Zuwachs.

Wenn der Besuch zum Sonntagskaffee keinen Kuchen mitbringt, sondern eine Kiste mit drei piepsenden jungen Hühnchen, dann spätestens weiß man, dass man auf dem Lande wohnt. Wir haben also Zuwachs bekommen und für ein paar Stündchen so getan, als gäbe es auf der Welt kein wichtigeres Thema, keine wichtigere Frage als die, wie die Youngsters abends wohl in den Stall hineinkommen und ob sie schon groß genug sind, um sich aus dem Futterautomaten zu bedienen.

Wir nennen die drei jetzt mal Tick, Trick und Track, das sind zwar keine ausgesprochenen Frauennamen, aber ich denke, in Zeiten der Emanzipation geht das in Ordnung. Auseinanderzuhalten sind sie ohnehin nicht, alle schneeweiß mit blauen Beinen. Letzteres liegt nun ausnahmsweise nicht an den klimatischen Gegebenheiten in Badisch-Sibirien, sondern in der Natur der Rasse, es handelt sich um edle Bresse gauloise, und die haben nun mal blaue Stelzen. Irgendwann kommt vielleicht auch noch ein roter Kamm dazu, das passt ja dann auch farblich, blau, weiß, rot, wie die französische Flagge, das fällt mir eben auf. War sicher genauso gedacht bei der Züchtung, nehme ich mal an, den Franzosen ist das zuzutrauen.

Ich habe in diesem Zusammenhang gelernt, dass Bresse-Hühner in der französischen Kühltheke immer mit blauem Bein verkauft werden; nicht, weil der Franzose das nun besonders schick fände, sondern quasi als eine Mischung aus Garantieschein und Qualitätsbeweis, wer schon ein teueres Bresse-Huhn kauft, soll sicher sein, dass es sich um ein ebensolches handelt.

Wie dem auch sei, wir haben also einen netten Nachmittag mit den Hühnchen-Lieferanten verbracht und über dies und das geplaudert, und am Abend sind wir mit fuchtelnden Armen durch das Gehege geschlichen, mein Geo und ich, um den Hühnchen den Weg in den Stall zu weisen. Hühnchen stellen sich nach einem Umzug angeblich immer ein bisschen saublöd an, ich kann das bestätigen, sie eilten hierhin und dorthin, versteckten sich unter dem Stall und im Gebüsch, wir riefen erst Auf geht’s, in die Heia-Heia!, und Wir wollen doch nur Euer Bestes! und später dann Wollt Ihr vielleicht hier draußen übernachten, Ihr dämlichen Viecher?, und am Ende konnten wir sie überzeugen.

Vielleicht müssen wir heute abend nach Einbruch der Dämmerung wieder ran, mit fuchtelnden Armen werden wir elfengleich durch den Garten schreiten und wahlweise wispern, locken, besänftigen oder anbrüllen, die Nachbarn werden es uns danken, das ist vermutlich besser als jedes Vorabendprogramm im Fernseher.

JoHahn leidet derweil weiter an seiner Kropfverstopfung, wir hatten (klick!) hier darüber berichtet, und wir sind nicht sicher, ob der leicht empörte Gesichtsausdruck von der Verstopfung oder den jungen weißen Hühnern herrührt. Wir werden das herausfinden.

 

 

 

 

4 Kommentare

  1. Beste Genesungswünsche an den Gockel!
    Vlt. solltet Ihr mal versuchen, das gallische Federvieh auf französisch zum Heimkommen zu rufen. Die sprechen bestimmt kein Deutsch!

  2. Guten Morgen
    schöne Neuzugänge, ich hoffe sie leben sich gut ein.
    Oh, der arme Herr JoHahn, das dauert aber jetzt schon lange. Hat sich der Klumpen nicht gelöst? Dort weiter gute Besserung.

  3. Bei „bresse-gauloise“ Federvieh empfiehlt es sich im Stall einen Topf mit Rotwein (vornehmlich aus dem Burgund) anzubieten, damit sind die Hühner ausgeglichen und heimisch fühlend.
    Viel Spass, mit Dauerstreik, sich auskennenden Exil-
    Franzosen.

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