Menschen.

 

 

Persönliche Schlaglichter aus der vermeintlichen Provinz.

 

Heute: Michael Hahl.

 

Ursprünglich…

aus dem Landkreis Ludwigshafen/Rhein …

 

 

In den Odenwald gezogen…

bin ich im Februar 1998.

 

 

Meinen Lebensunterhalt…

verdiene ich als selbstständiger Geograph.

 

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Mir gefällt hier…

natürlich die Natur, also naturnahe Kulturlandschaften, viel Wald, teils noch richtig schön gewässerdynamische Bachläufe, das Gestein, hier also der Sandstein, das Vulkanrelikt Katzenbuckel … Mir gefällt das unmittelbare Nebeneinander von Mensch und Natur, besser: Miteinander; und dass hier Natur noch als solche erlebt werden kann, was in stärker besiedelten und industrialisierten Ballungszentren im Grunde gar nicht mehr möglich ist.

 

Während ein Raum wie die Rheinebene, die fraglos auch ihre schönen Landschaftselemente hat (etwa die Rheinauenreste oder die renaturierten Baggerseen), letztlich eben doch eine vom Menschen stark überformte, technisierte, geradezu „verkünstelte“ Umgebung bietet, kannst du hier im Odenwald noch – im wahrsten Sinne des Wortes – naturnahe Kulturlandschaften finden, in denen sich ein Mensch geborgen und gut aufgehoben fühlen kann, jedenfalls ein naturbezogener Mensch, der für diese Lebendigkeit um sich herum empfindsam und offen ist.

 

Meinen Weg vom Ludwigshafener Landkreis in den südlichen Odenwald habe ich deswegen gewählt, weil Naturverbundenheit für mich ein wertvolles Stück Lebensqualität bedeutet, und weil ich spürte, dass ich diese Nähe zum Naturlebendigen in meinem Leben suchte und nach wie vor möchte.

 

Man muss allerdings dazu sagen, dass „Odenwald“ ja nun auch nicht gleich „Odenwald“ ist, und dass das, wo ich seit 16 Jahren wohne, sozusagen als verschärfter Odenwald gelten dürfte: ein etwas abgelegenes Häuschen in einem Talausläufer eines Waldbrunner Ortsteils. Man muss dazu wiederum sagen, dass ländliche Region heute nicht mehr dieselbe Abgrenzung zu einer städtischen Region darstellt wie noch vor wenigen Jahrzehnten, denn Auto, Medien, Internet usw. relativieren die scharfe Abgrenzung.

 

 

 

An einem sonnigen Tag im Sommer…

sitze ich leider oft am Laptop und muss etwas arbeiten, aber gerne auch auf meiner Terrasse, auf einer Wiese, an einem Bach, oder ich laufe da, wo es nicht allzu sonnig heiß, sondern angenehm schattig ist. Unangenehm sind die Zecken, die Sommerwiesen mitunter zu Tabuzonen machen, und in manchen Jahren auch die Wespenarmeen rund ums alte Bauernhaus. Ansonsten ist es herrlich, wenn Drinnen und Draußen eins werden, wenn sowohl bei der Arbeit als auch privat alle Fenster und Türen offen stehen können und die Natur rund ums Haus wie ein zweites, ein endloses Zimmer ist.

 

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An einem verschneiten Wintertag…

sitze ich leider auch oft am Laptop, aber besonders gerne am warmen Holzofen – oder ich drehe eine Runde durch den winterlichen Wald, freue mich, wenn es bizarre Eiszapfen in der gefrorenen Eisigklinge gibt, oder wenn der Schnee auf den Wiesen in der Wintersonne glitzert, ansonsten warte ich aber – spätestens ab Ende Januar – gerne auf den Frühling. Ich mag es nicht besonders, wenn man die Waldwege, die jetzt oft hoffnungslos zugeschneit sind, nicht mehr laufen kann; dann fühlt es sich manchmal „eng“ an im Odenwald.

