Tag der Arbeit.

Ich habe angeheirateterweise einen englischen Verwandten, der nicht nur das beste englische Frühstück der Welt zaubern kann, sondern mitunter auch die dämlichsten  englischsten Fragen stellt. So wollte er jüngst von mir bestätigt wissen, dass doch in Deutschland, besonders hier bei mir auf dem Lande, der Sonntag sicher jener Tag ist, an dem alle irgendetwas arbeiten, im Garten, auf den heimischen Baustellen, in Autowaschanlagen, schrauben, bohren, hämmern undsoweiter. 

Ich habe ihn vermutlich angeschaut wie Beelzebub persönlich, Um Gottes Willen!, nein, nein, bloß nicht, Sonntag ist der Tag des Herrn, da geht man allenfalls in die Kirche, ich habe also interkulturell aufklärerisch und missionarisch gewirkt, und ich habe darüber hinaus ein Loblied auf die Sonntagsruhe gesungen. Ich bin da ein echter Fan, glauben Sie mir. Die Engländer wissen leider mit diesem Wort so gar nichts anzufangen, und einleuchten tat meinem englischen Patienten das Konzept auch nicht so recht.

Wie dem auch sei: Hierzulande ist Samstag der Tag der Arbeit, das gilt übers ganze Jahr, aber derzeit nun besonders, weil die Ernte beginnt. Draußen auf den Feldern geht es zu wie am Picadilly Circus; wo sonst himmlischer Friede ist, brummen die Dreschmaschinen, fahren Traktoren hin und her, werden Anhänger von hier nach da gezogen, kreischen die Kreissägen mit den Mauerseglern um die Wette. Dauernd muss der Müßiggänger bei seinen Spaziergängen zur Seite springen, um nicht unter irgendwelche riesigen Räder zu kommen. Der Landmann nimmt in stressigen Erntezeiten mitunter wenig Rücksicht auf faule Müßiggänger.

Ich traf trotzdem heute ein paar Landmänner, die schwitzend zum Schwätzen aufgelegt waren, die einen spalteten und stapelten das Brennholz für den Sommer 2019, der andere verfolgte die Ernte seiner Wintergerste. Die Erträge sind ok, sagt er, trotz der Trockenheit. Die will und will kein Ende nehmen, nicht mal hier oben in Badisch-Sibirien.

Nun war ich natürlich auch nicht zwecks Müßiggang da auf den Feldern unterwegs, ich war auf dem Weg zum Forellenteich, die Fische füttern und eine Linde lichten. Außerdem habe ich heute knapp zwei Kilo Erbsen gepult und mich währenddessen mit schmerzendem grünen Daumen gefragt, wer eigentlich auf die saudumme Idee mit dem Leben als Möchtegerne-Selbstversorger gekommen ist. Zwei Kilo Erbsen, das sind nach meinen mathematischen Berechnungen etwa viertausend kleine runde Erbslein, weil eine einzige Erbse durchschnittlich ein halbes Gramm wiegt. Jedenfalls bei uns. Ja, ich habe das gemessen.

Naja, Händi-Geknipse

Drei Stunden habe ich gepult, ich sah danach nur noch grüne, runde Bälle vor meinen Augen, ach, ich weiß nicht, wer sich das ausgedacht hat. Aber wenn Sie mir jetzt mit Berechnungen kommen, wonach die Erbsen aus der Tiefkühltruhe… oder in der Dose…und überhaupt, die Zeitersparnis, undsoweiter, undsoweiter...wissen Sie was? Das interessiert mich nicht die Erbse. Das Selbstversorgerding wird durchgezogen, und wenn ich nachts Albträume bekomme.

Ich habe dann, quasi zum Aggressionsabbau, noch ein bisschen mit dem neuen Akkuschrauber herumgemacht, wir haben ein inniges Verhältnis, der Akkuschrauber und ich, und ich möchte fast sagen, ich habe mich verliebt. Was nicht niet- und nagelfest ist, in Haus und Garten, wird derzeit von mir akkugeschraubt, und die Klettergerüste für die Ziegen wachsen schneller als die Ziegen klettern können.

Schlußendlich habe ich im Laufe des Tages, ganz lässig nebenbei, noch geschätzte 1377 Fliegen mit der Klatsche erlegt, es ist eine Plage, derer wir nicht Herr werden, aber meine Vorhand wird immer zuverlässiger, und mein serve and volley hat auch heute wieder so manche Fliege in den ewigen Abgrund gerissen.

Ich laufe hier jetzt quasi über einen Teppich toter Fliegen, überall liegen die stummen Zeugen meiner Mordlust und meiner Klatsch-Künste, und ich fürchte, ich habe nicht mal ein schlechtes Gewissen. Das gehört hierzulande dazu,  – nein, nicht das schlechte Gewissen, sondern die hohe Kunst des Fliegenklatschens, Sie können das auch gerne hier nochmal nachlesen: Klick!

So. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich muss noch den Gemüsegarten etwas wässern, den Gluckenstall zumachen und den Ziegen ein Gute-Nacht-Lied singen.

 

 

 

 

 

4 Kommentare

  1. grins…ich hab am Donnerstag 4 kg Johannisbeeren verarbeitet. Schwarze und rote. Daraus wurde Essig, Marmelade und Kikör angesetzt. Natürlich auch Kuchen gebacken. Zum Gleichessen und auch zum Einfrieren. Gestern ( Samstag) habe ich 5 kg Stachelbeeren geputzt und verarbeitet. Gottseidank war dies das “ Restobst“ aus unsrem Garten ;-) Da wir eine Gurkenschwemme haben, werde ich mich jetzt daran machen, alles zu verarbeiten. Also nix da von wegen Samstag Tag der Arbeit. Sonntags ist da auch in der Zeit nicht frei oder „nnur“ Tag des Herrn ;-) Und wir sind keine Selbstversorger !!!

  2. Herrlich! Fühle mich zurückversetzt in meine Kindheit auf dem Land mit Muttis Schrebergarten und dem dauergebrummelt der Erntemaschinenen im Sommer! Immerhin darf ich hier in Harburg noch die Johannisbeeren meiner Nachbarn ernten und für die Heidelbeerem im Wald interessiert sich zum Glück niemand außer mir. Das war früher anders!

  3. Hier am Niederrhein scheint sich eine evolutionsbedingte Änderung im Fliegenverhalten anzubahnen: sobald ich die Fliegenklatsche in der Hand habe, werde ich von den lästigen Brummern verschont. Das ist angenehm aber bedenklich. Sind die Biester tatsächlich lernfähig, lässt sich leicht ausrechnen, wann sie uns überlegen sind. Keine guten Aussichten.
    Am Johannisbeerhorizont zeichnet sich ein Silberstreif ab: die letzten Beeren dürfen die Amseln behalten. 14l Saft und 22 Gläser Gelee reichen doch auch, oder?
    Schönen Sonntag noch Kari

  4. Wunderbare Bilder, mein Opa trug auch immer Strohhut im Sommer gegen die Sonne auf dem Feld. Und Holz für den Ofen macht halt immer zweimal warm.
    Hier im Rheinland haben sie den ersten Weizen nur als Stroh geerntet. Für die Ställe denke ich. Die Halme sind noch geschossen, seid her…
    Nun, jedenfalls ein gutes Aufschlagspiel gegen die Fliegen, ich bekam immer Ärger, wenn die Tür zur Waschküche (und damit freie Bahn für Fliegen) zu lang offen blieb. Und wieder einmal sehr lustig hier zu lesen! Danke
    Liebe Grüße
    Nina

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