Singstund‘.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich in einem Chor singe? Genauer gesagt in einem katholischen Kirchenchor. Ich gehe also einmal in der Woche brav in die Singstund‘, so heißt das hier, und so macht man das, wenn man auf dem Lande lebt. Wir üben und üben, und manchmal singen wir anderen was vor. In Gottesdiensten und bei Kirchenkonzerten, naja, Sie wissen schon. 

Jahaha, und da denken Sie jetzt vielleicht an so eine etwas schummerig beleuchtete und ausgekühlte Kirche, wo ein paar ältliche Damen und sehr viel weniger Herren singen, was die wimmernden Stimmbänder grade noch so hergeben. Provinz und so, Kulturwüste undsoweiter. Jahahahahaaa, weit gefehlt.

Wir haben zum Beispiel gestern was vorgesungen. 200 Mitwirkende und eine rappelvolle Kirche. Anspruchsvolles geistliches Chorwerk, ich stehe ja auf sowas, wenngleich ich an mehreren Stellen leider passen musste. Merkt ja aber keiner, immer schön ein nettes Gesicht machen, an den richtigen Stellen das Maul tonlos aufreißen, so kommt man auch als Chorsängerin ganz gut durchs Leben.

Zumal, wenn die Instrumentalisten drumherum so richtig Bäämmm!! machen. Und wenn die anderen Sänger und Sängerinnen es drauf haben. Haben sie. Angefeuert von einem katholischen Diplom-Kirchenmusiker und Organisten, der in seinem zweiten Leben Fußballtrainer ist, na, ich kann Ihnen sagen. 

Am Ende gab es jedenfalls standing ovations, dass die Zuhörer nicht gleich auf die Kirchenbänke gesprungen sind und dort herumgetrampelt haben, war gerade alles.

Und das allerbeste – von wegen Kulturwüste und so -: an anderen Stellen finden ähnlich großartige Konzerte statt, dauernd, überall im Odenwald. Man kann sich kaum entscheiden. Sinfonien hier, Chorwerke da, Kinderkonzerte, Schulaufführungen, mal mehr, mal weniger professionell, aber immer mit jeder Menge Herzblut und Engagement und monatelanger Arbeit verbunden. Mit ehrenamtlicher Arbeit zumeist, ja, auf das Wort hatten Sie gewartet, ist schon klar, das gibt es hier auf dem Blog vom Lande ja ziemlich häufig, dieses Wort.

Zugegeben, Deutsche Oper in Charlottenburg und Philharmonie und Karajan und so (ja, der Herbert von, die Älteren unter Ihnen werden sich erinnern), das war schon klasse, irgendwie. Und selbstverständlich, irgendwie. Aber das hier imponiert mir manchmal noch viel mehr. Irgendwie. Und das Wort von der Kulturwüste habe ich aus meinem Wortschatz längst gestrichen.

 

Und falls Sie jetzt noch wissen wollen, womit wir uns da gestern offenbar erfolgreich herumgeschlagen haben, bitte sehr:

 

 

Und falls Sie dienstagabends noch nichts vorhaben, und irgendwo in der Nähe von Buchen wohnen – uns täten noch ein paar Bässe und Tenöre gut. Gucken Sie mal da: Klick! Oder Sie gehen in irgendeinen anderen Chor. Oder Sie lassen es bleiben. Aber jammern über die Kulturwüste is nich, gell.

 

 

6 Kommentare

  1. Glückwunsch zum so wie es klingt „gelungenen Konzert“!
    Bei uns war es auch sehr schön und ich habe noch viel Musik in mir und singe immer mal wieder so vor mich hin 😊!
    Herzliche Grüße
    Eva

  2. Es war ein schöner Abend und ein überaus gelungenes Konzert (auch wenn ich nicht so sehr auf Beethoven und klassische Kirchenmusik stehe). Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die 3 Minuten Lauschen auf das (fast) unhörbare Glockengeläut am Ende wirklich notwendig waren.
    Darf ich Dich bitten, mir das zweite Bild in voller Auflösung zukommen zu lassen? Immerhin hast Du hier unser minderjähriges Kind veröffentlicht und meine Frau möchte das Bild gerne zum Einkleben in ein Fotoalbum haben… 😉
    Wäre cool…

    • Sehr gerne, und angeblich haben die Eltern alle was unterschrieben, und damit der Veröffentlichung zugestimmt?! Ich hatte das selbstverständlich vorher gecheckt, man lebt, man lernt…:)

  3. Wow,
    Deutsche Oper, Philharmonie, Karajan (irgendwie) und EHRENAMT in einem Atemzug👍

    Was für ein Blog !
    Was für ein (auf so vielfältigen Ebenen) cooles Konzert.

    Ein Fussball Trainer im 2. Leben

  4. Hallo Hallo Hallo,ich war so froh wie es nach dem langen Stehen und nur Zuhören endlich los ging. Ich war aber so enttäuscht,dass es doch dann so kurz war. Ich habe zu meinen Misängern gesagt:jetzt wo wir es soweit können ,hat dieser superattraktivgenussvolle Abend ein Ende.Schade. Als Projektsänger bedanke ich mich für die herzliche Aufnahme und die Möglichkeit an diesem“Wahnsinnsabend“teilnehmen gedurft zu haben.Alles erdenklich Gute allen „Mitstreitern „ gehaltvolle Gespräche,Spaß und selige ,liebevolle Weihnachtstage. Hier war der Rainer-Peter aus Dürn City .Adieu…………

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.