 

Während meine Kinder sich über den Schnee freuen, merke ich, dass ich offenbar der Wahrnehmung meiner – mit 104 Jahren verstorbenen – Oma näher gekommen bin, die es vor dem Winter grauste. Ganz so schlimm ist es bei mir aber noch nicht. Dennoch, ja, beim Thema Schnee gibt es einen deutlich wahrnehmbaren Unterschied zwischen Stadt und Land: Der Winter schlägt auf dem Land im Odenwald einfach härter und länger zu als irgendwo in der Stadt. Und manchmal muss man sich im Januar oder Februar oder spätestens im März, wenn es dann immer noch kalt und vereist ist, schon auch mal fragen, warum man eigentlich nicht in südlicheren Gefilden lebt, wo das Jahr etwas dauerhafter lebendig ist als im Odenwald. Spätestens im Frühling wird dann aber alles wieder gut und auf dem Land umso besser.

 

 

Gut essen…

gehe ich im Moment ganz gerne in der regionalen Küche des „Little Africa“ in Diedesheim, könnte aber durchaus noch einige mehr heimische Gasthäuser empfehlen, wobei ich in Bezug auf die Nahrungsaufnahme meistens der eigene bescheidene Küchenchef bin. (Zur Beurteilung meiner diesbezüglichen Fähigkeiten am besten meine Kinder fragen …)

 

Seit Jahren nehme ich mir übrigens ausgiebigere Selbstversorgung auf der ans Haus grenzenden Wiese vor und schaffe wegen chronischen Zeitmangels dann doch wieder nur, wenn’s hoch kommt, Tomaten – oder ein klein bisschen mehr. Vielleicht ändert sich das ja 2014, vielleicht auch nicht. Zum Glück gibt es dann wenigstens noch die Apfelbäume, die Beeren, die Mirabellen – fürs aufkommende Erntedank- und Transition-Gefühl auf dem Lande. Es ist für mich jedoch durchaus gut zu wissen, dass der ländliche Raum, also im Speziellen mein Grundstück mit Wiese und Scheune und Co., im Falle eines weiteren volkswirtschaftlichen Einbruchs durchaus ein gewisses zukunftsfähiges Selbstversorgerpotenzial hat; möglicherweise kommt der Tag, an dem wir dies als Existenzgrundlage zu schätzen wissen.

 

 

Theater, Konzerte und Museen…

– bitte?!? Okay, im Ernst: Ja, da möchte ich nicht ganz drauf verzichten. (Nicht nur) hierfür ist von meinem ländlichen Wohnort aus das Auto unverzichtbar (gegebenenfalls gekoppelt an die S-Bahn ab Eberbach). Ich mag es durchaus, dass man hier im südlichen Odenwald einerseits sehr ländlich leben, andererseits aber auch ganz schnell mal in Heidelberg – gegebenenfalls auch im kleineren Mosbach sein kann, wenn man Lust auf spezielle Veranstaltungen haben sollte. Das brauche ich aber nicht besonders häufig; dies ging mir im Übrigen in meiner „städtischen Zeit“ auch nicht anders. Es sind besondere Anlässe, die ich schätze, aber nicht Woche für Woche einrichten muss. Gute Konzerte gibt es allerdings auch beispielsweise im Städtchen Eberbach, da muss ich nicht gleich ins verdichtete Innere der Rhein-Neckar-Agglomeration eindringen. Für einen Museumsbesuch nehme ich dagegen gerne auch mal eine Tagesfahrt in Kauf, etwa nach Speyer (in die Pfälzer Heimat quasi), nach Mannheim oder Stuttgart.

 

 

Darüber nachgedacht, wieder in die Stadt zu gehen…

– hmmm … Ich nehme an, mit „Stadt“ ist jetzt so ein urbanes Gebilde ab wenigstens 80.000 Einwohner aufwärts gemeint? Das kann ich mir weniger vorstellen, wobei es städtische Inseln gibt, die sich sehr angenehm anfühlen können, auch beispielsweise im Raum Ludwigshafen, wo ich – wie gesagt – herkomme. Doch es würde mir etwas fehlen.

