Tabledance im Odenwald.

23. November 2017

Der Freundin aus der kleinen Stadt fuhr der Schreck in die Glieder, gleichzeitig heiß und kalt wurde es ihr. So umschreibt man das ja immer, und ich stelle mir das bildhaft vor, wie ihr der kalte Schweiß ausbricht und sie ganz blass wird, außerdem steigert das an dieser Stelle hier die Spannung. Also bitte.

So. Wo war ich stehengeblieben: Ach so, also, sie zitterte wie Espenlaub, da am Küchentisch. Nie hatte ihr Mann sich irgendwas zu Schulden kommen lassen, niemals war er auch nur in den Verdacht oder gar in Versuchung geraten. Und jetzt war da diese Überweisung auf dem Kontoauszug, die Schlimmes ahnen ließ.

Zweiundsiebzig Euro achtunddreißig, überwiesen an eine Frau mit äußerst dubiosem Namen. Vermutlich ein schlechtes Pseudonym, ein zweideutiger gewollt-erotischer Künstlername, falls man da von Kunstwerk überhaupt sprechen will.

Hatte er sich heimlich mit einer aufgedonnerten Wasserstoffblonden getroffen, gegen Geld? War er gar beim Tabledance gewesen, in irgendso einer schummrigen Spelunke, wo klebrig-süßer Schaumwein als Champagner zu völlig überteuerten Preisen angeboten wird?

Aber wo in der Region gab es sowas überhaupt? Wir sind ja hier alle so gesehen äußerst anständig, was Tabledance ist, wissen eigentlich nur die versauten Städter. Und der Odenwald ist so klein, da ist Prostitution gar nicht erlaubt, ja, da staunen Sie. Das baden-württembergische Kommunalrecht ist da wirklich prüde.

Jedenfalls nahm die Freundin nach mehreren durchwachten Grübelnächten irgendwann die Kontoauszüge in die Hand und allen Mut zusammen. Hielt dem Gatten die Auszüge unter die Nase und fragte ganz scheinheilig Wer ist denn diese Penny Winterhauch? Der hast Du da ja ganz nett was bezahlt. 

 

Ja, sowas kann passieren. Am Ende haben alle herzlich gelacht, und die Freundin weiß nun auch endlich, wer oder was der Winterhauch ist: Die Gegend hier oben, rund um den Katzenbuckel, den höchsten Berg des Odenwaldes. Tabledance könnten Sie hier allenfalls am Steinernen Tisch zwischen Mülben und der Max-Wilhelms-Höhe machen, mitten im Wald, auf eiskalten, unebenen Steinblöcken und unter freiem Himmel, da erkälten sich aber alle Beteiligten, und außerdem ist das jetzt wieder eine andere Geschichte.

Ende gut, alles gut. Vermutlich hatte der Mann seiner Frau sogar Treuepunkte mit nach Hause gebracht. Wer zu Penny Winterhauch geht, kommt am Schluss eigentlich immer mit Treuepunkten wieder nach Hause zu Frau und Kindern, treu und brav.

 

 

  • 5 Kommentare
  • Felis Major 24. November 2017
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    Allein für ihre Überschriften muß man Sie mögen – von Ihren Texten ganz schweigen. Ich verneige mich. Grüße aus dem verwahrlosten großen B.

  • quercus 24. November 2017
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    Schön – hier ist es fast wie im Vatikan…

  • Waltraud 24. November 2017
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    Prüde kann auch schön sein ;-)

  • Barbara 30. November 2017
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    Und die Moral von der Geschicht: Lies lieber seine Kontoauszüge nicht :-) Hab sehr gelacht!

  • Johannes zu Ach 17. Dezember 2017
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    Penny Winterhauch, oder der Tanz auf dem Vulkan!

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