Ausgekotzt.

 

 

Sehr geehrte Frau Baum,

liebe Kollegin,

 

mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag im Feuilleton der ehrwürdigen FAZ gelesen.

Da haben Sie sich ja mal so richtig ausgekotzt. Einmal volle Pulle drauf auf die Landkarte, mittig,  auf den Odenwald. Den es so im Übrigen gar nicht gibt, meiner Meinung nach, es gibt verschiedene Odenwalde, einen hessischen und einen badischen und einen fränkischen zum Beispiel. Aber seis drum.

 

Wer suchet, der findet.

Wer suchet, der findet.

 

Und ich gebe Ihnen ja recht: die Eternit-Architektur mancherorts, die Straßendörfer, die Strukturschwäche, das ist nun nicht der Brüller, zugegeben. In unserem Teil, dem badischen, sieht das allerdings auch  anders aus. Finde ich. Aber ich bin ja auch nur zugezogen. Aus Berlin im Übrigen.

 

Außerdem machen Sie ja keinen Unterschied. Odenwald ist Odenwald und Hölle ist Hölle und Eternit ist überall.  Einmal mittig draufgekotzt. Immer raus damit. Sowas soll ja reinigend sein.

Und: Volltreffer. Wobei ich mir  das Todesurteil sogar selbst gegeben habe. Bin als Berlinerin freiwillig in die Odenwaldhölle gegangen. Man stelle sich das vor. Und Sie, der Odenwaldhölle entkommen, Sie sind jetzt die echte Großstädterin, die Journalistin aus Berlin. Wow. Da könnte ich fast neidisch werden.

 

Aber ich freue mich lieber. Ich bin froh und dankbar über Ihren Artikel. Ja, ehrlich. Sie haben mir die Augen geöffnet. Endlich.

 

Die Jugendlichen hier sind alles arme Seelenkrüppel, abgeschnitten von der Welt. Kiffen, rauchen, saufen, huren. Alles heimlich. Die tun nur so, als wären sie glücklich auf dem Land. Reiner Selbstschutz.

Ich meine (nur als aktuelles Beispiel), daß die dieser Tage als zehn, zwölf, vierzehn Heilige Drei Könige verkleidet durch die Dörfer ziehen! Hallo? Dazu werden die sicher gezwungen. Von ihren ewigkochenden, selber unterdrückten Müttern. Und natürlich von der Kirche (mir fällt auf, Sie haben gar nicht auf die Kirche gekotzt, auf die verlogene Frömmigkeit und die bigotten Pfarrer, das gehört in so einen Artikel einer coolen Berliner Autorin aber unbedingt mit rein!).

 

 

Und daß die Jugendlichen morgens an der Haltstelle zu mir nicht „Fick Dich, Alte“ sagen, sondern „Guten Morgen“ oder „Hallo“ – das kann doch nicht normal sein. Das Ergebnis schwerster frühkindlicher Provinztraumata, wenn ich es recht bedenke. Aber es kommt noch besser: die sind hier so dämlich, so verbogen und verknetet, die gehen sogar ohne Waffe in die Schule.

Daß ich das bisher nicht bemerkt habe.

 

Auch die Vereinsmeierei. Sie haben ja recht. Das hat nichts mit Verbundenheit und Freundschaft und Heimat zu tun (gleich zwei so peinliche Wörter), sondern vermutlich bloß mit Alkoholkonsum. Der sich hier tarnt als Sozialleben. Wie dämlich ist das denn? Sozialleben findet bei facebook statt, aber doch bitte nicht im Dorfgemeinschaftshaus.

Daß ich das früher nicht bemerkt habe.

 

Lesen? Nein, lesen kann hier niemand, wenn ich recht darüber nachdenke. Die Menschen können allenfalls erzählen, Geschichten von früher, Oder solche über die Nachbarn. Weil man die halt kennt. Und sich hin und wieder um die kümmert. Soziale Kontrolle der übelsten Art!, sonst nichts. Und das allerschlimmste: auf dem Land gibt es Männer, die ihre Frau anbrüllen. Sie legen! den Finger! in die Wunde! Treffender kann man die deutsche Provinz nicht beschreiben.

Daß ich das früher nicht bemerkt habe.

Von Ihnen kann ich noch viel lernen.

ballen2

 

Und dann überall die Felder und die Ställe. Langeweile pur, bei Lichte besehen. Romantischer Quatsch, und stinken tut es obendrein. Wo man sich Obst und Gemüse doch im Bioladen kaufen kann. Was soll der Blödsinn mit der Landwirtschaft? Naja, den Provinznasen fällt halt nichts Besseres ein.

Daß ich das früher nicht bemerkt habe.

 

(und jetzt auch noch die häßlichen Windräder überall – ich meine, wer? will? Biostrom? Noch so ein Humbug. In Städten wie Berlin liegt die Energie ja förmlich in der Luft, was brauchen wir da eine Steckdose?).

 

 

Und ewig das Gequassel von Familie. Wer will schon Kontakt zu Oma und zu Opa, Cousinen und Cousins? Wer cool sein will, muß ein heimatloser Lonesome Rider sein. Oder ein Schlüsselkind. So nannte man das früher in Berlin. Ich war ein Berliner Schlüsselkind, und wenn ich recht darüber nachdenke, war das vielleicht doch ziemlich lässig, immer allein zu sein und nirgends einen nervigen, erwachsenen Ansprechpartner zu haben.

Daß ich das früher nicht bemerkt habe.

Gut, daß ich das jetzt mal aus Sicht einer großstädtischen Autorin aus Berlin sehe.

 

 

Verbretter, vernagelt, eingesperrt und dumm. Jawoll.

Verbrettert, vernagelt, eingesperrt und dumm. Jawoll.

 

 

Ach so, wo wir grade bei Berlin sind. Da ist ja vieles besser. Eigentlich alles. Die Luft, das Grün, die Lebensqualität. Die Offenheit der Menschen. Die Toleranz. Der Intellekt. Die Kultur allüberall. Die Architektur sowieso.

Besonders so Ecken wie Marzahn haben es mir immer schon angetan, Marzahn oder die Gropiusstadt, oder auch Reinickendorf und Lichtenrade oder Spandau. Da gibt es keine häßlichen Häuser und keine Spießer; und Männer, die ihre Frau anbrüllen, muß man mit der Lupe suchen. Nehme ich an. Sie werden das besser wissen. Falls Sie jemals schon in diesen Ecken waren.

 

Wenn nicht: Ich lade Sie herzlich ein: bei meinem nächsten Besuch in Berlin machen wir mal eine kleine Stadtrundfahrt. Damit Sie mal was von der Welt kennenlernen. Offensichtlich ist Ihr Blick bislang noch etwas – Sie verzeihen den Begriff – provinziell.

 

Herzliche Grüße aus dem Odenwald!

