Cinema, Cinema.

 

 

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal im Kino war. Muß so um den Dreh gewesen, als August der Starke Kurfürst von Sachsen war. Oder so.  Mag daran liegen, daß ich nie ein begeisterter Kinogänger war, schon in Berlin nicht, (obwohl das Kinoangebot dort nicht schlecht ist), und daß das Landpomeranzendasein auch so schon ganz großes Kino ist, mit Viechernversorgen und HausinOrdnunghalten und Gemüsegarten und Schneeschippen und so.

 

Aber manchmal überkommt mich doch die KinoLust.

 

Gloria, Viktoria.

Gloria, Viktoria.

 

Aber da gibt es in ländlichen Gegenden eben ein gewisses strukturelles Problem. Das Kinosterben ist keine Erfindung der Großstädte.

 

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In der nächsten größeren Kleinstadt liegt das Gloria seit knapp vier Jahren im Dornröschenschlaf, und bislang findet sich offenbar niemand, der es da rausholen möchte. Mitten in der Altstadt eine heruntergekommene Hütte, mit eingeschlagenen Schaukästen und bröckelndem Putz. Da blutet selbst mir als Kinoverweigerer das Herz.

 

 

Im ganzen riesigen Landkreis von der Größe des halben Saarlandes gibt es noch zwei andere Lichtspieltheater, und eines davon bietet neben den üblichen Haudrauf- oder Haha-Blockbustern einmal wöchentlich sogar sowas wie Programmkino. Für viele in der Region aber viel zu weit weg. Wer will schon nachts um 23 Uhr noch eine kleine Weltreise, heim durch die Odenwälder Finsternis, machen?

 

Was die Flying Doctors in Afrika sind, oder Essen auf Rädern für un-bewegliche Alte und Kranke, ist in Baden-Württemberg für Filmfans das Kinomobil. Ein Kleinbus, der Projektor und Filmrollen und Leinwand an Bord hat und überall da aufbaut, wo Leute  Kino gucken wollen.  Geht eigentlich fast überall, wos dunkel ist. Nachmittags gibts Kinderfilme, abends cineastische Erbauung für Erwachsene.

 

Wie groß der Bedarf – und wie fortgeschritten das Kinosterben auf dem Land – ist, zeigt ein Blick auf die Homepage: Aktuell fährt das Kinomobil regelmäßig in fast 70 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg. Allein in unserem Landkreis gibt es inzwischen an drei Orten rollendes Kino.

 

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Foto: kinomobil

 

Coole Sache, wenn man dann in irgendeiner Sport- und Festhalle sitzt und Popcorn mümmelt, oder im katholischen Pfarrheim oder in der Aula einer Grundschule. Das hat ja durchaus was. Kino mal ganz anders. Noch cooler fände ich es, wenn sich Leute – angeregt vom Kinomobil, oder parallell dazu, – zusammenfinden und das Gloria wiederbeleben würden.  Filmclubmäßig, sozusagen.  Was die in Berlin hinkriegen, müssten wir doch auch können. Wäre doch gelacht.

 

 

 

8 Kommentare

  1. Das ist ja eine großartige Sache, die Kinomobile – Brigitte (Allerlei) erzählt uns ja so etwas von Frankreich auch.
    (Auch mobiles Theater etc..)
    Traurig ist es aber definitiv, dass die feststehenden Einrichtungen leider verkommen…gut, ich bin auch keine Kinogängerin.
    Danke übrigens für deinen Tip der Blogparade über die Heimat – interessantes Thema und ich bin auch beruhigt wie unterschiedlich es erlebt wird.
    HG sendet Dir
    Birgit

  2. das kinomobil ist toll. ich nutze meine immer selteneren wientage für kino. aber dann für ganz spezielle filme. hier muss ich auch mindestens 40 km fahren und dann eben nächtens heim – das mache ich so gut wie nie. wobei es einige programmkinos gibt, die durchaus interessantes spielen.
    liebe grüße aus dem schnee
    ingrid

  3. Unsere Freunde im Allgäu trommeln jedes Jahr im Sommer Freunde, Bekannte, Kollegen, Nachbarn usw. zusammen, mieten das Kinomobil und veranstalten im eigenen Grundstück ein Open-Air-Kinoabend mit anschließendem gemütlichen Zusammenhocken am Lagerfeuer.
    Wäre doch sicher auch eine überlegenswerte Idee für euren ländlichen Raum und das dörfliche Miteinander. Vielleicht entstehen dabei auch ein paar Ideen für das Gloria.
    VG Ilonka

  4. Projektor? Filmrollen? Ich gebe dem Kinomobil leider nicht mehr lange, zumindest was aktuelle Filme angeht.

    Warum? Nun unser Dorfkino z.B. (Höchst im Odw.) steht so ziemlich vor dem Aus, da sie zum einen kaum noch neue Filme auf Rolle erhalten und zum anderen sich den mind. 5-stelligen Betrag zur Umstellung auf digitale Projektoren nicht leisten können. Das vermutlich bald letzte Kino im Odenwaldkreis in Erbach hält sich nur, weil sie vor ein paar Jahren die Modernisierung gewagt haben. Die knapsen aber immer noch dran…

    Ist echt blöd, denn ich mag unser Kino. Mit seinem angeranzten 70e-Jahre Charme. 🙂
    Gleich um die Ecke, praktisch Werbefrei, Filme fange pünktlich an, ein Familienbetrieb. Fällt das weg hätten wir nur noch Erbach i. Odw., Erlenbach am Main und eben Darmstadt. Da überlegt man es sich aber schon 10x bevor man überhaupt losfährt.

    • Die stellen dieser Tage tatsächlich auf digital um – vielleicht hätte ich das erwähnen sollen…. Aber die Entwicklung ist in der Tat echt schade, und ich wundere mich schon, daß sich nicht mehr Unterstützer für die wenigen noch bestehenden Kinos finden. Ffreunde aus Berlin berichten, daß ihr „Filmclub“ einmal wöchentlich ganz ausgewählte Filme vor vollem Haus (!!) spielt – und das bei rund 100 Kinos in Berlin. Publikum gibts da also. Hier im ländlichen Bereich nicht? Hmmm.- (Ich darf ja so gesehen gar nicht meckern, nachdem ich selber nie ins Kino gehe)

  5. Und genau umgekehrt funktioniert das in der goßen Stadt. Kino an ungewöhnlichen Orten heißt das. http://frankfurter-kinowoche.de/
    Der erste Film, den ich dort sah war „Africa Queen“ im dunkel dampfigen Palmenhaus des Palmengartens. „Der Frosch mit der Maske“ im Abwasserzentrum Niederrad war auch ganz toll. (Ich musste ständig an Roland Koch denken.)
    Oder gar diese verlorene Perle „Diva“ im Postzentrum.
    Vielleicht bringen sie dieses Jahr „Lovers left alive“ in der Industriebrache Gallus.

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