Heim.Weh.

Manchmal überkommt mich die Sehnsucht, und dann denke ich darüber nach, ob es nicht vielleicht doch besser wäre, wieder in die Großstadt zu ziehen. In die einzige Großstadt, die diesen Namen verdient: nach Berlin. Und dann mache ich mich wenigstens virtuell auf den Weg dahin und streife durch die Blogs der Hauptstadt.

Foto: Jim Pfeffer/pixelio

Foto: Jim Pfeffer/pixelio

 

Gestern bin ich in der Auguststraße gelandet, Berlin-Mitte.  Und bei der neuen Klientel, die sich jetzt auch diesen Teil der Stadt unter die manikürten Nägel reißt.

Und dann merke ich: sie ist inzwischen verdammt weit weg, meine Heimatstadt. Und verdammt anders, als ich sie in Erinnerung habe. Berlin war irgendwie warm damals, immer ein bißchen miefig-piefig, ein bißchen behäbig, manchmal bierselig, aber nicht un-freundlich. Manchmal vergriff sich die Stadt im Ton, wurde ein bißchen grob, aber das gehörte in Berlin dazu.  Und immer und fast überall konnte man sich wieder aussöhnen mit dieser Stadt.

 

Heute würde ich aggressiv werden in Berlin. So unterschwellig aggressiv, wie diese Stadt selber mir vorkommt, die sich nach außen hin so schick und glitzernd gibt.

Da bleibe ich lieber auf dem Dorf. Ohne Aggression. Nur manchmal mit dieser merkwürdigen Sehnsucht.

 

21 Kommentare

  1. DAS unterschreibe ich genauso! Wobei ich schon so lange nicht mehr in der Heimat war, dass ich es wahrscheinlich gar nicht mehr erkennen würde, mein großes, dickes B an der Spree… 😉

    • Ich stolpere da bei den seltenen Besuchen auch wie eine Fremde durch die Heimatstadt. Die Sehnsucht geht meistens schon am ersten Tag irgendwo im Gewimmel verloren. Meistens. Aber manchmal werde ich doch wehmütig…

  2. Ich denke die Sehnsucht hat jeder mal 🙂 ich wohne auch sehr sehr gerne auf dem Land 😀 aber so ab und an denk ich auch „ach, wie waere es wohl so in einer Grossstadt? wo dich niemand kennt, wo man machen & tun kann was man moechte“ 🙂 auf der anderen Seite ist esdoch schoen wenn jeder jeden kennt und auch untereinander hilft usw.

    Ich denke ich wuerde eingehen in der Grossstadt, ich brauch meinen Platz und auch meine Ruhezonen 🙂

    (ja ich kenn huehner info, ich bin windgefluester dort, bin aber mehr in der Facebook gruppe unterwegs nun 😀 Ich denke sie sind gerade in der Mauser, ich lass die Huehner nun immer erst um 10 Uhr rauss und dann hab ich jeden Tag gerade 1-2 Eier drin 😀 …)

  3. Heute war ich mal wieder erstaunt, wie der Buschfunk hier auf dem Land funktioniert… Ich habe genau zwei Leuten erzählt, dass ich meinen Job zum Ende des Jahres gekündigt habe und eben beim Spazierengehen sprechen mich genau drei Leute drauf an, mit denen ich eigentlich nicht täglich zu tun habe…

  4. Geht mir ganz genauso. Wenn ich am ersten Tag durch die Stadt, die mal meine Heimat war, streife, dann überkommt mich eine ganz große Sehnsucht. Dann frag ich mich: wie konntest du nur jemals von dort weg gehen? Am zweiten Tag ist die Sehnsucht schon kleiner und dann weicht sie der Erkenntnis: das ist ja gar nicht mehr mein heimeliges Insel-Berlin. Das ist eine Großstadt, in der ich nicht leben möchte. Kaltherzig, arrogant, protzig und sauteuer. Aber ich fahre trotzdem immer wieder gerne hin, nehm ne Nase und fahre dann zufrieden wieder heim in die Provinz.

    • So halte ich es inzwischen auch. Wir sollten mal gemeinsam fahren. 😉 Oder uns da treffen. Ichhabe schon -zig Leute aus unserer Provinz hier zufällig in Berlin getroffen. Sehr witzig. Ist halt eben auch nur ein Nest, Berlin.

      • Superidee, Gemeinschaftsausflug von ExberlinerInnen… Wäre sicher interessant, so gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen. Zumal ja jeder von uns an anderen Orten sentimental werden wird… 🙂

  5. Kurt Tucholsky
    Das Ideal
    Ja, das möchste:
    Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,
    vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße;
    mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,
    vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn –
    aber abends zum Kino hast dus nicht weit. …

    – daran musste ich denken, als ich las! Mir geht es auch so!
    So fahren wir halt manchmal …, Gruß Roswitha

  6. Ja, hier hat sich viel geändert in den letzten zehn Jahren. Und es wird sich auch noch viel ändern. Sie achten nicht mehr auf das Gleichgewicht. Die Oberschicht reißt sich die Innenstadt unter den Nagel, die Mittelschicht lebt am S-Bahn-Ring und der Pöbel in den Banlieues. Noch sind wir nicht soweit und ich hoffe, es kommt nicht dazu. Denn dann wird uns diese Stadt um die Ohren fliegen.

    Trotzdem: Ich möchte nirgendwo anders wohnen. Es ist alles, nur nicht langweilig.

    • Du wirst lachen: so gehts mir auch hier in der Provinz: Alles andere als langweilig. Sogar sehr spannend, wenn man die (politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen) Entwicklungen beobachtet, noch dazu aus journalistischer Sicht. Siehe den aktuellen Beitrag von der „Erfolgsstory“. Es ist ein bißchen so, als wäre ich Korrespondentin in Zentralafrika. Ich lebe und arbeite aber nicht in Zentralafrika, sondern in Baden-Württemberg, das seinen Reichtum dauernd vor sich herträgt. Da kommen nicht nur einzelne Gesellschaftsschichten unter die Räder, sondern (will mir scheinen) gleich ganze Regionen. Pech gehabt.

  7. Nach 20 Jahren Theater und Tournee, Jahre in Israel und UK war ich 2000 in B gelandet und dachte, das wärs: 12 Jahre lang alle 6 Monate umgezogen und alle Bezirke und Kieze erkundet. Nichts ausgelassen.

    Jetzt ist die Party vorbei, aber zurück in die Zukunft heißt jetzt meine Devise mit Blick nach vorne in MEINER alten Heimat, die mit einer Viertel Million so provinziell gar nicht ist, Wiesbaden.

    Alles eine Frage der Perspektive: wie im Affenhaus im Zoo, man weiß nicht, ob man von draußen hereinsieht oder von drinnen heraus.

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