn ich sie weitererzähle. Ich höre die Geschichten, sie ordnen sich langsam in meinem Kopf und fließen dann direkt in die Finger und in die Tastatur. Viel zu schnell fließen sie inzwischen, als dass ich sie noch per Hand aufschreiben könnte, sie bilden sich beim rasend schnellen Tippen, 30 Jahre Berufserfahrung und tägliches Training machens möglich.

Von Berufs wegen spreche ich die Texte dann ein fürs Radio. Aber privat freue ich mich am Geschriebenen, an den Wörtern, den Texten. Die bleiben, die versenden sich nicht in Minutenschnelle. Zeile für Zeile kann man sie lesen, und manchmal, selten, aber immerhin manchmal, schaffe ich es mit Wörtern und Sätzen, irgendwas und irgendwen zu bewegen, so oder so.

Dass es letzten Endes Buchstaben sind, die das möglich machen, fasziniert mich immer wieder. Ich reihe ein paar Buchstaben aneinander, es entstehen Texte daraus, und die erzählen eine Geschichte. Vielleicht sogar eine richtig gute. Und diese Geschichte geht dann raus in die Welt, sie wird gelesen und erzählt und weitergesagt, und manchmal trifft sie auf Einen, der sagt: genau so ist es, das ist auch meine Geschichte. Oder irgendjemand da draußen hat Kummer und Sorgen, er liest die Buchstaben, den Text, die Geschichte, und er muss lächeln. Einfach so.

Ich könnte nicht leben ohne das Schreiben. Ich wüsste nicht, wohin mit mir und all den Geschichten. Mit all den Fragen, den Erkenntnissen, den Erlebnissen. Sie müssen von mir aufgeschrieben werden. Manch eine Geschichte erscheint mir so bewegend, so wunderschön, so schrecklich oder auch dramatisch, dass ich sie aufschreiben muss, um daran nicht zu ersticken. Andere sind vielleicht banal, aber nett, alltäglich und doch alle irgendwie besonders, die wollen aufgeschrieben werden.

In diesem Zusammenhang fällt mir dann auch immer Boris Becker ein. Ja, da staunen Sie schon wieder. Tut mir leid, muss aber sein. Bei Boris Becker habe ich nämlich vor gefühlten 120 Jahren zum ersten Mal gehört, wie das ist, wenn er als Tennisspieler vor einem großen Match in diesen Tunnel gerät. Seitdem weiß ich also, dass dieses mir wohlbekannte Phänomen einen Namen hat.

Ich gerate in einen Tunnel. Ich konzentriere mich dann nur noch auf das Schreiben, will um mich herum nichts mehr hören oder reden müssen. Ich will Wörter und Sätze in meinem Kopf hin- und herbewegen, drehen und wenden, und die Ideen und Gedanken, Gefühle und Eindrücke in die Finger und die Tasten fließen lassen, auch Sinneseindrücke in Buchstaben und Text verwandeln. Damit Leser nicht nur lesen, sondern fühlen, hören, schmecken, spüren. Ich verliere das Gefühl für Zeit und Raum, für einen Moment oder auch mal für ein paar Stunden. Ich gerate also in den Schreib-Tunnel. Zwangsläufig. Denn Tennisspielen kann ich ja leider nicht.

19 Kommentare

  1. Toll formuliert. Und eine interessante Dekoration mit diesen Buchstaben.
    Ich mußte dieser Tage oft an ein kleines Tagebuch denken, deren Verfasserin leider nicht alt werden durfte – aber ihre Worte haben die Zeit und den Schrecken überdauert, beeindrucken auch noch heute und machen nachdenklich.
    Gesprochenes verfliegt, Geschriebenes bleibt.

  2. Ich freu mich immer, wenn ich sehe, dass Sie etwas mit uns teilen. Danke dafür. Und lese jeden Beitrag, es ist immer etwas zum Staunen, denken, schmunzeln und lernen dabei.

