Unterwegs.

18. Juni 2014

 

 

Neulich mal am Kaiserstuhl vorbeigeschaut. Landmenschen sind ja froh, wenn sie zwischendurch mal Urlaub auf dem Land machen können. Ähem.

 

 

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Neue Weinguts-Architektur bestaunt.  Eiche rustikal und handgeschnitzte Sitzbänke waren gestern.

 

 

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Weingut Abril.

 

 

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Heute muß ein Weingut von außen aussehen wie ein innovatives Weltmarktunternehmen, und von innen wie ein modernes Geldinstitut. Reduce to the maximum. Und wo wir grade bei Maximum sind: Die Weine wollten wir uns nicht leisten. Die Erbsensuppe für 11 Euro auch nicht.

 

 

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Nein, kein G-8-Konferenzraum. Die Probierstube.

 

 

 

Sein Umsatz – berichtet Franz Keller  – ja, genau der legendäre -,  habe allein aufgrund des schicken neuen Gebäudes dicke zugenommen. Na gut. Hinfahren und angucken ist in jedem Fall empfehlenswert, vorallem für Architekturfans.

 

 

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Dem Keller seins. Zum Gucken kommen sogar Biertrinker.

 

 

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Winzerstübchenseparee.

 

 

Sehr empfehlenswert wäre es ja überhaupt, da zu wohnen, sagt mein südländischer Geo immer wieder. Super klima, super Weine, super Landschaft, super Lebensart. Alles besser als im finstren, kalten Tann.

 

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Leider spuckt uns der F. in diese Suppe.

Der freundlich-eloquente F. wohnt seit mehr als 13 Jahren in einem 300-Seelen-Dorf im Kaiserstuhl. Eigentlich war er mal reicher Unternehmer, dann erinnerte er sich an altlinke und grüne Zeiten, verkaufte das Geschäft und ließ die Haare wachsen.

 

Heute fährt er mit seiner Harley durch den Kaiserstuhl und läßt den lieben Gott einen guten Mann sein. Und kennt Gott und die Welt. Und alle kennen mich.  Aber grüßen tut mich hier von sich aus kaum einer. Seit 13 Jahren nicht.

 

Die Geschichte ist schuld, sagt der F., die Geschichte, die der Region seit jeher  alle paar Jahre neue feindliche Truppen vorbeischickte. Zuletzt Nordafrikaner im Dienste der französischen Armee. Die jungen Mädchen des Dorfes haben sie damals in den unterirdischen Weinkellern versteckt. Wenn hier ein Fremder kommt, dann lassen die noch immer die Läden runter, sagt der F. Die Geschichte prägt, das ist doch überall das Gleiche.

 

Dazu die steigende Kriminalität im Drei-Länder-Eck , Einbrüche und Autoknackerbanden. Und Freiburg so nah, die gute alte bunte Punker- und Studentenstadt, die sich benimmt, als wollte sie einen weltweiten Gentrifizierungswettbewerb gewinnen.

Die Frau vom F. wurde neulich ohne Umweltplakette am uralt-Renault erwischt. Sie solle sich doch bitteschön ein neues Auto zulegen, das der Ökonorm entspricht, empfahl der strenge Ordnungshüter.  Auf ihren Einwand, sie könne sich ein neues Auto nicht mal eben leisten, hatte der gute Mann gewartet. Wissen Sie: Leute, die sich kein neues Auto leisten können, habe dann in Freiburg eben nichts verloren. 

 

 

Geo meint, wir bleiben besser doch im Odenwald.

 

 

 

  • 7 Kommentare
  • Ele 18. Juni 2014
    Antworten

    Mir wird gerade kalt. Sehr kalt.
    Es erinnert.
    Honi soit qui mal y pense

    Ihr habt gut entschieden.

    Grüße über die Hügel
    Ele

    • LandLebenBlog 18. Juni 2014
      Antworten

      Ich nehme an, Du meinst die Freiburger Anekdote?

  • Manuela 18. Juni 2014
    Antworten

    Du meine Güte, WO genau seid ihr denn gestrandet?????
    Das ist ja furchtbar! Da müsst ihr mal nach Mauchen ins Weingut
    Lämmlin-Schindler, da ist es urgemütlich und ein tolles
    Restaurant ist auch mit dabei, aber extra. Dann kannste noch einen
    Abstecher zu mir machen, ist nur 10 Minuten von uns und ihr seid
    glücklich und zufrieden. Damit ihr mal wieder aus dem Odenwald
    raus kommt.
    Markgräflerland und Kaiserstuhl sind halt doch sehr unterschiedlich..

  • Akaleia 18. Juni 2014
    Antworten

    Wunderbar – wunderbar – warum passt das gerade in mein gefühltes Weltbild :(
    HG
    Birgit

    • LandLebenBlog 18. Juni 2014
      Antworten

      Hmmm – ?

  • Katharina 18. Juni 2014
    Antworten

    Ein bewundernswertes Gebäude moderner Architektur. Aber ist es nicht auch die etwas angestaubte, rustikale, alt-eichen Atmosphäre, die dem Wein das gewisse Etwas gibt?
    Das Gefühl der Geborgenheit und der Heimat. Die Wärme. Prasselndes Feuer, knarrender Holzboden, der Geruch von vergangenen Geschichten der Probierstube. Nicht von den neusten Diskussionen des G-8 Gipfels.

    • LandLebenBlog 18. Juni 2014
      Antworten

      Die Reaktionen auf die Weingutsarchitektur sind ja auch hier sehr unterschiedlich. Ich selber finde die Bauten großartig, bin mir aber noch nicht ganz sicher, ob ich sie auch als Weingut großartig finde. Aber die beiden Weingüter haben halt argumentiert (und das leuchtet mir ein): wir müssen neu bauen, und dann können wir nicht einen auf alt machen. Aber irgendwie erfordert es tatsächlich eine ganz andere gedankliche Herangehensweise…..

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