 

P.S. Was ich noch vergessen habe: die Weschnitztalbahn. Die ist wahrscheinlich heute noch genauso klapperig wie früher. Im Vergleich zu schicken Sprinter-ICEs. Wie die Madonnenlandbahn und die Frankenbahn letzten Endes auch. Wie alle diese kleinen Regionalbahnen in der Provinz.

Westfrankenbahn1

Foto: Gärtner.

 

 

Auch häßliche Bahnhöfe gibt es immer noch zuhauf. Dafür haben Sie ja jetzt aber in Berlin den schicken teuren Hauptbahnhof. Dieses Prachtstück aus Stahl und Chrom und Glas.

Vielleicht kotzen sie beim nächsten Mal einfach dort, von der obersten Etage einmal schwungvoll bis in die Tiefebene, quer durch Stahl und Chrom und Glas. Mir jedenfalls ist immer danach, wenn ich dieses Bauwerk sehe und gleichzeitig an die kaputtgesparte Infrastruktur in der Provinz denke.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

64 Kommentare

  1. Vielleicht wäre es tatsächlich besser gewesen, hätte Frau Baum ihren (…) „vom Odenwald ohnehin schon verwüsteten Kopf mutwillig vollends verwüstet“ (…) vielleicht „wäre sie dann jetzt tot oder Drogendealer, oder hätte aufgegeben“ (…)

    Aber unter „Meine Heimat: Odenwaldhölle“ zu firmieren ist natürlich mehr als fragwürdig.

    • Liebe Friederike, DANKE für den köstlichen Kommentar!
      Einen schönen Tag im Badischen Odenwald, der nicht hinter einer Mauer liegt!

  2. Bin zwar selbst Odenwald-Flüchtling, aber die Hölle, welche Frau Baum da beschreibt, kenne ich nicht.

    Mir scheint, die Dame hat ganz andere Probleme.

  3. Die liebe Frau Baum hat das im Feuilleton geschrieben, das heißt es ist literarisch gemeint. Subjektiv so empfunden und daher authentisch. Der Artikel ist Teil einer „Heimat-Erleidung“, wie sie auf Berliner Lesebühnen sehr oft zu hören ist. Oft ist Brandenburg oder die schwäbische Alb das handelnde Landleben. Typisch für den Artikel: Die nächste große Stadt ist Frankfurt. Hallo? Die Großstädte Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg sind kaum 20 km entfernt. Die Weschnitztalbahn braucht von Birkenau nach Weinheim lässige 10 Minuten. Aber zu dieser Zeit kannten die Kinder kein Maxx Ticket. Sie hatten nur ihre Monatskarte zur Schule in Rimbach. Und ihre Eltern hatten kein Geld für die Tickets nach HD, MA oder LU oder verstanden die Kinder nicht, hatten keine Zeit.
    Selbst das Rhein-Neckar-Zentrum in Viernheim war daher fast unerreichbar.
    Ich kann diesen Hass nachvollziehen, diese ewige Langeweile und das Unvermögen sie von alleine zu durchbrechen. Doch, diese Langeweile hatte ich immer wieder als Nachbar aus der Ebene beobachten können. Und ich arbeite seit 37 Jahren in der Nachbarstadt von Birkenau.
    Auch die Drogengeschichte. kenne ich, nicht aus eigener Erfahrung, aber doch.
    Es ist ein Artikel einer nicht integrierten Frau in ihrer Pubertät, alleine gelassen. Man muss nicht aus der Türkei sein, um als Kind nicht integriert zu sein.
    Das ist die Story. Und natürlich wäre das in Spandau genauso, oder in Mahrzahn, in Mannheim-Schönau oder in Frankfurt-Bockenheim.
    Es ist zufällig Birkenau. Ich persönlich mag Birkenau, den Ort der Sonnenuhren. Aber dort wohnen wollte ich auch nicht.
    Es ist eine Pubertätsgeschichte. Willkürlich, erlebt, empfunden.

    Und ich kenne viele glückliche Menschen aus Birkenau, Mörlenbach oder Rimbach, überhaupt dem Odenwald. Viele davon sehe ich am Dienstag wieder bei der Arbeit.

    Aber das prosaische Ich der Frau Baum erlebte das eben anders.

    (Meine 5 Cent)

    • Ich glaube gern, daß das authentisch ist. Ich selber bin – zugegeben – froh, daß ich in der Großstadt aufgewachsen bin. In mancherlei Hinsicht. In anderer bedaure ich das. Manches scheint mir hier auch für Jugendliche beneidenswert. Heutzutage. Was mir nur (auch als Journalistin) sauer aufstößt, ist das un-differenzierte. Wir Provinzmenschen sind da manchmal sicher auch zu sensibel, vor allem, wenn das Draufschlagen aus Richtung Berlin kommt. 😉

    • Also jetzt muss ich aber auch mal was sagen.
      Seit meiner Geburt lebe ich im Nebendorf von Mörlenbach.
      Heute bin ich 20 Jahre alt.
      Ich habe meine komplette Kindheit in genau der genannten Region, welche Frau Baum so kritisiert, gelebt und bin sogar auf die selbe Schule gegangen.
      Bei Ihnen klingt es gerade so als hätte Frau Baum in der unmittelbaren Nachkriegszeit dort ihre Kindheit und Jugend verbracht. Ohne Geld und alles.
      Falsch gedacht. Damals gab es das Maxx-Ticket schon. Und es gibt wohl genug Freizeitangebot. Insbesondere die MLS in Rimbach oder die TG Rimbach bieten ein großes Spektrum an Freizeitbeschäftigung an.

      Also da tut es mir wirklich Leid, aber wer anfängt zu saufen, klauen und rauchen/kiffen, nur weil er selbst keine Eigeninitiative zur Integration hat, der bekommt absolut kein Mitleid.

      Das die Anbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an Wochenenden und in den Abendstunden absolut schlecht ist, kann ich bestätigen. Aber mit 18 hat man in der Regel noch kein Abi und ggf ein Auto. Parkplätze gibt es wie Sand am Meer 😉

      Zur Zeit studiere ich in der Stadt und ich finde es wirklich immer wieder sehr schön wenn ich nach Hause komme in meinen Odenwald. In das schöne Tal in dem mein Heimatort liegt. In dem meine Familie zuhause ist und man all die bekannten Gesichter wieder sieht.

      Da hätte Frau Baum ja beispielsweise auch mal arbeiten gehen können. Immer wieder mal als Bedienung, dann hätte sie sich vllt auch die Bahnkarte bezahlen können.
      Wie kann man nur so gegen diese Region sein!? Und all diesen Hass aus sich heraus lassen. Und die Fehler an der Region suchen?
      Vielleicht sollte sich die Dame mal an die eigene Nase fassen und überlegen was sie falsch gemacht hat.
      Man sieht eben immer nur das was man sehen will. Und wenn man lieber an einem Bahnhof gammelt und hin und her fährt als in einem Verein das HipHop-Tanzen zu lernen oder im Leichtathletik erfolgreich zu sein (Ja die haben sogar einen Bus mit dem man quasi kostenlos zu Wettkämpfen in Städten kommt) dann tut es mir für diese Frau leid.

