WMDEDGT.

Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, kurz wmdedgt, das will von uns Frau Brüllen heute wieder wissen. Große Frage, große Antwort. Ich geh ins Kloster, ist doch klar. Aber erst eine Runde durch Gottes freie Natur. Das wird ein wahrhaft frommer Tag.

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Morgens um Sechs ist die Welt noch in Ordnung, die Temperatur noch erträglich.

 

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Und wenn der alte Hund nicht plötzlich humpeln würde, wären wir länger unterwegs gewesen.

 

Danach: sitzen, schwitzen, nachdenken. Darüber, was man wohl anzieht, bei 38 Grad in einem Klostergarten. Und Knoblauch ernten, und zum Trocknen aufhängen. Urdeutsches Gemüse wächst bei uns ja leider eher mäßig. Dafür also: Knoblauch, bitte sehr, uns soll es recht sein. Sollte es mal hart auf hart kommen, können wir immernoch Spaghetti aglio-olio essen, wochenlang.

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Mittags dann der Blick gen Himmel. Von riesigen Hagelkörnern ist im Internet die Rede, von Orkan und Donnerwetter. Noch ist nichts zu sehen. Und die Kleiderfrage stellt sich doppelt. Lange Hosen anziehen. Ja, Sie haben richtig gelesen, die Temperaturen steuern auf ihren heutigen Höhepunkt zu, und die Frau vom Land zieht lange Hosen an. Ich gehe ja ins Kloster, siehe oben. Und ich bin in derlei Fragen äußerst altmodisch. Und in der Lage, mich ganz furchtbar aufzuregen über Hotpants plus Spaghettiträger in Gegenwart von frommen Nonnen.

Die frommen Nonnen sind in diesem Fall Clarissen, und sie verlassen unser Dorf in absehbarer Zeit. Sie waren 66 Jahre unsichtbar, hinter der hohen Klostermauer gut versteckt, zum Schweigen,  Beten, Arbeiten. Jetzt gehen sie ins Nonnen-Altersheim. Und öffnen zum ersten und zum letzten Mal, seit ich hier wohne, Tür und Tor. Bald packen sie die Kisten und die Koffer, und was nicht mitsoll, wird verkauft, bei einem Flohmarkt.

Heute also holen sie die Welt ins Haus, die Welt und den Lärm, die Kuchentheke, die Bierbänke, die Blasmusik. Schon der Gottesdienst am Morgen war so überfüllt, daß Helferinnen zusätzliche Bänke schleppen mussten, erzählt man uns. So geht es mittags grade weiter. Im Klostergarten, sonst tabu wie alles hier, tobt das wilde Leben.

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Die Schwestern, aus der Kontemplation quasi hinauskatapultiert ins brummende Tohuwabohu, lachen, schwätzen, schwitzen, scherzen. So, als organisierten sie regelmäßig solche Feste.

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Besuch von auswärts.

 

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Der Flohmarkt eröffnet ungewohnte Einsichten ins Klosterleben, es fühlt sich ein bißchen sonderbar an, dieses ungenierte Umherlaufen, Anschauen, Abwägen, Plappern und Lachen in einem Refugium, das sich selber sonst hermetisch abriegelt. Und der Blick über die Flohmarkttische ist, als käme man durch die kalte Küche von hinten ins Haus und könnte die Bewohner anhand ihres Hausstandes einschätzen.

Häcksler, Hacken, Harken, Kruzifixe, Kochgeschirr und Kerzen, Bibeln, Butterfäßchen, Blumentöpfe, Gummistiefel und Gebetsbücher. Ein Faxgerät zum Mitnehmen, ein schnurloses Telefon. Eine Art Querschnitt durch das sonst so unsichtbare AlltagsLeben dieser Frauen.

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Im Hintergrund schuften die vielen Helfer, Männer und Frauen aus dem Dorf, die seit Jahrzehnten mit dem Kloster verbunden sind, Hand in Hand mit den Schwestern. Schnitzel müssen nachgeordert werden, einer muß zum Metzger fahren, andere schleppen Geschirr in die Klosterküche, alle sind verschwitzt und rotgesichtig, nein, auch wir frieren heute nicht, sagt eine Schwester im schwarzen Habit und lacht.

