WMDEDGT.

Schon wieder der Fünfte eines Monats, schon wieder Zeit für wmdedgt. Die freundliche Frau Brüllen fordert uns alle vier Wochen dazu auf, Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, will sie von uns wissen, kurz wmdedgt.

Das ist heute einmal mehr recht kurz erzählt: ich mache gar nichts. Ich habe Urlaub. Das heißt, so gar nichts mache ich natürlich nicht, ich werfe am Morgen erstmal unsere Ausflugspläne für den heutigen Tag über den Haufen, quer durch den Odenwald sollte es gehen, zum ehemaligen Zisterzienserkloster Schönau, sowas ist ja immer spannend.

Es wäre dank Xavier, dem ollen Orkan, noch umso spannender geworden, Bäume auf der Fahrbahn, herabfallende armdicke Äste, umherwirbelnde Wildsauen undsoweiter, da lassen wir das lieber. Stattdessen trickse ich Xavier aus, auf der ausgedehnten Hunderunde, in einer Gegend, in der keine Bäume umfallen und keine Wildsauen herumwirbeln können, weil es beides schlichtweg gar nicht gibt.

Clever, gell.

Aber Xavier tobt auch hier, als sei er wütend auf mich und die Hunde, er zerrt knatternd an der Jacke und zieht an den Haaren, er brüllt mir in die Ohren; und wenn ich mich gerade vorneüber an ihn lehnen will, schaltet er sich blitzartig aus, sodass ich mehrfach fast auf die Schnauze falle. Vielleicht findet er das lustig, ich meine ihn lachen zu hören, zwischendurch.

Vielleicht lacht er aber auch, weil das schwarz-weiße Hündchen immer mehr aussieht wie Theo Weigel, die Älteren unter Ihnen werden sich erinnern, wenn der Wind die buschigen Brauen zerzaust, ist sie dem ehemaligen Minister fast zum Verwechseln ähnlich. Wenn Sie genug Geduld haben, können Sie das im Filmchen mal überprüfen.

Über die weiten Felder geht es knappe zwei Stunden, alles frisch umgeackert, die Hunde rennen gegen den Sturm und fangen Mäuschen in den Wiesen, Lieselottes grottenschwere Schleppleine tanzt im Wind wie eine Feder. Ich mag dieses Wetter, dieses Ankämpfen gegen die Elemente, zumindest in Maßen.

Hinten im Dorf, auf dem Friedhof, da ist die Frau E. begraben, an sie muss ich denken hier oben im Sturm. Die Frau E. mit dem weltbekannten grauen-vollen Namen, die nun hier in diesem friedlichen, winzigen Dorf liegt. Die große Weltgeschichte geht manchmal merkwürdige Wege.

Nach dem Tanz mit Xavier haben wir uns einen Cappuccino verdient, den nehmen wir in Osterburken, Zeit spielt im Urlaub keine Rolle, und was kostet die Welt? Cappuccino und Kuchen und nette Gespräche bei der tollen Polly im Osterburkener Römermuseum, da sollten Sie Ihren Kaffee nehmen, wenn Sie in der Ecke unterwegs sind. Und wenn Sie auch das Römermuseum noch nicht kennen, also bitte, dann wirds aber höchste Zeit, Unesco Weltkulturerbe undsoweiter, also ehrlich.

Xavier holt gegen Mittag nochmal tief Luft, und dann gibt er alles, Wind und Sturm und Wassermassen, bis dahin sind wir aber längst daheim im Warmen. Zwei Hunde und eine Katze gestatten, dass ich mich neben sie aufs Hundesofa lege, das doch einst als Menschensofa gedacht war, die Hundehalter unter Ihnen werden das wohl kennen. Und weil Konsequenz in der Hundeerziehung alles ist, haben die lieben Kleinen das Sofa kon-se-quent zu dem ihrigen erklärt, ja, so einfach geht das, wenn man nur konsequent dranbleibt.

Wir dösen und lesen, trinken heißen Kaffee und essen Kekse, die Hunde schnarchen, und alle zusammen drehen wir dem Xavier eine lange Nase. Der tobt im Garten herum, schüttelt die Bäume und Büsche und zaust die Hühnchen im Gehege, er duscht das ganze Dorf, ununterbrochen. Mit schmatzendem Geräusch fahren draußen die Traktoren über den nassen Asphalt, wir liegen im Warmen und lassen Xavier einen guten Mann sein, solche Leute soll man nicht noch mehr verärgern.

Noch ein bisschen am Rechner herumdödeln und neue Blog-Geschichten im Hirn und im Herzen bewegen, die Hühner füttern, danach durch den matschigen Garten eilen und Zutaten für das Abendessen hereinholen, Mangold und Kräuter, die eigenen Kartoffeln aus dem Keller, dazu ein paar Eier aus dem Stall, Schafskäse aus dem Kühlschrank, wir lassen den Tag in der Küche ausklingen, mit ein bisschen Musik und guten Gesprächen.

Wenn Sie mich fragen, fühlt sich das nach einem wunderbaren faulen Urlaubstag an. Und das in einer Region, in der man zumeist über Schaffenskraft und Fleiß und Arbeitseifer definiert wird, ich bin sehr stolz auf mich.

 

 

 

5 Kommentare

  1. was für ein herrlich entspannter Tag 😉
    habe doch ein paar mal lachen müssen ..
    ja.. hier hat es auch gestürmt..
    auch ich habe mich schön drinnen aufgehalten 😉
    liebe Grüße
    Rosi

  2. Wieso war der Sturm hier nur ein heftiger Wind? aber dann haben Bruder & Schwester ja noch was anderes um die Ohren, wenn sie im Elternhaus übernachten…
    Weiterhin einen schönen Urlaub!
    Astrid

  3. Sehr schön geschrieben. Das hört sich nach einem perfekten Urlaubstag an. Hier im Münsterland war es nass und nur ein klein wenig windig. Schade eigentlich.
    Liebste Grüße
    Tine

  4. Ich dusselige Kuh habe den #wmdedgt im Oktober völlig verpasst. Dabei mag ich das Tagebuchbloggen so gerne. Im November muss ich unbedingt daran denken. Aber so schaue ich mir eben mal an, was andere am 5.10. gemacht haben und lerne so wieder neue Blogs kennen. Dein #wmdedgt gefällt mir wirklich gut. Werde noch etwas auf deinem Blog stöbern. Ich habe am Wochenende eine etwas andere Blogaktion gestartet vielleicht hast Du Lust dabei zu sein?
    Es geht um meinen Wandermole. Du kannst selbst ein Teil von Mole werden ….
    https://dieplaudertasche.com/2017/10/07/freyas-wandermole-die-idee/
    Würde mich sehr freuen, wenn Du Lust auf die Aktion hast, darfst es auch gerne weitersagen 😉
    Wünsche Dir einen schönen Tag
    Liebe Grüße
    Freya

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