Im Nebel.

Ich halte nichts von vorweihnachtlichem Stress, und Fußgängerzonen meide ich, nicht nur derzeit, sondern immer, wie der vielzitierte Teufel das Weihwasser. Wir haben ja hier kaum Fußgängerzonen, insofern ist das nicht so schwer. Ich gehe lieber ein bisschen in den Wald und auf die Felder, mit den Hunden, ich plaudere kurz mit dem angelnden Freund am Forellenteich und genieße ansonsten die Ruhe da draußen.

Der Nebel dämpft die Geräusche, im Wald unten am Bach ist es ein bisschen, als laufe man durch einen luftigen Wattebausch, oder als bewege man sich in einem halbdurchsichtigen Kokon. Keine Menschenseele unterwegs. Gar nicht gruselig fühlt sich das an. Eher so, als sei man Teil eines weihnachtlichen Märchens, auch ohne Schnee. Einem Märchen mit einem happy-end natürlich, einer Geschichte aus einer friedlichen Welt. 

Und dann denke ich an den jungen Mann im Nachbardorf, den aus der Flüchtlingsunterkunft, der mir neulich lächelnd die Fotos aus seiner Heimatstadt gezeigt hat. Er scrollte und wischte auf seinem smartphone herum, immer neue Bilder musste ich anschauen, von alten Kirchen und riesigen Palästen und bunt beleuchteten Einkaufszentren, von dem schicken Autohaus, in dem er gearbeitet hat, von überfüllten Straßenkreuzungen und Bürotürmen und von einer atemberaubenden Zitadelle. Aleppo, sagte er, das ist meine Heimatstadt, und dann lächelte er wieder, ein bisschen stolz, ein bisschen unsicher, und ich frage mich seitdem, wieviel Schmerz und Verzweiflung und Angst hinter diesem Lächeln wohl stecken muss.

Und dann gehe ich mit den Hunden weiter durch diesen Wattebauschwald und die graue Landschaft, wie in einem Kokon, und versuche mich daran zu erfreuen. Trotz allem. Auch, wenn es sich zwischendurch so furchtbar falsch anfühlt. Etwas hilfreicheres fällt mir derzeit auch nicht ein.

Ihnen vielleicht?

 

 

 

2 Kommentare

  1. Nein. Mir auch nicht. Trotzdem denke ich, es ist der richtige Weg, das zu genießen, was wir hier haben. Solange das nicht bedeutet, ganz zu verdrängen, daß es Anderen anders geht …. Es hilft Niemandem, wenn die, denen es gut geht, sich nicht mehr darüber freuen können. (Hehre Worte und wahr – daß ich mich selbst schwertue damit, steht auf einem anderen Blatt)
    Wir fanden uns letztens mitten in Planungen für einen Besuch in Bagdad wieder, samt Fotos von all dem, was wir gezeigt bekommen sollen. („Nicht jetzt. Vielleicht fünf Jahre, vielleicht zehn – wenn Daesh kaputt!“) Eine leicht absurde Situation, aber die Stimmung war gut, die Freude, uns die Schönheiten des Landes zu zeigen, groß – manchmal hilft offenbar auch, sich eine bessere Zukunft vorzustellen.

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