Must-haves.

Es gibt Dinge, von denen wusste ich damals, als ich noch in der Großstadt lebte, nicht einmal, daß sie existieren. Geschweige denn, wofür man sie verwenden sollte. Dinge, ohne die ein Überleben auf dem Lande aber schlechterdings unmöglich ist.

Heute: Gipseier.

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Ja, klar, ich kannte harte Eier, also hart-gekochte Eier, und ich kannte den Geruch dazu. Eigentlich roch der ganze Berliner Bahnhof Zoo nach hartgekochten Eiern, die Reichsbahn-Züge näherten sich rumpelnd und quietschend auf den Gleisen und schoben eine Wolke Harte-Eier-Geruch vor sich her. Ich weiß nicht, woran das lag und ob das heute noch so ist, oder ob harte Eier in hauptstädtischen Zügen inzwischen so out sind wie die gute alte StinkeReichsbahn.

Wie dem auch sei: mit harten Eier kennt man sich als Berliner also aus, geschmacklich, olfaktorisch, aber von Gipseiern hatte ich noch nie gehört. Sie liegen im Raiffeisenmarkt zu Dutzenden herum, in diesem shopping-wonderland des Landmanns, diesem KaDeWe der Landfrau, und in gut sortierten Raiffeisenmärkten gibt es sie sogar in verschiedenen Größen.

Das Gipsei, vergleichsweise günstig, ist dabei eine Anschaffung fürs Leben, ich besitze inzwischen immerhin vier Stück. Gipseier sind, wenn ich das richtig verstanden habe, ein Zugeständnis an die Blödheit eines Huhns. Sie können das Legenest im Stall so schick gestalten wie Sie wollen: dem Huhn wird sich der Sinn vons Janze nicht erschließen, wenn – ja, wenn da keine Gipseier herumliegen. Es ist quasi der Ei-gewordene Wink mit dem Zaunpfahl.

Man könnte auch ein Schild aufstellen: Eier bitte hier hinein!, würde da geschrieben stehen, mit einem Pfeil in Richtung Legenest, aber Hühner können ja nicht lesen, deswegen erübrigt sich das mit dem Schild. Also, Gipseier ins Nest gelegt, gut sichtbar für die Hühner, und schon läuft die Sache. Ich kann das nur empfehlen, Sie ersparen sich damit das tägliche Eiersuchen auf dem gesamten Grundstück und in den mannshohen Brennesselbüschen.

Manchmal bedaure ich, daß Gipseier niemals kaputtgehen, sie werden mitunter aus dem Legenest geschleudert, im Zuge eines Hühner-Tobsuchtsanfalls oder vor schierer Begeisterung, wer weiß das schon, aber kaputt gehen sie nie. Dabei würde ich gerne zwischendurch neue kaufen. So ganz lässig zwei, drei Gipseier auf die Kassentheke beim Raiffeisen legen, und dann das Portemonnaie zücken, als wäre es das Selbstverständlichste von dieser Welt.

Wie eine echte Landfrau halt, Sie wissen schon.

 

 

6 Kommentare

  1. Ahh, sehr inspirierend, dich gleich heute morgen zu lesen. Sieste, ich werde direkt im franz. Pendant *Gammvert* mal Ausschau halten nach solchen Gipseiern. Noch nie bewußt wahrgenommen. Aber irgendwann – da bin ich mir sicher – wird es zwangsläufig zu eigenen Hühnern kommen. Und dann habe ich bereits einen entscheidenden Tipp im Hinterkopf (und sehr schöne Namensideen)
    Ein *Gute-Besserung* noch in die Rund…

    • Oh, ich bitte um Berichterstattung, ob französische Gipseier vielleicht anders beschaffen sind als deutsche. Wobei ich eben merke, daß ich gar nicht weiß, wo die Teile herkommen. Vielleicht auch made in Taiwan? Möglich ist ja alles heutzutage. Ich werde das herausfinden.

  2. Ich kann mich noch gut dran erinnern, wie ich mich mal selber angeschmiert hatte mit so einem Gipsei zu der Zeit, wo ich noch die „Deutschen Sperber“ hielt und züchtete.

    Beim leeren der Nester packte ich ohne es zu merken, eins von den Gipseiern dazu und kochte kurz darauf ein halbes Dutzend Eier in der Küche.

    Ich konnte gar nicht verstehen, weshalb sich das eine gar nicht öffnen ließ … hat ´n Moment gedauert …

    Ich bildete mir ein, daß das Viehzeugs sich krumm-buckelig darüber gegackert hatte.

  3. In der Eifel gibt es am Ostersonntag den schönen Brauch unter Kindern, die bemalten Ostereier aneinander zu stossen. Wessen Ei ganz bleibt, der gewinnt das gegnerische Ei!
    Ich hatte mal für einige Stösse ein schön bemaltes Gipsei…
    Vielleicht ein Tipp für Kinder, wenn es diesen Brauch noch gibt, aber heute ist ein Ei weniger
    wert als vor fünfzig Jahren!

    • Das ist aber doch Spiel-Manipulation, und nach dem internationalen Regelwerk des Eierstossens eigentlich verboten, wenn ich richtig weiß. ;-)

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