 

Um die Frage, wann ich darüber nachgedacht habe, eventuell wieder in eine Stadt zu gehen, ganz ehrlich zu beantworten: Das war (oder ist) anlässlich der grässlichen – keineswegs ökologischen oder nachhaltigen – Windkraftpläne, die unsere naturnahen Wälder und die gesamte Qualität dieser ländlichen Landschaft derzeit massiv bedrohen. Dazu kam mir vor einigen Monaten schon der Gedanke, dass ich im stillen Ludwigshafener Stadtteil Maudach, wo ich vor 16 Jahren lebte, womöglich ruhiger leben könnte als im Waldbrunner Höllgrund, wenn die Windenergie-Industrie quasi vor meine bislang so wunderbar abgeschiedene Hauspforte in die naturnahen Wälder gestampft werden würde. Daher engagiere ich mich – nicht ohne energiepolitische Alternativen aufzuzeigen – gegen solche Windpark-Pläne, zusammen mit einer ganzen Menge Gleichgesinnter, die offenbar ebenso noch wertzuschätzen wissen, was unsere Gegend hier zu etwas ganz Besonderem macht: das Miteinander von Mensch und Natur!

 

 

Wenn ich hier etwas ändern müsste/könnte…

dann würde ich diese schwer bedenklichen Landschaftsverschandlungspläne ändern zugunsten einer seltsamen Profitgier, die sich als energiewirtschaftliche Notwendigkeit tarnen möchte, aber wie starr und wie abgestorben scheint für das, was die Menschen in den nächsten Jahrzehnten doch immer mehr lernen sollten: den Respekt vor der Natur. Oft verstehe ich nicht, was den Menschen fehlt, wenn sie so unkritisch und geradezu fanatisch eine Industrialisierung der ländlichen Region zulassen oder gar aktiv fördern; es ist merkwürdig, so, als ginge Menschen, die einst einen ausgeprägten ökologischen Bezug hatten, im Zuge der aktuellen Visionen einer fehlgeleiteten, da naturfernen „Energiewende“ etwas verloren, vielleicht in ihrem Herzen.

 

 

Meine Freunde in der Stadt meinen…

diese Ecke sei der Arsch der Welt.

 

 

„Die“ Landmenschen…

gibt es nicht: Auch hier leben solche und solche. Ich bin oft auch immer wieder erstaunt, wie naturfern manch ein Landmensch sein kann, oder wie egal es vielen zu sein scheint, was aus der ländlichen Natur, aus ihrer Umwelt gemacht wird.

 

Darüber kann man nun lange nachdenken und könnte viel dazu schreiben. Alteingesessene Menschen, deren Familien jahrzehnte- oder jahrhundertelang intensiv in einer noch relativ wilden Natur mit dem Überleben und der Existenzsicherung und Versorgung beschäftigt waren, haben nicht immer dieselbe Achtung beispielsweise vor Wildtieren, wie sie zugereiste Luxusstädter zuweilen haben. Ja, manchmal fällt mir auf, dass Zugereiste, die sich sehr bewusst für diese Landschaft entschieden haben, den Wert dieser Umwelt umso höher einschätzen können. Aber das trifft natürlich – wie immer – nicht generell zu; es gibt auch die von Grund auf mit der Natur verbundenen alteingesessenen Seelen, vor denen ich großen Respekt habe.

 

 

Wenn ich alt werde…

ja … Das ist eine gute Frage: So, wie ich hier wohne, ist manches durchaus beschwerlicher als in einem Städtchen vielleicht, und ob man mit 80 noch die Wiese mähen und Brennholz herein tragen möchte, das sei dann mal dahin gestellt. Aber: Warten wir`s ab!