      Ich selbst, und auch viele meiner ehemaligen Mitschüler, haben das Beste aus dieser Kindheit und Jugend gemacht. Das eigentlich alle totale Assis sind muss da wohl an uns vorbei gegangen sein….

      Liebe Grüße !

  4. Ich bin in einem schwäbischen Dorf aufgewachsen. Ich kann die Polemik der Autorin sehr gut verstehen, weil es mir damals genauso wie ihr ging. Das Problem der „Dorfidylle“ ist nämlich, dass, wenn man dort aufwächst, man mitbekommt, dass es nur eine scheinbare ist. Man weiß, dass man, wenn man auf irgendeine Art und Weise etwas „anders“ ist, ein bisschen abweichend, ein bisschen individuell, sehr schnell in dieser Dorf“gemeinschaft“ isoliert ist. Man weiß sehr wohl um die „geistige Wüste“, die Engstirnigkeit, die dort anzutreffen ist und – das ist das Schlimmste daran – dass es davor kein Entkommen gibt (ausser der Flucht in Alkohol, Drogen usw.).
    Sie selbst sind in „die Provinz“ gezogen. Freiwillig. Und das macht ja eben den fundamentalen Unterschied aus, denn Sie haben sich Ihr Dorf ausgesucht. In Ihrer polemischen Antwort werfen Sie der Autorin zudem einzelne Punkte vor, die sie gar nicht geschrieben hat oder so nicht (z. B. hat sie sehr wohl ganz genau geografisch bezeichnet, welche Gegend sie beschreibt; sie schreibt ausdrücklich, dass sie in diesen Ort „hineingeworfen wurde – im Gegensatz z. B zu Ihnen und mit Verlaub, auch auf dem Dorf gibt es natürlich Kriminalität [was ich übrigens besonders schlimm damals fand, ist diese Mentalität des unter-den-Teppich-kehrens selbst schlimmster Verfehlungen wie Kindesmissbrauch], Gewalt und Niedertracht).
    Es ist unbestritten, dass Großstadtleben ein anderes ist als Kleinstadtleben oder Dorfleben. Es ist unbestritten, dass in Berlin die meisten Zugezogenen aus der Provinz kommen, aber Ihr arrogantes „Damit Sie mal was von der Welt kennenlernen“ ist doch ziemlich unangemessen. Meiner Meinung haben alle den gleichen Respekt für ihre Entscheidung verdient, ob sie in die Großstadt ziehen oder wie Sie, von der Großstadt auf’s Land.

    • Sie wissen doch: wir Berliner können furchtbar arrogant sein. Und am arrogantesten werden wir, wenn zugezogene Berliner sich als arrogante Berliner outen. 😉
      Und, unter uns: auch bei uns wird nicht alles so heiß gegessen, wies gekocht wird.

  5. Ich habe Tränen in den Augen. Nicht wirklich wegen der Worte der einen oder anderen Journalistin. Oder der Kommentare. Oder doch. Ist das nicht geil, dass wir das dürfen? Dass wir das können? Dass wir irgend wie alle diesen Deutschlehrer hatten, der uns mit der Ringparabel und Nathan, mit „Rolltreppe abwärts“ und dem Grips-Theater, mit „Schafe blicken auf“ und den Möglichkeiten ein Hörspiel zu machen und den Ermunterungen die Fresse aufzumachen, aufzustehen und für irgend etwas einzustehen aus dieser Hölle geholt hat! Meine Hölle hieß Westfalen und mein Vater starb mit 45 an den Folgen des Bergbaus. Meine Hölle hiess Buslinie 42 und die Sitze waren nicht weniger trostlos als im Weschnitztal. Die Eternitverschanxelung und die mit de-ce-fix beklebten Haustüren waren auch nicht schöner. Jetzt lebe ich hier in der Odenwaldhölle und die Tränen Habe ich nicht mehr nur in den Augen. Hoffentlich gibt es in der höllischen Eifel und dem verschandelten Weserbergland, dem öden Bergischen Land und der Kulturwüste der Oberpfalz solche Deutschlehrer, die uns nicht nur vor dem Absturz in Saufer-, Dealer-, und Hurerei bewahren, sondern uns ermöglichen: zu lesen, zwischen den Zeilen; Zu schreiben, in gedrechselten Sätzen und mit Kommata, die nur ein Wort weiter gesetzt uns schmunzeln lassen; textimmanent und soziokulturell zu reflektieren, zu hinterfragen, Verständnis zu haben und einfach Freude an der Auseinandersetzung. Es geht, so will ich mal diese Poetikregel des am Anfang raus-kommen-Wollens versuchen, vielleicht weniger um die Hölle des Odenwaldes, als vielmehr um Die Dankbarkeit, diesen Lehrer gehabt zu haben. Vielleicht kann Sie es nur nicht so sagen: vielen Dank Herr Pfingst! Hochachtung Herr Kirchner! Was aus mir geworden wäre, ohne Sie, nicht auszu denken.
    Was ein Blog in instagram und ein Neujahrsgruss in einer Zeitung mit Fraktur an einem Dreikönigsfest-Sonntag anrichten können. Es hat aufgehört zu regnen. Ich muss raus in die Hölle. Sweet home Alabama all Winter Long.

    • Schwimm nicht so weit raus! Und ja, dafür bin auch ich dankbar – und da hat die Kollegin Baum den Nagel tatsächlich auf den Kopf getroffen: Danke an die paar Lehrer, die was drauf hatten und uns was mitgegeben haben. Egal, wo.

  6. Mir drängt sich die Frage auf, warum ausgerechnet die FAZ so etwas veröffentlicht. Verzweifeltes Sommerloch (denn dieser Winter ist ja nun wirklich zu warm)?? Vermutlich hat sich die Redaktion der Titanic geweigert. Oder haben wir nur nicht dieselbe Schnittmenge für Humor, wie Frau Baum? Oder sind wir einfach mal die knappe 20 Jahre zu alt, (weil älter als die junge Kollegin, ähem) um das nachvollziehen zu können oder wollen? Frau Baum lässt die Welt wissen, dass sie ihrem Deutschlehrer das Überleben verdankt, aber eben diesem Deutschlehrer ist es vermutlich zu verdanken, dass Frau Baum so unfassbar undifferenziert kotzt. Meint sie das wohl ernst? Die Arme!

  7. Seit heute morgen denke ich über diesen Eintrag nach. Und nun haben schon ein paar Leute geschrieben, was auch mir auf der Seele lag. Nehmen Sie das nicht persönlich, Madame Friederike. Es geht nicht um den Odenwald. Denke ich.