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Auf dem Weg zurück durchs flimmernd-heiße Dorf denke ich an die Bloggeraktion. WMDEDGT. Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag? Auch die Balsbacher Clarissen kennen diese Frage. Was macht Ihr denn den ganzen Tag, außer ein bißchen arbeiten und beten?  Das Haus ist groß, das Grundstück auch, da gibt es immer viel zu tun. Mehr, als die alten Schwestern jetzt noch leisten können, deswegen ziehen sie ja weg von hier.

Dann haben wir noch unsere Aufträge, die Stickarbeiten, das ist mitunter ziemlich harte Arbeit, hat uns eine Schwester erzählt. Und dann geht man zwischendurch in die Kapelle und möchte ruhigwerden, runterkommen. Das kann schon ganz schön anstrengend sein, das Einfach-da-sein, das Offen-sein, das Einfach-warten und das Einfach-annehmen.

Jetzt lege ich mich also wieder im Garten in den Schatten und denke nach. Über das Einfach-da-sein, das Offen-sein, das Ruhig-werden und das Annehmen. Und darüber, warum das oft so schwer ist.

Für den Rest des Tages dürfte das Programm genug sein.

 

 

 

 

 

 

14 Kommentare

  1. Schön, wie Du Deinen Tag zugebracht hast.
    Zugleich beschleicht mich Wehmut, vom Ende des Klosters zu hören. Hier bei uns wird auch gerade ein Kloster geschlossen, weil die verbliebenen Nonnen es altersmäßig nicht mehr schaffen, den Klosterbetrieb aufrecht zu erhalten. Natürlich gönnt man deutlich über 80jährigen ihren Ruhestand aber es ist eben traurig, dass da etwas unwiderruflich sein Ende findet, was Jahrhunderte da war. Still aber durchaus wirkmächtig in der Gegend und zwar im positiven Sinne. Ein Verlust, den viele jetzt noch gar nicht realisieren. Wenn sie es merken werden, wird es längst zu spät sein.

    • Die Menschen hier im Dorf – oder viele von ihnen – vermissen die Nonnen jetzt schon, glaube ich. Da gab es irgendwie durchaus enge Verbindungen. Da werden viele traurig sein.

  2. Ja, sehr schön, stimmungsvoll und traurig ist es auch. Der Klosternachwuchs bleibt aus. Ich bin auch nicht dafür gemacht. Bei aller Sehnsucht nach Stille.
    Haben Sie ein schönes Objekt erstanden? Oder ein Paar praktische Gummistiefel? Danke für die schönen Aufnahmen.
    btw: Knoblauch ist toll! Und hier darf ich ihn auch ungestraft essen :)

  3. Ich denke die Leute hier im Dorf vermissen ihre Dienste,die wie sie glàubig sind.Die hier weniger den Kirchengang praktizieren,und nicht so glàubig sind ist das egal oder sehen es nur als verlorenes Merkmal des Ortes.Ich persònlich finde sie haben fùr ihren Glauben gute Arbeit geleistet,jedoch sollte man ihre Freude auf den Ruhestand gònnen

  4. auf die gefahr hin, dass ich jetzt haue kriege: aber mit klosterfrauen verbinde ich leider nicht nur wohltätigkeit und frömmigkeit! einige von ihnen sind mir zwar in guter erinnerung. viel mehr aber denke ich an überforderung, scheinheiligkeit, unzufriedenheit… viele klosterfrauen sind ja seinerzeit nicht aus eigenem willen ins kloster gegangen sondern weil es sich gehörte, dass jemand aus der familie im kloster lebt, oder weil es die einzige möglichkeit war, einen beruf auszuüben, oder einem mausarmen leben mit vielen kindern zu entgehen…
    ♥ monika

    • Das mag so sein, und ich kenne das auch, aber diese hier machen tatsächlich einen ganz klaren und in sich ruhenden Eindruck. Man könnte fast neidisch werden.

  5. Echt tolle Bilder! Vor allem durch das Schwarz\Weiß wirken sie wie aus der Zeit gefallen, ein bisschen wie die Nonnen… Eine schöne Erinnerung!
    VG Charlie

  6. Pingback: Immobilienmarkt. – LandLebenBlog

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