Urlaubslektüre.

Daß nun ausgerechnet die super-cool-Kollegen vom Magazin stern in ihrer aktuellen Ausgabe eine ganze (großartige)  Fotostrecke dem Thema „Deutsche Trachten – der verborgene Schatz“ widmen, finde ich ja schon skurril. Oder vielleicht auch gar nicht skurril.

 

Vielleicht ist der stern damit einfach nur mal wieder ziemlich nah an einem Trend dran: Auf dem Münchener Oktoberfest wimmelt es von Dirndl und Co, und jeder eigens angereiste Wiesn- Depp trägt Trachten-Lederhose.  Dabei ist das Dirndl gar keine Tracht, sondern eher ein Arbeitsgewand gewesen, hab ich beim Lesen gelernt. Das heute allgegenwärtige Dirndl damit eher eine Mode, entstanden Ende des 19. Jahrhunderts aus der „kleid-gewordenen Sehnsucht der Städterinnen nach dem ruhigen, einfachen Leben auf dem Lande- denn die Welt der Städter war laut und kompliziert geworden seit der Industrialisierung.“

Kommt mir irgendwie bekannt vor. Vielleicht sollte man vor diesem Hintergrund die ganzen Dirndl-Trägerinnen auf der Wiesn oder sonstwo auch nicht einfach arrogant belächeln, sondern eher mitleidig. Weil sie ihrer Sehnsucht nach dem ruhigen Leben nur mit einem peinlich-grellen Trachten-Imitat Ausdruck verleihen können, bevor sie dann am Arm eines beschickerten Lederhosenlackaffen wieder in ihre Schickimicki-Wuselwelt eintauchen müssen . Oder so.

 

Egal, wie. Ich werde das zum Anlaß nehmen, mich nach dem Urlaub mal nach Trachtentradition im Odenwald zu erkundigen. Vielleicht wirklich ein spannendes Thema. So weit ich bisher weiß, war die Region so arm, daß es nicht mal für anständige Tracht gereicht hat. Gottlob kommt da als Retter nun der Raiffeisen-Markt, das KaDeWe der Landbevölkerung. Zwar ein paar Jahrhunderte zu spät und leider mit der falschen (weil wieder dämlichdirndllederhosen-) Tracht, aber immerhin.

Lederhose

Um die Hose bin ich neulich mal herumgeschlichen, ich gebe es zu. Aber Preußin im Odenwald mit bayerischem Latz? Geht gar nicht. Leider.

9 Kommentare

  1. mich zieht es ab und an ins Allgäu und so auch zum traditionellen Viehscheid Mitte September. Das schrecklichste war, als sich am Tag des Viehscheids in unserer Pension 4 Kölner Paare in Dirndl und Lederhosen pressten und meinten „jetzt gehören wir dazu“ und sich benahmen wie die „Holzkacker“. Für mein Empfinden treten sie damit die Traditionen der alten und sehr schicken Trachten der jeweiligen Regionen mit den Füßen. Die derzeit imm Handel (Lidl; Tchibo u. Co) erhältliche Was´n-Wies´n-bekleidung hat aber auch garnichts mit Tracht zu tun.

    Bin mal gespannt was Du, Friederike diesbezüglich bei Deinen Recherchen im Odenwald heraus findest.

  2. Hah!
    Ich überlege schon eine ganze Weile, ob ich mir keine Trachtlederne kaufen soll. Aber wenn, eine Dreiviertellange. Find ich so cool!
    Unsere vordäneländischen Trachten, sind auch nur schlicht. Und bieder. Hochgeschlossen. Arm eben.

  3. Ich glaube ja, dass die Madl auf der Wiesn Dirndl tragen, weil das die idealen Schaufenster für das Holz ist.
    Sehnsucht nach dem land? Eher nach dem Landarbeiter.

    Im Vertrauen: ich finde Trachten ja schon immer ganz gut.
    Besitze sogar zwei Dirndl, die ich allerdings früher mit T-Shirt und Springerstiefeln trug.

    Jetzt hast du mich auf eine idee gebracht…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.