    Tatsächlich erkenne ich vieles aus dem Artikel aus meiner eigenen Jugend wieder. Als Teenager, der sich nicht für Kirchenchor und Querflöte interessiert hat, konnte man schon ziemlich durchdrehen auf dem Land. Zweimal am Tag ein Bus in die 20.000-Einwohner-Kleinstadt. Aber natürlich nur in der Schulzeit. Fährt man halt per Anhalter. Meine Freunde haben alle gekifft wie die Weltmeister. Zwei aus meiner Clique sind später an ihrer Heroinsucht gestorben. Wir unbändigen jungen Leute sind hier auf wenig Verständnis gestossen. Wenn ich nicht die letzten drei Jahre im Internat meiner Schulzeit verbracht hätte, wer weiß wohin die Reise gegangen wäre (oder wo sie gar geendet hätte). Dort gab es glücklicherweise ein paar Erwachsene, die sich mit einem wilden jungen Mädchen auseinander setzen konnten und wollten.

    Natürlich ist nicht alles toll in Berlin. Aber ich bin sofort nach dem Abitur in die Großstadt gezogen, erst nach Hamburg, dann nach Berlin. Und das war dann der erste Ort an dem ich mich wirklich verstanden gefühlt habe. Keine Exotin mehr zu sein, habe ich als große Befreiung empfunden. Ich habe es viele Jahre sehr genossen.

    Es ist ein riesiger Unterschied, wie schon gesagt, ob man freiwillig da lebt, odenwald oder was immer, und auch wie alt man ist.

    Das hat mich jetzt alles so umgetrieben, dass ich die Tage was ins Blog schreiben muss. Brüte noch. Danke für den Hinweis.

    • Ich glaube das alles gerne, und ich glaube jeder persönlichen Schilderung einer vermurksten, einsamen Kindheit. Aber ist das wirklich ein Thema von Land vs Stadt? Ich meine: nein. Und ich könnte auch allerlei beisteuern zum Thema vermurkste einsame Kindheit. Mitten in Berlin.

      • Ich meinte keine vermurkste einsame Kindheit. War weder das eine noch das andere. Ich meinte Provinzmief, Kleingeistigkeit und keine Möglichkeit, dieser zu entrinnen. Lehrer voller Vorurteile. Frontale Autorität. Verständnislosigkeit für Unangepasstheit. Kein Jugendclub, keine Disco, keine Konzerte, ein Kino mit Blockbuster. Überhaupt kein Ort für junge Menschen.

        Doch: Kolpinggruppe, katholische Landjugend, Leistungsturnen.

        Ja. Prima.

        • Und ich meine (nein, ich weiß es): Provinzmief, Kleingeister und Vorurteile gibt es genauso in der Stadt. Und wenn man nicht jemanden trifft, der einen an die Hand nimmt und da rausholt, dann isses da genauso essig. Aber ich gebe zu: Die Chance, da jemanden zu treffen, der einen an die Hand nimmt, mag größer sein in der Stadt. Auf der anderen Seite ist die Gefahr, daß man jemanden trifft, der einen an die Hand nimmt und in die falsche Richtung zieht, auch größer.

          • Ja, das stimmt. Aber genau darauf wollte ich hinaus: Der Radius ist größer und die Auswahl- und Fortbewegungsmöglichkeiten. Das birgt natürlich auch Gefahren. Es ging mir auch nicht darum, wer es nun schlechter hatte, sondern lediglich, dass ich vieles in diesem Artikel wiedererkannt habe. Ich hätte alles dafür gegeben, in der Stadt aufzuwachsen. Ohne einen Schimmer, was das en Detail bedeutet.

          • Es kann en Detail genauso vermurkst und beschissen sein wie überall sonstwo auf der Welt.

  8. Ich gratuliere der Kollegin der FAZ! Sie hat sehr gut beobachtet – nachvollziehen können das wohl nur Menschen, die dort AUFGEWACHSEN sind. Freiwillig zugezogen zählt da leider nicht. Sorry! Aber hat doch wahrscheinlich auch kaum einer gelesen im Odenwald, oder? FAZ- oder Süddeutsche-Abo war zumindest zu meiner Zeit noch nicht postalisch möglich – heute wahrscheinlich online!?!!?

    • Man kann im Odenwald aufgewachsen sein, nicht rauchen, kaum trinken und sogar die FAZ lesen. Selbst wenn man später die große weite Welt entdeckt, in Großstädten oder auch im Ausland lebt und problemloseren Zugriff zum Internet hat, dann kann man dennoch dankbar sein, wenn man mit etwas Phantasie und ein paar echten Freunden eine wundervolle Kindheit im Odenwald haben durfte. Und irgendwann wählt man vielleicht dahin zurück zu kehren, damit die eigenen Kinder auch Lagerfeuer am Sportplatz machen können, Staudämme im Bach bauen, Hütten im Wald und dann mit 15 mit dem Mofa(-roller) in die Kleinstadt fahren, wo es genauso viele intelligente oder dumme Jungs gibt wie in der Stadt. Es gibt überall die gleichen Probleme und Heimat (als Wohlfühlort) hat für mich mehr etwas mit Menschen/Familie/Freunden zu tun, als mit einem Ort. Egal, ob er Odenwald oder Berlin heißt.

  9. Bravo, liebe Friederike!
    „Hölle ist Hölle und Eternit ist überall…“ hat mir richtig gut gefallen!
    Noch eines: im Gegentum zum Berliner Großkotzbahnhof wird der Ihrige Odenwälder Kleinbahnhof redlich und längst bezahlt sein.
    Wir hier im Ruhrgebiet erleben das auch immer wieder, dass wir bedauert werden, in dieser armen Hölle dahinvegetieren zu müssen.
    Das düstere Bild des grauen und verrußten Ruhrgebietes ohne Chance auf einen blauen Himmel wird immer wieder gern einmal hervorgeholt.
    Na ja, wenn ich es mal so richtig schön haben möchte, fahre ich eben in die „Ostzone“. Da ist alles ganz neu. ;-))
    Liebe Grüße!

  10. Armes Mädel, verschleppt von kriegsgeschädigten Eltern – die müssen ihr Trauma an die Tochter weitergegeben haben …
    Irgendwo hat sie allerdings ja auch Recht – aber das gleiche könnte man auch z.B. über das hessische Ried schreiben, und zahllose andere deutsche Siedlungsräume …
    Es ist halt immer noch erkennbar, dass da früher nicht die wohlhabendsten Menschen gelebt haben..
    Immerhin erkennt sie den Odenwald selbst als Landschaft als schön an
    Vielleicht mal Urlaub nehmen – in einer brasilianischen Favela
    Und nach einer durchzechten Nacht am 1. Januar keine Artikel schreiben.
    Die Antwort hier im LLBlog gefällt mir – absolut kompetent 🙂

  11. Sie haben vielleicht recht. Jung sein ist immer kacke, heute, vor zwanzig, vor hundert Jahren, manche schaffens nicht.