  3. Herzliche Glückwünsche! Danke für einen absolut herausragenden Beitrag, (also nicht dass ich die anderen nicht auch sehr mag!), aber heute der hat mich sehr berührt. Bitte weiter ganz oft in den Tunnel fahren, Licht an und aufschreiben. Es kommen so Schöne Texte am anderen Ende raus!
    Liebe Grüße
    Nina
    PS
    Das Fenster ist superschön

  4. Liebe Friederike,
    ganz herzlichen Dank für diesen Beitrag zur Blogparade. Ich habe mich sooo darüber gefreut und fühle mich wahnsinnig inspiriert.
    Ganz viele Grüße
    Stephanie

  5. Danke, ich lese hier (fast) täglich mit und würde mir so ein(en) Blog auch fürs nördliche Burgenland wünschen (ich glaub, ich habs schon irgendwann erwähnt)…
    Und wo kann man dich hören – ich würde gerne die Stimme mit dem Geschriebenen einmal „abgleichen“…

  6. Herzlichen Glückwunsch!
    Ich schaue regelmäßig hier vorbei, weil mir die Texte und Ihr Schreibstil so gut gefallen.
    Danke dafür und viele Grüße aus dem Ruhrgebiet

  7. Ich lese diesen Blog hier sehr gerne. Er ist ehrlich, aus dem echten Leben, macht manchmal nachdenklich und manchmal schmunzelt man über die Fallstricke des Lebens (Ziegengemecker und brütende Hennen) anderer. Ich mag die Themen, den Ton und die Geisteshaltung dahinter. DANKE!
    Grüße von Susann

  8. Ja, herzlichen Glückwunsch! Mach weiter so, mit Stöbern bei dir bin ich auch noch nicht fertig. Ahem. *lieber Bücher als PC*

    Beste Sonnengrüße mit Bussardschrei (genau, über Poppelsdorf! =) ),

    Franziska

  9. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Deines Blogs!

    DAS Blog kommt von web-log und das wiederum von Logbuch (ebenfalls DAS). Nur haben viele es mit Block verwechselt und darum DER gesagt, so wie viele Homepage statt Website sagen. Und so haben sich leider jeweils beide Versionen eingebürgert… Neuerdings kommt es sogar noch dicker, siehe https://pmueller.de/blog-und-beitrag/

    Jedenfalls: Dein Blog (also das ganze) ist klasse und ich lese immer wieder gern hier! Weiter so! :-*

  10. Du schreibst etwas sehr Wahres: Wer schreibt, der bleibt. Oder anders: Geschriebenes bleibt und kann immer wieder hervorgeholt werden. Das ist sein Segen für die Schreiber, vor allem, wenn sie es in ihrem eigenen Blog gesammelt haben. Das begeistert mich am Bloggen immer wieder. Es ist eben keine Einbahnstraße. Es gibt den Lesern etwas und es gibt dem Schreiber etwas, und sei es nur das Wissen, ein riesiges Archiv der eigenen Gedanken und Erlebnisse aufzubauen. Das unterscheidet das Schreiben vom Reden, wie Du selbst am besten weißt, da Du fürs Radio redest.

  11. Herzlichen Glückwunsch zum Bloggeburtstag und bitte schreiben Sie immer weiter.
    Ich bin schon lange eine stille Mitleserin und jedesmal amüsiert, gerührt, begeistert, erstaunt, betroffen und was auch noch alles immer. Ihre Sicht auf die Dinge und Ihre Art zu schreiben macht mich immer ein bisschen neidisch, dass ich mich nicht so toll ausdrücken kann und das ich auch vielleicht nicht so genau beobachte. Aber ich mag Ihre Sicht auf die Dinge.
    Ich leide mit Ihnen beim Verlust der Ziegen und beim pudelnassen Hündchen. Es wird Sie nicht hassen, da bin ich sicher. Ich mag Sie unbekannterweise auf jeden Fall sehr:)

  12. Als einer, der am Rande der Großstadt wohnt, freue ich mich über jeden Ihrer neuen Beiträge. Die Kunst, auch die kleinen Dinge zum Sprechen zu bringen und ihnen eine Geschichte zu entlocken, beherrschen Sie wunderbar.
    Vielen Dank dafür, und mögen Sie noch viele Jahre weiterschreiben!

  13. Pingback: #SchreibenüberdasSchreiben – Die Liste zur Blogparade | Stephanie Müller

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