Verwirrend.

Ich erinnere mich an den alten Mann, der mal quasi im Vorbeigehen uns zuraun(z)te, halb vorwurfsvoll, halb fragend Man sieht Euch ja nie sonntags in der Kirche. Und ich darauf antwortete, laut und deutlich Doch. Bloß in der evangelischen. Er glotzte mich an, als habe er falsch verstanden oder den Leibhaftigen vor sich, was weiß denn ich.

Statistisch gesehen lebt in etlichen Gegenden hier im Landkreis ein Evangelischer pro Quadratkilometer, und es ist nicht immer leicht in der Diaspora, naja, Sie wissen schon.

Aber wir machen große Fortschritte, alle miteinander. So groß, dass es demnächst ein grandioses Chorkonzert geben wird, ein ökumenisches Projekt zum Lutherjahr, so richtig mit Tschingderassabumm und so. Die Idee kam von den Evangelischen im Dekanat, wegen der Reformation, na klar. Die Katholiken griffen das begeistert auf, auch wegen –  oder trotz  – der Reformation, ich habe keine Ahnung und leider zu wenig theologisches und kirchenhistorisches Fachwissen. Es ist verwirrend.

Jedenfalls proben wir jetzt seit Wochen wie besessen, Seite an Seite, wenn man so will, wobei das ökumenische Kräfteverhältnis auch etwas, nun ja, –  verwirrend geraten ist. Auf etwa 100 begeisterte katholische Chorsänger kommt ein Häuflein von um die 20 evangelischen Sängerinnen und Sängern, die nun zu 500 Jahre Reformation umso lauter singen müssen, um gehört zu werden. Sie kennen aus Kirchenkreisen vielleicht den Spruch vom Protestantischen Kampfsingen, dann wissen Sie ja, was ich meine.

Meinen akribischen Berechnungen nach müsste es tatsächlich mehr als 20 Evangelische im Landkreis geben, von denen manch einer auch singen kann. Wo die abgeblieben sind, das weiß der liebe Himmel.

Verwirrend auch – oder besonders ökumenisch, ach, was weiß denn ich -, allemal bemerkenswert jedenfalls auch der Umstand, dass wir zum Reformationsjubiläum ausgerechnet im Wimpina-Saal proben, benannt nach dem gleichnamigen Herrn Wimpina,  Der fromme Konrad wird hierzulande hoch verehrt und war nun aber nicht gerade das, was man einen Busenfreund vom Luther hätte nennen können, um es mal vorsichtig zu formulieren. Wenn der wüsste, was sich da in seinem Saal so abspielt, ökumene- und auch sangestechnisch, na, ich weiß ja nicht.

Und noch etwas verwirrt mich sehr. Im Wimpinasaal, in Konrads Untergeschoss quasi, da also, wo man zwischendurch mal hin muss, wenn die Probe all zu lange dauert.

Christus Mansionem Benedicat. Christus segne dieses Örtchen Haus. Caspar, Melchior und Balthasar waren offenbar im vergangenen Jahr hier, vielleicht mussten sie mal für kleine Könige, und bei der Gelegenheit haben sie gleich den Segensspruch angemalt. Nur an die Herrentoilette. Bei den benachbarten Damen: Fehlanzeige.

Was will uns das nun wieder sagen? Nach der Kirchenspaltung sind wir jetzt hier unten also bei den weiteren ganz großen Themen wie Geschlechterspaltung, Gleichberechtigung, Stellung der Frau in der Kirche, Patriarchat, undsoweiter, undsoweiter. Es ist alles wirklich sehr verwirrend.

Ach, wissen Sie was? Das Schlaueste wird sein, wir vergessen diesen ganzen Kram, evangelisch hin, katholisch her, gesegnete Toiletten hin, Männer und Frauen her, Wimpina hin, Luther her. Wir singen einfach ein grandioses Konzert und feiern hinterher ein rauschendes Fest, alle miteinander. So sei es, und so bleibe es, bis in alle Ewigkeit, Amen.

 

Und falls Sie zum Konzert kommen wollen, wozu ich Sie in schärfster Form einlade: Bitte hier entlang: Klick. 

 

 

Und falls Sie übrigens noch ein Weihnachtsgeschenk suchen – ich hätte da was. Bitte hier entlang: Klick.

 

 

 

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