    Jede Generation aufs Neue.
    There’s Kerosene around, something to do

    Warum noch klagen, warum überhaupt schreiben, alles schon so oft gesagt.
    Irgend jemand ist beleidigt.
    Heiti Deiti Sternensinger.

  12. Nicht weit von der besagten Gegend auf dem Dorf im Flachland aufgewachsen, trieb es mich vor langer Zeit in die Großstadt — wunderbar! Erst als ich meine Kinder zwischen den roten Backsteinhäuserzeilen aufwachsen sah, sträubte sich etwas in mir dagegen … und seit einem Jahr wohne ich wieder in meinem Heimatdorf … mit einem gewissen Respekt vor denen, die hier geblieben sind und nie weg wollten! Ich kann Ihre „Gegendarstellung“ voll und ganz unterschreiben!

  13. ein Glück dass Frau Baum mit ihrem Trauma der „verkurksten Kindheit“ den Weg nach Berlin gefunden hat.
    Mal sehen was sie über ihre „neue-alte-Heimat“ in 10-15 Jahren schreibt, wenn sie wie z.B. iGing dorthin mit Kind und Kegel zurück kommt.?? 🙂

  14. Ernsthaft, dieser Text ist so unglaublich gut! Mehrmals hab ich laut gelacht – da haben Sie’s einfach auf den Punkt gebracht.

  15. Wirklich sehr amüsant und eindeutig den Nagel auf den Kopf getroffen 🙂
    Es sollte vielleicht gesagt sein, dass jeder für sein Leben selbst verantworlich ist. Wenn man sich also dafür entscheidet zu stehlen und Drogen zu nehmen, dann bitte schön.
    Ich bin im Odenwald aufgewachsen und habe es genossen Freunde und Familie in der Nähe zu haben. Man grüßt sich auf der Straße und kennt sich einfach. Auch wenn man etwas „ab vom Schuss“ wohnt, kommt man gut zu Schule oder Freunden. SPäter sicherlich mit dem Moped oder Roller, aber wer will, der findet einen Weg.
    Die Probleme von Frau Baum haben sicherlich auch andere Jugendliche im Odenwald, so wie es zahlreiche Jugendliche auch sicherlich in Berlin oder sonstwo haben. Es ist eben eine Selbstfindungsphase und man entschiedet sich für einen Weg. Fehler darf man machen, sicherlich werden Drogen probiert oder man pöbelt auch mal rum, aber man sollte dann später nicht sagen, dass es nur am Umfeld lag.
    Wenn Frau Baum eben ein solcher Teenager waren, dann könnten sie vielleicht mal selbstreflektierend schreiben und anderen damit ein Vorbild sein. Wie sie nun ihre Kindheit und Jungend beschreibt ist das höchstens für sie hilfreich. Wenn dem so ist, wünsche ich ich alle gute damit.
    Ich für meinen Teil bleibe im Odenwald. Ich hoffe das meine Kinder später dankbar dafür sind.

  16. Ich bin in Frankfurt aufgewachsen. Mittendrin.
    Großstadt also.
    Wenn wir Verwandte auf dem Land besuchten, fand ich das einen oder zwei Tage lang toll, dann bedrückte es mich. Es war mir zu eng, gab zuviele Fliegen, zuwenig Bewegung/Hektik, und vor allem verstanden die Kinder auf dem Dorf mich nicht, und ich sie nicht.
    Prägung.
    Heute lebe ich in Berlin, und Aufenthalte auf dem Land sind für mich die reinste Erholung. Ich fühle mich wohl dort, es macht mich froh.
    Aber: nach kurzer Zeit fällt mir wieder die Decke auf den Kopf.
    Es kst dieser Mangel an Wahlmöglichkeiten und Mobilität, den ich auf Dauer nicht gut aushalte, und ich kann mir gut vorstellen, dass man als Jugendliche sehr darunter leiden kann.
    In einer Zeit, in der man die Welt kennenlernen möchte, in der man alles aufsaugt und hungrig nach Neuem ist.
    Der FAZ-Artikel ist, meiner MEinung nach, nichts anderes als eine persönliche Bilanz. Das Abrechnen mit einer, als unglückliche empfundenen Zeit.
    Hätte die Autorin in Franken gelebt, oder im Allgäu, dann hätte sie auch dort nur das wahrgenommen, was ihr nicht gefiel, weil es ihr offenkundig nicht gut ging.
    Ich würde diesen Artikel gar nicht auf den Odenwald beziehen.
    Es geht um Einsamkeit, und sonst nichts.
    Die Einsamkeitt in der Stadt gibt es auch, ja. Aber dort hat man immer die Hoffnung, dass sich in dem Meer von Menschen jeden Augenblick einer finden ließe, der so ist wie man selbst.
    Auf dem Land kennt man seine Pappenheimer, und hat diese Hoffnung vielleicht nicht mehr.

    So jedenfalls schildern es mir Freudinnen, die wie die Autorin auch, in die Großstadt geflohen sind und dort glücklich wurden.

    Ich musste einige AMle sehr lachen bei deinem TExt. Klasse geschrieben!

  17. Moin Moin allerseits….

    Also ich bin auch aus Hamburg in die Hölle gezogen und muß sagen, hier ausm Orrewald mag ich nimmer weg! Hier gings Leben erst richtig los, auch ohne ein Drogendealer oder Alki zu sein! Hut ab oder???

    Die gute Frau Baum war doch sicher selber total zugeballert mit irgendeinem Drogenmix, oder nicht? Wohl grad mal durchn Bahnhofs Zoo geschlendert und die falsche Kippe mit den falschen Freunden geteilt….wahrlich unglaublich die Mutti!!!

    Es hat mich sehr verwundert, daß diese Zeilen überhaupt abgedruckt wurden! Was ist das für ein HETZER-VEREIN da? Echt unreal…….

    Ich hoffe der Frau Baum wird noch richtig ans Bein gepisst nach der Aktion und ich als zugezogener lach dann am Lautesten!!!

  18. Immer wieder wird gesagt man soll den Artikel nicht auf den Odenwald beziehen, es hätte ja auch eine andere Gegend sein können.
    Ja aber ich glaube genau DAS ist das Problem.
    DAS sie eben eine Region benannt hat und diese jetzt mit ihren neuen, tollen Titeln wie Odenwaldhölle leben muss.
    DAS ist die eigentliche Sauerei!
    Sie hätte ja einfach nur vom „Land“ sprechen können.
    Aber nein. Der Hass dieser armen, verwirrten Frau muss die Menschen und eine bestimmte Region treffen.

