Das Güllegeheimnis.

Sie sehen mich einmal mehr ratlos, denn gestern hat sich wieder herausgestellt, dass das Landleben auch nach Jahren und Jahrzehnten Fragen aufwirft, die ich nicht zu beantworten vermag. Aber vielleicht lesen hier ja Profis mit, die helfen können.

Da gehe ich gestern also über die Felder, es nähert sich brummend der Traktor des alten Landwirtes, der so gerne mit mir schwätzt. Und auch diesmal hält er neben mir, macht die Tür vom Bulldog weit auf, und über das laute Tuckern des Motors hinweg brüllen wir uns freundlich ein paar nette Sachen zu. Genauer gesagt, wir kommen so sehr ins Gespräch, dass er schließlich sogar den Motor abstellt, damit wir nicht so brüllen müssen.

Jedenfalls kommt er irgendwann auf den Erwin zu sprechen, der wohnt mehrere Dörfer weiter, für hiesige Verhältnisse also nahezu im Ausland, und ich frage erstaunt, Ach, Sie sind mit dem Erwin befreundet?, woraufhin er kurz mit den Schultern zuckt und sagt, Naja, wir teilen uns ein Güllefass. 

Ein Symbolbild.

Nun frage ich mich also, wie teilt man sich ein Güllefass, wenn man vergleichsweise weit entfernt voneinander lebt und arbeitet? Und was heißt das überhaupt, teilen? Wer kontrolliert, wer wieviel Gülle einfüllt? Gibt es da nicht unweigerlich Ärger, wenn der eine sich gülletechnisch übervorteilt sieht? Wie kann man die eine Gülle von der anderen unterscheiden? An der Farbe, am Geruch?

Was wird überhaupt mit der Gülle im Güllefass? Bringt die am Ende einer von beiden auf seinen Feldern aus? Und was, wenn Erwin viel mehr Gülle ausbringt, als er ins Güllefass gefüllt hat, und mein armer Landwirt in die Röhre guckt, weil er zwar Gülle eingefüllt, aber nichts mehr herausbekommen hat? Das ist offenbar ein sehr komplexes Thema, dem ich auf den Grund gehen muß.

Viel mehr interessiert mich aber die Frage, was es auf der Ebene einer Beziehung zwischen zwei Männern heißt, wenn sie sich ein Güllefass teilen. Ist das eine Art landwirtschaftliche Notgemeinschaft? Ein schlauer Schachzug der Betriebswirtschaft? Oder steckt da mehr dahinter, Freundschaft, Vertrauen, ja, vielleicht sowas wie Liebe? Ich meine, mit wem würde ich mir ein Güllefass teilen? Mit jeder dahergelaufenen Person? Oder nur mit jemandem, mit dem ich auch Tisch und Bett teilen würde?

Ich habe jedenfalls gestern abend in einem Anflug von zärtlicher Zuneigung und quasi testweise zu meinem Geo gesagt, weißte, mit Dir würde ich mir sogar ein Güllefass teilen!, Geo machte daraufhin einen Gesichtsausdruck, der leider nur zusätzliche Fragen aufwarf, so komme ich also nicht ans Ziel mit meinen Recherchen.

Und jetzt weiß ich auch nicht weiter.

 

 

13 Kommentare

  1. *lachmichwech* und warum hast Du den netten Landwirt nicht einfach gefragt??? 😉 Hätte mich jetzt echt auch interessiert…ehrlich…LG und schönes Wochenende wünsch‘ ich Euch

  2. Falls die Frage ernst gemeint ist: Also wir haben uns mit unseren NAchbarn damals auch ein Güllefass geteilt. Das Güllefass war in dem Fall der Treckeranhänger mit mit dem die Gülle aus der Grube abgepumpt wurde und aufs Feld ausgefahren wird.

    Natürlich ist das Güllefass leer wenn es an den Nachbarn übergeben wird und dieser fährt dann seine eigene Gülle auf das Feld.

    • Bei Nachbarn verstehe ich das ja durchaus, aber bei Leuten, die zehn, fünfzehn Kilometer entfernt voneinander sind, leuchtet es mir noch nicht richtig ein.

      • wenn güllefass das ist was ich denke und dann die preise stimmen, die das goiglen ausspuckt, macht es sinn sich das zu teilen… ich kenn das aus österreich, dass sich mehrere bauern verschiedene geräte teilen, aus rein pragmatischen kostengründen…

  3. Doch, das kenne ich auch. Habe auf einem reinen Ackerbaubetrieb gelernt und wir waren froh, wenn uns der Nachbar mit Viehhaltung (13 km entfernt) zum Vegetationstart von seinem Wirtschaftsdünger etwas abgegeben hat. Wir haben dafür sogar Geld bezahlt, aber weniger, als für Mineraldünger. Diese Kreislaufwirtschaft könnte man ausbauen. Leider kriegt man als Ackerbauer keine Baugenehmigung für ein Güllelager im Aussenbereich. Und da irgendwann die Transportkosten höher als die Mineralöldüngereinsparung sind, lohnt m.W. der Transport über weite Entfernungen dann nicht.

    • Der Wetterbericht gehört selbstverständlich schon lange zu den Favoriten, so sehr Landmensch bin ich dann doch schon. 🙂

  4. Schätze mal, da war nicht der GülleTANK gemeint, sondern das Faß, aus dem die Gülle dann auf den Acker gebracht wird. In Zeiten, in denen man schonmal Silage auf 15 km entfernten Feldern macht, ist es überhaupt kein Problem, so ein Güllefaß abzuholen und zurückzubringen. Zumal die Anschaffung weahrscheinlich sehr teuer ist.

  5. Hallo,
    das sind wunderbare Gedankengänge und in der Tat, ein Güllefass teilt man sich nicht mit jedem x-Beliebigen. Das ist schon ein Vertrauensverhältnis.
    Du kannst es Dir in etwa so vorstellen: Der Anschaffungspreis wird von beiden Bauern getragen, und beide dürfen dann das Fass zur Ausbringung der Gülle des jeweils eigenen Hofes auf die jeweils eigenen Feldern benutzt. Hierdurch halbieren sich die Fixkosten. Wie von Dir vermutet, also im Wesentlichen ein betriebswirtschaftlicher Clou. Beiden Bauern obliegt es dann, besonders sorgsam mit dem Fahrzeug umzugehen, denn es handelt sich ja auch um einen Vermögenswert des jeweils anderen. Die Bauern überlegen sich also sehr gut, mit wem sie „Güllefass-Sharing“ machen und es entsteht wie eine Beziehung mit Höhen und Tiefen, wie immer wenn Menschen gemeinsam agieren. Wunderbar….

  6. Liebe Frau K.
    sind Sie denn einmal um das Güllefass herum gelaufen? War es ein ganzes oder eben nur ein halbes Fass? Bei diesen hohen Anschaffungspreisen teilt man sich so ein Gerät auch mal. Am Besten genau in der Mitte. Dann hat jeder im Normalfall gleich viel zum halben Preis. Ein weiterer Vorteil ist, das man nur an einem Rad platt kriegen kann, da das Andere ja mit dem Restfass beim Nachbarn steht. Bei so einem halben Fass schwabbt natürlich auch mehr Gülle raus beim Fahren, was man gut an den Straßenzeichnungen sieht, vor allem in den Kurven.
    Eine andere Variation ist das Teilen von Güllefässer zwischen 3 Landwirten. Recht kompliziert ist das, weil sich beim Räderteilen immer Ungerechtigkeiten einschleichen. Aber da reden wir ein andermal drüber.
    Hochachtungsvoll, Peter, Ihr Güllokologe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.