Schön hier.

Wieder ein neues Jahr, wieder werden wir alle ein Jahr älter, so ist das leider. Und das geht ja gerade so weiter, nächstes Jahr, übernächstes Jahr, überübernächstes Jahr, die Jahre bringen allerlei Überraschendes und gleichzeitig immer dasselbe: wir werden immer älter, krummer, buckliger. Und irgendwann, – naja, Sie wissen schon: sind wir dann wirklich alt. 

Wenn Sie in der Region leben und noch nicht sooooo alt sind, sich aber hin und wieder Gedanken machen, wie das denn so wird, dann habe ich hier eine spannende Geschichte für Sie, einen Gastbeitrag von Frau Ulla. Frau Ulla heißt im richtigen Leben Ulla Brinkmann und ist Journalistin in Mosbach und – Achtung – Mitinitiatorin eines Wohnprojektes, in dem es, Sie ahnen das bereits, ums Wohnen im Alter geht. Hier im Odenwald, versteht sich.

Voila:

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Wenn ich alt werde…, hat mich die Landlebenbloggerin vor geraumer Zeit für die Rubrik „Menschen“ gefragt, und ich habe geantwortet: „…bleibe ich hier. Wir gründen gerade eine Ollen-WG!  Gegründet ist sie inzwischen, die Ollen-WG, und hat die Rechtsform einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Ganz „hier bleiben“ tue ich nicht; fünf, sechs Kilometer weiter aber hat das Projekt schon ziemlich konkrete Formen angenommen. Das Grundstück ist gekauft, das Planungsbüro hat geplant, die Gruppe ist gewachsen. Vor allem zusammengewachsen.

Oh, sogar Hunde sind dabei. Und Freundin Ulla ist die Vierte von links.

Dabei bin ich noch nicht richtig alt, 58 gerade geworden, was manchen über ein Projekt wie das unsere staunen lässt. Das wundert wiederum mich. Denn Gedanken darüber, wie und wo und mit wem ich mein Alter verbringen will, die mache ich mir schon viel länger. So wie der prominente WG-Senior Henning Scherf. Der war nicht viel über 50, als der ehemalige Bürgermeister von Bremen ebendort eine Wohngemeinschaft für Ältere gründete. In der lebt er seit vielen Jahren und berichtete auch hierzulande begeistert davon.

Die Idee, im Alter nicht nur nicht allein zu sein, sondern die Lebensumstände dafür selbst zu gestalten, früh genug  und mit anderen zu gestalten, war zunächst eine Idee, dann ein Funke, der andere erfasste, dann ein Projekt, an dem gemeinsam gebaut wurde und wird. Mit jeder und jedem Neuen kam frischer Wind in die Sache. Das wirkt sich aus auf unser Gemeinschaftswerk und ist symptomatisch für unser Konzept. Miteinander und füreinander könnte es simpel überschrieben sein. Die beiden Wörtchen sind jedoch die Essenz dessen, was uns antreibt. Alle haben Bedürfnisse, Vorstellungen, Möglichkeiten; nicht immer sind es die gleichen. Es muss angepasst, erweitert, gestrichen werden. Am Ende der Diskussionen steht ein Konsens. So haben wir eine gute Kultur des Miteinanders entwickelt, in der auch Raum ist für Zweifel.

Apropos Raum: der ist am Fuße des Henschelbergs in Mosbach gefunden, ein 2000 m² großes Hanggrundstück, auf dem (noch) ein alter Bauernhof steht. Er wird weichen in den nächsten Monaten. Die Lage erfüllt  wichtige Vorstellungen: zentrumsnah soll unser Standort sein,  gut angebunden, grün und ruhig. Der Lage und seiner Geschichte verdankt sich auch der Name unserer GbR: Henschelberghof.

Einen Hof für gemeinschaftliche Aktivität wird es dort geben. Mehr noch: ein eigenes Häuschen mit Gemeinschaftsküche hinten im Hang. Gemeinschaftlich bauen wir auch ein Gäste-Appartement, wo gegebenenfalls eine Pflegekraft untergebracht werden kann.  Die Gartenterrassen und Nutzräume, ja, sogar die Laubengänge verstehen wir als Räume der Begegnung. Ohne Muss. Wem der Sinn gerade nicht nach Gemeinschaft steht, hat den Platz dazu in den eigenen Räumen, auf den eigenen Balkonen.

Acht Wohneinheiten auf drei Ebenen sind geplant, sechs schon belegt. Vier Paare sind wir bisher, und zwei Frauen. Auf unterschiedlichen Wegen erfuhren unterschiedliche Menschen von unserem Vorhaben, zeigten Interesse einzusteigen. Wir beschnupperten uns, gingen kleinere oder längere Wegabschnitte miteinander, gingen aus unterschiedlichen Gründen wieder auseinander oder machten uns zusammen auf den weiteren Weg. Ein Ziel haben wir ja.

Denn: Ende 2020 wollen wir drin sein. Dann bin ich noch 60 oder gerade 61. Alt genug für eine Ollen-WG? Jetzt schon weiß ich: Gut, dass wir so früh angefangen haben. „Ihr werdet euch noch wundern“ beginnt Udo Jürgens Rentner-Song. Dem Refrain, dass das Leben mit 66 Jahren anfange, stimmen wir in dieser plakativ-verkürzten Betrachtungsweise allerdings nicht zu. Aber dass das Leben im Alter mit seinen besonderen Anforderungen für uns ein Anfang ist, dem wir uns bewusst stellen und den wir gemeinsam aktiv anpacken, das nehmen wir gern in Anspruch – und Angriff.

„schönhier“ steht über einer anderen Landlebenblog-Rubrik. Dass es dort, wo wir hinziehen und wo es uns hinzieht, schön sein wird, davon sind wir überzeugt. 2020 heißt es für unseren Henschelberghof: „schönhier!“ Wer sich angesprochen fühlt von unserem Vorhaben, kann Kontakt knüpfen über diese Mail-Adresse: henschelberghof@yoneo.de. Zwei Wohneinheiten um die 70 m² sind noch frei…

 

 

 

4 Kommentare

  1. solche Initiativen finde ich toll
    und es gibt sie in verschiedenen Variationen..
    auch alt mit jung 😉
    und anders als bei einem Altersheim fände ich es für mich auch richtig frühzeitig in so eine Gemeinschaft zu ziehen
    nur leider ist sowas nichts für meinen Geldbeutel..

    liebe Grüße
    Rosi

  2. *selbstbestimmt* – ein Zauberwort!
    Und Kurt Tucholsky fällt mir dazu ein: *Es ist schwer das Leben zu zwein, nur eins ist schwerer, einsam sein*. Das gilt wohl auch für mehr als zwei…
    Alles Gute für eine gute Idee – ich wünsche euch, dass ihr viel Harmonie in eurer Gemeinschaft erleben dürft!

  3. Das klingt wunderbar, ich hoffe, so etwas wird es auch geben, wenn ich alt bin. Mit 36 möchte ich mir dazu noch keine wirklichen Gedanken machen. Aber ich denke auch, man muss früh beginnen, sich zu kümmern, denn das Alter kommt manchmal ratzfatz und schlägt zu.

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