    Ich glaube jeder, wirklich jeder hätte sich angegriffen gefühlt, wenn sie die Region angegriffen hätte in der manch andere lebt.
    Und jetzt heißt es wieder „regt auch nicht auf“. Traurig.
    Dabei würde es anders genau so laufen.
    Und bitte beachtet mal das Alter der Autorin und eures.
    Das soll kein Angriff sein.
    Aber ob man vor 50 oder 20 Jahren auf dem Land aufgewachsen ist, ist ein großer Unterschied 😉

    UND BITTE! AUF DEM LAND LEBEN NICHT NUR BAUERN DIE AUF DEM BAUERNHOF ARBEITEN. Das sollten die lieben Leute die nur die Stadt kennen mal lernen. Die haben in ihrem Leben auch wahrscheinlich nie so tolle Dinge gemacht wie bspw ein Gänsekücken in der Hand zu halten und zu streicheln!

    Und die FAZ soll mal von ihrem hohen Ross runterkommen.
    Wird denn alles erst dann literarisch wenn es „beschimpft“ und „kritisiert“ wird? Ich denke nicht. Es gibt genug Literatur bei der nichts beschimpft wurde. Und sie glauben ja wohl nicht das dieser lausige Artikel zur Schullektüre wird 😀 Also wirklich. Lächerlich ist das daran zu glauben!

  19. Was ist passiert? Es gibt einen feuilletonistischen Artikel, der die Unzufriedenheit und die persönlichen Empfindungen der Autorin über ihre Jugend nachzeichnet! Hart, schonungslos und gar nicht herzlich, genau so, wie wir Deutsche es absolut nicht mögen. Wenn ich das nicht so empfinde, kann ich mir meinen Gedanken darüber machen, kann lachen, mich ärgern – aber Nachdenken sollte sein.
    Ich bin in einer kleinen Stadt aufgewachsen, die Großstadt war nicht weit weg, wenn man wollte fuhr man hin, nutzte das breitgefächerte Angebot. Schon damals dachte ich, wenn ich unterwegs in ländlichen Gegenden war – Gottseidank musst du dort nicht leben! Heute mit 60 Jahren denke ich dass noch viel intensiver, wenn ich mich in abgelegenen Gegenden, in der Provinz aufhalte. Was machen die Jugendlichen dort eigentlich. Klar, Feuerwehr, Fußballverein, Tischtennis, Musikverein – man arrangiert sich und findet das gut – und findet für alles eine Rechtfertigung, eine Begründung. Das braucht man, um zufrieden zu sein! Glücklich?

    Sie Frau Kroitzsch hatten eine andere Sozialisation – von der Großstadt aufs Land. Eine bewusste, persönliche Entscheidung mit einem akademischen Background okay. Eigentlich lehnen Sie den Kern, die Erfahrungen Ihrer Kindheit genauso ab, wie Frau Baum ihre.
    Nur nicht so deutlich, denn Radikalität ist nicht ihr Ding, ein bissl Kritik, huch nicht zuviel, christlich nächstenliebend soll es sein. Aber, wer sich mit einem Blog, wie dem Ihren so entblättert, so darstellt, muß sich schon fragen lassen, warum? Psychohygiene, Rechtfertigung, unverarbeitete Kindheit? Ich weiß es nicht, Sie möglicherweise?
    Und noch was, dass Sie noch nicht von Jugendlichen angemacht wurden, an Bushaltestellen. liegt sicher daran, dass Sie jede Strecke mit Ihrem SWR 4 – Dienstfahrzeug zurücklegen!

    • Ihr Einwurf passt gerade sehr gut, denn ich denke gerade über eine „Nachdrehe“ nach, die ich demnächst schreiben will. Denn natürlich haben Sie völlig recht: Auch dieses Blog hier ist (nicht nur, aber nebenbei auch) Psychohygiene. Von jemandem, der irgendwo herkommt und irgendwo hinkommt und eigentlich immer auf der vergeblichen Suche nach Heimat ist. (Von jemanden, der im Übrigen gar keinen akademischen Hintergrund hat, ich weiß gar nicht, warum man mir das dauernd „unterstellt“, herrjeh… ;-). Daraus mache ich auch gar keinen Hehl, man kann es an verschiedenen Stellen im Blog sogar nachlesen. Wenn ich nun aber keine Heimat finde, hier nicht und dort nicht, dann sollte ich (und das kritisiere ich eben am FAZ-Artikel ) nicht auf die Regionen einschlagen, und nicht auf die Leute, die hier eben sehr wohl eine Heimat gefunden haben, warum auch immer. Ich für meinen Teil möchte das anders halten, weniger radikal, ja (nicht zuletzt, weil es ja leider immer Leute gibt, die die Frau Kroitzsch vom SWR und die Frau Kroitzsch privat in einen Topf werfen, räusper.) Und ich kann auch gerne zugeben: ich bin manchmal schon sehr neidisch auf die Leute, die hier (oder sonstwo) eine Heimat haben. Deswegen muß ich denen aber nicht ans Schienbein treten, sondern mich auch mal selber an die eigene Nase fassen, und fragen: woran liegts? Diese Reflexion fehlt mir eben in dem FAZ-Artikel völlig.
      Und wo wir gerade beim Reflektieren sind: mit meiner reflektierenden Warnweste bin ich jeden Tag, den Gott werden läßt, zu Fuß im Dorf unterwegs, vor dem Morgengrauen, wenn aber schon ein Haufen Kinder und Jugendliche an den Haltestellen steht und auf den Schulbus wartet. Wir haben sogar zwei Haltestellen im Dorf.

  20. Hallo,

    Ihre Antwort zeigt Größe, innere Werte und Prinzipien.
    Super.
    Der ursprüngliche Artikel ist einfach nur dumm.
    Habe FAZ sofort gekündigt.

    Danke für Ihren Einsatz.

    Viele Grüße Werner Berberich

  21. Auch ich habe meine Kindheit und Jugend komplett auf dem Land verbracht (einen großen Teil davon auch im Odenwald).
    Zudem war ich keineswegs ein angepasster Jugendlicher – mit spießigem Dorf(vereins)leben hatte ich nie was am Hut.
    Und dennoch kann ich behaupten, eine sehr glückliche Kindheit und Jugend gehabt zu haben.
    Wie das sein kann?
    Man lese die Bücher von Astrid Lindgren, dann weis man es.

    Klar, wenn man versucht, eine Jugend, wie sie einem von den vorwiegend städtisch geprägten Medien vorgelebt wird auf dem Land zu verbringen, wird man nicht glücklich.
    Kino, Disco und Party von früh bis spät gibt es hier natürlich nicht.

    Aber es gibt schier unendliche Möglichkeiten, sich jeden Tag von Früh bis spät mit Freunden in der Natur herum zutreiben und jede Menge Abenteuer zu erleben und Unsinn anzustellen 😉

    Das Geheimnis lautet schlicht, Eigeninitiative zu entwickeln und nicht zu erwarten, dass man von früh bis spät von außen „bespaßt“ wird.

