Ja, ja, sagt mein Geo, mach Dich nur wieder über mich lustig in aller Öffentlichkeit!, und er verzieht dabei das Gesicht wie ein beleidigter Teenager auf dem Höhepunkt der Pubertät. So fern, wie er vom Teenageralter weg ist, bin ich von der Absicht, mich über ihn lustig machen zu wollen, also wirklich, ich weiß auch nicht, wie er darauf kommt.

Ich will doch nur ein Foto unserer diesjährigen Karotten-Ernte präsentieren, es soll ja Leute geben, die sich für sowas interessieren. Zumal auf einem Blog rund um das LandLeben und die existentiellen Überlebenskämpfe der Selbstversorger, also bitte.

Dabei ist das in der Tat kein repräsentatives Foto, die Karotten waren durchaus passabel dieses Jahr, lange, dünne, dicke, kurze waren dabei, alles durchaus vorzeigbar, aber diese eine hatte es mir nun besonders angetan. Geschmeckt hat sie allerdings nicht, ich habe das nach dem etwas unbefriedigenden Shooting mit dem Händi ausprobiert, so als Frustfraß quasi.

Dabei fiel mir auf, dass die Erzählungen des hauseigenen Blaumanns in diesem Gartenjahr deutlich zu kurz gekommen sind, warum auch immer, irgendwie ging das alles an mir ein bisschen vorbei. Die vielen Erbsen und die wunderbaren Kartoffeln (gut, aber deutlich weniger als im Vorjahr), die Tomaten (soweit ok), die Zucchini (anständig), der Mangold (geschossen), die Äpfel (nicht besonders viele), die Walnüsse, der Holunder (das ist kein Strauch mehr, sondern eine Naturgewalt), die Paprika (gut), der Knoblauch (sensationell), der Lauch, die Kräuter (also die, die ich beim Rasenmähen nicht umgemäht habe) und der Salat. Besser: das, was vom Salat übrig geblieben ist.

Wenn Sie einen Moment innehalten und in die Gegend horchen, können Sie die Schnecken immer noch lachen hören, ach, was sage ich, sie lachen nicht, sie brüllen vor Vergnügen, sie halten sich die salatgefüllten Bäuche und kriegen sich gar nicht mehr ein. Hahaha, immer dieser Geo mit seinen blauen Anti-Schnecken- Öko-Kügelchen, wirklich zum Kreischen komisch, schmatzschmatzschmatz, haha, haha.

Naja, Sie wissen schon.

Wir haben eingekellert, eingefroren, eingemacht, wir sind eigentlich immer noch dabei, denn immer noch schleppt Geo dauernd irgendwas von draussen herein, er tapst mit verschlammten Erdschollen an den Schuhen in die Küche und sagt Ich war im Garten!, und ich erwidere mit verzerrter Miene ja, das ist ja nicht zu übersehen, während sich schnalzend die ersten nassen Erdbrocken von seinen Schuhen lösen und sich, wie auf Kommando und gelenkt von Geisterhand, sofort im gesamten Haus verteilen.

Dann wirft er mir irgendwas hin, manchmal erkenne ich es auf Anhieb, manchmal brauche ich ein Bestimmungsbüchlein, fast immer befrage ich meine Lieblingskochbuchseite im Internet, wie nun weiter zu verfahren sei. Ich widme mich Geos grünen Schätzen dann sofort, den Kampf gegen den Gartendreck im Haus, den habe ich ohnehin längst verloren, aber sowas von.

Langer Rede kurzer Sinn: Wir sind zufrieden mit der Ernte, wir werden auch diesen Winter voraussichtlich überleben, das Haus starrt vor Dreck, das kümmert uns einen feuchten Kehricht, alles wird gut. Naja, Sie wissen schon.

 

 

 

6 Kommentare zu “Blaumanns Erzählungen.”

  1. Hier (200 Höhenmeter niedriger und 50 Kilometer nordöstlich): Mangold kannichnimmersehen gottseidankistdasvorbei, Kräuter wuchern, Tomatenplage, Chili: Überraschungserfolg, Zucchini: nicht angebaut, Holunder: vor zwei Jahren abgesägt und drüberbetoniert, Tabak: prächtig, Katoffeln: klein und viele, Äpfel: 3, Herbstkohl: hat den Schnecken geschmeckt.

    1. Die 200 Höhenmeter machen vermutlich besonders bei den Tomaten viel aus, unsere stehen extremst sonnig, aber die Wärme fehlt hier in Sibirien einfach. Und über den Holunder denken wir nach.

  2. Ja, ich finde auch, daß die Möhre (welche bei uns Gellerriewe heißt) kombiniert mit der Silbergabel, ein fantastisches Fotomotiv ist!
    Da hat man doch auch was, oder?

  3. hihi..
    ein tolles Bild..
    Gemüsegarten habe ich zum Glück nicht..
    aber ich denke ich werde den Winter trotzdem überleben
    aber ich finde es toll wenn man selber anbaut
    ich erinnere mich gerne daran zurück als wir in den Gärten die ersten Beeren und Zuckererbsen gemopst haben ..
    an den Geschmack der sonnenwarmen Tomaten direkt vom Strauch
    und an das Bohnen und Erbsen pulen bei meiner Oma ;)
    liebe Grüße
    auch an den fleissigen Gärtner
    Rosi

  4. Salat wir gesät, gepflanzt, gegossen, von den Schnecken gefressen und dann gekauft. Das war schon immer so…. Dieses Jahr konnten ein paar Köpfe im provisorischen Gewächshaus überleben. Butterzart, kann ich nur sagen.

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