Was schön war.

Ich sitze da in der Küche und lasse mir von der Kaffeetasse die Hände wärmen, ich genieße das Alleinsein im Haus, draußen ist es oll und kühl, ich träume so vor mich hin, und die Hunde schnarchen im Wohnzimmer, wie sie das nach der ersten großen Morgenrunde gerne tun.

Wie ich da also so vor mich hinsitze, sehe ich im Augenwinkel plötzlich etwas durch unseren umzäunten Garten schleichen, eine große dunkle Gestalt, kaum zu erkennen zwischen Büschen und Bäumen.

Die Hunde schnarchen selig weiter, ich beneide sie manchmal um diese innere Ruhe, aber in solchen Momenten genieße ich nicht mehr das Alleinsein im Haus, sondern ich denke Ey, Leute, ich bezahle Euch fürs Aufpassen, nicht fürs Schlafen! Ihr werdet eines Tages noch verpennen, wenn ich von einem Einbrecher hinterrücks gemeuchelt werde. Aber letzten Endes hat das ja alles keinen Sinn, bei uns hapert es mit der Mensch-Tier-Kommunikation gleich auf mehreren Ebenen, so stehe ich also auf und gehe todesmutig und ohne Hunde in den Garten. Hallo, wer da?? 

Guten Morgen, ruft es fröhlich aus dem Gebüsch zurück, der Freund aus dem Nachbardorf ist es, mit seinem Traktor vor dem Tor und einem ganzen Haufen furchterregender Werkzeuge, jetzt reißt er auch schon an den übermannshohen, wackelnden, morschen Zaunpfosten herum, er reißt und stemmt und hämmert und sägt, er schnauft und ächzt und schwitzt, und zwischendurch pfeift er zu den Liedern, die plärrend aus seinem Traktoren-Radio herauskommen.

Was um aller Welt machst Du da?, frage ich ganz am Anfang, das ist zugegebenermaßen eine saudumme Frage, denn ich sehe ja, was er macht: er repariert unseren Zaun. Geo hat doch neulich erzählt, dass der Zaun in die Knie geht, also mache ich Euch das jetzt, sagt der Freund, und es klingt, als sei es das Natürlichste von der Welt.

Nach einer Stunde Ackerei fehlen dem Freund ein paar Stickl, und ich höre nach mehrmaligem Nachfragen heraus, dass es sich bei Stickl um handelsübliche HolzPfosten handeln muss, also machen wir einen kurzen Ausflug zum Raiffeisenmarkt ein paar Dörfer weiter, wir lachen und schwätzen im Auto und freuen uns diebisch auf die Gesichter, wenn uns beide jemand im Raiffeisenmarkt sieht. Die verheiratete Frau und der gutaussehende Mann aus dem Nachbardorf, sie treffen sich heimlich, um Stickl zu kaufen, und Legemehl und Körnerfutter und einen Topf Basilikum haben sie auch noch mitgenommen, sie hat das alles erstmal bezahlt, er lässt sich auch noch aushalten von ihr, mit Legemehl und Hühnerkörnerfutter, na, da hört sich doch wohl alles auf. 

Also, kurzum, wir amüsieren uns köstlich auf Kosten möglicher ländlicher Tratschmäuler (die es im Odenwald selbstverständlich garnirgends nie gibt), am Ende des Mittags steht der Zaun wieder wie festgemauert in der Erden, es gibt Kaffee und ein kühles Bier, und dann brummt nach ein paar Stunden der verschwitzte Freund davon.

Ich stehe in der Mitte der Dorfstraße und blicke dem Traktor noch einen Moment hinterher und winke, und dann weiß ich nicht, ob ich glücklich oder beschämt sein soll, wegen des kaputten Zaunes, der nun wieder ganz ist, ohne unser Zutun, nur dank andrer Leuts selbstverständlicher Hilfe. An manche Aspekte des Landlebens bin ich offenbar immer noch nicht so richtig gewöhnt.

 

 

 

5 Kommentare

  1. Hachja. Genau DAS ist es, warum ich der Stadt den Rücken kehre und wieder in einem kleinen Kuhkaff wohnen werde. Es ist einfach ein ganz anderes Miteinander, wenn Du weniger Menschen in der Nähe hast. Die Aussicht auf samstägliche Besuche im Raiffeisenmarkt geben allerdings auch ein kleines bisschen den Ausschlag, möglicherweise ;-D

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