  22. Herrlich, ganz einfach herrlich bösartig, Frau Antonia Baum: Ich beglückwünsche Sie von ganzem Herzen zu diesem famosen Artikel, der nur
    so vor Sarkasmus und Zynismus trieft und mir eben deshalb aus der allerschwärzesten „Abgrundtiefe“ meines allertiefsten Inneren spricht: Nichts anderes nämlich hätte ich selbst über das Kaff namens Dielheim (ein genauso an sich völlig unbedeutendes Örtchen in der Kraichgauer Gegend) geschrieben – der Alptraum meiner eigenen Kindheit bzw. meiner frühen Jugend/meines Erwachsenwerdens. Wenn ich mich von dort – im wahrsten Sinn des Wortes – nicht (in leider schon relativ spätem Alter von 18 oder 19 Jahren; selbst daran weigere ich mich genau zu erinnern) „vom Acker gemacht“ hätte, wer weiss, ob ich umgekehrt „meine Kraichgauer Hölle“ überlebt hätte und Ihnen somit auch diese heutigen bestätigenden Zeilen überhaupt (nicht) hätte schreiben können … – Deshalb Frau Baum, nochmals meinen allerherzlichsten Glückwunsch für diesen von Ihnen so grandios verfassten Artikel – ich „liebe“ solche Boshaftigkeiten; die gehen mir runter wie flüssig-warme Butter!
    Klaus-D Knoess (Nestbeschmutzer)

  23. Liebe Frau Kroitzsch,

    großartig ihr Blog! Ich bin über den Odenwaldartikel auf Ihre Seite gestoßen und freue mich sehr, von Ihnen zu lesen!

    Viele Grüße aus der hessischen Provinz!
    Ihre
    Friederike Klinke

  24. Hallo Frau Kroitzsch,

    ich kann meine Empörung über den Artikel von Fr. Baum kaum in Worte fassen, da ich als Rimbacher ja direkt betroffen bin.
    Umso mehr freue ich mich, Ihren Beitrag dazu gefunden und gelesen zu haben. Am schönsten ist, dass Sie aus Berlin kommen und so über meine / unsere Heimat schreiben. Ihr Artikel ist Balsam für die gekränkten Odenwälder Seelen.

    Vielen Dank dafür.

    Gruß aus Rimbach

    Thomas Römer

  25. What a bunch of bullshit from Frau Baum. I was born and raised in Beerfelden im Odenwald. Whenever I am asked where am from my first response is The Odenwald!
    I was born in the Odenwald and hope to die in the Odenwald as it is one of the most beautiful places in the world with wonderful people.
    „I will wieder Hahm“!

  26. Ich komme aus dem Odenwald, ich habe Familie im Odenwald, ich hänge am Odenwald, aber man muss ganz klar sagen, dass es architektonisch einer der hässlichsten Orte der Republik ist, der badische Teil genauso. Man kann da wirklich nur flüchten, und die Tatsache, dass es hässlichste Orte der Republik deprimierend viele gibt oder der Vergleich mit Marzahn etc ändern daran nichts, weil man ja idR als Odenwälder nunmal nicht nach Marzahn flüchtet.

  27. Ein Dialog zum Artikel von Frau Baum (bitte ganz unten mit der Lektüre beginnen).

    > Hallo …,
    >
    > ja, so sehe ich das auch. Wenn die Journalistin einen eindeutigen satirischen literarischen Text verfasst hätte, dann müsste sie allgemeine und nicht reale Ortschaftsnamen verwenden. In ihrer Vita bei der FAS ist zu lesen, dass sie auch literarische Texte und auch einem Roman geschrieben hat.
    >
    > Ich glaube, hier ist einiges durcheinander geraten und die Wirkung des Mischtextes ist der mangelhaften redaktionellen End- bzw. Qualitätskontrolle geschuldet. Die Redaktionen auch der sogenannten Qualitätszeitungen wie der FAS sind durch den immensen Kostendruck der Verlage für die ja weiterhin bestehenden redaktionellen Aufgaben personell unterbesetzt. Ein qualitativ gutes Gegen- und Korrekturlesen von Texten der Kollegen oder Mitarbeiter bleibt dadurch oftmals „auf der Strecke“.
    >
    > Ein solches redaktionsintern unzureichend gegen gelesenes und an den entsprechenden Stellen inhaltlich nicht verbessertes oder zumindest verständlich als literarische Satire gekennzeichnetes Textprodukt hat die FAS an ihre Leserinnen und Leser „ausgeliefert“. Kein Wunder, dass von der Redaktion keine weiteren Kommentare mehr zugelassen sind.
    >
    > Wer glaubt, die Medien seien tatsächlich eine unfehlbare „5. Gewalt im Staate“, der sollte sich über seine eigene Naivität mehr Gedanken als über diesen Text machen. Eine Kritik der FAS an sich selbst in dieser Sache wäre geschäftsschädigend. Deshalb unterbleibt sie auch. Der geneigte Leser könnte ja auf den Gedanken kommen, er habe ein schlechtes Produkt abonniert.
    >
    > Also, viel Rauch um Nichts beim Text? Na ja, er löste einen Diskurs aus. Meinungen wurden postuliert und ausgetauscht, und das ist gut.
    >
    > Euch nen schönen Sonntagabend.
    >
    > Lieben Gruß

    >> Gut, darüber denke ich mal nach…So habe ich das nicht gesehen…aber war es nötig, die Ortschaften zu benennen???
    >>
    >> Euch noch einen schönen Sonntag und grüße an alle

    >> Hallo …,
    >>
    >> Du hast Recht, der Artikel kann nicht mehr kommentiert werden. Ein Grund hierfür wird jedoch nicht genannt.
    >>
    >> Ich denke, die Journalistin hat zwei Textformen miteinander vermischt. Zum Einen einen journalistischen Bericht über eine Region in Deutschland und zum Anderen ein literarisches Stück Satire mit vielen bewussten Übertreibungen als schriftstellerisches Stilmittel.
    >>
    >> Die Aufgeregtheiten kommen sicherlich zuvorderst aus der Wahrnehmung der Leser, dass es sich hier um einen journalistischen Bericht bzw. Artikel mit dem impliziten Anspruch objektiver und wahrheitsgemäßer Beschreibung von Tatsachen handele.
    >>
    >> Insofern ist der FAS zumindest vorzuwerfen, dass die Redaktion die Mischtextform des Artikels und literarischen Stücks ungenügend kenntlich gemacht hat.
    >>
    >> Ich sehe in dem Stück eher die überzeichnete Satire anstatt des journalistischen Tatsachenberichtes, über den sich der Großteil der Kommentatoren echauffiert.
    >>
    >> Nur eine einzige Stelle kritisiere ich: “ Heute könnte man dem Odenwald nur helfen, indem man alle Menschen und Häuser aus ihm rausnähme … .“ Selbst wenn das Satire ist, was es ja aufgrund der faktischen Unmöglichkeit der Umsetzung dieser Forderung ist, der Satz zeigt eine Geisteshaltung der (literarischen und nicht der journalistischen) Autorin, die der eines Misantropen oder sogar eines Antipluralisten und Nicht-Demokraten entspricht: Nämlich einfach unliebsame Menschen entfernen. Palästinenser aus Israel und Juden aus Nazideutschland, Odenwälder aus dem Odenwald … .
    >>
    >> Klingt vielleicht weit hergeholt, aber denk mal über den Gedanken der Autorin genau nach.
    >>
    >> So, das waren meine Gedanken zum Sonntag. Ich gehe jetzt in meinen zweiten Saunadurchgang – nach einem bereits schönen 10KM-Lauf.
    >>
    >> Lieben Gruß

