Treibjagd.

Ich war heute mal wieder bei einer Treibjagd unterwegs. Während Sie vielleicht durch irgendeine Fußgängerzone geschlendert sind oder beim Metzger waren, um den Sonntagsbraten auszusuchen, währenddessen also bin ich durch Unterholz und Modder gekrochen und gestolpert, bei eisiger Kälte, gute zwei Stunden lang, dick eingepackt und mit Warnweste versehen.

Die passte in ihrer Leuchtfarbe dann vermutlich auch zu meinem Gesicht, hochrot von der Anstrengung. Kriechen Sie mal zwei Stunden durchs Unterholz, und schreien Sie auch noch dabei, man glaubt ja nicht, wie dick eine Dickung und wie kräftezehrend Rumgebrülle sein kann.

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Wie dem auch sei, ich habe am Anfang ein paar Fotos gemacht, um Ihnen einen Eindruck zu vermitteln, was man hier also so treibt, während andere Leute durch Fußgängerzonen schlendern oder hektisch nach Weihnachtsgeschenken suchen. Unterwegs habe ich nicht fotografiert, man sähe da auch nicht allzuviel, zweimal hat es mir die (ohnehin völlig beschlagene) Sehhilfe von der Nase gerissen, mehrfach musste ich mich von zurückschnellenden Ästen ins Gesicht peitschen lassen, aber ich bin ja selber schuld.

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Die Jagd ist mir inzwischen ein durchaus vertrautes und dennoch immer wieder fremdes Schauspiel. Solange ich aber Fleisch esse, scheint es mir die vertretbarste Art der Nahrungsmittelbeschaffung. Irgendwie muss der Braten auf den Teller kommen, und wir bekommen viel geschenkt und auch verkauft, direkt vom Schuss. Von vielen Bekannten, die auf die Jagd gehen, eine saumäßig teure Pacht ihr Eigen nennen und mir sehr verantwortungsbewusst erscheinen, ich kann das gar nicht anders nennen.

Ich werde mich also hüten, gegen die Jagd zu wettern wie die Freundin, die mit allen Anzeichen des Entsetzens zu mir sagt Iiih, Du isst BAMBI?, während sie gleichzeitig mit der Hand beim Discounter in die Fleischtiefkühltruhe greift. Naja, Sie wissen schon.

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Wenn Sie nochmal genauer wissen wollen, wie das mit so einer Treibjagd geht, dann lesen Sie (klick!) hier  nochmal nach, das war damals meine erste Treibjagd, eine Geschichte, die vermutlich in die hiesige Dorfchronik eingehen wird, damals waren Frauen da noch eine Rarität. Ist ja auch schon ein paar Jährchen her.

Und heute war ich ohnehin in einem anderen Revier unterwegs, mit einem anderen Jagdpächter und gottlob ohne Jägerschorle, sondern mit einem Kinderfruchtsaftgetränk und Strohhälmchen und einer Wurststulle als Verpflegung. Die Fotos von den dick eingemummelten Männern mit den Pelzmützen und dem Gewehr um die Schulter, die mit ihren dicken Handschuhen eine Capri-Sonnen-Tüte umklammern und am Strohhälmchen herumzutscheln, die habe ich natürlich auch nicht gemacht. Zu blöd.

 

 

 

7 Kommentare

  1. Auch wenn wir die Jägerei in ihren Facetten recht fragwürdig finden, lassen wir uns
    von „unserem“ Jäger mit Wildbret versorgen. Besser als vom Metzger geschweige vom
    Supermarkt.

  2. Mein Ding wärs nicht, aber es gibt in der Familie im Odenwald bzw. Im Freundeskreis beim Karnevalsstammtisch Jäger, alles respektable, da reflektierte Persönlichkeiten, denen ich abnehme, dass sie wissen, was sie tun. Und ja, sich aus der Fleischtheke zu bedienen, finde ich da nicht moralisch höherstehend…
    Einen schönen Sonntag!
    Astrid

  3. GAR KEIN Fleisch, wenn nicht vom selbst getöteten Tier: das lasse ich gelten. Für mich gilt daher: lieber gar keines, denn zum Töten bin ich zu sehr Weichei. Das fordere ich auch für Andere.
    Aber nur sehr leise, weil ich sonst sozial isoliert wäre…
    Meine gelebte Meinung.
    Herzliche Grüße
    Kari

  4. Leider ist die Treibjagd genau die fragwürdige Art der Jagd die ich so garnicht unterstützen mag. Jagd als Handwerk mit viel Erfahrungswissen ist meiner Meinung nach mittlerweile Mangelware. Wenn man mal nachliest wie viel Wild bei einer Treibjagd nur mangelhaft geschossen wird und elend verenden muss, ein Trauerspiel. Grund > man geht zur Treibjagd aber nicht regelmäßig zum Üben auf den Schießstand und natürlich ist die Treibjagd eine schnelle Jagd bei der man schon Übung mit der Waffe haben muss.
    Ich habe übrigens selbst den Jagdschein, aber diese Form der Jagd verweigere ich. Und Fleischtechnisch – tuts auch das wunderbare Rindfleisch vom Biobauern in Oberscheidental > sehr empfehlenswert übrigens.

  5. Wir haben dieses Jahr unseren Wildschweinbraten weiterverschenkt. In F werden alle Dorfbewohner von den Jägern im Herbst mit einem Stück Wildbret bedacht. Wir bekamen dieses Jahr wieder das Stück, durch das der Schuß ging. Wie letztes Jahr. Und beim Säubern des Fleisches drehte sich mir fast der Magen um – auch, weil der Schmerz des Tieres dabei irgendwie so gegenwärtig war. Ich war richtig froh, dass ich mir das dieses Jahr erspart habe. Selbst wenn ich weiß, dass dieses Fleisch ein gutes Festagsessen gegeben hätte… rein theoretisch…

  6. Wild ist schon was Feines. Die Viecher sind langsam gewachsen. Hatten etwas vom Leben… Blattschuss – kein Problem.
    Und Mensch, wir leben schließlich im Anthropozän, muss ab und zu eine Drückjagd veranstalten. Wenn man sieht was Bambi in einer Schonung anrichten kann. Das kommt schon Halbstarken gleich, mindestens.

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