    >>> Hallo …,
    >>> Nein, ich habe keinen kommentar geschrieben, ich glaube gelesen zu haben, das auch keine mehr zugelassen sind.
    >>> Ich möchte zwar auch nie wieder zwischen Birkenau und Rimbach leben müssen und habe emotional auch keinen großen Bezug mehr zu der Gegend, trotzdem fand ich den Artikel überflüssig und die Autorin wollte wohl provozieren und „Scheisse“ auskippen…nicht sehr sympathisch
    >>>
    >>> …wieso sollte man ausgerechnet dort nur klauen können…nonsens

    >>> Gestern hatte ich Besuch von zwei freundinnen, Mit denen ich abi gemacht habe, die mir von dem Artikel erzählt haben…es wurde dann kontrovers disskutiert. ..die Freundin, die bis zum Abitur in mörlenbach wohnte, konnte das geschriebene Gut nachvollziehen…
    >>
    >>> Also, dann mal noch viele Grüße

    >>> Hallo …,
    >>>
    >>> danke und nein, den Artikel kannte ich nicht.
    >>>
    >>> Habe ihn gerade … und mir vorgelesen sowie einige der vielen interessanten Kommentare. Ich denke mal gleich beim Joggen nach, ob ich auch einen Kommentar beitrage. Ein wenig „juckt“ es mich dazu in den Fingern … .
    >>> Habe nicht alle Beiträge gelesen, hast Du einen Kommentar geschrieben und/oder kennst Du einige der Kommentatoren?
    >>>
    >>> Besten Gruß

    >>>> Empfehlenswerter Beitrag von FAZ.NET: Dieses Stück Germany
    >>>>
    >>>> http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/meine-heimat-dieses-stueck-germany-12729846.html
    >>>>
    >>>> Mehr zum Thema unter http://www.faz.net
    >>>>
    >>>> Hallo …,
    >>>>
    >>>> Kennst du den Artikel?
    >>>>
    >>>> Gruß

  28. Geht es bei all den veröffentlichten Beiträgen letztendlich nicht um das Thema: Kleinstädtisch contra großstädtisch. Und wird dabei nicht auch gleichgesetzt: kleinstädtisch sei gleich kleingeistig und großstädtisch gleich weitgeistig?
    Mir scheint, sowohl die FAZ Schreiberin, wie auch ihre Vorgesetzten tragen dieses Thema noch so unverarbeitet in sich, dass es so undifferenziert und heftig zum Ausdruck kam.
    Schade, finde ich, dass eine Zeitung wie die FAZ, die doch einen etwas weitgeistigeren Ruf hat, sich mit diesen im Kern provinziell gebliebenen Schreibenden „schmückt“.

    • Und gerade heute legen sie genau in der selben Art nochmal nach bei der FAZ – nix begriffen, scheint mir. Ich hätte von so einer Zeitung auch anderes erwartet.

  29. Hätte sie nicht doch ein bisschen Recht, dann wäre die Aufregung nicht so groß, gell?

    Tatsächlich ist man im tiefen Odenwald ziemlich abgeschnitten von der Zivilisation, Kultur, Wirtschaft und Einkaufswelt der größeren Städte. Für junge Leute kann das in der Tat eine Hölle sein. Naturerlebnis ist eben nicht alles.

  30. Frau Baum hat so Recht mit ihrem Artikel in der FAZ. Wer mal da sein musste und nicht nur den dortigen Wohnort und ggfs. den Nachbarort kannte, weiss genau, wovon sie schreibt. Und die Reaktion bzw. die Art und Weise dieser Reaktion auf den Artikel kann für sie und alle anderen, die ihre Kindheit in dieser schrecklichen Ecke des Universums verbringen mussten, nur eine Bestätigung sein. Da will man nicht mal tot über´m Zaun hängen.

  31. Bin im ODW. aufgewachsen (geb. 1970) und habe dort eine überaus glückliche Kindheit verleben dürfen. Ich habe nur einen Satz für die traumatisierte Fr. Baum:

    „Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, liegt´s an der Badehose“.

  32. Allein schon bei den ersten Sätzen des original Artikels ging mir das buchstäbliche Messer in der Tasche auf:-(

    Auch später „Als heranwachsender blieb mir nichts anderes übrig als mit dem Rauchen und Kiffen anzufangen und zu klauen um mich zu unterhalten, weil es nichts gab, das unterhielt.“… allein der Satz zeugt schon von bodenloser Dummheit und Ignoranz. ich bin auf einem Hügel grißgeworden in einem 800 seelen Dorf. Ich war als Kind ständig draußen und spielte mit Ziegen, Hühnern und Hunden der Nachbarn. ich hüpfte quer über die sorgfältig gestapelten Heuhaufen, half in den Pferdeställen der Nachbarn usw. Ich abstelte mit meinem Vater in der Werkstatt und im Keller. UND ich konnte mich UNTERHALTTEN. Ich brauchte keine externe Quelle, die mich unterhielt. Ich habe gelsen, Lego gebaut oder einfach gespielt….

    „…die totale Geisteswüste“…. ähm also ich finde grade auf dem Land ist es keine geistige Wüste, weil man da noch Hirn braucht um zu Leben. Da plant man seine Einkaufsfahrten noch anstatt 10 vor 0 Uhr in den Rewe City zu hüpfen weil man eben mal nicht an was gedacht hat

    „das Land ist gefährlicher als die Stadt für den Kopf“…. ja, wenn man nichts mit sich anfangen kann, dann ist man nirgends aufgehoben.*kopfschüttel*

    Mich hat selten ein Artiekl so wütend geamcht.

    Danke, dass Du ihn so herrlich kommentiert hast. Danke. Danke. Danke!!!

    • Hat ja in der Region auch für erheblichen Wirbel gesorgt, dieser FAZ-Artikel. Und ich glaube, Frau Baum sollte ihre Eltern in Rimbach so schnell nicht wieder besuchen. Sie könnte dort Ärger kriegen.

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